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 30/06/2016 Tlaxcala, the international network of translators for linguistic diversity Tlaxcala's Manifesto  
English  
 UNIVERSAL ISSUES 
UNIVERSAL ISSUES / Erschießt nicht den Überbringer unbequemer Wahrheiten
Date of publication at Tlaxcala: 10/12/2010
Original: Don't shoot messenger for revealing uncomfortable truths
Translations available: Español  Français 

Erschießt nicht den Überbringer unbequemer Wahrheiten



Translated by  Hergen Matussik

 

7. Dezember 2010 - Im Jahr 1958 schrieb ein junger Rupert Murdoch, damals Inhaber und Chefreakteur der Zeitung „The News“ in Adeleide: „Bei dem Wettrennen zwischen Geheimhaltung und Wahrheit ist es unvermeidlich, dass die Wahrheit immer gewinnt.“

Seine Feststellung spiegelte vielleicht die Enthüllung seines Vaters Keith Murdoch wider, dass australische Soldaten sinnlos von inkompetenten britischen Kommandeuren an den Stränden von Gallipoli verheizt wurden. Die Briten versuchten, ihn zum Schweigen zu bringen, aber Keith Murdoch blieb nicht still und seine Bemühungen führten schließlich zum Ende des Desasters, das das Unternehmen Gallipoli war.

Fast ein Jahrhundert später veröffentlicht WikiLeaks ebenso furchtlos Tatsachen, die allgemein bekannt gemacht werden müssen.

Ich wuchs in einer Stadt auf dem Lande in Queensland auf, wo die Leute unverblümt aussprachen, was sie dachten. Sie mißtrauten zu weitreichender Regierungsgewalt, weil sie mißbraucht werden konnte, wenn sie nicht sorgfältig kontrolliert wurde. Die dunklen Tage der Korruption der Regierung von Queensland vor der Untersuchung durch Richter Tony Fitzgerald(1) zeigen deutlich, was geschieht, wenn Politiker die Medien daran hindern, die Wahrheit zu berichten.

Diese Dinge haben mich geprägt. WikiLeaks entsprang diesen Grundwerten. Die Idee, die in Australien entstand, lag darin, die Technologien des Internet auf neue Weise zu nutzen, um die Wahrheit zu berichten.

Mit WikiLeaks entstand eine neue Art von Journalismus: der wissenschaftliche, nachprüfbare Journalismus. Wir arbeiten mit anderen Medien-Veröffentlichungen zusammen, um den Leuten die Nachrichten zu liefern, aber wir liefern gleichzeitig den Beweis, dass die Sache wahr ist. Wissenschaftlicher Journalismus macht es möglich, dass man die Nachricht, die Story liest, und sich dann online das Originaldokument ansieht, auf dem die Geschichte beruht. Auf diese Weise kann man sich selbst ein Bild machen: Stimmt die Geschichte? Hat der Journalist zutreffend berichtet?

Elizabeth Cooks künstlerischer Eindruck von WikiLeaks Gründer Julian Assanges Auftritt vor dem Westminster Magistrates Gericht in London, wo ihm die Bürgschaft verweigert wurde, nachdem er wegen eines Auslieferungsantrages erschienen war. Source: AP

Demokratische Gesellschaften brauchen starke Medien, und WikiLeaks gehört zu diesen Medien. Die Medien helfen, dafür zu sorgen, dass Regierungen ehrlich bleiben. WikiLeaks hat einige unangenehme Wahrheiten über die Kriege im Irak und in Afghanistan enthüllt und über die Korruption von Konzernen berichtet.

Man hat über mich gesagt, ich sei grundsätzlich gegen Krieg. Hiermit sei kundgetan, dass das so nicht zutrifft. Manchmal müssen Länder in den Krieg ziehen. Aber es gibt nichts, was falscher wäre als eine Regierung, die ihr Volk über diese Kriege belügt und dann dieselben Bürger auffordert, ihr Leben und die Steuern, die sie zahlen, für diese Lügen einzusetzen. Wenn ein Krieg gerecht ist, dann sagt die Wahrheit, und die Leute werden entscheiden, ob sie ihn unterstützen.

