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English  
 ASIA & OCEANIA 
ASIA & OCEANIA / Die radioaktive Strahlung in Fukushima erreicht ihren bisher höchsten Stand
Date of publication at Tlaxcala: 04/05/2011
Original: Fukushima radiation levels rise to highest levels yet

Die radioaktive Strahlung in Fukushima erreicht ihren bisher höchsten Stand

William Whitlow

Translated by  Einar Schlereth

 

Während des 25. Jahrestags der Tschernobyl-Katastrophe sieht es so aus, als ob Fukushima sie als die bisher größte Katastrophe der Welt übertreffen wird. Vor zwei Wochen wurde Fukushima von Stufe 5 auf Stufe 7 hochgestuft, genau wie Tschernobyl. Aber zwei Monate nach Beginn der Krise stößt Fukushima immer noch Radioaktivität aus, während Tschernobyl zu dem Zeitpunkt bereits eingedämmt war.

Roboter, die in das Reaktorgebäude Nr. 1 geschickt wurden, haben die höchste Strahlung aufgezeichnet, die bisher im Fukushima Dai-ichi Kraftwerk seit Beginn des Notstands vor zwei Monaten gemessen wurde. Zwei Roboter fanden 1120 Millisieverts Strahlung pro Stunde bei dem beschädigten Reaktor. Dieses Niveau an Strahlung ist mehr als genug, um unmittelbar die Strahlungskrankheit zu verursachen, wenn ihr ein Mensch ausgesetzt wird. Die Tokyo Electrical Power Company (Tepco), die das Werk in Fukushima betreibt, hat begonnen, Roboter zu benutzen, da es unmöglich geworden ist, Arbeiter lange genug hineinzuschicken, um genaue Messungen vorzunehmen.

Das Unternehmen hat gerade zugegeben, dass eine weibliche Arbeiterin im vergangenen Monat entlassen wurde, weil sie 17.55 Millisieverts ausgesetzt wurde. Dieser Wert übersteigt die gesetzliche 3-Monats-Dosis von 5 Millisieverts erheblich. Frauen dürfen nur eine geringere Menge an Strahlung erhalten als Männer, wegen der potentiellen Gefahr für den Fötus, falls die Frau schwanger wird. Die Frau arbeitete im Gebäude und die Strahlung beschränkte sich auf die Strahlung von Kleidung und anderem Material, das von draußen zu ihrem Arbeitsplatz gebracht worden war. Die Tatsache, dass sie die erlaubte Dosis überschritten hat, ist ein Zeichen der allgemeinen Verseuchung in Fukushima und ist auch eine Andeutung, dass kein Bereich des Werkgeländes als sicher eingestuft werden kann. Tepco hat 18 weibliche Arbeiter entlassen. Nichts verlautete, wie hoch ihr Strahlungslevel war.

Die japanische Atomindustrie steht jetzt einer allgemeinen Krise gegenüber, da die potentielle Arbeiterzahl wegen der hohen Werte in Fukushima reduziert wurde.Vom Gesundheitsministerium wird erwartet, die gesetzlichen Grenzen für Atomkraftarbeiter im nächsten Monat zu erhöhen. Das gegenwärtige Niveau für Nicht-Notstandsarbeiter beträgt 50 Millisieverts pro Jahr. Sie werden also größeren Mengen an Strahlung ausgesetzt werden.

Auch für Kinder sollen die erlaubten Strahlungsmengen erhöht werden. Die japanische Regierung will die Grenze für die in der Fukushima-Präfektur lebenden Kinder auf 20 Millisieverts pro Jahr erhöhen. Das heisst, dasselbe Niveau wie für erwachsene Männer, die in der Atomindustrie arbeiten und die zwanzigfache Menge, die international für Arbeiter außerhalb der Atomkraftwerke akzeptiert wird.

Gegenwärtig wäre es in Japan illegal für jedermann unter 18, unter diesen Bedingungen zu arbeiten. Aber mit den neuen Vorschlägen der Regierung wird diese Verseuchungsmenge für Kinderspielplätze und Schulhöfe zugelassen. Wenn die mögliche Verseuchung von Nahrunsgmitteln mitgerechnet wird, dann werden die Kinder in Fukushima noch höheren Raten ausgesetzt werden. Die Zellen von Kindern teilen sich 10 mal schneller als bei Erwachsenen, so dass ihre Empfindlichkeit gegenüber Radioaktivität weitaus größer ist.

