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 17/12/2018 Tlaxcala, the international network of translators for linguistic diversity Tlaxcala's Manifesto  
English  
 LAND OF PALESTINE 
LAND OF PALESTINE / Das Manifest von Matzpen - 1967
Date of publication at Tlaxcala: 01/07/2012
Original: Matzpen Manifesto - 1967
Translations available: Español  Türkçe  Tamazight   Français  Italiano  عربي 

Das Manifest von Matzpen - 1967

Matzpen מצפן متسبين

Translated by  Ellen Rohlfs اِلِن رُلفس
Edited by  Susanne Schuster سوزان شوستر

 

45 Jahre sind vergangen, seitdem die Israelische Sozialistische Organisation (ISO) – besser als „Matzpen“ (Kompass), nach dem Namen ihrer Zeitung bekannt – das hier vorgestellte Manifest veröffentlichte. Seitdem hat sich vieles verändert. Vieles von seiner Ausdrucksweise mag heute überholt sein oder klingt nicht mehr 'up to date', aber der Kern seiner revolutionären Gedanken gilt heute noch.

 

Das Palästina-Problem und der israelisch-arabische Konflikt

18. Mai 1967

Das folgende Statement, das Anfang Mai 1967 geschrieben wurde, war das erste öffentliche Dokument, das von der ISO über die Nahostfrage veröffentlicht und von arabischen und palästinensischen Studentenorganisationen gesponsert wurde. Über die Konferenz berichtete Le Monde am 20. Mai 1967. Es muss daran erinnert werden, dass diese Stellungnahme vor der Krise 1967(Krieg!) gehalten wurde. (Zuerst in World-Outlook veröffentlicht)

Der 19. Jahrestag der Gründung des Staates Israel wird in diesem Monat sein. Während dieser 19 Jahre des israelisch-arabischen Konfliktes ist man einer Lösung nicht näher gekommen. Das palästinensische Problem ist immer noch eine offene Wunde im Körper des Nahen Ostens, eine dauernde Quelle des Blutvergießens, Leids und Unrechts; eine schwere Bürde für die Wirtschaft der Region; ein Vorwand für imperialistische Aggression und militärische Intervention; eine ernste Bedrohung für den Weltfrieden.

Besonders ernst ist der Zustand der palästinensischen Araber – die direkten Opfer des 1948er Krieges und der geheimen Absprache zwischen den „befreundeten Feinden“ Ben Gurion und Abdullah. Die Mehrheit der palästinensischen Araber wurde während und nach dem 1948er Krieg enteignet (Häuser und Felder) und lebt seitdem als Flüchtlinge in Leid und Not außerhalb Israels. Die Führer Israels verweigern ihnen nachdrücklich ihr elementares Recht repatriiert zu werden. Die in Israel verbliebenen Araber sind Opfer einer ernsthaften wirtschaftlichen, zivilen und nationalen Unterdrückung.

Während dieser 19 Jahre ist Israel zu einer isolierten Insel im Nahen Osten geworden, ein Staat, der nur in formellem Sinn unabhängig ist, aber wirtschaftlich und politisch von imperialistischen Mächten abhängig, besonders von den USA. Es hat ununterbrochen diesen Mächten als Instrument gegen die arabische Nation, gegen progressive Kräfte in der arabischen Welt gedient. Der klarste Ausdruck (aber nicht die einzige) dieser Rolle offizieller israelischer Politik war 1956, als die israelische Regierung sich dem britisch-französischen Imperialismus bei einer aggressiven Absprache gegen Ägypten anschloss und diesen Mächten sogar einen Vorwand für eine militärische Intervention lieferte.

Der Kriegszustand und die Feindseligkeiten zwischen Israel und seinen arabischen Nachbarn hat sich neunzehn Jahre lang fortgesetzt, und Israels zionistische Führung hat keine wirkliche Zukunftsaussicht, diese Situation zu verändern. Die israelische Politik ist eine Sackgasse.

Die gegenwärtige wirtschaftliche Krise in Israel, die für die Arbeiter mit einer schwerwiegenden Arbeitslosigkeit verbunden ist und für die Bevölkerung großes Elend verursacht hat, unterstreicht die Tatsache, dass Israel nicht lange in seiner gegenwärtigen Gestalt als zionistischer Staat bestehen kann – abgeschnitten von der Region, in der es liegt.

Der augenblickliche Zustand ist gegen die Interessen der arabischen Massen: Israel stellt in seiner jetzigen Form ein ernstes Hindernis dar für den Kampf dieser Massen gegen Imperialismus und für eine sozialistische arabische Einheit. Die Fortführung des gegenwärtigen Zustandes geht auch gegen die Interessen der israelischen Massen. 

 

Erste Mai Kundgebung, 1979. Archiven von Matzpen.

 

Die Israelische Sozialistische Organisation, zu der Araber und Juden gehören, meint, dass das palästinensische Problem und der israelisch-arabische Konflikt auf eine sozialistische und internationale Weise gelöst werden könnte und sollte, unter Berücksichtigung des einzigartigen Charakters dieses komplexen Problems. Dies ist kein gewöhnlicher Konflikt zwischen zwei Nationen. Deshalb genügt es nicht, zu einer Koexistenz aufzurufen, die auf gegenseitiger Anerkennung der nur nationalen Rechte zweier Völker beruht.
 
