Diejenigen, die die hebräische Presse lesen und den jüdischen Staat verstehen, mögen etwas verwirrt sein, wenn sie herausfinden, dass in der hebräischen Presse nur ein wenig und unbedeutende Aufmerksamkeit dem augenblicklichen Kampf der palästinensischen Führer um einen Staat geschenkt wird. Die israelischen englischsprachigen Medien sind dagegen voll mit Nachrichten über die Aussicht auf eine pro-palästinensische Resolution in der UN nächste Woche.
Wenn man diese klare Diskrepanz zwischen der jüdisch-hebräischen Presse und der englischsprachigen verstehen will, muss man verstehen, dass wir uns hier eindeutig mit einer klaren Spaltung innerhalb der kollektiven jüdischen Psyche befassen.
Ich vermute, dass einige überrascht sein mögen, zu erfahren, dass Israel und die meisten Israelis wünschen, dass die die palästinensische Initiative tatsächlich vorangeht und Erfolg hat. Sie wünschen einen palästinensischen Staat, weil dies die einzige Lösung ist, die den „nur für Juden- Staat“ vor einem demografischen Zusammenbruch retten würde.
Die letzten Umfragen in Israel beweisen, dass die Mehrheit der Israelis über die „Zweistaaten-Lösung“ sehr aufgeregt ist. Die Israelis fühlen sich nicht nur von der Idee eines palästinensischen Staates nicht bedroht, tatsächlich mögen sie diese Idee; denn es würde ihre Realität innerhalb des Rahmens des Völkerrechts legen. Man sollte sich auch daran erinnern, dass die Kadima-Partei, die die letzten zwei Wahlen in Israel gewonnen hat, die „Trennung“ gewünscht hat und weiter wünscht und zwar eine klare Trennung durch einseitigen israelischen Rückzug zwischen „den Juden“ und den Palästinensern. Mit andern Worten: ein palästinensischer Staat erreicht genau dasselbe Ziel; es nimmt den Israelis jede Verantwortung für die Gebiete, die es einmal besetzte und zerstörte. Es ist offensichtlich, dass einige Elemente in Israel gegen die palästinensische UN-Initiative sind: ich vermute, dass der Außenminister Avigdor Lieberman darüber nicht sehr glücklich ist. Westbank-Siedler mögen auch sehr ärgerlich sein, aber aus irgend einem Grund sind sie in diesen Tagen ziemlich ruhig.
Die jüdische Lobby in aller Welt ist jedoch total gegen die palästinensische UN-Initiative: sie hält klar an einem sehr vereinfachenden Bild eines expansionistischen jüdischen Staates fest, ‚vom Fluss zum Meer’. Und es sieht nicht so aus, als ob sie diesen Traum bald aufgeben.
Was wir hier praktisch sehen, ist eine klare Identitätskrise oder sogar ein schizophrener Gegenstrom von Bestreben zwischen den israelischen und den Diaspora-Zionisten. Während die Israelis lieber in die alte jüdische Ghetto-Haltung ausweichen und eng zusammen bleiben, sich selbst mit weiten und undurchdringlichen Betonmauern umgeben, ist das Diaspora-zionistisch- jüdische Narrativ auf Konfrontation aus, aggressiv, militant und expansionistisch. Sie wollen alles haben und zwar mit oder ohne Palästinenser.
Noch einmal muss man feststellen, dass Israel und Zionismus sich in zwei getrennte und sich entgegengesetzte Diskurse entwickelt haben. Während Israel versucht, seine rassistisch orientierte Identität durch eine Politik der Trennung aufrecht zu erhalten, besteht der zionistische Diskurs der Diaspora noch immer auf einer Lösung der jüdischen Frage mittels eines Konfliktes ohne Ende.
Aber lassen Sie mich einen Moment lang nach Amerika schauen; versuchen wir die einzige Supermacht der Welt zu verstehen, wie sie mit diesem judeozentrischen schizophrenen Apparat umgeht.
Präsident Obama und seine Regierung sind offensichtlich sehr verwirrt. Einerseits sind sie einigem unnachgiebigem Druck der jüdischen Lobby ausgesetzt. Die Lobby lässt der US-amerikanischen Regierung nicht viel Raum für Manöver. Andrerseits realisieren die US-amerikanische und israelische Regierung, dass, soweit es Israel und seine Sicherheit betrifft, die palästinensischen UN-Initiative gar keine so schlechte Idee ist. Tatsächlich kann Israel nicht für mehr als genau für dieses beten.
Es ist soweit klar, dass Präsident Obama durch die sog. „besten Freunde Amerikas“ nicht gerettet werden wird. Für AIPAC [American Israel Public Affairs Committee] und die Lobby ist Obama ein Instrument. Mittlerweile hat sich die Lobby daran gewöhnt, die US-amerikanischen Politiker als ihre unterwürfigen Marionetten anzusehen. Andrerseits wird Israel auch US-Amerika nicht retten. Es (Israel) ist zu argwöhnisch gegenüber der jetzigen Regierung. Es wird froh sein, Obama geschlagen zu sehen, da es dieser amerikanischen Regierung praktisch überdrüssig ist.
Folglich steuert die US-amerikanische Regierung in der UN auf eine unvermeidbare Demütigung hin. Es wird ein Veto auf eine Entscheidung einlegen müssen, für die viele Freunde Amerikas gestimmt haben. Das ist eindeutig eine Katastrophe für Obama. Und doch kann ein Mann Amerika vor seinem zum Scheitern verurteilten Schicksal retten. Dieser Mann ist kein anderer als der palästinensische Präsident Mahmoud Abbas. Nur er und die PA könnten Amerika retten.
Aber der Sinn von all diesem ist auch sehr beschämend. Es bedeutet, dass der palästinensische

Präsident Abbas (der eine verhältnismäßig schwache Figur in der palästinensischen Politik als auch in der internationalen Diplomatie ist) die einzige Person ist, die die einzige Supermacht der Welt vor einem diplomatischen Fiasko retten kann.
Ich kann mich nicht entscheiden, ob dies lustig oder traurig ist, aber lasst mich sagen, dass es sicherlich brisant ist.
Der Zeitpunkt ist für Amerika, Großbritannien und den Westen sicherlich richtig, um die Kraft zu finden, gegen das zionistische Lobbying und die Macht Jerusalems aufzutreten.