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 10/07/2020 Tlaxcala, the international network of translators for linguistic diversity Tlaxcala's Manifesto  
English  
 UNIVERSAL ISSUES 
UNIVERSAL ISSUES / Meine Erdreise: 5 Jahrzehnte zur Verteidigung von Biodiversität, Leben und Freiheit
Eine Mitteilung für den Internationalen Tag der Biologischen Vielfalt, am 22. Mai 2020
Date of publication at Tlaxcala: 30/05/2020
Original: My Earth Journey in defence of Biodiversity, Life and Freedom over 5 decades
A message for International Day for Biological Diversity, 22nd May 2020

Translations available: Français  Italiano 

Meine Erdreise: 5 Jahrzehnte zur Verteidigung von Biodiversität, Leben und Freiheit
Eine Mitteilung für den Internationalen Tag der Biologischen Vielfalt, am 22. Mai 2020

Vandana Shiva वंदना शिवा Вандана Шива 紈妲娜·希瓦 فاندانا شيفا

Translated by  Magdalena Knobel

 

Wir sind die Erde.
Wir sind die Biodiversität.
Wir sind Jiva (das Leben).
Wir sind Bewusst.
Wir sind Lebendig.
We sind Frei.

Wir sind Teil einer vernetzte Erdfamilie, unabhängig, eigenständiger, selbstbestimmter, voneinander abhängiger, intelligenter Wesen.

Wir sind die Biodiversität, vernetzt zu anderen Wesen durch Essen und Wasser, durch Atem und Luft, durch Leben und Intelligenz.

Sowie alle andere Erdbewohner sind wir Menschen unabhängige, lebendige, intelligente, selbstbestimmte und eigenständige Wesen, die voneinander abhängen und sich gegenseitig unterstützen.

Im lebendigen Leben der Biodiversität ist jedes Leben heilig, und Leben strebt die Nahrung und die Unterstützung des Lebens an. Die Existenz ist die Eigenschaft des Lebens.

Die Patentierung und die Piraterie des Lebens, der Biodiversität, von natürlichen Prozessen, von der Natur selbst (Geist und Körper von Menschen eingeschlossen), ist ein Verbrechen gegen das spirituelle Recht, gegen das ökologische Recht, gegen das Biodiversitätsrecht und die Menschenrechtsgesetzgebung. Um ein “Diebstahl” als “Diebstahl” zu sehen muss man nicht “Diebstahl” mit dieser Perspektive betrachten. Die Patentierung von Leben ist der Diebstahl von Leben – das zu beanspruchen, was man nicht beanspruchen kann. Patente auf Leben sind ganz einfach die Versklavung des Lebens selbst, indem sie die Natur des Lebens stehlen (oder fälschen).

Der mechanistische Geist trennt, fördert und entnimmt 

Der mechanistische Geist, der mit der Geldmaschine der Entnahme verbunden ist, hat die Illusion geschaffen, dass Menschen von der Natur, die nur ein toter, inerter Rohstoff zum Ausbeuten wäre, getrennt sind.

Die Annahme des “Todes der Natur” ist im Zentrum der Extraktionslogik und der Metapher der Förderung von Land von indigenen Völkern, von Bodenfruchtbarkeit, von Wasser von Flüssen und unterirdischen Grundwasserspeicher, von Biodiversitätsgenen und von Wissen von indigenen Gemeinschaften. Biopiraterie ist die Förderung von Wissen und von Biodiversität für Patente und Intellektuelles Eigentumsrecht.

Eine neue Biopiraterie ist auf dem Weg, durch Patente auf Daten über unseren Körper und unseren Geist und durch Förderung von Daten wie zum Beispiel “Aktivität des menschlichen Körpers”. Wir werden zu einem neuen Rohstoff verwandelt. Unser Geist und unser Körper sind die letzten Kolonien für Förderung und Entnahme. Sie sagten „Daten sind das neue Öl“, und so wie die Ölindustrie Öl gewonnen hat, um ihren Krieg auf dem Planeten zu führen, werden Daten bereits gegen den Verstand und den Körper der Menschen verwendet.

Dies ist ein höheres Niveau von Biopiraterie, weil es Versuche von Bildung neuer Manipulations- und Kontrollwerkzeuge sind. Es ist ein Versuch, Menschen in einer Welt verschwinden zu lassen, die von kurzsichtigen mechanistischen Geistern regiert wird, die nicht weiter als ihre extraktiven geldproduzierenden Maschinen sehen können. Der mechanistische Geist sieht nur sein Ziel: Profit.

