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 01/06/2020 Tlaxcala, the international network of translators for linguistic diversity Tlaxcala's Manifesto  
English  
 UMMA 
UMMA / Grausamer Mangel an Solidarität in der arabischen Welt angesichts der Coronavirus-Krise
Date of publication at Tlaxcala: 12/04/2020
Original: Arabs sadly lacking solidarity in the age of coronavirus

Grausamer Mangel an Solidarität in der arabischen Welt angesichts der Coronavirus-Krise

Ramzy Baroud رمزي بارود

Translated by  Milena Rampoldi ميلينا رامبولدي میلنا رامپلدی Милена Рампольди
Edited by  Fausto Giudice Фаусто Джудиче فاوستو جيوديشي

 

Während das Coronavirus weiterhin weltweit fast alle Länder verwüstet, sind die arabischen Länder weiterhin nicht in der Lage oder nicht dazu bereit, eine gemeinsame Strategie zu erarbeiten, um den ärmsten und am stärksten gefährdeten Mitbürgern zu helfen, das tödliche Virus und seine wirtschaftlichen Folgen zu überleben. 



Der Markt von Nabi Younes ist während einer von den irakischen Behörden verhängten Ausgangssperre nach dem Ausbruch des Coronavirus am 15. März 2020 in Ost-Mosul, Irak, leer. Foto Abdullah Rashid / Reuters

Was aber noch schlimmer ist: Angesichts der wachsenden internationalen Solidarität steht noch keine panarabische Initiative an, die das Ziel verfolgt, Länder und Regionen, die am stärksten von der COVID-19-Krankheit betroffen sind, in materieller Hinsicht zu unterstützen. 

Der Mangel an kollektiver arabischer Reaktionsfähigkeit ist nicht einzigartig, da er das systematische Versagen Europas widerspiegelt, das nur „Solidarität“ zeigt, wenn es sich finanziell auszahlt, und manchmal seinen eigenen Brüdern den Rücken kehrt, wenn es keine wirtschaftlichen Anreize gibt. 

Dies erfolgte beispielsweise als Griechenland gegenüber internationalen Geldgebern, Deutschland und anderen Ländern der Europäischen Union verschuldet war. Zu diesem Zeitpunkt nutzte man die Gelegenheit, die wichtigsten Finanzinstitute des Landes abzubauen und aus dem zunehmenden Elend Athens Profit zu schlagen. 

Alle Gerede von europäischer Solidarität, Brüderlichkeit und Gemeinschaft stammelte vor dem Alter der Gier und der ungehinderten Profite.

Dies war nicht die erste und wird auch nicht die letzte Gelegenheit sein, bei der die opportunistische EU ihr wahres Gesicht zeigte. In Wirklichkeit ist Europa nicht durch eine gemeinsame Geschichte oder durch unzerbrechliche soziale Bindungen vereint, sondern durch die gemeinsame Überzeugung, dass ein geeintes Europa eine stärkere wirtschaftliche Einheit darstellt.

Und genau dasselbe, schmutzige Szenario wiederholte sich vor kurzem. Als Italien begann, sich unter den unerträglichen Lasten des tödlichen Coronavirus zusammenzuraffen, wendete sich die Regierung umgehend an ihre europäischen Bruderstaaten, um sie um Hilfe zu bitten. Aber dies war vergebens.

Italien ist trotz seiner beträchtlichen Verschuldung einer der wichtigsten Wirtschaftsakteure Europas und der Welt. In der Tat ist Italien die weltweit achtgrößte Volkswirtschaft. Aber die Wirtschaft des Landes erlebt derzeitig einen seltenen freien Fall. Dies gilt im Besonderen in den ärmeren Regionen Süditaliens, in denen die Menschen buchstäblich am Hungertuch nagen werden.

Das erste Land, das Italien unterstützte, war weder Frankreich noch, was nicht überraschend ist, Deutschland, sondern China, gefolgt von Russland, Kuba und anderen. 

