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 19/02/2020 Tlaxcala, the international network of translators for linguistic diversity Tlaxcala's Manifesto  
English  
 ASIA & OCEANIA 
ASIA & OCEANIA / Indien: Angst um Konkan
Die Wut kocht über in Jaitapur
Date of publication at Tlaxcala: 03/01/2011
Original: India: Fear Over Konkan
The anger of people is expanding


Indien: Angst um Konkan
Die Wut kocht über in Jaitapur

Prabhat Sharan

Translated by  Einar Schlereth

 

Die Angst unter den Bewohnern von Jaitapur im Konkan-Gürtel von Maharashtra ist ein ständiges unterschwelliges Summen, das vom Austeilen ernster Strafanzeigen als Strafe für die Nichtbeachtung des internen Protokolls kommt, von der Regierung ausgedacht – ein Protokol, über das niemals in der Presse geredet wird …

 Konkan an der Westküste Indiens

Die Einwohner von Jaitapur in Konkan – das grüne Band, das entlang der Küstenlinie von Maharashtra verläuft – sind glühend rot. Die Wut des Volkes weitet sich aus. Sie ist unbarmherzig, exponentiell, sich aufbäumend und sich überschlagend wie die Wellen des Arabischen Meeres, die gegen das Ufer schlagen.

Für den indischen Staat haben weder empirische Beweise von nuklearen Katastrophen noch der Zorn des Volkes Platz in seinem geistesgestörten Experiment. Nachdem er aus verschiedenen Teilen des Landes gejagt wurde und gezwungen wurde, seine nuklearen Einrichtungen auf Eis zu legen, hat er sich jetzt auf den Konkon-Gürtel gestürzt.

Die Regierung hat ihre Lektion gelernt von Orten wie Haripur in Ost-Midnapore und Gorakhpur, wo sie versucht hatte, 180 ha bzw. 250 ha Land an sich zu reißen für die Pläne der Nuclear Power Corporation of India Ltd. (NPCIL).

Jetzt hat sie Jaitapur in ein Konzentrationslager verwandelt. Anzeigen hageln auf die Demonstranten und es gibt jetzt mehr Polizisten als Einwohner, deren Augen im Halbdunkel der Pfade vor Furcht funkeln wie bei hilflosen Tieren, die im Scheinwerferlicht eines heranbrausenden LKWs voller bewaffneter Polizisten festgenagelt stehen.

Die Angst unter den Bewohnern ist ein ständiges unterschwelliges Summen, das vom Austeilen saftiger Strafanzeigen als Strafe für die Nichtbeachtung des internen Protokolls kommt, das von der Regierung ausgedacht wurde – ein Protokol, über das niemals in der Presse geredet wird …

Der grüne Gürtel an der Westküst Indiens, Konkan genannt

Das ganze Gebiet ist abgeriegelt, alle Außenstehenden sind „Unbefugte“ und dürfen nicht hinein in das Gebiet, wo die NPCIL entschieden hat, die Jaitapur Nuclear Power Plant (JNPP) mit 6 Reaktoren mit je 1650 MW und insgesamt 9900 MW zu bauen. Zwei Reaktoren sind für die erste Phase schon bewilligt worden.

Mit Unterstützung als Alibifunktion seitens der Medien mit dem Beachtungsgrad einer Mücke und

 

 

 

Die Schönheit Konkans wird zerstört

den Politikern verschiedenster Couleur, die um die politischen Geschäfte in der Region herumtanzen, werden die Leute der Region langsam in semiotische Gespenster verwandelt.

Die Bhopal Gastragödie hängt über allen Köpfen und ironischerweise sind es diesmal die Frauen, die den Kampf aufgenommen haben. Im Gespräch mit der Genossin Vaishali Patil von der Konkan Vinashkari Prakalp Virodhi Samiti (KVPVS) aus Madban sagte diese, dass eine kriminelle Technologie mit bewiesenen Todesraten, der zum Erfolg verholfen und die mit aller Art Lügen und Geschichten wie aus Science fiction-Romanen installiert wird, die Kultur aushöhlt.

