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 07/12/2019 Tlaxcala, the international network of translators for linguistic diversity Tlaxcala's Manifesto  
English  
 MAPS & GLOSSARIES 
MAPS & GLOSSARIES / Claude Hagège, Sprachwissenschaftler: „Die eigene Sprache aufzwingen heißt, die eigene Denkweise aufzwingen“
Date of publication at Tlaxcala: 08/09/2012
Original: Claude Hagège: "Imposer sa langue, c'est imposer sa pensée"
Translations available: Italiano  English 

Claude Hagège, Sprachwissenschaftler: „Die eigene Sprache aufzwingen heißt, die eigene Denkweise aufzwingen“

Michel Feltin-Palas

Translated by 
Edited by  Fausto Giudice Фаусто Джудиче فاوستو جيوديشي

 

 Soll man sich wegen der Vorherrschaft der englischen Sprache sorgen? Sind die nationalen Sprachen zum Absterben verurteilt? Weder chauvinistisch gesinnt noch überholt zieht der Sprachwissenschaftler Claude Hagège eine scharfsichtige Bilanz der heutigen Lage.

 
Die eben verlaufene Woche der französischen Sprache hat es nicht geschafft, die Leiden des  alten Claude Hagège zu lindern. Denn der große
 
Foto Yann Rabarier/L'Express

Claude Hagège in fünf Lebensdaten

1955:  Besteht die Aufnahmeprüfung in die Ecole normale supérieure 
1966: Durchführung der ersten sprachwissenschaftlichen Feldforschung im Kamerun
Unterrichtet seit 1988 im Collège de France
2009 Dictionnaire amoureux des langues (  Wörterbuch eines Liebhabers der Sprachen,Herausgeber : Plon). 
2012 
Contre la pensée unique (  Gegen das Einheitsdenken, Herausgeber :Odile Jacob) 
Sprachwissenschaftler zieht eine  kategorische Bilanz: nie hat in der ganzen Geschichte der Menschheit eine Sprache  „einen so breiten Wirkungskreisweltweit gekannt, wie heutzutage die englische“. Dabei weiß er nur zu gut, was er hören wird. Das Französisch zu verteidigen sei ein ranziger, „franschouillardischer“ (dümmlich französischer), vergangenheitsbezogener Kampf. Die Grille eines alten  Griesgrams, ohne jeden Sinn für Modernität. Daraus macht er sich nichts. Denn nach seiner Einschätzung bedeutet diese Vorherrschaft eine Drohung für das Erbgut der Menschheit. Und schlimmer noch: diese „Einheitssprache“ kann in ein „Einheitsdenken“ münden, dem Geld und Verbrauchalles ist. Nur mit der Ruhe: Hagège macht sich zwar Sorgen, defaitistisch ist er aber keineswegs. Einen Beweis dafür liefert dieses Gespräch wo jedermanfrau eins auf den Deckel kriegt.
 

Wieso beschließt man, wir Sie es getan haben, sein ganzes Leben den lebenden Sprachen zu widmen? 
 

Das weiß ich nicht. Geboren und großgezogen wurde ich in Tunis, einer mehrsprachigen Stadt. Doch glaube ich nicht, dass das als Erklärung genügt; meine Brüder haben ja einen ganz anderen Weg eingeschlagen.

Welche Sprachen haben Sie als Kind gelernt?

 Zu Hause sprachen wir französisch. Aber meine Eltern haben mich zum Teil in Arabisch unterrichten lassen - und sich dabei als recht offen erwiesen, denn damals wurde Arabisch als eine Kolonisiertensprache  angesehen. Hebräisch hab ich auch gelernt, und zwar die beiden Formen: die biblische und die israelische Sprache. Und auch konnte ich italienisch, denn unter meinen Musiklehrern haben mehrere italienisch gesprochen.

Wieviele Sprachen sprechen Sie?

Geht es darum, die Idiome aufzuzählen, deren Regeln ich kenne, so sind es mehrere Hunderte, wie die meisten meiner Kollegen. Wenn es nur um jene handelt, in denen ich mich leicht und mühelos ausdrücken kann, so ist die Antwort eher zehn.

Viele Franzosen denken, dass die französische Sprache zu den schwierigsten zählt und deswegen  den anderen „überlegen“ sei. Stimmt das wirklich?