Wenn sie einige der Logs über den Afghanistan- oder den Irak-Krieg gelesen haben, oder einige der Telegramme der US-Botschaften oder irgendeine der Geschichten, die WikiLeaks berichtet hat, dann überlegen Sie, wie wichtig es für alle Medien ist, über diese Dinge ungehindert berichten zu können.

WikiLeaks war nicht das einzige Medium, das die Telegramme der US-Botschaften veröffentlicht hat. Andere Publikationen, darunter der britische „The Guardian“, die “New York Times”, “El País” in Spanien und “Der Spiegel” in Deutschland haben dieselben redigierten Telegramme veröffentlicht.

Dennoch ist es WikiLeaks als Koordinator dieser anderen Gruppierungen, die die heftigsten Angriffe und Anschuldigungen der US-Regierung und ihrer Hilfstruppen erdulden mußte. Ich bin des Verrats beschuldigt worden, obwohl ich Australier und nicht US-Bürger bin. In den Vereinigten Staaten gab es Dutzende von ernstgemeinten Aufrufen, mich durch US-Spezialeinheiten „ausschalten“ zu lassen. Sarah Palin sagt, ich sollte „zur Strecke gebracht werden wie Osama Bin Laden“, die Republikaner haben dem Kongreß einen Gesetzesantrag vorgelegt, nach dem ich zur „transnationalen Bedrohung“ erklärt werden soll, derer man sich entsprechend entledigen müsse. Ein Berater des Büros des kanadischen Premierministers hat im staatlichen Fernsehen dazu aufgerufen, mich zu ermorden. Ein amerikanischer Blogger will, dass mein Sohn hier in Australien gekidnappt ond ihm Schaden zugefügt wird - aus keinem anderen Grund als meiner habhaft zu werden.

Die Australier sollten ohne jeden Stolz beobachten, auf welche beschämende Weise Julia Gillard und ihre Regierung sich Mühe geben, solchem Verlangen entgegenzukommen. Die Machtbefugnisse der australischen Regierung scheinen den USA vollständig zur Verfügung zu stehen, wenn es darum geht, meinen Reisepaß für ungültig zu erklären oder Unterstützer von WikiLeaks auszuspionieren oder zu schikanieren. Der australische Generalstaatsanwalt tut alles was er kann, um eine US-Untersuchung zu unterstützen, die klar darauf abzielt, australische Bürger mit falschen Beschuldigungen zu belasten und in die USA auszuliefern.

Premierminister Gallard und US Außenministerin Hillary Clinton fanden kein Wort der Kritik für die anderen Medienpublikationen. Das liegt daran, dass The Guardian, The New York Times und Der Spiegel alt und groß sind, während WikiLeaks bislang noch neu und klein ist. Wir sind die Underdogs. Die Regierung Gillard versucht, den Überbringer der Nachrichten zu erschießen, weil sie nicht möchte, dass die Wahrheit ans Licht kommt, ihr eigenes Handeln auf diplomatischer und politischer Ebene eingeschlossen.

Gab es irgendeine Stellungnahme der australischen Regierung zu den zahlreichen öffentlich gewordenen Gewaltdrohungen gegen mich und andere Mitarbeiter von WikiLeaks? Man möchte denken, dass eine australische Premierministerin die Bürger ihres Landes gegenüber solchen Dingen verteidigte - aber es gab nur haltlose Behauptungen über Rechtswidrigkeit und Illegalität. Die Premierministerin und gerade auch der Generalstaatsanwalt sollten ihren Pflichten unparteiisch und unvoreingenommen nachkommen. Diesen beiden aber geht es in erster Linie darum, ihre eigene Haut zu retten - was ihnen nicht gelingen wird.

Jedes Mal, wenn WikiLeaks die Wahrheit über von US- Behörden begangenes Unrecht berichtet, stimmen die australischen Politiker gemeinsam mit dem US- Außenministerium einen nachweislich falsches Geschrei an: „Ihr gefährdet Leben! Die nationale Sicherheit! Ihr bringt unsere Truppen in Gefahr!“ Dann wieder sagen sie, in den Veröfentlichungen von WikiLeaks gäbe es nichts von Bedeutung. Beides kann nicht stimmen. Was also ist zutreffend?