„Wissenschaftler selbst reden Politik und was wir hier sehen, ist ein Konzentrationslager … die Regierung reißt gewaltsam Land an sich in Madban, Karel, Niveli und Mithgavhane in Rajapur Taluka. Bis jetzt haben die Bewohner hier demokratisch gegen die gewaltsame Landererwerbung sich zur Wehr gesetzt und demonstriert. Aber die Regierung scheint keinerlei demokratische Methoden zu kennen … ein stiller Genozid, Ethnozid und Ökozid wird hier durchgeführt.“

 

Frauen an der Spitze im Kampf gegen Zerstörung der Umwelt

Im Mai dieses Jahres gab es eine öffentliche Anhörung, auf der Dorfbewohner gegen das Projekt sprachen. Seltsamerweise begannen das Ministerium für Umwelt und Forsten (NPCI) und die Regierung von Maharashtra ohne jede Genehmigung Ausschreibungen vorzunehmen für geologische Untersuchungen und den Bau einer Umfassungsmauer für Wohnsiedlungen nahe des Dorfes Niveli, „als ob die Stimme des Volkes überhaupt nichts zählt“.

Mit dem Beginn der Arbeiten auf dem Gelände war der Ausbruch von Konfrontation unvermeidlich. Und im August geschah das Unvermeidliche zwischen dem Kontraktor und seinen Leuten auf der einen Seite und den Dorfbewohnern auf der anderen. Und wie erwartet, trat die Polizei, die in den Kulissen gewartet hatte, in Aktion und schleppte Dorfbewohner ab. Laut Vaishali Patil wurden, als die Dorfbewohner sowohl den Behörden als auch dem Kontraktor die Nichtbewilligung durch die MoEF (das Ministerium) erklären wollten, 40 FIR (Anzeigen) gegen die Bewohner erlassen.

Immer wieder wird versucht ...

den demokratischen Weg zu gehen

Die Aktivisten sagen: „Es ist erstaunlich, dass die Regierung einerseits von uns erwartet, demokratische Methoden anzuwenden, um unere Gesichtspunkte und Klagen vorzubringen, sie aber andererseits , um unsere Stimmen zu ersticken, harte Taktiken anwendet und sich ohne Bedenken auf das niedrigste Niveau herablässt. Obwohl die Wut langsam das tägliche Leben der Ansässigen zersetzt, versuchen wir dennoch, den demokratischen Weg zu gehen.“

Bis jetzt haben weder das Zentrum (Delhi) noch der Bundesstaat oder die NPCIL es für nötig befunden, auf die Fragen der Bewohner zu antworten. Laut den Führern der KVPVS – der Dachorganisation der verschiedenen Protestbewegungen in Konkan – wurde die französische Firma Areva, die mit der Installierung der Nuklearreaktoren beauftragt wurde, von der Atombehörde Finnlands wegen ihrer fehlerhaften Entwürfe und Bauweise der Reaktoren bestraft.

Darüberhinaus hat in der Vergangenheit selbst Frankreich ernste Schwierigkeiten gehabt, die Sicherheit seiner nuklearen Infrastruktur aufrechtzuerhalten. Vor einigen Jahren ist in Romans-sur-Isere im südöstlichen Frankreich uranhaltige Flüssigkeit aus einem unterirdischen Rohr eines Areva-Atomkraftwerks ausgetreten. Laut Berichten hält die Säuberungsaktion immer noch an.

Obendrein ist, wie Frau Patil betont, die Konkan-Region eine seismische Zone und das Gelände, das die JNPP gewählt hat, fällt unter die seismische Zone 4. „Die Erdbeben, die wir hier im Koyna Tal und im Ratnagiri Distrikt in all den Jahren hatten, machen das Gelände für ein Atomkraftwerk ungeeignet.

Hunderttausende Liter Seewasser, die täglich reingepumt und wieder mit höherer Temperatur abgeführt werden, werden das Leben im Wasser ernsthaft schädigen. Fische und Fischerei werden in Gefahr geraten. Die erhöhten Temperaturen der Umgebung, dicke Dampfwolken werden die Mango-, Cashew- und andere Kulturen gefährden und zerstören, die Wälder und auch die Gesundheit der Menschen. In Anbetracht all dieser Faktoren ist es eine klare Folgerung, dass die Wahl dieses Platzes unwissenschaftlich und gefährlich ist.“