Unterdessen hat die Gewerkschaft, die die Tepco-Arbeiter vertritt, einer 20-25-prozentigen Lohnkürzung für ihre Mitglieder zugestimmt. Koji Sakata, Generalsekretär der Tokyo Eletric Power Workers Union sagte zu Reportern: „Die meisten Gewerkschaftsmitglieder haben sich der Lohnkürzung nicht widersetzt, in Anbetracht der Situation des Unternehmens und der Auswirkungen auf die Gesellschaft durch den Atomkraftunfall.“

Die Tepco-Aktien sind seit der Krise um 80% gefallen. Das Unternehmen hofft 54 Mrd. Yen durch die Lohnkürzung zu sparen. Tepco hat eine riesige Rechnung an Entschädigungen für die Bewohner, die aus dem Umgebung evakuiert worden sind, zu bezahlen. Die anfänglichen Zahlungen erreichen eine Höhe von 50 Mrd. Yen, aber man erwartet, dass die Regierung die Kosten übernimmt. Die finanzielle Last der Katastrophe wird also effektiv auf die Schultern der Tepco-Arbeiter und der Mehrheit der japanischen Bevölkerung gelegt, die mit ihren Steuern die Subsidien bezahlen müssen.

Die hohen Strahlungsraten haben ernste Implikationen für die langfristigen Maßnahmen zur Stabilisierung des Kraftwerks und um die vier überhitzten Reaktoren kalt abzustellen. Tepco hat geplant, den Stahlbehälter des Reaktors Nr. 1 mit Wasser zu fluten, um den Kühlungsprozess zu beschleunigen. Die hohen Messergebnisse bedeuten jedoch, dass dies jetzt nicht möglich ist, weil die Quelle der Messwerte nicht identifiziert werden kann.

Die Folgerung ist, dass der Reaktorsicherheits- behälter von Reaktor 1 irgendwie beschädigt ist, und dass die Stahlstruktur selbst oder die Dichtungen an den Verbindungsrohren schadhaft sind. In beiden Fällen würde es unmöglich sein zu fluten, ohne noch mehr verseuchtes Wasser im Reaktorgebäude zu produzieren, das letztendlich ins Meer fließt. Stark verseuchtes Wasser fließt bereits in das Meer aus einem Leck, das Tepco unfähig war zu verstopfen.

Professor Hironobu Unesaki von der Kyoto Universität sagte: „Tepco muss die Quelle der hohen Strahlung finden. Wenn es kontaminiertes Wasser aus dem Inneren des Reaktors ist, könnte Tepcos sogenannte Wassergrab gefährdet werden, weil die Flutung des Reaktorbehälters noch mehr Strahlung im Gebäude verursachen wird.“

Die bloße Menge des stark verseuchten Wassers ist zu einem ernsten Problem in Fukushima geworden. Ein schwimmender Speicher soll in den nächsten Wochen ankommen. Der Mega-Behälter kann 100 000 Tonnen oder annähernd 10 Mill. Liter Wasser aufnehmen. Aber das Ausmaß des Problems lässt selbst diese gigantische Struktur winzig erscheinen. Man glaubt, dass etwa 87,5 Millionen Liter Wasser in den Kellern, Tunneln und Gräben stehen. Außerdem fließen täglich eine halbe Million Liter über. Das Megaboot kann also höchstens ein Achtel des Wassers fassen.

Das meiste Wasser auf dem Gelände ist auf jeden Fall stark belastet und es würde zu gefährlich sein, es in ein schwimmendes Lager zu pumpen. Einige Lagerstätten sind auf dem Gelände verfügbar und weitere sollen geschaffen werden. Eine langfristige Lösung ist die Dekontaminierung. Das französische Atomunternehmen Areva arbeitet mit dem Veolia-Unternehmen für die Hantierung von Abwässern zusammen, um in Fukushima eine Ausflockungs-Anlage zu bauen, die 50 Tonnen täglich behandeln könnte. Ein Cocktail von Chemikalien wird benutzt, um die radioaktiven Elemente zu einem Schlamm zu verbinden, der dann in Bitumen oder Glas verschlossen und in Fässern gelagert wird.

Diese Technik wird gegenwärtig in der La Hague nuklearen Wiederaufbereitungsanlage benutzt und behandelte Abwässer werden direkt in den Ärmelkanal gepumpt. Aber dieses System wird auch kritisiert. Gesundheitsforscher haben eine Häufung von Leukämiefällen nahe von La Hague dokumentiert. Die US Atombehörde hat sich geweigert, der französischen Technik eine Lizenz zu erteilen. Deren Vorsitzender Gregory Jaczko gab als Grund „Umweltbedenken“ an.

