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 22/10/2019 Tlaxcala, the international network of translators for linguistic diversity Tlaxcala's Manifesto  
English  
 EDITORIALS & OP-EDS 
EDITORIALS & OP-EDS / Die Arbeiter von Eleftherotypia sind wieder da und zwar mit ihrer eigenen Zeitung!
Date of publication at Tlaxcala: 17/02/2012
Original: Οι Εργαζόμενοι στην Ελευθεροτυπία επιστρέφουν με τη δική τους εφημερίδα
Translations available: Français  English  Español  Italiano 

Die Arbeiter von Eleftherotypia sind wieder da und zwar mit ihrer eigenen Zeitung!

Moisis Litsis του Μωυσή Λίτση

Translated by 
Edited by  Fausto Giudice Фаусто Джудиче فاوستو جيوديشي

 

Nun sind wir so weit! Die Mitarbeiter von Eleftherotypia, einer der größten und angesehensten Tageszeitungen in Griechenland treiben ein großartiges Unternehmen voran: sie geben ihre eigene Zeitung heraus, „Die Arbeiter von Eleftherotypia“!



Auf dem Plakat, das in den Zeitungskiosken das Erscheinen der Zeitung ankündigt, steht : „Die Arbeiter von Eleftherotypia sind zurück: Hier ist die Zeitung der Redakteure erhältlich. Mittwoch, den 15. Februar 2012“

 

Seit Mittwoch den 15. Februar hängen übers ganze Land die Pressekiosks eine neue Zeitung aus, von den eigenen Angestellten verfasst. Diese Zeitung versucht nicht nur, den Kampf der Mitarbeiter von Eleftherotypia ins Licht zu rücken, sondern auch ein vollwertiges Informationsmedium darzustellen, insbesondere in dieser für Griechenland so kritischen Zeit.

 
Die 800 MitarbeiterInnen vom X.K. Tegopoulos-Unternehmen, dem Herausgeber der Zeitung Eleftherotypia, von den Journalisten bis zu den Putzfrauen und Pförtnern über Angestellte und TechnikerInnen streiken seit dem 22. Dezember 2012, da die Besitzerinnen ihnen ihre Löhne seit August des letzten Jahres unterschlagen !
 
Als die MitarbeiterInnen von Eleftherotypia, erfuhren, dass die Besitzerinnen auf den Artikel 99 der Insolvenzregelung als Schutz gegen ihre Gläubiger zurückgreifen wollten - das waren in Wirklichkeit die eigenen Angestellten, denen sie insgesamt 7 Millionen Euro (!) schulden (verzögerte Lohnzahlung), haben sie beschlossen, zu den Mobilmachungen und Gerichtsverfahren auch noch die eigene Zeitung herauszugeben und für die Streikkasse zu verkaufen. Sie ist bei allen Zeitungshändlern erhältlich, und zwar zum Preis von 1 Euro (wobei andere Zeitungen normalerweise 1,30 Euro kosten).
 
Angesichts der seit 7 Monaten ausbleibenden Lohnzahlung, werden die MitarbeiterInnen von Eleftherotypia von einer Solidaritätsbewegung von verschiedenen Gruppen oder gar Einzelpersonen durch Geld oder Sachspenden (Lebensmittel, Decken usw.) unterstützt. Indem sie die eigene Zeitung herausgeben, verkaufen und damit Geld verdienen, können sie ihren Streik direkt ohne jede fremde Hilfe finanzieren: alles in allem steuern sie auf eine Art Selbstverwaltung zu.
 
Die Zeitung wurde in einer befreundeten Druckerei verfertigt. Die Stimmung erinnerte an die Anfertigung einer illegalen Zeitung, weil die Chefetage zuerst die Heizung, und dann das Computersystem der Redaktion abgestellt hat, sobald sie vom Vorantreiben der Zeitungsherausgabe erfahren hat, und schließlich die Werkstatt ganz und gar geschlossen hat, wenn auch der Zugang zu den Zeitungsbüros vorläufig noch frei steht. Eleftherotypia der Arbeiter wurde in einer fremden Druckerei gedruckt, weil die Arbeiter der zeitungseigenen Druckerei vor einer Besetzung ihres Arbeitsplatzes zögerten.
 
Da die Chefetage sich vor dem Impakt einer selbstverwalteten Zeitung fürchtet, droht sie mit einem Gerichtsverfahren und der Kündigung der Mitglieder des Redaktionskomitees  - einem Einschüchterungsversuch; jene wurden nämlich von der Generalversammlung der Streikenden vollkommen demokratisch gewählt. Jedoch wartete die ganze griechische Öffentlichkeit- und nicht nur die Leserschaft der Zeitung - gespannt auf deren Erscheinen. Wir wurden nämlich von Mitteilungen überschwemmt, die die Journalisten ermutigten, die Zeitung eigenhändig herauszugeben, da die Diktatur der Finanzmärkte mit der Mediendiktatur einhergeht und die griechische Realität völlig verhüllt. Ohne die Konsensstimmung, die die meisten Medien 2010 genährt haben - sie hielten das Argument des „No alternative“ hoch, als die Regierung von Papandreou das erste Memorandum unterzeichnete ; inzwischen wird dessen offenkundiges Scheitern allseitig anerkannt - wäre das griechische Volk womöglich früher aufgestanden, um eine für ganz Europa katastrophale Politik abzuschaffen.
 
Eleftherotypia ist kein Einzelfall. Im Privatsektor haben Dutzende Unternehmen die Lohnzahlung schon lange abgestellt, und deren Aktionäre haben sie in Erwartung auf bessere Zeiten virtuell aufgegeben... Im Pressesektor sieht es noch schlimmer aus. Aufgrund der Krise wollen die Banken keine Anleihen gewährleisten ; die Besitzerinnen ihrerseits wollen nicht aus eigener Tasche bezahlen und greifen lieber auf den Artikel 99 zurück - zumindest 100 börsennotierte Gesellschaften taten das schon - um Zeit zu gewinnen, mit Sicht auf einen eventuelle griechische Insolvenzerklärung Griechenlands und den möglichen Abzug des Landes aus der Eurozone.
 
Eleftherotypia wurde 1975 als eine „Zeitung der Redakteure“ gegründet, in den Radikalisierungszeiten, die auf den Fall der Diktatur im Jahre 1974 folgten. Heutzutage haben die MitarbeiterInnen der Zeitung in einer von der neuen „Diktatur der Gläubiger“ geprägten  Periode den Vorsatz, ein leuchtendes Beispiel für eine völlig neue Information zu werden, indem sie sich dem „Terror“ sowohl der Arbeitgeber als auch der Medienbonzen widersetzen, die auf keinen Fall möchten, dass die ArbeiterInnen das Schicksal der Information in die Hand nehmen.

Die Titelseite der neuen Zeitung





Courtesy of Arbeiterinitative von Eleftherotypia
Source: http://nodebtnoeuro.wordpress.com/author/nodebtnoeuro/
Publication date of original article: 15/02/2012
URL of this page : http://www.tlaxcala-int.org/article.asp?reference=6868

 

Tags: GriechenlandArbeiter von EleftherotypiaArbeiterinitiativeSelbstverwaltung
 

 
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