Ganz und gar nicht. Erstens gibt es keine « überlegene » Sprache.  Das Französisch hat sich nicht wegen angeblicher sprachlicher Qualitäten gegen das Bretonisch oder Gaskonisch behauptet, sondern weil es die Sprache des Königs und dann der Republik war. Übrigens ist es immer der Fall: eine Mundart nimmt nicht wegen dem Reichtum ihres Wortschatzes oder der Komplexität ihrer Grammatik überhand, sondern weil der Staat, der sie benutzt, militärisch  - das war z.B. bei der Kolonisierung der Fall - oder wirtschaftlich- da haben wir mit der Globalisierung zu tun- der Stärkere ist. Zweitens ist Französisch nicht so schwer wie russisch, arabisch, georgisch, Fula oder vor allem Englisch.

Englisch ? aber das benutzen doch alle, oder fast alle!

Sehr viele sprechen „Airport-Englisch“, das ist was ganz anderes! Das Englisch der Muttersprachler dagegen ist nach wie vor ein schauriges Idiom. Insbesondere die Rechtschreibung ist furchtbar schwierig: denken Sie sich z.B., dass das „ou“  auf fünf  unterschiedliche Weisen ausgesprochen werden kann (throughroughboughfour und tour). Außerdem ist Englisch eine ungenaue Sprache, und deswegen ist ihr Anspruch auf Universalismus umso ungerechter.

Wieso ungenau?

 Ja natürlich. Nehmen wir z.B. die Flugsicherheit. Am 29. Dezember 1972 ist in Florida ein Flugzeug abgestürzt. Der Kontrollturm hatte folgenden Befehl abgegeben: „ Turn left, right now “, d.h.  „ Sofort nach links!“ Der Pilot hatte aber „ right now“ als „jetzt nach rechts“ aufgefasst, was zur Katastrophe geführt hat.“ Und in der Diplomatie, bei der englischen Fassung der berüchtigten Resolution 242 der UNO im Jahre 1967, die das „ withdrawal of Israel armed forces from territories occupied in the recent conflict" empfiehlt. Nach Einschätzung der arabischen Länder muss sich Israel aus „den“ besetzten Gebieten - i.e.: aus allen Gebieten- zurückziehen.  Dabei meint Israel, ein Rücktritt aus „besetzten Gebieten“ - d.h.: nur aus gewissen Gebieten -genügt.

Soll man deswegen gegen das Englisch derart losziehen?

Ich ziehe gegen das Englisch gar nicht los. Ich ziehe gegen jene los, die aus dem Englischen eine universelle Sprache machen wollen, denn diese Vorherrschaft kann leicht zum Absterben anderer Idiome führen. Ich würde ebenso heftig das Japanisch, Chinesisch oder Französisch ankämpfen, wenn sie sich dasselbe vornehmen würden. Nun eben bedroht derzeit das Englisch die anderen Sprachen, da in der ganzen Geschichte keine andere Sprache je so häufig auf den 5 Kontinenten benutzt wurde.

Inwiefern ist das störend? Ist ein Zusammentreffen verschiedener Kulturen nicht immer eine Bereicherung?

Ja, das Zusammentreffen der Kulturen schon. Nur problematisch ist: die meisten Menschen, die  behaupten, dass „man Fremdsprachen lernen soll “  nur eine einzige Fremdsprache lernen, und zwar Englisch. Das ist eine Bedrohung für die ganze Menschheit.

Würden Sie so weit gehen?

Nur uninformierte Leute denken, dass eine Sprache nur zum zur Kommunikationda ist. Eine Sprache ist auch eine Denkweise, eine Weltanschauung, eine Kultur. So z.B. gebraucht man auf Hindi das selbe Wort für „gestern“ und „morgen“. Uns wundert es, aber diese Bevölkerung unterscheidet zwischen dem, was vorhanden ist: „heute“ - und dem, was nicht vorhanden ist: bei einer solchen Auffassung gehören gestern und morgen derselben Kategorie an. Wenn ein Idiom abstirbt, ist das ein unermesslicher Verlust, gerade so wie ein Monument oder Kunstwerk, das zu Grunde geht.

Die EU umschließt aber 27 Länder,  ist da Englisch als Mitteilungssprache nicht sehr bequem? Wir geben ja ein Riesengeld für Übersetzungen aus!