Sie weist auch auf Folgendes hin: „Acht Wärmekraftwerke auf Kohle-Basis mit einer Gesamtkapazität von 23 000 MW sind in den Distrikten Raigad, Ratnagiri und Sindhudurg vorgesehen. Die Regierung hat auch für Bergbauprojekte in Mandangad, Dapoli und Dodamarg die Genehmigung erteilt. Riesige Kohlenlager und Flugasche werden die Gewässer in der Umgebung verseuchen. Die Schadstoffe wie Schwefeldioxyd, Stickstoffoxyd, Kohlenmonoxyd, Kohlendioxyd zusammen mit Arsen, Kadmium werden sich über 25-30 km ausbreiten und Luft, Wasser und Erde verseuchen. Diese vorgeschlagenen Projekte werden zur Zerstörung der Ökologie und der Mittel für den Lebensunterhalt der arbeitenden Bevölkerung in Konkan führen. Die CRZ-Normen werden missachtet.“ [CRZ = Coastal Regulatory Zone = Küstenschutzzonen. D.Ü.]

In ihrem Studienpapier verweist die KVPVS darauf hin, dass „ … das mit Nuklearenergie verbundene Risiko mit seinen gewöhnlichen Langzeiteffekten nicht nur auf menschliche Wesen begrenzt ist, sondern auch auf Bäume, Vieh, Fische und Umgebung. Die Belastung mit Radioaktivität führt zu einer Zunahme an Tumoren, Krebs, Unfruchtbarkeit, angeborenen Missbildungen, Totgeburten usw. Die folgenschwerste Sache ist, dass genetische Veränderungen an die nachfolgenden Generationen weitergegeben werden. Und ein noch monströseres Problem ist die Lagerung nuklearen Abfalls. Wenn man die Komplexität der Technologie eines Atomreaktors erwägt, dann gibt es keine Möglichkeit sicherzustellen, dass ein ernster Atomunfall nicht stattfinden kann. Ein Unfall in einem Atomkraftwerk ist kein gewöhnlicher Unfall; er beeinträchtigt die eigentliche Zukunftsfähigkeit des Lebens auf dem Planeten Erde.

Atomenergie ist auch nicht weniger schädlich in Bezug auf Treibhausgasemissionen im Vergleich zur mit Kohle oder Gas betriebenen Elektrizätswerken, wenn der gesamte atomare Zyklus vom Uranbergbau bis Abfalllagerung in Betracht gezogen wird.“Vielleicht werden bei dem Prozess des Verwüstens, Plünderns und der Zerstörung ein paar Orte als eine Art historischer Park erhalten bleiben, um künftigen Generationen zu zeigen, was einmal war – Konkan mit semiotischen Phantomversatzstücken einer kulturellen Bilderwelt. Und die Bewohner würden wahrscheinlich zurückgelassen mit den Mahnzeichen einer verbrannten und verfallenen Existenz und einem Leben, um das sie nicht gebeten haben.

Und falls ein Atomunfall doch eintreten sollte, dann wird es vielleicht die Mittelklasse, die die Trommel schlägt für das viel benutzte und missbrauchte Wort 'Entwicklung', auch treffen und die Atombefürworter sitzen vielleicht in Delhi, geben Plattitüden von sich und schaufeln das Geld ein von dem Geheule, den Schreien und radioaktiv zerfressenen Toten in billigen Särgen.

DAS CHINA SYNDROM

16. März 1979: Der Hollywoodfilm „China Syndrom“ war kurz zuvor in vielen US-Kinos angelaufen. Der Film handelt von einem bevorstehenden Atomunfall in einem Atomkraftwerk. Die Atom-Scharfmacher und Befürworter wischen das vom Tisch und nennen es „eine Übertreibung, Pseudo-Wissenschaft und eine hypothetische Unwahrscheinlichkeit“. Zwölf Tage später, am 16. März 1979 traf die Katastrophe auf Three Mile Island ein, einer Insel 18 km von Harrisburg, Pennsylvania. Zwar wurden keine Toten vermeldet, aber bis heute ist niemand sicher, welche Effekte das radioaktive Wasser, das in den Susquehanna-Fluss geleitet wurde, für die Leute der Umgebung gehabt hat.

Tokaimura Unfall

7 Jahre sind seit dem Unglück vergangen und am 26. April 1986 passierte eine der schlimmsten Katastrophen nahe Kiew in der Ukraine. Die Auswirkungen werden immer noch untersucht. Zwölf Jahre danach werden In Tokaimura in Japan über 100 Menschen ins Krankenhaus gebracht, und zwei Arbeiter, die während des Unglücks der Radioaktivität ausgesetzt wurden, starben.