Wir stehen vor dem Aussterben. Werden wir zulassen, dass unsere Menschlichkeit als lebendige, bewusste, intelligente, autonome Wesen von der Giermaschine ausgelöscht wird, die keine Grenzen kennt und nicht in der Lage ist, ihre Kolonisierung und Zerstörung auszubremsen? Oder werden wir die Maschine stoppen und unsere Menschlichkeit, unsere Freiheit und unsere Autonomie verteidigen? So viele Arten wurden zum Aussterben getrieben, nicht mehr in der Lage zu überleben, weil die Bedingungen für deren Fortbestehen nicht mehr vorhanden waren. Wir stehen vor einer Wahl: wollen wir die Bedingungen für unser Überleben beschützen, oder wollen wir jegliche Lebensform für Profit entziehen und einen toten Planeten hinter uns lassen, auf dem Weg zu unserer eigenen Beerdigung.

Fünf Jahrzehnte lang habe ich mich mit der Realität der Untrennbarkeit befassen, einschließlich meiner Doktorarbeit über Nichtlokalität und Untrennbarkeit in der Quantentheorie. Mein leidenschaftliches Engagement, mein Leben dem Verständnis des ökologischen Zusammenhangs der biologischen Vielfalt und dem Schutz der Biodiversität zu widmen, begann mit der Chipko-Bewegung. Für mich bedeutet der Schutz der Biodiversität den Schutz sowohl der Unversehrtheit des Lebens als auch der Rechte und Bedürfnisse der lokalen Gemeinschaften, die Bewahrer und Hüter der biologischen Vielfalt waren.

Ich habe miterlebt, wie der Mechanistische Geist – von mächtigen Männern, die die Geldmaschine steuern – die Wälder, die Wasser-, Nahrungs- und Treibstoffquellen für die lokale Bevölkerung darstellten, zu Holzminen für die Gewinnung reduzierte. Sie reduzierten Flüsse, darunter auch den heiligen Ma Ganga, zu Kubikfüßen Wasser, das für die Privatisierung gewonnen wird, oder zu Kilowatt Energie, die durch Dämme und Wasserkraftwerke gewonnen wird.

Leben ist keine Erfindung. Saatgut ist keine Maschinen. 

1987, als ich an einer Konferenz über die „Gesetze des Lebens“, über die neuen Biotechnologien, teilnahm, hörte ich zum ersten Mal, wie das Giftkartell (die Gruppe der Chemieunternehmen einschließlich der ehemaligen IG Farben) versuchte, lebende Organismen und Saatgut als Maschinen zu definieren, die sie erfunden hätten und patentieren wollten. Mir war bewusst, dass Saatgut keine Maschine ist, die von Chemiekonzernen zusammengebaut wird. Es ist die Verkörperung der biologischen Vielfalt und des Drangs der Natur, sich zu reproduzieren, sich zu erneuern und sich zu vermehren. Genetisch verändertes Saatgut ist Saatgut, das von Bauern geraubt und mit Genen von natürlich vorkommenden Bakterien modifiziert wurde. Die einzige „Erfindung“ ist das Erschießen von Genen in einem Labor mit einer Genpistole oder das Infizieren einer Zelle mit Agrobacterium, einem Pflanzenkrebs. Konzerne kopieren Saatgut illegal und bauen Gene ab, um GVO herzustellen. Die Patentierung von Saatgut war ökologisch, ethisch und ontologisch falsch. Es ist ein Irrtum, der korrigiert werden muss. Vor 33 Jahren begann ich meine Reise, um die biologische Vielfalt, die Unversehrtheit und Vielfalt von Saatgut zu schützen sowie Biopiraterie und Patente auf Saatgut zu verhindern.

Navdanya wuchs aus diesem Engagement für die Biodiversität. Die Bewegung hat Saatgut als Gemeingut zurückerobert und 150 gemeinschaftliche Saatgutbanken gegründet. Auf der ganzen Welt haben wir die „Seed Freedom“-Bewegung inspiriert. Ein neues Bewusstsein über die Saatgutsouveränität ist gewachsen.

Wir haben auch Gesetze und Verträge zum Schutz der biologischen Vielfalt verabschiedet. Auf dem Erdgipfel von Rio 1992 wurde ein neuer Rechtsrahmen für das Übereinkommen über die biologische Vielfalt geschaffen.

Indien verabschiedete 2002 ein nationales Biodiversitätsgesetz:

„Ein Gesetz, das die Erhaltung der biologischen Vielfalt, die nachhaltige Nutzung ihrer Bestandteile sowie die faire und gerechte Aufteilung der sich aus der Nutzung der biologischen Ressourcen, des Wissens und für damit verbundene oder damit zusammenhängende Angelegenheiten ergebenden Vorteile vorsieht“.