Das nenne ich aber eine Riesendummheit! Europas Reichtum liegt eben in ihrer  Vielfalt. Wie es der Schriftsteller Umberto Eco sagt, „ ist Europas Sprache die Übersetzung“. Denn die Übersetzung- die nicht so aufwendig ist, wie behauptet wird- hebt die Unterschiede zwischen den diversen Kulturen hervor, verherrlicht sie, erlaubt uns, den Reichtum des anderen zu begreifen.

Eine gemeinsame Sprache ist doch ganz praktisch, wenn man auf der Reise ist, und das führt keineswegs zur Verdrängung der anderen!

Da täuschen Sie sich aber. Die ganze Geschichte ist ein Beweis dafür: Die Idiome der dominierenden Staaten führen oft zum Absterben derer der Dominierten. Das Griechisch hat das Phrygisch verschlungen. Das Latein hat das Iberisch und das Gallisch getötet. Derzeit sterben jedes Jahr 25 Sprachen ab! Eines müssen Sie verstehen: ich bekämpfe nicht die englische Sprache; ich kämpfe um die Erhaltung der Vielfalt. Ein armenisches Sprichwort fasst meine Auffassung wunderbar zusammen: „ Du bist so viele Male ein Mensch, wie Du Sprachen kannst.“

Sie gehen noch weiter, indem Sie behaupten, dass eine Einheitssprache schließlich  zum Einheitsdenken führen würde.

Das ist ein grundlegender Punkt. Man muss begreifen, dass die Sprache das Denken jedes Einzelnen strukturiert. Einige meinen, dass man ein französisches Denken auf Englisch fördern kann; sie täuschen sich. Wenn man die eigene Sprache aufzwingt, zwingt man hiermit auch seine Denkweise auf. Wie es der große frz. Mathematiker Laurent Lafforgue erklärt, nicht weil die frz. Mathematikschule einflussreich ist, kann sie immer noch auf Französisch publizieren, sondern sie ist mächtig, weil sie auf frz. veröffentlicht, denn so wird sie auf andere Wege es Nachdenkens  gebracht.



Kein Volk ohne Sprache, keine Sprache ohne Mitspracherecht 
Ben

Ihrer Einschätzung nach ist die englische Sprache auch Trägerin einer gewissen neoliberalen Ideologie.

Ja. Und diese Ideologie bringt unsere Kulturen in Gefahr, insofern sie sich hauptsächlich um das Profit dreht.

Das kann ich nicht nachvollziehen.

Denken Sie z.B. an die Debatte um die „kulturelle Ausnahme“. Die Amerikaner wollten die Vorstellung aufzwingen, dass ein Buch oder Film als eine Warewie jeder andere angesehen werden mussten. Dennsie haben verstanden, dass neben dem Militär-, Handels- und diplomatischenKrieg auch noch ein kultureller geführt wird. Und in diesem Kampf wollen sie den Sieg davontragen,  erst aus edlen Gründen - denn die USA sind seit jeher überzeugt, dass ihre Werte universelle sind -  und dann aus weniger edlen: die Geister zu formatieren ist das beste Mittel, die amerikanischen Produkte zu verkaufen. Denken Sie sich: der wichtigste Export der USA sind die Kinofilme, weit vor den Waffen, der Flugzeugindustrie oder der EDV! Daher bemühen sie sich so sehr, das Englisch als globale Sprache aufzuzwingen. Auch wenn ihr Einfluss seit zwei Jahrzehnten etwas nachlässt.

Weshalb?

Erstens, weil die US-Amerikaner mehrmals nacheinander gescheitert sind, in Irak und Afghanistan, und so haben sie einsehen müssen, dass gewisse  Niederlagen auf eine Unkenntnis der anderen Kulturen zurückzuführen seien. Dann weil der Internet die  Vielfalt begünstigt: in den letzten zehn Jahren haben das Arabisch, Chinesisch, Französisch, Portugiesisch und Spanisch am meisten im Netz expandiert. Zum Schluss weil die Völker an ihrer Muttersprache sehr hängen und allmählich gegen die US-amerikanische Politik revoltieren.

Nicht in Frankreich, wenn man Ihrem Buch trauen soll. Sie ziehen sogar heftig gegen die „Vasalleneliten“ los, die das Frz. unterminieren würden.

