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 08/03/2021 Tlaxcala, the international network of translators for linguistic diversity Tlaxcala's Manifesto  
English  
 UMMA 
UMMA / Es ist reiner Zufall, dass Gaddafi die US-Erölinteressen vor dem Krieg behinderte
Date of publication at Tlaxcala: 25/06/2011
Original: In a pure coincidence, Gaddafi impeded U.S. oil interests before the war

Es ist reiner Zufall, dass Gaddafi die US-Erölinteressen vor dem Krieg behinderte

Glenn Greenwald

Translated by  Einar Schlereth

 

Als der Krieg in Libyen begann, überzeugte die US-Regierung eine große Zahl von Unterstützen des Krieges, dass wir dort wären, um das sehr begrenzte Ziel zu erreichen, eine no-fly-Zone in Bengasi zu schaffen, um Zivilisten vor Luftangriffen zu schützen. Und Präsident Obama versprach ausdrücklich, dass „unsere Militärmission auszuweiten, damit sie einen Regime-Wechsel umfasse, ein Fehler wäre“. Diese no-fly-Zone wurde in der ersten Woche geschaffen, doch jetzt, fast drei Monate später, ist der Krieg immer noch im Gange und kein Ende in Sicht. Und die NATO verbirgt nicht einmal mehr, was seit langem offensichtlich ist: dass das eigentliche Ziel genau das ist, was Obama geschworen hat, nicht zu verfolgen – ein Regimewechsel unter Anwendung von militärischer Gewalt. Wir sind in Libyen, um Gaddafi gewaltsam von der Macht zu entfernen und ihn mit einem Regime zu ersetzen, das uns besser gefällt, i. e. eines, das für die westlichen Interessen bequemer ist. Das ist zum jetzigen Zeitpunkt nicht einmal mehr ein Vorschlag, der zur Diskussion steht.

 

Was ich als diskutabel annehme, im weitesten Sinne des Wortes, ist unser Motiv, genau dies zu tun. Warum – zu einer Zeit, wo amerikanische politische Führer sich gezwungen fühlen, politisch radioaktive Budgetkürzungen zu vertreten, um das Defizit zu reduzieren, und wo Meinungsumfragen zeigen, dass die Amerikaner fest und in zunehmender Zahl gegen den Krieg sind – die amerikanische Regierung fortfahren will, riesige Summen auszugeben, um diesen Krieg zu führen? Wieso ist Präsident Obama bereit, ganz offensichtlich gültige Anklagen hinzunehmen – selbst von seiner eigenen Partei – dass er einen illegalen Krieg führt, indem er unverschämterweise die Erfordernisse einer Billigung des Kongresses missachtet? Warum riskiert Verteidigungsminister Gates eine Spaltung, indem er so wütend und öffentlich die NATO-Alliierten schilt, weil es ihnen nicht gelingt, mehr Freiheitsbomben für den Krieg zu bauen? Und warum sollen wir, um einen Satz des Präsidenten zu benutzen, „untätig daneben stehen“, wenn zahlreiche andere Regime – wie unsere engen Verbündeten Bahrein und Jemen und dasjenige in Syrien – auf ihre eigenen Völker zumindest ebenso abscheuliche Angriffe durchführen wie jene, mit denen Gaddafi drohte, doch gleichzeitig hingebungsvoll den libyschen Führer auf's Korn nehmen?

Was immer die Antwort auf diese Rätsel ist, keine verantwortliche oder erklärtermaßen Ernsthafte Person kann der Meinung sein, dass dies – aus der heutigen Washington Post – nichts damit zu tun hat:

„Die Beziehung zwischen Gaddafi und der US Ölindustrie insgesamt war schlecht. 2004 hob Präsident George W. Bush unerwarteterweise die ökonomischen Sanktionen gegen Libyen auf im Tausch gegen den Verzicht auf Atomwaffen und Terrorismus. Es gab einen Ausbruch von Optimismus bei den amerikanischen Ölbossen, die es eilig hatten, auf die libyschen Erdölfelder zurückzukehren, die sie zwei Jahrzehnte zuvor verlassen mussten …

Doch schon bevor der bewaffnete Konflikt die US-Gesellschaften in diesem Jahr wieder vertrieb, hatten sich die Beziehungen zu Gaddafi verschlechtert. Der libysche Führer verlangte harte Vertragsbedingungen. Er verlangte Bonuszahlungen im Voraus. Darüberhinaus war er empört, nicht mehr Respekt von der US-Regierung zu erhalten und Anerkennung für seine früheren Zugeständnisse; er machte Druck auf die Ölgesellschaften, die US-Politik zu beeinflussen …

Als Gaddafi sein Abkommen mit Bush 2004 traf, hatte er gehofft, dass die zurückkehrenden Ölgesellschaften helfen würden, Libyens Ölausstoß zu steigern … Die US-Regierung ermutigte auch die Ölgesellschaften, nach Libyen zurückzukehren …

Aber die brauchten nicht viel Ermunterung. Libyen hat die größten nachgewiesenen Ölreserven – ca. 43.6 Mrd. Barrels – außerhalb Saudiarabiens und mit die besten Bohraussichten … Und die ganze Zeit stiegen die Erdölpreise, was den Appetit auf größere Lieferungen von Libyens ungewöhnlich „süßem" und "leichtem" bzw. hochqualitativen Rohöl reizte.

