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 20/04/2021 Tlaxcala, the international network of translators for linguistic diversity Tlaxcala's Manifesto  
English  
 UNIVERSAL ISSUES 
UNIVERSAL ISSUES / Wilder Westen, erfolgreicher Osten
Date of publication at Tlaxcala: 23/02/2021
Translations available: فارسی 

Wilder Westen, erfolgreicher Osten

Till Fähnders تیل فِندِرس

 

In Asien bekommen die Propheten des westlichen Niedergangs Aufwind

Während eines Abendessens in Singapur kommt das Gespräch auf die Corona-Pandemie und ihre Folgen. Die Zahl der Gäste ist aufgrund der Corona-Vorschriften in dem strengen Stadtstaat begrenzt, mehrere westliche Diplomaten sind dabei, ein Journalist, ein deutscher Unternehmer und ein Intellektueller aus dem Stadtstaat. Der Unternehmer äußert sich fassungslos über die Unfähigkeit Europas und Amerikas, die Corona-Pandemie in den Griff zu bekommen. Ein Diplomat merkt an, wie diszipliniert die Asiaten im Vergleich zu den Europäern seien, allein was das Maskentragen angehe.

Doch alles dreht sich um die Analyse des Singapurers; Ihm zufolge treibe die Pandemie den Niedergang des Westens und den Aufstieg Asiens voran. „Es .ist offensichtlich, sie müssen sich nur die Zahlen anschauen. Asien erholt sich viel schneller als der Westen“, sagt er. Europa habe es versäumt, an den „Best Practices“ in Asien zu lernen. Man sollte dem gegenüber aufgeschlossen sein und nicht glauben, man wüsste ohnehin alles besser.

Gespräche wie diese, werden in Asien - auch außerhalb Chinas, das nicht nur nach eigener Lesart gestärkt aus der Pandemie vorgehen dürfte – derzeit häufig geführt. In ihnen drückt sich das Gefühl aus, dass sich der Westen im Kampf gegen das Coronavirus deutlich schlechter geschlagen habe als einige der ostasiatischen Industrie- und Schwellenländer. Überfüllte Krankenhäuser, wiederkehrende Lockdowns, lmpfchaos: Europa und Amerika stellen sich derzeit nicht gerade als überlegen dar.

Länder wie Singapur, Taiwan und Vietnam haben dagegen seit Wochen und Monaten kaum Ansteckungen zu Verzeichnen. Konsequente Maßnahmen wie Schließung der Grenzen, die Isolierung von Infizierten, die Kontaktverfolgung und das Maskentragen haben zu diesem Erfolg beigetragen. Selbst die wiederkehrenden Ansteckungswellen in Ländern wie Japan, Südkorea und Thailand sind weit von dem entfernt, was im Westen zu beobachten ist.

Durch diese Ereignisse bekommt die These Aufwind, wonach der Westen zunehmend nicht nur seine „ideologische und intellektuelle Hegemonie“ verliere, wie sich der aus Indien stammende Intellektuelle Pankaj Mishra einmal ausgedrückt hatte. Der Singapurer Professor und frühere Diplomat Kishore Mahbubani schrieb in der „Straits Times“ kürzlich von dem „außerordentlichen Scheitern einiger der am weitesten entwickelten Gesellschaften der Welt“`. Er meinte damit die Unfähigkeit der Vereinigten Staaten und verschiedenen EU-Mitgliedern, die Zahl der Todesfälle in Folge von Covid-19 zu reduzieren.

Eine Ursache dafür sah Mahbubani in der Überbetonung der „Rechte“ in westlichen Gesellschaften gegenüber den Pflichten“. „Zum“ Glück gibt es in den meisten asiatischen Gesellschaften eine größere Akzeptanz solcher Pflichten“, schrieb der Singapurer Professor. Von einem Mann wie Mahbubani, der schon seit Jahrzehnten gern mit scharfen Thesen am Selbstbewusstsein des Westens rüttelt und dessen Bücher Titel tragen wie „Has the West lost it?“ und „Has China won?“, sind solche Worte nicht überraschend. Den Aufstieg Chinas sieht er als Wiederherstellung einer jahrtausendealten Ordnung, in der die Dominanz des Westens eine historische Anomalie darstellte.

Doch in dem südostasiatischen Stadtstaat gibt es auch eine jüngere Generation von Intellektuellen, die für Antworten auf die Fragen der Zukunft nicht mehr Richtung Westen schauen. Der Singapurer Parag Khanna etwa, der in seinem Buch „Unsere asiatische Zukunft“ die These aufstellte, dass nicht nur die Welt „asiatischer“ werde, sondern Asien selbst. Khanna, der in Indien geboren wurde und in Amerika und Deutschland aufgewachsen ist, stellt darin fest, dass sich die Asiaten immer weniger am Westen orientieren. Er sieht die Rolle, die Technokraten in der Politik Asiens spielen, als entscheidenden Teil des dortigen Modells und empfiehlt den westlichen Demokratien, sich daran ein Beispiel zu nehmen.

Das Coronavirus verglich Khanna in einem seiner Artikel mit dem Schmetterling aus der Chaostheorie, dessen Flügelschlag bekanntlich massive Konsequenzen haben kann, nur dass die Pandemie eben die Wucht eines Erdbebens habe. Dabei sehen Asiens Intellektuelle die Pandemie nicht als Ursprung, sondern als Beschleuniger der Gewichtsverlagerung von West nach Ost. Als Beleg für diese Entwicklung kann etwa die Tatsache dienen, dass sich in diesem Jahr das Weltwirtschaftsforum (WEF) aufgrund der Pandemie nicht im verschneiten Davos, sondern im August in Singapur treffen will.

Der deutsche Forums-Gründer Klaus Schwab bezeichnete bei einem Besuch in dem Stadtstaat die Entscheidung jüngst als eine „Demonstration der geopolitischen und geoökonomischen Bedeutung, die diese Region in den vergangenen Jahrzehnten erlangt hat“. In einem Interview mit der „Straits Times“ verwies Schwab auf Prognosen, wonach 2021 das Jahr sei, in dem das Bruttoinlandsprodukt Asiens kaukraftbereinigt zum ersten Mal das der restlichen Welt übertreffen werde.

Es sind also nicht nur Asiaten, die den Diskurs über das „asiatische Jahrhundert“ und den zumindest relativen Niedergang des Westens vorantreiben. Auch in Deutschland häufen sich Artikel zum Thema „Von Asien lernen“. Bezeichnend ist auch, dass nach dem Weltwirtschaftsforum auch die Münchner Sicherheitskonferenz wegen der Pandemie verschoben werden musste. Sie hatte vor einem Jahr unter dem Schlagwort „Westlessness“ getagt und gefragt, ob die Welt weniger westlich und gar der Westen weniger westlich werde.

 Dass ein virtuelles Ersatzprogramrn an diesem Freitag den Titel „Beyond Westlessness“. trägt, ist der Hoffnung geschuldet, die der Machtwechsel in Washington für die transatlantischen Bündnisse geweckt hat. Asiens Intellektuelle sehen darin derzeit aber noch kein Comeback des Westens.





Courtesy of FAZ
Source: https://fazarchiv.faz.net/document/FAZ__FD1202102206194783?offset=&all=
Publication date of original article: 20/02/2021
URL of this page : http://www.tlaxcala-int.org/article.asp?reference=30907

 

Tags: Der WestenSüdostasienDisziplinSingapurCoronavirus-Krise
 

 
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