Keines von beiden. Seit vier Jahren veröffentlicht WikiLeaks seine Enthüllungen. In dieser Zeit haben wir ganze Regierungen zu Fall gebracht, aber soweit bekannt, kam keine einzige Person zu Schaden. Dagegen haben die USA mit stillschweigender Duldung der australischen Regierung allein in den letzten Monaten tausende Menschen getötet.

Der US-Verteidigungsminister Robert Gates gab in einem Brief an den US-Kongress zu, dass durch die Veröffentlichungen über den Krieg Afghanistan keine sensiblen Geheimdienstquellen oder -methoden bekannt gemacht wurden. Das Pentagon sagte, es gäbe keine Beweise dafür, dass durch die Berichte von WikiLeaks Personen in Afghanistan zu Schaden gekommen seien. In Kabul erklärte die NATO gegenüber CNN, dass man keine einzige Person finden könne, die geschützt werden müsse. Das australische Verteidigungsministerium sagte dasselbe. Keine australischen Soldaten oder Geheimdienstquellen wurden durch irgendetwas geschädigt, das wir veröffentlicht haben.

Aber unsere Veröffentlichungen waren alles andere als unbedeutend. Die US-Telegramme offenbaren einige beunruhigende Tatsachen:

  • Die USA forderten ihre Diplomaten dazu auf, unter Bruch internationaler Verträge persönliches Material und Informationen bis hin zu DNA-Material, Iris-Scans, Kreditkartennummern, Paßwörter für das Internet und Paßbilder von UN-Diplomaten und Mitarbeitern von Menschenrechtsorganisationen zu sammeln. Es ist anzunehmen, dass australische UN-Diplomaten ebenfalls ausspioniert werden sollten.
  • König Abdullah von Saudi Arabien forderte die USA auf, den Iran anzugreifen.
  • Regierungsstellen in Jordanien und Bahrein wollen, dass das iranische Nuklearprogramm mit allen verfügbaren Mitteln gestoppt wird.
  • Die britische Untersuchung über die Ereignisse im Irak wurde frisiert, um „US-Interessen“ zu schützen.
  • Schweden ist heimliches Mitglied der NATO. Dem schwedischen Parlament wird die geheimdienstliche Zusammenarbeit mit den USA vorenthalten.
  • Die USA üben unverhohlenen Druck aus andere Länder dazu zu bewegen, freigelassene Häftlinge aus Guantanamo aufzunehmen. So wollte Barack Obama den slowenischen Präsidenten nur treffen, wenn Slowenien Häftlinge aufnähme. Unserem pazifischen Nachbarn Kiribati wurden Dollarbeträge in Millionenhöhe für die Aufnahme von Häftlingen angeboten.

In seinem Grundsatzurteil zu den „Pentagon Papers“ erklärte der US Supreme Court, das oberste amerikanische Gericht, dass „nur eine uneingeschränkt freie Presse Täuschung und Lügen von Seiten der Regierung aufdecken“ könne. Der aktuelle Wirbel um WikiLeaks bestätigt die Notwendigkeit, das Recht aller Medien zu verteidigen, die Wahrheit an die Öffentlichkeit zu bringen.

 

1) Fitzgerald Inquiries: in den Jahren 1987 – 89 von Richter Tony Fitzgerald geleitete Untersuchung zu Korruptions- und Bestechungsvorwürfen, die in der Presse gegen Politiker in Queensland erhoben wurden. Die beschuldigten Politiker versuchten damals, die Veröffentlichungen über die Vorfälle gerichtlich zu unterdrücken, indem sie Rufschädigung und Verletzung ihrer Persönlichkeitsrechte geltend machten. (A.d.Ü.)





Courtesy of Tlaxcala
Source: http://www.theaustralian.com.au/in-depth/wikileaks/dont-shoot-messenger-for-revealing-uncomfortable-truths/story-fn775xjq-1225967241332
Publication date of original article: 08/12/2010
URL of this page : http://www.tlaxcala-int.org/article.asp?reference=2916

 

Tags: Julian AssangeWikileaksAustralienUSAJournalismusUS-diplomatische DepeschenEmpire
 

 
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