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 CULTURE & COMMUNICATION 
CULTURE & COMMUNICATION / Kindermissbrauch: zur Todessünde der katholischen Kirche und der Verdrängung der Grundfragen
Date of publication at Tlaxcala: 18/03/2021

Kindermissbrauch: zur Todessünde der katholischen Kirche und der Verdrängung der Grundfragen

Milena Rampoldi ميلينا رامبولدي میلنا رامپلدی Милена Рампольди

 

Bin wahrscheinlich als ex-Christin und Kritikerin des Zölibats und der Sexualmoral der katholischen Kirche wohl die falsche Person, um ein solches Thema überhaupt anzusprechen. Die katholische Kirche ist eine hierarchische Institution, die seit Jahrzehnten Menschen deckt, versetzt und rechtfertigt, die sich an Kindern vergehen und die Kinder sexuell missbrauchen. Es handelt sich nicht um Einzeltaten, sondern um Taten unzähliger Menschen in der Kirche, denen die Gläubigen ihre Kinder anvertraut haben.

Die Liste der Opfer ist lang, und die Dunkelziffer ist mit Sicherheit noch höher als die Liste der Opfer. Man spricht aber nur von der Kirche, von den Tätern und wie man die Täter am besten schützen kann, indem man sie am besten gar nicht auffliegen lässt.

Was ist sexueller Missbrauch von Kindern? Diese Frage scheint sich die katholische Kirche nicht zu stellen. Denn der sexuelle Missbrauch von Kindern ist die Tötung des Urvertrauens im Kind. Wer Kinder missbraucht, tötet ihr Vertrauen ins Leben, in die Menschen und in ihre Bezugspersonen, die für ihre Erziehung zuständig sind. Die Kinder glauben, dass es einen Gott gibt. Sie glauben, dass Gott sie liebt. Sie lieben diesen Jesus aus Nazareth und seine Parabeln. Und sie gehen daher gerne zum Religionsunterricht.

Was geschieht dort? Kinder werden von Priestern, Kaplanen, Äbten, Patern und sogar von weiblichen Mitgliedern der Kirche sexuell missbraucht. Sie werden zu sexuellen Handlungen gezwungen. Sie erleben Gewalt und Unterdrückung in einer Umgebung, in der gepredigt wird, dass Jesus der Weg, die Wahrheit und das Leben ist.

Und oben drauf werden diese Opfer auch gezwungen, darüber zu schweigen. Und sie tun es. Sie schämen sich. Sie denken, selbst eine Schuld zu haben. Warum ich? Ich muss etwas Falsches gemacht haben. Daher hat er mich ausgesucht. Vielleicht habe ich ihn provoziert. Vor allem als Frau denkt man das. Wenn ein Priester oder ein Abt einer jungen Frau zu nahekommt, die gläubig ist, denkt sich diese Frau, die in den meisten Fällen noch Jungfrau ist, sie hätte ihn verführt oder ihre Schönheit und Reinheit seien eine Zumutung für diesen Mann, der im Zölibat leben muss und das gar nicht darf, was er aber gerne tun würde.

Diese Opfer stehen vor einer Wand des Schweigens. Denn alle schweigen. Die anderen Opfer schweigen. Die Würdenträger schweigen auch alle. In den Familien wird auch nichts thematisiert, was mit Sexualität zu tun hat. Die katholische Kirche funktioniert da wie die Mafia. Das Wort „omertà“ passt hier so richtig gut ins Bild. Die Vertuschungsmechanismen sind extrem perfide und, wenn man es zynisch ausdrücken möchte, fast kreativ.

Dass dieses Schweigen über den sexuellen Missbrauch an Kindern und dieses Unterdrücken der Sexualität, die im Menschen etwas vollkommen Natürliches ist, durch die Erfindung des Zölibats, das es im Urchristentum gar nicht gab, sind zwei Aspekte des suizidalen Handelns der katholischen Kirche als hierarchische und machtbesessene Institution. Die Verleugnung der Priesterkinder ist nur ein Beispiel dieses körperfeindlichen und sexualfeindlichen Umgangs der katholischen Kirche mit der menschlichen Sexualität. Aber wenn ein Priester was mit einer Frau hat, das geht ja noch, das kann man noch als Doppelmoral in die Tonne kehren, aber wenn er sich an einem Kind vergeht, dann ist das ein Fall für die Staatsanwaltschaft.

