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 17/09/2019 Tlaxcala, the international network of translators for linguistic diversity Tlaxcala's Manifesto  
English  
 AFRICA 
AFRICA / Die Völker im Omo-Tal fallen einem äthiopischen Staudamm zum Opfer
Date of publication at Tlaxcala: 31/03/2011
Original: Le peuple Omo sacrifié pour un barrage éthiopien
Translations available: Español 

Die Völker im Omo-Tal fallen einem äthiopischen Staudamm zum Opfer

Awa Ba

Translated by 
Edited by  Susanne Schuster سوزان شوستر

 

 

In Kenia und Äthiopien sind acht Stämme vom Bau eines gigantischen Staudammes entlang des Omo-Flusses bedroht. Anlässlich des Weltwassertags wird von NGOs eine Petition gestartet.

 
 
Nach dem Erdgipfel in Rio 1992 wurde der 22. März zum Weltwassertag erklärt. Dieses Jahr wurde anlässlich des Weltwassertages eine Petition, die von  mehr als 400 Umweltschutzorganisationen unterzeichnet wurde, an die äthiopischen Botschaften in Frankreich, Deutschland, Belgien, Großbritannien, Italien und den USA übergeben. Diese im März 2010 gegründete Koalition beabsichtigt, den Bau des Staudamms Gibe III am Omo-Fluss – er entspringt in Äthiopien und versorgt den Norden Kenias mit Wasser – zu bekämpfen.
 
Mit einer Höhe von 240 Metern wird der Staudamm der höchste des afrikanischen Kontinents. Es besteht die Gefahr, dass dadurch der in Kenia flussabwärts gelegene und vom Omo gespeiste Turkanasee schrumpft. Für die Unterzeichner der Petition drängt die Zeit: der äthiopischen Regierung zufolge sind die im Jahre 2006 begonnenen Bauarbeiten schon zu 40% fertig gestellt. Die Kosten werden auf 1,4 Milliarden Euro geschätzt, eine Entschädigung für die betroffenen Völker ist in dieser Summe nicht enthalten.

Acht Stämme in Gefahr

Jedoch sind 500.000 Menschen von mindestens acht Stämmen, die seit jeher entlang des Omo-Flusses als Fischer, Landwirte und halbnomadische Viehzüchter leben, von Vertreibung bedroht. „Sollten die Bauarbeiten weitergeführt werden, wird der Staudamm zu einer Lebensmittelknappheit oder gar einer Hungersnot führen“, befürchten die Unterzeichner der Aktion. Für die Organisation Amis de la Terre (Freunde der Erde, AdÜ) verstößt dieses Projekt gegen die internationalen Abkommen über die Rechte der einheimischen Völker. Der Staudamm wird sich auf die lokale Wirtschaft katastrophal auswirken, durch ihn werden Fischgründe zerstört und sehr fruchtbare Böden am Flussufer überflutet werden, doch die jährlichen Überschwemmungen sind für die Lebensgrundlage dieser Völker unentbehrlich. „Wir leben vom Fisch, er ist wie unser Vieh. Wenn die  zyklischen Überschwemmungen des Omo ausbleiben, werden wir sterben“, sagte ein Fischer der indigenen Kwengu.
 
Zu den Schäden, die den lokalen Völkern zugefügt werden, kommt noch die Gefährdung weltberühmter prähistorischer Stätten sowie des Ökosystems des Turkanasees. Beide stehen nun auf der Liste der UNESCO-Weltkulturerbestätten.
 
Die unterzeichnenden Organisationen beklagen auch die Vergabe des Baus von Gibe III an die italienische Baugesellschaft Salini Construttori ohne vorherige Ausschreibung, ein grober Verstoß gegen die äthiopische Verfassung, laut derer die Betroffenen vor dem Beginn der Bauarbeiten konsultiert werden müssen.

Demonstrationen in Kenia

Obwohl der Staudamm hauptsächlich zum Ziel hatte, Kenia mit Strom zu versorgen, sind nicht alle Kenianer davon begeistert. Anfang März sind Tausende Kenianer auf die Straße gegangen, um gegen den Bau des Staudamms zu protestieren, weil sie meinen, „dass er am Ende Millionen Menschenleben kosten wird“. So haben internationale Organisationen die äthiopische Regierung aufgefordert, das Projekt zu stoppen „solange die betroffenen Völker nicht ihre Zustimmung abgegeben haben, und sie vorher darüber informiert werden“.
 
Die Europäische Investitionsbank und die Afrikanische Entwicklungsbank haben sich auf eine Anfrage hin geweigert, das Projekt zu finanzieren, aber chinesische Banken zeigen um so größere Bereitschaft, dem äthiopischen Gesuch Folge zu leisten. Auch italienische und britische Banken beteiligen sich daran.
 
Internationale Organisationen, darunter Survival International, weisen auf ein zusätzliches Risiko für die Völker im OmoTal hin. Äthiopien ist nämlich dabei, ein Paradies für ausländische Investoren zu werden. Die Regierung in Addis Abeba hat kürzlich mehrere Millionen Hektar bisher noch unberührten Agrarlandes für eine Laufzeit von 50 Jahren verpachtet; davon liegen 180.000 Hektar am Ufer des Omo-Flusses. Bei einem Pachtzins von 150 Pfund (172 Euro) für 2.500 Quadratkilometer pro Woche hofft die Regierung, ohne die Hilfsorganisationen auskommen zu können, von denen Äthiopien derzeit vollkommen abhängt.
 
Eines steht für Wondirad Manfredo, äthiopischer Minister für Farmen, zitiert im englischen Guardian, soweit ganz sicher fest: Die Stämme im Omo-Tal werden letzten Endes ihre traditionelle Lebensweise aufgeben müssen.
 
 
Fotos von Hans Silvester, Rapho
 
Weitere Informationen unter
 

 





Courtesy of Tlaxcala
Source: http://www.tlaxcala-int.org/article.asp?reference=4459&enligne=aff
Publication date of original article: 31/03/2011
URL of this page : http://www.tlaxcala-int.org/article.asp?reference=4460

 

Tags: ÄthiopienAfrikaOmo TalWeltwassertagGibe IIIPetitionTurkanaKeniaStaudamm
 

 
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