Als Außenministerin Condoleezza Rice 2008 Libyen besuchte, kontrollierten die US-libyschen Gemeinschaftsunternehmen 510 000 von Libyens 1.7 Millionen Barrel täglich, hieß es in einem Kabel des Außenministeriums ...“

Aber es stand nicht alles zum Besten. Im November 2007 sprach eine Meldung des Außenministeriums „von zunehmenden Beweisen libyschem Ressourcen-Nationalismus“. Und weiter, dass Gaddafi in einer Rede von 2006 zur Gründung seines Regimes sagte: „Ölgesellschaften werden von Ausländern kontrolliert, die Millionen dabei verdient haben. Jetzt müssen Libyer ihren Platz einnehmen und von dem Geld profitieren.“ Sein Sohn machte 2007 ähnliche Bemerkungen. „Die Erdölgesellschaften waren gezwungen worden, ihren örtlichen Niederlassungen libysche Namen zu geben," hieß es im Kabel …

Der ganze Artikel ist lesenswert, da er genau aufzeigt, wie Gaddafi nach und nach die Interessen der US- und westlichen Ölgesellschaften beschnitt, indem er einen größeren Anteil an den Profiten und andere Zugeständnisse verlangte, bis zu einem Punkt, wo einige dieser Gesellschaften beschlossen, dass es nicht mehr lohnend oder rentabel wäre, dort nach Öl zu bohren. Aber jetzt, rein zufällig, gibt es wieder Hoffnung am Horizont für die westlichen Gesellschaften dank der zutiefst humanitären Aktion, die von dem Nobelpreis-Gewinner von 2009 und den engesten Verbündeten der Nation durchgeführt wird.

Aber Libyens Ölproduktion ist geschmolzen und auf 1.5 Mill. Barrel täglich gesunken Anfang dieses Jahres, bevor der Krieg ausbrach. Die großen Ölgesellschaften, von denen einige vergebliche Bohrungen gemacht hatten, hatten das Gefühl, dass Libyen nicht die besten Gebiete für die Prospektierung zur Verfügung stellte. Eine große Gesellschaft meinte privat, dass sie dabei sei, ewas zu entdecken, aber durch die Unruhen wurde das Projekt unterbrochen.

Seit die Kämpfe im Land ausbrachen, gingen die internationalen Gesellschaften vorsichtig vor, nicht gewillt, sich voll hinter Gaddafi oder die Rebellen zu stellen.

Doch als die Rebellenkoalition aus Bengasi mit dem US-Libyen-Business-Council vor vier Wochen sprach, waren Vertreter von Conoco-Philipps und anderen Ölfirmen anwesend laut Richard Mintz, ein Experte für Öffentlichkeitarbeit bei der Harbour Gruppe, die die Bengasi Koalition vertritt. Bei einem weiteren Treffen in Washington sagte Ali Tarhouni, der führende Wirtschaftspolitiker in Bengasi, dass Ölverträge honoriert werden würden, laut Mintz:

„Jetzt können Sie ausrechnen, wer gewinnen wird, und der Name ist nicht Gaddafi“, sagte Saleri. „Gewissen Dinge in dem Mosaik nehmen Gestalt an. Die westlichen Gesellschaften bringen sich in Stellung.“

„In fünf Jahren“, fügte er hinzu, „wird die libysche Produktion höher als jetzt sein und die Investitionen werden hereinströmen.“

Dazu will ich zwei Anmerkungen machen:

1) Der Grund – der einzige Grund – den wir über all dies wissen, ist der, den Wikileaks (und angeblich Bradley Manning) der Welt durch die diplomatischen Kabel enthüllt hat, die diesen Konflikt detailliert beschreiben. Praktisch der gesamte Washington Post Artikel – wie die meisten bedeutenden Enthüllungen der vergangenen 12 Monate, besonders über den Nahen Osten und Nordafrika – basieren ausschließlich auf den Wikileaks-Enthüllungen. Dadurch wissen wir von Gaddafis zunehmend scharfen Forderungen nach einer „Libysierung“ der Ausbeutung der Ressourcen des Landes. Deswegen wissen wir das Meiste der Dinge, die wir in den vergangenen 12 Monaten über die mächtigsten politischen und unternehmerischen Interessengruppen der Welt gelernt haben. Gibt es etwas, was leichter verständlich wäre wie der Eifer der Beamten der US-Regierung,, Wikileaks zu bestrafen und eine weitere Erhellung von Projekten dieser Art zu verhindern?