Und dabei bleibe ich. Ist übrigens im Laufe der Geschichte immer so gewesen.  Das Gallisch ist dahingeschwunden, weil die gallischen Eliten ihre Kinder eifrig  in die römischen Schulen geschickt haben.  Gerade wie die provinziellen Eliten später ihrer Nachkommenschaft das Französisch beigebracht haben auf Unkosten der regionalen Sprachen. Oft übernehmen die herrschenden Klassen als Erste die Mundart des Eroberers. Das machen sie heute wieder mit dem Englisch.

Wie erklären Sie das?

Als sie sich die Sprache des Feindes aneignen, erhoffen sie sich materielle Vorteile davon, oder sie wollen sich ihm angleichen, um dessen Prestige symbolisch zu genießen. Schlimm wird es, wenn einige sich von der Minderwertigkeit ihrer eigenen Kultur überzeugen. Nun aber sind wir so weit. In einigen modesüchtigen  Kreisen - insbesondere in der Werbung -, aber auch, verzeihen Sie, in der Journalistenwelt  - benutzt man vollkommen unbegründete Anglizismen. Warum sagt man z.B. „Planning“, und nicht “Stundenplan“? Warum „Coach“ und nicht „Trainer“ ? „Lifestyle“ und nicht „Lebensweise“?  „Challenge“ und nicht „Herausforderung?“

Um sich vom Volk zu unterscheiden?

Gewiss. Aber jene, die solche kleine Spiele pflegen, wiegen sich in der Illusion, dass sie modern sind, wobei sie nur US-amerikanisiert sind. Und so entsteht das Paradox: oft sind Einwanderer am stolzesten auf die frz. Kultur! Zwar haben sie sie erkämpfen müssen; anscheinend schätzen sie deren Wert besser ein, als jene, die sie bloß geerbt haben.

Was werden Sie aber den Eltern sagen, die ihre Kinder zum Sprachaufenthalt nach  England oder in die USA schicken? Die meinen es doch gut!

Meine Antwort ist: Warum nicht nach Russland oder Deutschland? Es sind doch gewinnbringende Märkte, viel weniger wettbewerbsfähig, und Ihre Kinder finden dort leichter einen Arbeitsplatz.

Haben Sie keine Angst, für überholt, ja sogar petainistisch zu gelten?

Aber wieso ist es überholt, die Vokabeln der eigenen Muttersprache zu benutzen? Und wieso sollte die Tatsache, dass man die Vielfaltverteidigt, einer faschistoiden Ideologie gleichkommen? Französisch gehört ja zu den Grundlagen unserer Revolution und unserer Republik!

Warum verteidigen die Quebecer das Französisch viel verbissener, als wir selber?

Weil sie die Bedrohung viel klarer empfinden: sie bilden ein Inselchen mit 6 Millionen frz. MuttersprachlerInnen mitten in einem Ozean von 260 Millionen englischen MuttersprachlerInnen! Deswegen schaffen sie so außerordentlich viele Neologismen. Sie z.B. haben die Vokabel „courriel“ (für Email) erfunden, und ich fordere die LeserInnen des Express auf, es sie sich anzueignen!

Ist der Sieg des Englischen unverrückbar?

Absolut nicht. Übrigens sind schon positive Maßnahmen getroffen worden: die Mindestquote frz. Musik im Radio und Fernsehen, die Unterstützung der frz. Kinokunst usw. Leider spielt der Staat nicht immer die ihm gebührende Rolle. Er erschwert den in Frankreich  ausgebildeten  diplomierten AusländerInnen den Zugang zum Arbeitsmarkt,  unterstützt nicht ausreichend die Frankophonie,  schließt mehrere „Alliances françaises“ [Zentren für die Verbreitung der frz. Sprache und Kulture; entsprechen den deutschen Goethe-Insituten, AdÜ] zu... Die Chinesen ihrerseits haben weltweit 1100 Konfuzius- Institute  eröffnet. Es gibt sogar eines in Arras [alte Stadt in Nordfrankreich, 48 000 Einw., AdÜ]!

Sollte nur eine einzige Maßnahme getroffen worden,  dann welche?

Anfang aller Dinge ist die Grundschule. Dort sollte man nicht eine, sondern zwei Fremdsprachen lernen. Denn, wird nur eine angeboten, dann stürzen sich alle auf das Englisch und dadurch wird das Problem nur akuter. Zwei Sprachen anzubieten bedeutet, sich für die Vielfalt zu öffnen.