Das volle Ausmaß der Auswirkungen auf Gesundheit und Umwelt und Gesundheit durch den Atomunfall von Fukushima kann noch nicht festgestellt werden. Manche Wissenschaftler weisen auf die ernsten langfristigen globalen Gefahren hin. Arnie Gundersen von den FairewindsAssociates, der 39 Jahre für die Atomindustrie gearbeitet hat und jetzt als Experte auftritt, hat die Meinung vertreten, dass die Explosion im Reaktor-Gebäude Nr. 3 vom 14. März ernster gewesen sein könnte, als bisher zugegeben.

Gundersen postuliert, dass der Aufwärts-Vektor, der Auftrieb der Explosion im Gebäude Nr. 3 ausgereicht habe, um radioaktive Isotopen von den Brennstäben in die Atmosphäre zu transportieren und sie über viele Tausende Kilometer zu verbreiten. Er verweist darauf, dass in Hawaii Uranium gefunden wurde, Americium in Neu-England und Plutoniumstaub auf dem Fukushima Gelände. Die beiden letzteren Elemente sind transuranisch, d.h. schwerer als Uran, und zeigen an, dass sich in Fukushima Atombrennstoff verflüchtigt hat.

Wenn Gundersons Hypothese stimmt, dann wird Fukushima Tschernobyl in den gesundheitlichen Konsequenzen gleichen oder gar übertreffen. Die Auswirkungen von Tschernobyl werden immer noch diskutiert. Eine neue Studie von Lisbeth Gronlund von der Union of Concerned Scientists schätzt, dass zusätzliche 53 000 Krebs- und 27 000 Todesfälle auf den Atomstaub von Tschernobyl zurückgehen. Das ist das Sechsfache der UN-Schätzung, die sich nur auf die am stärksten verseuchten Gebiete beschränkte.

Im Interview mit Lisa Mullins von PRI (Public Radio International) weigerte sich Gronlund, sich über die Implikationen für die Todesziffer von Fukushima zu äußern. „Die Fukushimakrise ist noch nicht beendet“, sagte sie. „Die Strahlung geht noch weiter. Erst danach wird man in der Lage sein, die Dosis zu rekonstruieren, die von den Menschen in jenen Gebieten aufgenommen wurde. Und dann kann man die Zahl zusätzlicher Krebstoter errechnen. Aber jetzt ist es zu früh, darüber zu sprechen.“

Fukushima dauert schon länger als die kritische Phase von dem Tschernobyl-Unfall. Dort war nur ein Reaktor betroffen, während Fukushima vier kritische Reaktoren hat. Auch fand Tschernobyl nicht in Zusammenhang mit einer Naturkatastrophe auf, die hunderttausende Menschen getötet hat und wichtige Infrastruktur unterbrochen hat. Außerdem kann die bereits zerstörte Anlage von einem neuen Erdbeben und Tsunami getroffen werden.

„Ein großes Erdbeben kann jeder Zeit eintreffen“, warnte der Regierungsratgeber Shigeharu Aoyama, „und wir befinden uns mitten im Gefahrenbereich. Aber wir konzentrieren uns zu sehr darauf, den Reaktor zu kühlen und was wir mit dem radioaktiven Wasser machen sollen. Und obwohl wir 1500 Leute vor Ort haben, ist noch kein Schutzwall gebaut worden.“

Professor Toshiso Kosako, ein Experte für Strahlungssicherheit an der Universität von Tokyo, ist von seinem Posten als Sonderberater der Regierung für nukleare Fragen zurückgetreten. Er sagte, die Regierung „habe die Gesetze ignoriert und sich nur mit dem jetzigen Problem befasst“. Dieses Herangehen könne die Krise nur verlängern.

Er machte explosive Anklagen, dass die Regierung die Bevölkerung nicht hinreichend vor der Strahlung schütze. Mit Hinweis auf die kürzliche Entscheidung der Regierung, die für Kinder in der Nähe der Fukushima-Anlage dieselben Dosen radioaktiver Strahlung erlaube wie der internationale Standard für Arbeiter in Kernkraftwerken, sagte er: „Das kann ich als Wissenschaftler nicht verantworten.“

Er sagte auch, dass die Grenzen für radioaktive Strahlung für die Sanierungsarbeiter in Fukushima zu hoch wären und dass die Regierung nicht ausreichend Daten über das Niveau der Strahlung um das Gelände herum bereitstelle.

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Courtesy of Tlaxcala
Source: http://www.wsws.org/search/index.php
Publication date of original article: 02/05/2011
URL of this page : http://www.tlaxcala-int.org/article.asp?reference=4678

 

Tags: AsienJapanFukushimakeine FortschritteHerauszetzung der GrenzwerteKosten trägt das Volk
 

 
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