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 15/11/2019 Tlaxcala, the international network of translators for linguistic diversity Tlaxcala's Manifesto  
English  
 LAND OF PALESTINE 
LAND OF PALESTINE / Warum das, Bruder ? Über die Angriffe auf Kloster und Kirchen in Jerusalem
Date of publication at Tlaxcala: 18/10/2012
Original: ¿Por qué, hermano? Sobre las agresiones contra iglesias y conventos en Jerusalén
Translations available: Français  عربي  فارسی 

Warum das, Bruder ? Über die Angriffe auf Kloster und Kirchen in Jerusalem

Meir Margalit مير مارغاليت מאיר מרגלית

Translated by 
Edited by  Fausto Giudice Фаусто Джудиче فاوستو جيوديشي

 

Warum das, Bruder? Diesmal aber wusste ich keine Antwort. Meist kann ich die Einwände vom Tisch wischen und eine mehr oder weniger überzeugende Antwort geben, diesmal aber blieb ich sprachlos, die Wörter fehlten mir, und vor Scham wusste ich nicht, wohin. Was sollte ich einem Freund, einem katholischen Mönch, antworten, als er mir obszöne Worte zeigte, die ein oder mehrere Doofe am Eingang des Franziskanerklosters auf dem Berg Zion gemalt hatte/n? Er stellte mir eine einzige, zwar kurze aber schneidende Frage: Warum? „Warum, Bruder? “ Und ich weiß keine Antwort.

 

 
Ich hab zwar einige Erklärungen für den Verrohungsprozess, den die israelische Gesellschaft derzeit durchmacht, für den engen Zusammenhang zwischen der Gewalttätigkeit der Ansiedler in den palästinensischen Gebieten und den Angriffen von rechten Banden auf Kirchen in Jerusalem; aber selbst wenn all diese Argumente genügen würden, mit Not und Pein diese schmählichen Vorkommnisse zu erklären, können sie keine Antwort auf diese einfache, schneidende Frage geben: „Warum?“
 
Da bleibt mir nichts anderes übrig, als meinem Freund gegenüber zu stehen, zugleich schamerfüllt und wütend gegen diese Dummköpfe, die genau so handeln, wie andere Dummköpfe meinen Eltern gegenüber im Polen der vierziger Jahre; und ich muss mich immerfort fragen: wie ist das möglich, dass die Christen in Israel nun auf gleiche Art beleidigt werden, wie damals meine Vorfahren? Wie hat  eine solche Generation extremistischer Rassisten unter uns auftauchen können? Und sollte die Bezeichnung anderen Leuten übertrieben scheinen, dann müssen sie mir erklären, warum Leute, die in Europa Synagogen überfallen, als Rassisten und Neonazis angesehen werden sollen, aber nicht diejenigen, die in Jerusalem Kirchen überfallen.
 
Der Vergleich mit den antisemitischen Angriffen in Europa stimmt aber nicht. Nämlich sind jene Gruppen in Europa eine Minderheit und eine Randerscheinung, wobei ihre israelischen “Zwillingsbrüder“ nun „Mainstream“ geworden sind, sie spiegeln die Vox Populi wieder, und sie agieren vollkommen unbestraft, in der Gewissheit, von der Regierung unterstützt zu werden. Wie könnte es auch anders sein, als ein Parlamentsmitglied sich vor einem Monat erdreistet hat, ein Exemplar des Neuen Testaments in Stücke zu reißen, und die Regierung darauf nur mit ein paar missbilligenden Worten reagiert hat?
 
Deswegen sage ich, dass das Problem nicht diese Idiotenbanden sind: Das Problem ist die Regierung selber, die darauf nicht reagiert. Und das Rabbinerestablishment ist ebenso schuldig, das sie bloß in die Arme nimmt, und viel mehr tun könnte, da diese Leute mehrheitlich im Namen Gottes und des Vaterlands handeln. Zwar ist das nichts Neues, zwar hat es in diesem Land seit jeher eine marginale, rassistische und ausländerfeindliche Subkultur am Rande gegeben; seit kurzem aber wuchern diese Gruppen und mehren sich und sind eine Mehrheit, also viel gefährlicher geworden.
 
Nicht nur die Christen im Heiligen Land sind gefährdet. Diese Gruppen sind vor allem für die in der Diaspora lebenden jüdischen Gemeinschaften eine Gefahr: Dass nämlich antisemitische Gruppen, ganz gleich wo, vor solche Beleidigungen gestellt, Repressalien gegen die einheimischen Synagogen ausüben, ist mehr als selbstverständlich. Haben jene Doofe, als sie ihre obszönen Worte malten, an die Folgen gedacht, die es für die jüdischen Gemeinschaften weltweit haben würde? Sind sie im Stande, sich vorzustellen, in welche heikle Situation ihre „Brüder“ weltweit geraten würden, wenn der Angriff auf das Kloster die Schlagzeilen sämtlicher Zeitungen machen würde?
 
 
Ich war mit Brüdern zusammen, als sie von den Schandtaten erzählten, denen sie in den letzten Monaten ausgesetzt worden sind. Die einen erzählten von obszönen Beschimpfungen, die anderen waren mit Eiern und Steinen beworfen worden. Das Schlimmste war, als ein Bruder und Veteran berichtete, wie am Vorabend eine Gruppe junger „religiöser“  Juden ihn angespien hatte, als er durch die Altstadt spazierte, und er bloß mit „Jag Sameah“ - „Alles Gute zur Chanukkah“ - die in dieser Woche gefeiert wurde, geantwortet hatte.
 
Das wird uns teuer zu stehen kommen. Die hebräische Tradition lehrt uns, dass eine der Ursachen für die Zerstörung des Tempels von Jerusalem der fehlende Respekt vor dem Nächsten war. Aus dieser Metapher kann man schließen, dass der Staat Israel zu Grunde gehen wird, und zwar nicht wegen Feinde von außen, sondern wegen fehlenden menschlichen, moralischen und ethischen Werten, ein Trend, der neulich in unserem Land um sich greift. Wollen wir einem solchen Zusammenbruch vorbeugen, so müssen wir stets gedenken, dass alle Menschen, und nicht nur die Juden, als Ebenbild Gottes geschaffen worden sind, und so diesem dahinsiechenden Land den gesunden Menschenverstand und die Herzlichkeit zurückbringen, die wir nun so hart vermissen.




Courtesy of Tlaxcala
Source: http://www.tlaxcala-int.org
Publication date of original article: 12/10/2012
URL of this page : http://www.tlaxcala-int.org/article.asp?reference=8399

 

Tags: PalästinaIsraelJerusalemAngriffe gegen ChristenZionismusRassismus
 

 
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