Der Staat Israel ist die Folge der Kolonisierung Palästinas durch die zionistische Bewegung auf Kosten des arabischen Volkes und unter der Schirmherrschaft des Imperialismus. In seiner gegenwärtigen zionistischen Gestalt ist Israel auch ein Instrument für die Fortsetzung des „zionistischen Unternehmens“. Die arabische Welt kann mit der Existenz eines zionistischen Staates in ihrer Mitte nicht einverstanden sein, dessen erklärter Zweck es ist, nicht als politischer Ausdruck seiner eigenen Bevölkerung zu dienen, sondern als Brückenkopf, als politisches Instrument und als Ziel zur Einwanderung für die Juden aus aller Welt. Israels zionistischer Charakter ist auch gegen die wahren Interessen der israelischen Massen, weil es ständige Abhängigkeit des Landes von externen Kräften bedeutet.
 
Wir behaupten deshalb, dass eine Lösung des Problems die Ent-zionisierung Israels nötig macht. Israel muss einen gründlichen revolutionären Wandel durchmachen, der ihn aus einem zionistischen Staat (d.h. einem Staat aller Juden in der Welt) in einen sozialistischen Staat verwandelt, der die Interessen aller Menschen, die in ihm wohnen, vertritt. Insbesondere muss das Rückkehrgesetz (das jedem Juden in der Welt ein absolutes und automatisches Recht zur Einwanderung in Israel gewährt und sofort die Staatsbürgerschaft erhält) aufgehoben werden. Jedes Ersuchen, in Israel einzuwandern, wird dann getrennt von seinen eigenen Meriten entschieden, ohne irgendeine Diskriminierung rassischer oder religiöser Art.
 
Das palästinensisch-arabische Flüchtlingsproblem ist der schmerzvollste Teil der israelisch-arabischen Auseinandersetzung. Deshalb meinen wir, dass jedem Flüchtling, der nach Israel zurückkehren will, diese Möglichkeit gegeben werden sollte. Er sollte die volle wirtschaftliche und soziale Rehabilitation erhalten. Jene Flüchtlinge, die freiwillig nicht in ihre Heimat zurückkehren wollen, sollten für den Verlust ihres Besitzes und das persönliche Leiden, das ihnen zugefügt wurde, voll entschädigt werden.
 
Außerdem müssen alle Gesetze und Bestimmungen, die dahin zielen, die arabische Bevölkerung Israels zu diskriminieren, zu unterdrücken und ihr Land zu enteignen, aufgehoben werden. Alle Enteignungen und jeder Schaden (der dem Land, Besitz und der Person) durch diese Gesetze zugefügt wurde, müssen völlig entschädigt werden.
 
Die Ent-Zionisierung Israels bedeutet auch, der zionistischen Außenpolitik, die dem Imperialismus dient, ein Ende zu setzen. Israel muss eine aktive Rolle im Kampf der Araber gegen den Imperialismus und für die Errichtung einer sozialistischen arabischen Einheit spielen.
 
Die zionistische Kolonisierung Palästinas unterscheidet sich grundsätzlich von der Kolonisierung anderer Länder. Während in andern Ländern die Siedler ihre Wirtschaft durch Ausbeutung der Arbeit der einheimischen Bewohner aufbauten, wurde die Kolonisierung Palästinas durch das Ersetzen und die Vertreibung der einheimischen Bevölkerung ausgeführt.
 
Diese Tatsache hat eine einmalige Komplikation des Palästinaproblems verursacht. Als Folge zionistischer Kolonisierung, ist eine hebräische Nation mit ihren eigenen nationalen Merkmalen (gemeinsame Sprache, getrennte Wirtschaft etc.) in Palästina entstanden. Überdies hat diese Nation eine kapitalistische Klassenstruktur – sie ist geteilt in Ausbeuter und Ausgebeutete, eine Bürgerklasse und ein Proletariat.
 
Das Argument, dass diese Nation künstlich geschaffen worden ist und auf Kosten der einheimischen arabischen Bevölkerung, verändert die Tatsache nicht, dass die hebräische Nation jetzt existiert. Es würde ein verheerender Irrtum sein, dies zu ignorieren.
 
Die Lösung des Palästina-Problems muss nicht nur das den Palästinensern angetane Unrecht wieder gutmachen, sondern die nationale Zukunft der hebräischen Volksmasse absichern. Diese Volksmasse wurde vom Zionismus nach Palästina gebracht – doch sind sie nicht verantwortlich für die Taten des Zionismus. Der Versuch, die israelischen Arbeiter und die Volksmassen für die Sünden des Zionismus zu strafen, kann das Palästina-Problem nicht lösen, sondern nur weiteres Unglück bringen.
 