Nicolas Sarkozy macht andauernd Satzbaufehler. „ On se demande c'est à quoi ça leur a servi..."(Man fragt sich, zu wozu es ihnen genutzt hat“) oder auch „J'écoute, mais je tiens pas compte (Ich höre zu, aber ohne das berücksichtigen)“.Ist es schlimm bei einem Staatschef?

Vielleicht weniger, als angenommen wird. Schauen Sie mal: Seit er den Roman  La Princesse de Clèves  von Mme de La Fayette kritisiert hat, ist das Buch erfolgreicher denn je! Sicher steht aber, dass de Gaulle und Mitterrand viel gebildeter waren und die Sprache viel mehr beachteten.

Könnte die französische Sprache Fahnenträgerin der kulturellen Vielfalt weltweit

 Von den Grenzen des Englischen im Unternehmen

Im Jahre 1999 hat  der Geschäftsführer von Renault, Louis Schweitzer,  das Englische als Sprache für die Berichterstattungen der Leiterversammlungen aufgenötigt. Die Maßnahme hat er zurücknehmen müssen, zur vollsten Zufriedenheit von Claude Hagège. „ Die Unternehmen, die diese Maßnahme getroffen haben, haben an Effizienz eingebüsst. Und das aus einem ganz einfachen Grund, der vom ehemaligen Leiter von Sanofi-Aventis, Jean- François Dehecq sehr gut vorgelegt wird: „Müssen alle Englisch sprechen, so werden die englischen Muttersprachler ihr Potential  hundertprozentig  ausnutzen, jene, die sie als Nebensprache beherrschen nur zu 50% und die anderen nur zu 10%.“ Außerdem stimmt es nicht, dass das Englisch in Handelsbeziehungen unentbehrlich ist  - so Hagège weiter. „Manchmal sogar im Gegenteil. Will man ein Produkt im Ausland verkaufen, so ist es besser, die Sprache des Käufers zu benutzen, und Englisch ist es nicht immer! Eine große Wassergesellschaft ist kürzlich nach Brasilia gefahren. Als deren Vertreter angefangen haben, das Englische zu benutzen sind die Brasilianer wütend geworden, denn ihre Sprache ist lateinischer Herkunft, wie die unsere. Aus Anglomanie haben unsere Kaufleute ein kulturelles Vorteil zum Nachteil gemacht!“

werden?

Davon bin ich fest überzeugt, denn sie hat alle Trümpfe in der Hand, um eine große internationale Sprache zu werden. Denn sie wird auf den 5 Kontinenten gesprochen, ihre Kultur genießt ein großes Ansehen, sie ist als offizielle Sprache in der UNO, der EU-Kommission oder den Olympischen Spielen anerkannt. Und auch weil Frankreich eine singuläre Stimme erheben kann. Denken Sie sich: nach der Rede von Herrn de Villepin gegen den Irak-Krieg in der UNO haben sich Menschen massenweise in den „Alliances françaises“ eintragen lassen.

Ist es nicht widersprüchlich, das Französisch als internationale Sprache zu fördern und die regionalen Sprachen absterben zu lassen?

Da haben Sie Recht. Die Vielfalt weltweit zu verteidigen und in Frankreich die Einförmigkeit zu fördern, das geht doch nicht! Seit kurzem hat unser Land angefangen, seine regionalen Sprachen gebührend anzuerkennen. Aber das hat so lange gebraucht, bis sie im Absterben begriffen waren und keine Gefahr mehr für die nationale Einheit darstellten.    

Es ist also recht spät...

Recht spät, aber nicht zu spät. Man muss die Mittel zur Rettung dieser Sprachen erhöhen, damit jene nicht verloren gehen, bevor man einsieht, dass wir einen der großen kulturellen Schätze Frankreichs haben untergehen lassen.
 




Courtesy of Tlaxcala
Source: http://www.lexpress.fr/culture/livre/claude-hagege-imposer-sa-langue-c-est-imposer-sa-pensee_1098440.html
Publication date of original article: 03/04/2012
URL of this page : http://www.tlaxcala-int.org/article.asp?reference=8170

 

Tags: Sprachliche VielfaltEnglischFranzösischBedrohte SprachenEinheitsdenkenEinheitssprache Claude Hagège
 

 
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