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 06/12/2019 Tlaxcala, the international network of translators for linguistic diversity Tlaxcala's Manifesto  
English  
 CULTURE & COMMUNICATION 
CULTURE & COMMUNICATION / „Wenn das nicht Manipulierung der Information heißen soll, was dann?“: zu einer ARTE-Sendung über Griechenland
Date of publication at Tlaxcala: 28/05/2012
Original: “Si n’est pas de la manipulation de l’information, c’est quoi au juste ? ˮ: à propos d’une émission d’ARTE sur la Grèce

„Wenn das nicht Manipulierung der Information heißen soll, was dann?“: zu einer ARTE-Sendung über Griechenland

Vicky Skoumbi Βίκη Σκούμπη

Translated by 
Edited by  Susanne Schuster سوزان شوستر

 

Am Donnerstag, den 16. Mai habe ich an der Arte-Sendung „28 Minuten“ teilgenommen. Das Thema war: „Ist Griechenland die Achillesferse Europas?“

Ich habe mir die Sendung eben angeschaut, so wie sie ausgestrahlt worden ist, und traue meinen Augen nicht: Die Stelle, wo ich sagte, dass die Griechenland vorgeblich gewährte Hilfe in Wirklichkeit eine Hilfe für die Gläubiger des Landes sei, und die aufeinander folgenden Rettungspläne nur dazu gedacht seien, diese Gläubiger vor einem Zahlungsausfall vonseiten Griechenlands zu schützen, dabei hätten sie das Land in eine Rezession gestürzt, mit einer Schrumpfung der Wirtschaft um etwa 20 Prozent, und es direkt in den Bankrott geführt – diese Stelle wurde weggelassen! Bei aufmerksamer Beobachtung werden die Schnittspuren sichtbar: die Abspielung ist ziemlich unsauber und die Reden werden ziemlich holperig nach der ersten Äußerung von Benjamin Coriat.

Eine andere Stelle ist ebenfalls in der Schublade verschwunden: Gegen Ende hatte ich gesagt, die Konfrontation zwischen Deutschen und Griechen sei keine nationale, sondern finde zwischen zwei transnationalen Lagern statt; damit meine ich einerseits diejenigen, die, buchstäblich über Leichen gehend, die Interessen der Finanzsektors verteidigen, und andererseits diejenigen, die demokratische und soziale Rechte und schließlich das Recht auf ein würdiges Leben verfechten. Davon kann Benjamin Coriat zeugen, er war auch Teilnehmer dieser Sendung und könnte bezeugen, dass ich mich genau so geäußert habe. Meine Worte sind dann aber der Schere der Zensoren zu Opfer gefallen.

 

Denn es handelt sich schlicht und einfach um ZENSUR. Da drängt sich eine Frage auf: Wer kontrolliert denn Arte und filtert dermaßen die Nachrichten?

Ich muss zugeben, da bleibe ich sprachlos. Die Sendung wurde zweieinhalb Stunden vor ihrer Ausstrahlung als Live-Sendung aufgenommen, und soweit ich weiß, heißt das, dass keine Schnitte vorgenommen werden. Es wird höchstens eine zweite Aufnahme gemacht, falls etwas schief gegangen ist – das war bei der Vorstellung der TeilnehmerInnen der Fall. Und es ist auch üblich, langwierige Stellen zu entfernen. Doch warum betreffen die zwei längeren weggelassenen Stellen gerade – wie zufällig – die Äußerungen über die wirklichen Nutznießer der Hilfe, also die Banken, und über den trügerischen Charakter der angeblichen deutsch-griechischen Konfrontation?

Wie ihr es übrigens feststellen könnt, ist meine Redezeit um ungefähr ein Drittel – oder mehr – kürzer als die von Herrn Prevelakis. Er hatte die Einsetzung eines Vermittlers vorgeschlagen, der Griechenland bevormunden sollte, und wollte die demokratischen Verfahren gänzlich abschaffen, und er wollte Sarkozy (!) auf die Position eines Vormunds des griechischen Volkes setzen, das in keinem Fall seine VertreterInnen wählen dürfte, vor allem dann nicht, wenn sie unglücklicherweise der SYRIZA-Partei angehören! Ich bin aufgeschreckt, aber da wurde die Sendung geschnitten und ich durfte nicht reagieren.

Es ist ein echter Skandal, die Sendung mit einer solchen Äußerung abzuschließen. Damit macht sich Arte – ein Sender, der sich zur Demokratie bekennt – wenig Ehre. Übrigens, wenn ihr einigermaßen aufmerksam das Ende der Sendung beobachtet, werdet ihr sehen, dass die letzte Frage an mich gerichtet war. Frau Quin wendet sich an mich und nicht an Herrn Prevelakis. Und meine Antwort auf die Frage zu den beiden in Konfrontation tretenden Europas, direkt vor Georges Prevelakis’ Schluss, ist vollkommen in der Schublade verschwunden.

Kurz: Schnitte, ungleiche Verteilung der Redezeit, und zum Schluss ein Aufruf zu einer Aussetzung der Demokratie in Griechenland – wenn DAS keine Manipulation der Information ist, was dann?

Dieser Umgang mit Informationen bei einem europäischem, sich als unabhängig gebenden TV-Sender wirft ziemlich viele Fragen auf.

Auf diesen Brief hat der Produzent der Sendung eine Antwort auf Französisch gegeben und die Programmdirektion hat dieser Antwort zugestimmt. Der deutsch-französischen Anstalt überlassen wir die Aufgabe, diese Antwort ins Deutsche zu übersetzen. Ihr Pflichtenkatalog verpflichtet sie  dazu und sie verfügt auch über die nötigen finanziellen und technischen Mittel.





Courtesy of Tlaxcala
Source: http://tlaxcala-int.org/article.asp?reference=7400
Publication date of original article: 18/05/2012
URL of this page : http://www.tlaxcala-int.org/article.asp?reference=7401

 

Tags: arteDeutschlandFrankreichGriechenlandMedienZensurEuropaEuropäische Union28 Minuten
 

 
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