Jene nationalistischen arabischen Führer, die zum Jihad aufrufen, um Palästina zu befreien, ignorieren die Tatsache, dass selbst wenn Israel militärisch besiegt würde und als Staat zu existieren aufhörte, die hebräische Nation weiter existieren würde. Wenn das Problem der Existenz dieser Nation nicht korrekt gelöst wird, wird eine Situation eines gefährlichen und langen Nationalkonfliktes neu geschaffen, der endloses Blutvergießen und Leid verursachen wird und einen neuen Vorwand für imperialistische Interventionen liefert. Es ist kein Zufall, dass die Führer, die solch einer „Lösung“ zustimmen auch nicht in der Lage sind, das kurdische Problem zu lösen.
 
Außerdem sollte auch verstanden werden, dass die israelischen Volksmassen nicht vom Einfluss des Zionismus befreit werden wollen und nicht dagegen kämpfen werden, wenn die progressiven Kräfte der arabischen Welt ihnen nicht eine Koexistenz ohne nationale Unterdrückung in Aussicht stellen. Die Israelische Sozialistische Organisation vertritt deshalb die Meinung, dass eine wahre Lösung des Palästina-Problems die Anerkennung des Rechtes der hebräischen Nation zur Selbstbestimmung nötig ist.
 
Selbstbestimmung meint nicht notwendigerweise Trennung. Im Gegenteil, wir sind der Meinung, dass ein kleines Land wie Israel, das arm an natürlichen Ressourcen ist, nicht als eine getrennte Entität leben kann. Es gibt nur zwei Alternativen – weiter von ausländischen Mächten abhängig sein oder sich in einer regionalen Union zu integrieren.
 
Daraus folgt, dass die einzige Lösung, die mit den Interessen der arabischen und israelischen Massen übereinstimmt, die Integration Israels als eine Einheit in einer wirtschaftlichen und politischen Einheit im Nahen Osten ist und zwar auf der Grundlage des Sozialismus. In solch einem Rahmen wird die hebräische Nation in der Lage sein, ihr eigenes nationales und kulturelles Leben ohne Gefährdung der arabischen Welt und ohne Bedrohung seiner eigenen Existenz durch die Araber fortzuführen. Die Kräfte der israelischen Massen werden sich mit jenen der arabischen Massen in einem gemeinsamen Kampf für Fortschritt und Wohlstand vereinigen.
 
Wir meinen deshalb, dass das Palästina-Problem – wie andere zentrale Probleme des Nahen Ostens – nur im Rahmen einer nahöstlichen Union gelöst werden können. Theoretische Analyse und praktische Erfahrung zeigen gleichermaßen, dass arabische Einheit gebildet und in stabiler Weise nur dann existieren kann, wenn sie einen sozialistischen Charakter hat.
 
Man kann deshalb die von uns vorgeschlagene Lösung mit der Formel zusammenfassen:
Entzionisierung Israels und seine Integration in eine sozialistische Nahost-Union. Wir meinen,
dass die politische Zukunft der palästinensischen Araber auch innerhalb des oben beschriebenen Rahmens gelöst werden sollte.
 
Es gibt Leute, die denken, dass Gerechtigkeit die Errichtung einer speziellen palästinensisch-arabischen politischen Entität erforderlich macht. Unserer Meinung nach muss diese Frage von den palästinensischen Arabern ohne Einmischung von außen entschieden werden. Doch denken wir, es würde ein großer Irrtum sein, das Problem der politischen Zukunft der palästinensischen Araber getrennt und unabhängig von der Frage der Sozialistischen Union zu stellen. Gegenwärtig geht es den palästinensischen Arabern im Kampf vorrangig um Einheit. Wenn sie mit einem eigenen und abhängigen Ziel vorgestellt werden, könnte die Sache der arabischen Einheit großen Schaden leiden. Die Errichtung auch nur eines kleinen separaten arabischen Staates ist nicht vereinbar mit den Interessen der arabischen Nation, einschließlich des palästinensisch-arabischen Volkes.
 
Wir meinen deshalb: Wenn die palästinensischen Araber sich für die Gründung einer eigenen politischen Entität entscheiden, dann sollten die nötigen politischen und territorialen Vereinbarungen innerhalb der grundlegenden Struktur der Errichtung einer sozialistischen Union des Nahen Ostens gemacht werden. Die Länder, die jetzt Teile Palästinas haben – Israel, Jordanien und Ägypten – sollten vor allem zu solch einem Abkommen beitragen.
 
Wir rufen die revolutionären sozialistischen Kräfte in den arabischen und anderen Ländern auf, sie möchten unser gegenwärtiges Programm ansehen und mit einer umfangreichen Diskussion beginnen, die dahin zielt, eine allgemeine Position über die Probleme des Nahen Ostens auszuarbeiten.
 




Courtesy of Tlaxcala
Source: http://www.matzpen.org/index.asp?p=doc1&u
Publication date of original article: 01/01/2000
URL of this page : http://www.tlaxcala-int.org/article.asp?reference=7546

 

Tags: IsraelPalästinaIsraelische Sozialistische OrganisationMatzpenAntizionismus
 

 
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