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 24/07/2014 Tlaxcala, the international network of translators for linguistic diversity Tlaxcala's Manifesto  
English  
 IMAGE AND SOUND 
IMAGE AND SOUND / Debtocracy/Schuldkratie – ein griechischer Dokumentarfilm über die Krise
Date of publication at Tlaxcala: 28/09/2011
Original: ΧΡΕΟΚΡΑΤΙΑ/DEBTOCRACY - Eνα ντοκιμαντέρ για την κρίση
Translations available: Español  English  Français  Türkçe  Italiano  Português 

Debtocracy/Schuldkratie – ein griechischer Dokumentarfilm über die Krise

Katerina Kitidi Κατερίνα Κιτίδη - Aris Chatzistefanou Άρης Χατζηστεφάνου

 

In Griechenland wurde zum ersten Mal ein Dokumentarfilm vom Publikum produziert. „Schuldkratie“ sucht nach den Ursachen der Schuldenkrise und schlägt Lösungen vor, die von der Regierung und den herrschenden Medien verschwiegen werden. 

 

Português europeu Português brasileiro

Redaktion/Drehbuch Katerina Kitidi
Aris Chatzistefanou
Wissenschaftliche Forschung
Leonidas Vatikiotis
Animation Magda Plevraki
Sokratis Galiatsakos
Musik
Giannis Agelakas
Ermis Georgiadis
Aris RSN
Bearbeitung Aris Triantafillou
Kamera Aris Papastefanou
Julia Reinecke 
Farbe Thanos Tsantas
PR Michalis Alimanis
Mitwirkende Aggeliki Gaidatzi
Fani Gaidatzi
Ioulia Kileri
Margarita Tsomou
Produktion Costas Efimeros
2011 - BitsnBytes.gr

 

Ein Interview mit Aris Hatzistefanou, der Schöpfer von Schuldkratie – der subversive Dokumentarfilm über die Finanzkrise, der die öffentliche Meinung in Griechenland erschüttert hat

von Stanislas Jourdan, owni.eu, 6. Mai 2011

Übersetzung: Susanne Schuster, Tlaxcala

„Unsere Regierung nannte uns Faulpelze und unsere Gläubiger „PIIGS“1), genau wie alle anderen periphären EU-Mitglieder. Unsere Minister versuchten, uns davon zu überzeugen, dass wir alle daran schuld waren.“

 
Aris Hatzistefanou, 34 Jahre, ist daran gewöhnt, über unangenehme Tatsachen zu berichten. Seit seiner Jugend ist er Journalist. Seine seit vielen Jahren auf Sky Radio laufende Sendung „infowar“ wurde eingestellt, als sein nachdenklich machender Dokumentarfilm „Schuldkratie“ erschienen ist.
Hatzistefanou, gebürtiger Athener, begann seine Laufbahn bei Sky Radio, berühmt als beliebtester Radiosender Griechenlands. Sein neuestes Filmprojekt wurde von einer Million Menschen gesehen, es führte zu einer erfolgreichen landesweiten Kampagne für eine Prüfung der griechischen Staatsschulden. OWNI traf den Schöpfer des subversiven Dokumentarfilms, der die öffentliche Meinung erschütterte.

Erzählen Sie mir von der Entstehungsgeschichte von Schuldkratie?

Die Idee entstand während einer Sendung auf Sky Radio, in der es darum ging, wie der ekuadorianische Präsident mit der massiven Schuldenlast des Landes umging. Er veranlasste eine einfache Prüfung der Staatsschulden und kam zu dem Schluss, dass andere Länder Ekuador als „Sklave“ benutzten, wie Argentinien und viele andere Länder davor. Die Regierung erzwang von ihren Gläubigern eine radikale Reduzierung der Schulden um 70 Prozent.
In Griechenland indes suchten einige Leute Unterstützung für eine ähnliche Initiative und meine Sendung auf Sky Radio hatte dabei enormen Einfluss. Viele Menschen schienen sich zu fragen, ob man in unserem eigenen Land das Gleiche machen könnte.
Katerina Kitidi – Chefredakteurin von TV XS – und ich entschieden uns dazu, einen Dokumentarfilm zu produzieren. Die Finanzierung war ein ernsthaftes Problem für uns, die Gründe dafür waren offentlichtlich: wir wollten keine politischen Parteien, Unternehmen oder – noch schlimmer – Banken um finanzielle Unterstützung bitten, daher griffen wir auf Crowdfunding – Massenfinanzierung – zurück.
Es funktionierte sehr gut, wir sammelten 8.000 Euro in nur 10 Tagen, eine unerhörte Summe in einem Land wie Griechenland, das vor einer schweren Wirtschaftskrise stand.
Zunächst gingen wir davon aus, dass unser Projekt nur einen Videofilm auf YouTube hervorbringen würde. Doch dann boten so viele Fachleute (Musiker, Videoeditoren usw.) ihre Hilfe an und so viele Leute spendeten Geld, dass daraus ein echter Dokumentarfilm wurde. Der Überschuss wurde in die Werbung für den Film gesteckt.
Es begann mit zwei Leuten, am Ende arbeiteten mindestens 40 Leute an dem Projekt.
 