Indien hat Gesetze verabschiedet, die anerkennen, dass Saatgut keine Erfindung ist und daher nicht patentierbar ist.

Im Artikel 3 des Patentgesetzes wird klar definiert, was keine Erfindungen sind und daher von der Patentierbarkeit ausgeschlossen ist.

Der Artikel 3j des indischen Patentgesetzes schließt von der Patentierbarkeit aus:

„Pflanzen und Tiere im Ganzen oder in Teilen mit Ausnahme von Mikroorganismen; jedoch einschließlich Saatgut, Sorten und Arten sowie im Wesentlichen biologische Verfahren zur Erzeugung oder Vermehrung von Pflanzen und Tieren“.

Dies war der Artikel, den das indische Patentamt benutzte, um ein Monsanto-Patent auf klimaresistentes Saatgut sowie Monsantos Patentansprüche auf Bt-Baumwollsaatgut aufzulösen.

(Quelle: The Corporate Plunder of Nature and Culture. Natraj, 2018)

Das indische Gesetz mit dem Titel „Plant Variety Protection and Farmers Rights Act 2001“ (“Gesetz für den Schutz von Pflanzenvielfalt und bäuerliche Rechte 2001”) enthält eine Klausel über die Rechte der Landwirte.

„Ein Landwirt gilt als berechtigt, seine landwirtschaftlichen Erzeugnisse, einschließlich Saatgut einer nach diesem Gesetz geschützten Sorte, in derselben Weise zu speichern, zu verwenden, auszusäen, wieder auszusäen, zu tauschen, zu teilen oder zu verkaufen, wie er vor dem Inkrafttreten dieses Gesetzes berechtigt war“.

Wir haben nicht nur die Unversehrtheit des Lebens und der biologischen Vielfalt gesetzlich verankert, indem wir klar erkannten, dass Pflanzen, Tiere und Samen keine Erfindung sind, sondern wir haben auch gekämpft und Fälle gewonnen, um Patente anzufechten, die auf Biopiraterie beruhen – wie USDA und WR Grace Neem (Patent Nr. 436257), Ricetecs Basmati (Patent Nr. 56,63,484 ) und Monsantos Weizenpatent (Patent Nr. 962578).

Ich habe in meinem Buch „Biopiracy“ geschrieben, dass Patente auf Leben und Patente auf Saatgut das zweite Auftreten von Kolumbus sind.

Im Jahr 1492 erhielt Kolumbus von König Ferdinand und Königin Isabel von Kastilien in Spanien ein Patent, um „einige Inseln und Kontinente im Ozean zu entdecken und zu unterwerfen“. Der Kontinent, den Kolumbus suchte, war Indien, deshalb werden alle indigenen Völker Nordamerikas als Indianer bezeichnet. Nachdem er von der „Entdeckung Amerikas“ zurückgekehrt war, schrieb er an den König und die Königin über das Gold, seinen Abbau, seine Verarbeitung und seinen Transport nach Kastilien. Kein Wort über das ursprüngliche Volk, kein einziger Gedanke über deren Beraubung.

Diebstahl und Piraterie waren zentral für die Kolonialisierung und sind es immer noch.

1493 gab Papst Alexandar eine päpstliche Bulle „Inter Caetera“ heraus, um die Übernahme von Land, Territorien und Reichtümern der Ureinwohner zu legalisieren und den Kolonialismus als die zivilisatorische Mission der Kirche durch die europäischen Könige und ihre Piraten und Händler-Abenteurer zu definieren.

In unserer Zeit sind Kolumbus, die Monarchen, der Papst und Gott alle zu einer Einheit zusammengebrochen – die Milliardäre, die Gott durch ihre Werkzeuge und Technologien spielen, die die neuen „zivilisatorischen Missionen“ definieren und gestalten, die auf diesen Werkzeugen und Technologien der Gewinnung und Kontrolle basieren. Neue Religionen, die der ganzen Welt gewaltsam aufgezwungen werden müssen.

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Kolumbus, von Eric Drooker





Courtesy of Vandana Shiva
Source: https://www.navdanya.org/bija-refelections/2020/05/17/my-earth-journey/
Publication date of original article: 17/05/2020
URL of this page : http://www.tlaxcala-int.org/article.asp?reference=29028

 

Tags: Biologische VielfaltBiopirateriePlünderung der ErdeKatastrophenkapitalismus
 

 
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