2) Gibt es irgendjemanden – irgendwo – der tatsächlich glaubt, dass dies nicht die treibenden Erwägungen dafür sind, weshalb wir diesen Krieg in Libyen führen? Nach fast drei Monaten von Kampf und Bombardierung – wo wir so weit von den ursprünglichen Rechtfertigungen und Zusagen entfernt sind, dass wir sie kaum erinnern – gibt es da irgendjemanden, der immer noch glaubt, dass es humanitäre Sorgen sind, die uns und andere westliche Mächte in den Krieg in Libyen geführt haben? Gibt es irgendetwas, was offensichtlicher wäre – während die Ölvorräte der Welt schnell dahinschwinden – als die Tatsache, dass es unser Hauptziel ist, Gaddafi zu entfernen und ein Regime zu installieren, das ein verlässlicherer Diener der westlichen Ölinteressen ist, und dass der Schutz von Zivilisten der Rechfertigungsgrund war für diesen Krieg und nicht der Zweck? Wenn (was durchaus wahrscheinlich ist) sich das neue Regime als ebenso repressiv wie Gaddafi erweist, aber viel unterwürfiger gegenüber den westlichen Unternehmen (etwa wie unsere guten saudischen Freunde), glaubt da irgendjemand, dass uns das im mindesten stört oder wir (im besten Fall) mehr tun, als gelegentlich lahm zu protestieren? Denkt irgendjemand, dass es uns kümmern wird, wenn das libysche Volk von dem zuverlässigen pro-westlichen Nachfolger Gaddafis unterdrückt und brutal behandelt wird?

2006 lehrte uns George Bush, dass es für die Bürger einen „verantwortlichen“ und einen „unverantwortlichen“ Weg gäbe, den Irakkrieg zu diskutieren: der „verantwortliche“ Weg wäre,
dass es bessere Taktiken gäbe, den Krieg effektiver zu führen, während der „unverantwortliche“ Weg wäre, frech zu unterstellen, dass vielleicht Erdöl oder Israel oder Betrug eine Rolle bei der Invasien spielte.

„Wir müssen daran denken, dass es einen Unterschied zwischen verantwortlicher und unverantwortlicher Debatte gibt – und noch bedeutender ist es, diese Debatte verantwortlich zu führen, wenn amerikanische Truppen ihr Leben in Übersee riskieren.

Das amerikanische Volk kennt den Unterschied zwischen verantwortlicher und unverantwortlicher Debatte, wenn es hinschaut. Es kennt den Unterschied zwischen ehrlichen Kritikern, die die Art der Kriegführung in Frage stellen und den parteiischen Kritikern, die behaupten, dass wir in Irak wegen Öl oder wegen Isral oder wegen Irreführung des Volkes sind. Und es kennt den Unterschied zwischen einer loyalen Opposition, die auf Fehler hinweist, und den Defätisten, die sich weigern zu sehen, dass irgendetwas richtig ist.“

Anfang dieses Monats hat Hillary Clinton eine Zusammenkunft mit einer großen Reihe von Unternehmen abgehalten – von Goldman Sachs, JP Morgan, Halliburton, GE, Chevron, Lockheed Martin, Citigroup, Occidental Petroleum etc. etc. - um darzustellen, wie „die ökonomischen Gelegenheiten in dem neuen Irak“ ausgenützt werden können. Und ein Wikileaks „diplomatisches“ Kabel nach dem anderen enthüllt die ständigen Regierungsbemühungen, die Interessen westlicher Multis in der 3. Welt zu befördern. Nichtsdestoweniger ist schon die bloße Erwähnung, dass die USA Kriege führt, nicht um humanitäre und freiheitliche Werte zu verbreiten, sondern vielmehr um die Ressourcen anderer Nationen für seine eigenen Multis auszubeuten, zutiefst „unverantwortlich“ und UNSERIÖS. Wie üblich sind die am meisten mit den größten Tabus belegten Ideen diejenigen, die am offensichtlichsten wahr sind.

Es ist gewiss möglich, aus guten Gründen zu sagen, dass (wie es auch in Irak stimmte) einen bösen Diktator zu entfernen und sonstige humanitäre Ergebnisse zufällige Nebenprodukte unseres Krieges in Libyen sein werden, wenn auch nicht beabsichtigt (obwohl man, wie in Irak, erst das Regime sehen muss, das Gaddafi ersetzt, um zu wissen, ob es stimmt). Und es ist prima – oder zumindest offenherzig – zu sagen, dass „natürlich müssen wir Krieg für Öl führen … wir brauchen Öl. Das ist ein guter Grund, um Krieg zu führen.“ Aber zu glauben, dass Humanität (Schutz von Zivilisten) es war, weshalb wir Krieg in Libyen führen, erfordert eine derartig sture und vollständige Blindheit, dass es echt schwierig ist, sie zu beschreiben.





Courtesy of Tlaxcala
Source: http://www.salon.com/news/opinion/glenn_greenwald/2011/06/11/libya/index.html
Publication date of original article: 11/06/2011
URL of this page : http://www.tlaxcala-int.org/article.asp?reference=5199

 

Tags: UmmaLibyenBengasiUSANATOObamaGaddafiillegaler KriegErdöl
 

 
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