 

Aris Hatzistefanou & Katerina Kitidi

Wie ist Schuldkratie bisher beim Publikum angekommen?

In weniger als einer Woche hatte der Film mehr als eine halbe Million Abrufe, und bisher fast 700.000 Abrufe. Trotz seines Erfolgs wurde er in den griechischen Medien mit keinem einzigen Wort erwähnt. Als sie sahen, dass wir eine halbe Million Abrufe hatten, konnten sie nicht so tun, als existierte er nicht – einige Zeitungen fingen an, den Dokumentarfilm anzugreifen und herunterzumachen. Bisher hat nicht ein einziger Fernsehsender Schuldkratie erwähnt, auch nicht in einer negativen Weise. Der Tag, an dem einer der großen Fernsehsender über uns redet, wird der letzte Schritt auf dem Weg zu unserem Sieg sein.

Erklären Sie bitte kurz, worum es in Schuldkratie geht.

Wir argumentieren, dass die derzeitige Situation sowohl ein Teil eines weltweiten Wirtschaftsproblems als auch ein Problem der Eurozone ist. Da die Eurozone in einen Kern und eine Peripherie aufgeteilt ist, sind wir dazu verurteilt, unter dem Verlust unserer Wettbewerbsfähigkeit in der globalen Wirtschaft zu leiden, und wir können unsere Währung nicht abwerten.
Zwar tragen wir eine gewisse Teilschuld, doch für das Geschehene können nicht allein die „PIIGS“ verantwortlich gemacht werden – so nennen sie uns. Das Problem ist, dass Griechenland einen Wohlfahrtsstaat geschaffen hat, ohne mehr Firmen zu besteuern. Das Defizit ist also größer geworden. Wir haben auch ein Korruptionsproblem, doch das ist nur ein Problem am Rande. Auch wenn alle Politiker in ein Gefängnis gesteckt würden, bliebe die Krise ungelöst.
Wir argumentieren auch, dass das deutsche Modell kein Vorbild ist – dort wurden die Gehälter für ein ganzes Jahrzehnt eingefroren! Das ist kein tragfähiges Modell für ganz Europa.

Einige Menschen kritisieren, Ihr Dokumentarfilm sei nicht unparteiisch. Was haben Sie zu dieser Kritik zu sagen?

Es war nie unsere Absicht, unparteiisch zu sein, ganz im Gegenteil, denn unsere Kontrahenten hatten genügend Zeit und Medienpräsenz, um ihre Ansichten vorzubringen. Und diese sind auch nicht unparteiisch.
Die Kritiker argumentieren auch, Ekuador sei kein geeignetes Beispiel, denn es ist ein Entwicklungsland und hat Öl. Doch Öl macht nur 25 Prozent seines BIP aus. Abgesehen davon haben wir unser eigenes Öl: Tourismus. Man könnte jedes andere Land nehmen und die Leute würden immer noch sagen, dass es zwei unterschiedliche Länder sind, obwohl wir mit wachsenden Schulden und ähnlichen, vom IWF vorgeschlagenen „Lösungen“ vor einer ähnlichen Situation stehen. Letzten Endes versuchen sie nur, durch Ablenkungstaktiken eine Diskussion über das Hauptthema des Films zu vermeiden: die Notwendigkeit für ein Prüfkommission.

Was sollte Griechenland Ihrer Meinung nach als nächstes tun?

Es ist klar, dass Griechenland seine Schulden nicht zurückzahlen kann – ob auf legale oder illegale Weise, ungeachtet des Zinssatzes. 350 Milliarden US-Dollar wachsen nicht einfach auf Bäumen (ironischerweise kam der Markt als erster zu diesem Schluss). Die Regierung wiederholt ständig, sie werde das Geld finden, doch der Markt ist nicht dumm. Bei dem von der Europäischen Union und dem IWF beschlossenen Rettungsschirm ging es nicht darum, Griechenland zu retten – es ging darum, die deutschen und französischen Banken zu retten, die zusammenbrechen würden, falls Griechenland bankrott ginge.
Unsere Meinung ist also, dass wir von ihnen nichts erwarten sollten. Wenn wir darauf warten, bis sie die erforderlichen Maßnahmen treffen, wird es zu spät sein. Wir müssen selbst nach den Lösungen suchen und Initiativen schaffen.
Angesichts dessen müssen wir zuerst die Schuldenprüfung durchführen, um zu unterscheiden, welche Schulden legal und welche illegal sind. Es gibt Anzeichen dafür, dass ein erheblicher Anteil der Staatsschulden unmoralisch oder nicht rechtmäßig ist. Doch nur eine Kommission zur Schuldenprüfung könnte dies bestimmen und beweisen. Deshalb unterstützen wir diese Initiative vollkommen. Sie sollte jedoch in einer demokratischen und transparenten Weise durchgeführt werden, und nicht von Parlamentsabgeordneten.
Wir sind beim Vorantreiben dieser Initiative radikaler als andere, denn unserer Ansicht nach sollten wir die Rückzahlung der Schulden stoppen, die Eurozone verlassen und das Bankwesen nationalisieren. Dafür Unterstützung zu bekommen ist nicht leicht, denn es mag Vielen als zu radikal erscheinen – doch mittlerweile fangen sogar einige Politiker und Ökonomen aus der politischen Mitte an, darüber nachzudenken.
Die Nationalisierung der Banken mag als kommunistische Idee erscheinen, doch das Problem ist sehr ernst und wir müssen das Land schützen. Wenn wir die Eurozone verlassen, wird das Bankensystem höchstwahrscheinlich kollabieren, daher müssen wir es vor einer Kapitalflucht ins Ausland schützen.

