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 21/07/2019 Tlaxcala, the international network of translators for linguistic diversity Tlaxcala's Manifesto  
English  
 CULTURE & COMMUNICATION 
CULTURE & COMMUNICATION / Die wirklichen Enthüllungen von Wikileaks
Date of publication at Tlaxcala: 11/12/2010
Translations available: فارسی 

Mehr als Klatsch und Tratsch:
Die wirklichen Enthüllungen von Wikileaks

Sonia Seymour Mikich زُنیا زیمور میکیش

 


 

Es ist der größte Datenkrieg des Internet-Zeitalters. Einen Bruchteil der mehr als 250.000 US-Botschaftsdokumente hat Wikileaks bisher im Internet veröffentlicht. Um jeden Preis wollen die USA die Veröffentlichung weiterer Depeschen verhindern. Und viele Unternehmen spüren den Druck: Amazon, Mastercard, Visa, alle kündigen die Geschäftsbeziehungen mit Wikileaks. Cyberkrieg: Seit Hacker versuchen, die originalen Wikileaks-Seiten anzugreifen und auszuschalten, richten Unterstützer neue, gespiegelte Seiten ein, Kopien mit demselben Inhalt. Vorgestern waren auch von diesen insgesamt 1.310 gespiegelten Seiten 341 wieder lahm gelegt, 725 aber noch gut zugänglich. Zwei Drittel der Deutschen wollen laut Umfrage aber gar nicht, dass die Dokumente publik werden. Kein Wunder, die öffentliche Diskussion war bislang geprägt von Diplomatentratsch.

Frau auf der Straße: "Ich finde es nicht gut."

Reporter: "Warum?"

Frau auf der Straße: "Ja, weil man überhaupt kein bisschen Intimsphäre mehr hat."

Mann auf der Straße: "Das ist ja eine Sache der Politik, und man muss nicht alles so breit tragen in die Öffentlichkeit. Ich find das besser, dass man Politik Politik sein lässt."

Wikileaks also nur eine Sammlung internationaler Klatschgeschichten? Dokument US-Außenministerium 134-777 - Gebrauch von Streubomben. Bei ihrem Abwurf werden viele kleine Bomben freigesetzt, die messerscharfe tödliche Metallsplitter verschleudern. Opfer sind oft Zivilisten. Seit 2010 sind diese Waffen international geächtet. Genau diese UN-Konvention hat die afghanische Regierung ohne Wissen und zur Verärgerung der USA unterzeichnet. Wikileaks-Dokumente zeigen nun, wie die USA Kabul dazu drängen, die Lagerung und den Gebrauch von Streubomben in Afghanistan dennoch weiterhin zu ermöglichen.

Mann auf der Straße: "Das sollte man veröffentlichen, das sollte man auf jeden Fall veröffentlichen. Das sind ja Sachen, die jeden interessieren."

Frau auf der Straße: "Wenn es so was ist, das soll öffentlich gemacht werden, das finde ich okay denn."

Cyberkrieg. Gestern waren von 1.618 Seiten 413 unzugänglich, 1.200 nicht mehr aktuell und nur noch 5 gut erreichbar.
 

Interview Shi Ming, Asienexperte

Dokument Peking 1336 - Google in China. Anfang 2010 zog sich Google wegen fortgesetzter Behinderung vom chinesischen Markt zurück. Die Wikileaks-Dokumente beweisen jetzt, dass sogar oberste Mitglieder des Politbüros diese Schritte gegen Google angeordnet hatten. Die Suchmaschine wurde regelrecht zensiert. Für den Westen wenig verwunderlich, für chinesische Oppositionelle aber wichtige Beweise, sagen Asienexperten.

Shi Ming, Asienexperte: "Ich glaub, viele Menschen im Westen sind sich dessen nicht bewusst, wie viel Wert diese Freiheit zu Informationen wirklich ist. Dass das für lebenswichtig ist, das vergessen viele, weil sie in dieser Selbstverständlichkeit leben, weil Informationen Gott sei Dank in Demokratie frei fließen. Anders ist das natürlich in einem totalitären System, wo die Informationen erst errungen werden gegen Lebensgefahr."

Dokument Nato 52 - Aufbauhilfe Afghanistan. Auch das decken Wikileaks-Depeschen jetzt auf, wie die USA mit ihren NATO-Verbündeten umgehen: Die Bundesregierung spendete im Oktober 2009 50 Millionen Euro als Aufbauhilfe. Die US-Armee behielt davon einfach 15 % als Verwaltungsgebühr ein. Das sind 7,5 Millionen Euro aus deutschen Steuergeldern. Dokumente voller brisanter Details. Was die Öffentlichkeit daraus macht, bestimmt aber nicht mehr allein Wikileaks.
 

Interview Prof. Christoph Neuberger

Prof. Christoph Neuberger, Kommunikationswissenschaftler, Universität Münster: "Wikileaks ist wichtig, weil dort das Rohmaterial bereitgestellt wird. Genauso wichtig ist aber auch die Kooperation mit dem Journalismus, der selektiert, der Informationen prüft, der die Qualität sicher stellt, sodass das Publikum auch glaubwürdige Informationen vorgesetzt bekommt."

Aber gejagt werden nicht die Journalisten, gejagt wird Wikileaks. Und das lenkt vom eigentlichen Verursacher des Problems ab. Denn viele Dokumente hätten bereits von Anfang an als streng geheim eingestuft werden müssen und wären dann gar nicht zu Wikileaks gelangt, sagen ehemalige deutsche Diplomaten.

 

Rudolf Dressler

Rudolf Dressler, ehem. Botschafter in Israel: "Also man kann die Amerikaner nicht von Schuld freisprechen. Wer so etwas macht, einen solch großen Empfängerkreis, Hunderttausende von Menschen mit Passwörtern ausstattet, der muss wissen, was er anrichtet."

Heute waren von 1.851 gespiegelten Seiten 455 komplett lahm gelegt, über 1.300 nicht mehr aktuell und nur noch eine gut zugänglich. Ganz verhindern können die USA die Verbreitung der Dokumente bislang aber nicht.

Rudolf Dressler, ehem. Botschafter in Israel: "Ich gehöre zu den Anhängern des Satzes‚ es ist wunderschön in einer Demokratie, es kommt alles raus, es ist nur eine Frage der Zeit. Das möchte ich auch nicht verändert haben."

Der Cyberkrieg geht weiter. Schon jetzt haben sich neue Enthüllungsplattformen angekündigt. Die Welt wird lernen müssen, damit umzugehen.

Sonia Seymour Mikich: " Wikileaks - da ist ein echter Weckruf. Wir sind Staatsbürger, nicht Staatsträger. Eine gute Zeit für investigative Journalisten, hoffe ich, die Diskussion fängt ja gerade erst an.





Courtesy of WDR
Publication date of original article: 09/12/2010
URL of this page : http://www.tlaxcala-int.org/article.asp?reference=2921

 

Tags: WikileaksStreubombenAfghanistanCyberkriegChinaUSAEnthüllungen
 

 
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