Man will keine parallele Justiz der Muslime, ok, man will keine Shariagerichte, jüdische Gesetze sollen auch keine Anwendung finden, alles klar. Dann bitte auch keine „Unter-den-Tisch-Kehren-Justiz“ der Katholiken und des Kirchenrechts.

Die katholische Kirche steht durch ihre forcierte Desexualisierung des menschlichen Lebens vor dem Eigentor ihrer Geschichte, und dies seit über 1000 Jahren, seitdem sie das Zölibat eingeführt oder besser gesagt erfunden hat. Die Menschen erkennen immer mehr den Widerspruch zwischen Kirche und Glauben, zwischen Institution und Gott. Sie wenden sich von der Kirche ab. Das ist klar. Aber meiner Meinung nach sind es zu wenige.

Es braucht eine Revolution gegen die katholische Hierarchie, gegen das Zölibat, gegen die Unfehlbarkeit des Papstes, gegen die Institution der Beichte und ihren Missbrauch.

Aber das A und O ist im Hier und Jetzt die umgehende Übergabe aller Straftäter aus den Reihen der katholischen Priester an die Justiz des Staates, damit sie ihre gerechte Strafe erhalten. Die Verjährung soll für den sexuellen Missbrauch gegen Kinder umgehend weltweit abgeschafft werden. Die Priester müssen auch in anderen Ländern festgenommen werden können.

Die Schuldigen können gerne eine Therapie machen, die Opfer können ihren Peinigern auch verzeihen, wenn sie dies möchten, aber dies muss hinter Gittern erfolgen. Denn diese Täter sind Wiederholungstäter. Zuerst werden die Opfer unterstützt, dann die Täter. Täterhilfe ja, aber nur wenn diese Täter auch wirklich ihre Strafe in einer Haftanstalt der zivilen Justiz absitzen.

Es darf keine Bewährungsstrafen und keine Ausnahmen für diese Täter geben. Wenn diese Täter Hilfe brauchen, erhalten sie diese im Gefängnis. Die Namen dieser Täter und die Gesichter dieser Täter dürfen und müssen gezeigt werden.

Welcher Bezug besteht zwischen Zölibat und sexuellem Missbrauch von Kindern? Ein wesentlicher. Die Sexualität ist ein wesentlicher Bestandteil des menschlichen Lebens. Sexualität darf nicht unterdrückt werden, sondern soll in einer Partnerschaft ausgelebt werden. Jeglicher sexueller Missbrauch von Kindern ist ein schwerer Menschenrechtsverstoß. Es gibt keine Rechtfertigung oder Begründung. Es gibt Gründe, aber keine Begründung. Die Abschaffung des Zölibats ist für mich einer der wichtigen Schritte hin zur Reduzierung dieser Straftaten, ja, aber sie ist nicht die Lösung. Alle Schuldigen müssen bestraft werden. Wenn dann kein Priester mehr da ist, der die Messe lesen kann, dann muss sich die katholische Kirche überlegen, wie sie wieder zu Jesus und seinen menschenfreundlichen Lehren zurückfindet. Oder sie denke mal an Luther und seine Ehefrau, die beide vorher im Kloster gelebt hatten.

Es braucht eine weltweite Revolution der Katholiken gegen die eigene Spitze. Reformbewegungen reichen hier nicht mehr aus. Es braucht eine laute Revolution. Eine Revolution im Namen der Kinder, welche die Zukunft unserer Welt sind. Und ob es nun eine Covid-19-Pandemie gibt oder nicht, sexueller Missbrauch muss im Hier und Jetzt beendet werden. Die Justiz muss Eilverfahren anordnen. Wir haben keine Zeit mehr. Wir müssen unsere Kinder schützen.





Courtesy of Tlaxcala/ProMosaik
Publication date of original article: 18/03/2021
URL of this page : http://www.tlaxcala-int.org/article.asp?reference=31077

 

Tags: Pädokriminalität in der KircheKindermissbrauchSexualität & Zölibat der Priester
 

 
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