Sind Sie mit anderen Initiativen dieser Art in Europa verbunden?

Wir wurden von verschiedenen Gruppen kontaktiert und man hat uns gebeten, den Film mit Untertiteln zu versehen. Momentan arbeiten wir daran, ihn in mehreren Sprachen herauszubringen. An sich arbeiten wir mit niemanden zusammen, aber wir bringen alles unter einer Creative Commons-Lizenz heraus (damit jeder/jede unser Filmmaterial benutzen kann).
 

Wie stellen Sie sich die Zukunft Griechenlands vor?

Letztes Jahr gab es viele gegen den Rettungsschirm gerichtete Aufstände, doch die griechischen Bürger sind inzwischen entmutigt. In den vergangen zehn Jahren hat es die Opposition nicht geschafft, einen vernünftigen Vorschlag vorzubringen, der vom Volk unterstützt worden wäre. Einige Leute meinen, dass die Unruhen befriedet wurden, als die EU im Rettungspaket Zinssätze eingeführt hatte. Aber ich fühle, dass die Protestbewegungen weiterhin am Wachsen sind, und sie könnten jederzeit wieder zum Leben erweckt werden.
Erwähnenswert ist, dass keine politische Partei Kontrolle über die Protestbewegungen hat und dass niemand die Fähigkeit besitzt, den Empfindungen der Menschen eine Richtung zu geben. Ich fürchte daher, dass der Protest wohl plötzlich ausbrechen wird und auf gewaltsame Weise, doch wir können nicht sagen wann und warum.

Wie geht es weiter für Schuldkratie?

Nachdem wir aus den Spenden genügend Geld gesammelt hatten, um den Film zu finanzieren, entschieden wir uns, für die überschüssigen Spenden ein Sonderkonto einzurichten. Wenn wir innerhalb der nächsten sechs Monate kein detailliertes und transparentes Projekt finden, werden wir die überschüssigen Spenden zurückgeben.
Wir hatten nicht erwartet, dass wir mit so wenigen Mitteln so einen überwältigenden Erfolg haben würden. Es war nicht leicht, aber wir haben uns selbst bewiesen, dass mit geringen Ressourcen große Dinge erreicht werden können – vor allem, wenn man von talentierten Leuten unterstützt wird.
Das Internet hat uns sehr geholfen, doch wir verstehen nun auch seine Grenzen. Unser Dokumentarfilm wurde zwar von fast einer Million Menschen gesehen, doch wir müssen noch ein Publikum erreichen, dass keine Internetverbindung hat, vor allem außerhalb Athens. Wir planen, DVDs zu verteilen und Vorführungen in Theatern und Kinos zu organisieren. Letzten Endes wäre unsere Initiative allein mit dem Internet elitär.
Wir möchten definitiv noch weitergehen und die Tabuthemen ansprechen, über welche die griechischen Mainstreammedien nicht zu berichten wagen. Wenn die Menschen nicht an der Herstellung und Herausgabe von Informationen teilnehmen, werden sie in den großen Medienkonzernen nie jemanden finden, der für sie spricht.
 
 1) Die Abkürzung PIIGS ist eine während der Euro-Krise 2010 für die fünf Euro-Staaten Portugal, Italien, Irland, Griechenland und Spanien entstandene Abkürzung. Die Bezeichnung erinnert an das englische Wort pigs (deutsch: „Schweine“) und hat deshalb die Rolle eines abwertend konnotierten Akronyms, das für das angesprochene Publikum nicht nur leicht zu merken ist: Den zuvor genannten Staaten wird zugleich unterstellt, sie hätten eine so hohe Staatsverschuldung, dass ihnen der Staatsbankrott drohe.

Mit Hilfe von Federica Cocco & Stefanie Chernow

 Fotonachweis: Debtocracy

 
 

 





Courtesy of Debtocracy
Source: http://www.debtocracy.gr
Publication date of original article: 01/05/2011
URL of this page: http://www.tlaxcala-int.org/article.asp?reference=5321

 

Tags: SchuldkratieGriechenlandverabscheuungswürdige SchuldAnnullierung der illegitimen SchuldBankstersTroika (EK, IWF, EZB)ArgentinaEkuador
 

 
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