In einem Dankesbrief für die Unterstützung während der 66 Tage seines Hungerstreiks hat Khader Adnan zu weltweiter Solidarität mit den palästinensischen Gefangenen aufgerufen, die sich zur Zeit im Hungerstreik befinden.
Das Popular Struggle Coordination Committee hat am 3. Mai 2012 eine Briefaktion in Unterstützung der Gefangenen im Hungerstreik begonnen.
1) Der israelische Verteidigungsminister Ehud Barack wird aufgefordert, die vor allem seit der Entführung des israelischen Soldaten Gilad Shalit auferlegten Strafmassnahmen sofort zu beenden. Unter anderem fordern die Gefangenen ein Ende der Isolierhaft, des Systems der Administrativhaft, der Verweigerung von Familienbesuchen, vor allem für Gefangene aus Gaza, und ein sofortiger Stopp der Schikanierung durch häufige Gefängnistransfers, Leibesvisitationen und anderen Massnahmen.
Am 4. März berichtete IMEMC, dass die israelische Strafvollzugsbehörde Gefangenen einen Besuch des Rechtsanwaltes nicht gestattet, wenn diese Gefangenen nicht mehr aufstehen und persönlich einen Besuch beantragen können.
2) Für den 5. Mai 2012 hat die palästinensische Organisation gegen die Apartheidmauer „Stop the Wall“ zur aktiven Unterstützung für die Forderungen der palästinensischen Gefangenen aufgerufen: „Zur Zeit befinden sich etwa 2500 Gefangene seit dem 17. April im Hungerstreik; acht weitere Gefangene sind seit über 50 Tagen im Hungerstreik und ihr Gesundheitszustand ist kritisch. Tha’er Halahleh und Bilal Diab hungern seit dem 29. Februar – über sechzig Tage.“
Khader Adnan schreibt:
Im Namen Allahs, des Allerbarmers, des Barmherzigen,
Gelobt sei Allah und Friede und Segen für den Boten Allahs.
Liebe freie Menschen dieser Welt! Liebe Unterdrückte und Entrechtete in der ganzen Welt! Liebe Freunde unseres Volkes, die bei mir standen mit dem festen Glauben an Freiheit und Würde für mein Volk und unsere Gefangenen, die in den Gefängnissen der Besatzung dahinsiechen!
Liebe freie Frauen und Männer, jung und alt, einfache Menschen ebenso wie intellektuelle Eliten

überall – Ich wende mich heute an Euch mit grosser Hoffnung und grossem Mitleid für jeden Palästinenser, der unter der Besatzung seines Lands leidet. Für jeden von uns, der getötet, verwundet oder inhaftiert wurde duch einen Staat des Terrors, der uns jede Schönheit in unserem Leben verweigert, sogar das Lächeln unserer Kinder und Familien. Ich wende mich in meinem ersten Brief nach meiner Freilassung an Euch – und bete, dass es nicht mein letzter ist- nachdem Allah mir Freiheit, Stolz und Würde gewährte. Ich war vier Monate lang ein „Gefangener unter Administrativhaft“ im Besatzungsgefängnis, davon verbrachte ich 66 Tage im Hungerstreik.
Die tägliche Schikanierung und die Verletzung der Rechte meines Volkes durch die israelische zionistische Besatzung bewegten mich dazu, einen unbefristeten Hungerstreik zu erklären. Das Mass war voll nach den fortgesetzten Festnahmen, der gewaltsamen nächtlichen Razzia auf mein Haus, nach meiner brutalen Festnahme, während der ich in die Siedlung „Mavo Dotan“ auf unserem seit 1967 besetzten Land gebracht wurde, nach den Schlägen und Demütigungen während meines ersten Verhörs, und der Behandlung während des Verhörs im Gefangenenlager Jalameh, bei dem die schlimmsten und primitivsten verbalen Angriffe aus dem Lexikon eingesetzt wurden.
Nach dem Verhör wurde ich in Verwaltungshaft genommen, ohne Anklageerhebung, was beweist, dass meine Verhaftung und die Verhaftung anderer nur dazu dient, eine bestimmte Quote von Gefangenen aufrechtzuerhalten, uns zu schikanieren, unsere Freiheit zu beschränken und unsere Entschlossenheit, unseren Stolz und unsere Würde zu untergraben.
Ich schreibe heute, um allen zu danken, die mein Volk, unsere Gefangenen, Hana al-Shalabi und mich so standhaft unterstützt haben. Ich rufe Euch dazu auf, angesichts der Besatzung für Gerechtigkeit, Stolz und Würde einzustehen. Der Angriff auf die Freiheit und Würde der Palästinenser ist ein Angriff auf die freien Völker dieser Erde durch eine kriminelle Besatzung, die die Sicherheit, Freiheit und Würde aller gefährdet, wo auch immer sie [leben].
Bitte, entlarvt die Besatzung weiterhin durch Boykott und internationale Isolierung. Deckt ihr wahres Gesicht auf, das deutlich zu sehen war bei dem Angriff eines israelischen Offiziers auf unseren dänischen Mitstreiter. Anders als bei diesem Angriff, ist der Mord an unseren Menschen ein Verbrechen, dass nicht angesprochen wird und den Linsen der Kameras entgleitet. Unsere Gefangenen sterben im Schweigen. Hunderte von Verteidigern der Freiheit befinden sich im Hungerstreik im Gefängnis, darunter die acht Vorbilder Bilal Diab und Thaer Hlahalh, die sich seit 61 Tagen im Hungerstreik befinden, Hassan Safadi, Omar Abu Shalal, Mahmoud Sarsak, Mahmoud Sarsal, Mohammad Taj, Jaafar Azzedine (der lediglich wegen seiner Solidarität mit mir festgenommen wurde) und Ahmad haj Ali. Ihr Leben ist jetzt in grosser Gefahr.
Wir sind alle verantwortlich und verlieren, wenn wir erlauben, dass ihnen etwas zu leide geschieht. Wir müssen unverzüglich handeln, um für ihre sofortige Freilassung Druck auf die Besatzung auszuüben, ansonsten können ihre Kinder uns nie verzeihen.
Alle frei und revolutionär gesinnte Menschen sollen Hand in Hand gegen die Unterdrückungsmassnahmen der Besatzung zusammenarbeiten und auf die Strassen gehen – vor den Gefängnissen der Besatzung, vor ihren Botschaften und vor allen anderen Institutionen in der Welt, die sie unterstützen.
In tiefer Dankbarkeit, Khader Adnan
1) http://www.popularstruggle.org/node/1130
http://popularstruggle.org/content/their-fate-our-hands-call-action-striking-prisoners-khader-adnan
2) http://www.imemc.org/article/63424
3) http://stopthewall.org/2012/04/30/may-5-mobilize-support-palestinian-political-prisoners
Siehe auch: http://samidoun.ca/
Übersetzt und bearbeitet von Martina Lauer