Die Liste ist lang und geht auf das Jahr 1952 zurück, als das erste aufgezeichnete Unglück in dem Versuchskraftwerk am Chalk-Fluß in Kanada eintraf. Fünf Jahre später fingen in Englands Windscale- Wiederaufbereitungsanlage (Sellafield) drei Tonnen Uranium Feuer. Ergebnis: über 200 Personen bekamen tödlichen Krebs. Der genaue Umfang des Unfalls konnte nicht festgestellt werden, da sich die Radioaktivität über hunderte Kilometer in Nordeuropa verbreitete.

Fakten und Zahlen:

* In den vergangenen 60 Jahren ist der Standard für berufliche Strahlenbelastung von 30 rem pro Jahr 1934 auf 5 rem im Jahre 1987 gesunken. Diese Veränderung der Belastungsgrenzen waren drastisch, als die Gesundheitsauswirkungen durch Strahlung besser verstanden wurden.

* Eine einmalige Dosis von 1 gray [Einheit von einer Energiedosis. D. Ü.] kann die Strahlungskrankheit hervorrufen. Akute Folgen können Schwindel, Erbrechen und Diarrhöe sein, manchmal begleitet von Unwohlsein, Fieber und Blutungen. Das Opfer kann in wenigen Stunden, Tagen oder Wochen sterben. Weitere akute Folgen können Sterilität und Strahlungsverbrennungen sein, je nach der empfangenen Dosis und der Dauer der Belastung.

* Bei Strahlenbelastung von weniger als 1 Sievert, Stochastik oder geringer sind die Auswirkungen von größter Besorgnis. Krebs und vererbliche genetische Schäden können viele Jahre oder Jahrzehnte nach der Belastung auftreten. Schätzungen von der Größe von Niedrigbelastungsauswirkungen sind im Laufe der Jahre gestiegen, werden aber kontrovers diskutiert. Dass Tschernobyl einen Anstieg neuartiger Deformationen verursacht hat und dass Krebs in den Vereinigten Staaten zu einer Epidemie geworden ist, bietet neue Gelegenheiten zur Untersuchung der Gesundheitsrisiken bei regelmäßiger Belastung von Lecks in kommerziellen Kraftwerken, Atomwaffenproduktionsanlagen, Uranminen und auf Test-Geländen.

* Die größte Quelle radioaktiven Abfalls, der die Gesundheit und Genome gefährdet, ist das Abfallerz, das im Uranbergbau entsteht. Diese Bergwerke befinden sich häufig auf dem Land indigener Bevölkerungen mit niedrigerer als standardmäßiger Gesundheitskontrolle und mit weniger Krankenhäusern.

* Annähernd 2051 Atombomben wurden zur Erreichung von „Sicherheit“ zwischen 1945 und 1995 gezündet, im Schnitt alle neun Tage eine in einer Periode von 50 Jahren. Die 423 überirdischen Tests haben schätzungsweise 11-13 Millionen Curie von Strontium-90, 17-21 Millionen Curie von Cäsium-137, 10 Millionen Curie C-14 und 225 000 Curie von Plutonium in die Umwelt abgegeben.

* Das US National Cancer Institut hat 1997 einen Bericht herausgebracht, der enthüllte, dass Jod-131 von Atomtests in jedem einzelnen Bezirk der Vereinigten Staaten festgestellt wurde.

* Zeitweilige Sterilität bei Männern kann durch eine einzige Strahlungsbelastung von etwa 0.15 Gray in den Testikeln auftreten. Bei Kindern ist die Schwelle für erbliche (bei und nach der Geburt) Missbildungen und andere Entwicklungsabnormitäten auf 0.25 Grays radioaktiver Belastung über 28 Tage hinweg während der Schwangerschaft geschätzt worden.

* Die Dosis, von der die Hälfte der ausgesetzten Bevölkerung innerhalb von 60 Tagen ohne ärztliche Behandlung sterben würde, wird die LD50-Dosis genannt (LD = lethal dose = tödliche Dosis oder 50 zu 50 Prozent). Für Erwachsene liegt sie bei etwa 4 Sieverts.

Quelle siehe hier





Courtesy of Tlaxcala
Source: http://www.countercurrents.org/sharan261210.htm
Publication date of original article: 26/12/2010
URL of this page : http://www.tlaxcala-int.org/article.asp?reference=3247

 

Tags: AsienIndienMaharashtraKonkanArevaanti-Atomkraft Bewegungseismische Gefahrenillegale RegierungsmaßnahmenWiderstand
 

 
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