Dieser spürbare Solidaritätsmangel zwischen den europäischen Ländern hat die bereits in Europa vorherrschende ethnozentrische Sichtweise weiter gestärkt und wird von rechtsextremen Bewegungen wie der italienischen Partei der Lega von Matteo Salvini vertreten. Diese Partei plädiert seit Jahren für einen Standpunkt, der sich der europäischen Integration widersetzt.

Es wird Monate, wenn nicht Jahre dauern, bis die politischen Auswirkungen des Coronavirus vollständig bewertet sein werden. Es ist jedoch schon offensichtlich, dass internationale und regionale Wirtschaftszentren ihre Wetten aktiv absichern, um ihre geopolitischen Positionen nach dem Coronavirus weltweit zu festigen. 

Trotz der schüchternen Versuche der USA, sich der politisch motivierten internationalen Solidarität anzuschließen, bemühte sich US-Präsident Donald Trump zu wenig und zu spät. In der Tat ist es ein Zeichen der Zeit, dass die chinesische und russische Hilfe die USA unterstützen wird, die nun die größte Anzahl der COVID-19-Fälle verzeichnen. 

Es stellt sich hier die zwingende Frage, wo die Araber bleiben.

Im Besonderen pflegen Italien und Spanien mit zahlreichen arabischen Ländern historische und kulturelle Beziehungen und teilen mit diesen umfangreiche politische Interessen, die noch lange nach der Ausrottung des Coronavirus bestehen werden. Die fehlende Teilnahme auf der Bühne der internationalen Solidarität mit Italien und Spanien wird sich als strategische Fehleinschätzung erweisen.



Auswanderer, die aus Ägypten, Syrien und dem Libanon zurückkehren, warten darauf, am 16. März 2020 in einer Eindämmungs- und Screeningzone des kuwaitischen Gesundheitsministeriums für COVID-19 in Kuwait-Stadt erneut getestet zu werden. Foto Yasser Al-Zayyat / AFP / Getty

Israel hingegen setzt seine Hilfsorganisation IsraAID in Bewegung, die in der Vergangenheit zwischen 2016 und 2019 schon in Italien tätig gewesen war, nachdem ein schweres Erdbeben fast 300 Menschen getötet und massive Infrastrukturschäden hinterlassen hatte. 

Israel nutzt die „humanitäre Hilfe“ als politisches Propagandainstrument. Israelische Missionen sind oft unzureichend finanziert und von kurzer Dauer, aber ihre Wirkung wird durch eine mächtige, offizielle Medienmaschine verstärkt, die das Ziel verfolgt, Israel als „Friedensstifter“ und nicht als Kriegstreiber darzustellen. 

In Wirklichkeit stellen einige arabische Regierungen tatsächlich dringend benötigte Mittel und Hilfen für Länder bereit, die durch Kriege oder Naturkatastrophen zerstört wurden. Leider sind diese Bemühungen oft vollkommen schlecht organisiert oder auf sich fokussiert - und ehrlich gesagt überhaupt nicht durch eine wahre Solidarität motiviert. 

Aber der Mangel an arabischen Initiativen auf dem Gebiet der internationalen humanitären Solidarität ist im Vergleich zum Mangel an arabischer Solidarität innerhalb der arabischen Welt vollkommen harmlos. 

Den Schätzungen der Vereinten Nationen zufolge gibt es in der Region schon „101,4 Millionen (Menschen), die nach offiziellen Kriterien bereits in Armut leben, und rund 52 Millionen sind unterernährt.“

Ein neues Kurzdossier der Wirtschafts- und Sozialkommission der Vereinten Nationen für Westasien (ESCWA) vom 1. April prognostiziert, dass sich weitere 8,3 Millionen Menschen den armen und unterernährten Massen der arabischen Welt anschließen werden.

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Carlos Latuff

Abgesehen von der leeren Rhetorik und den nutzlosen Pressemitteilungen warten wir immer noch auf eine gemeinsame arabische Initiative, die beispielsweise von der Arabischen Liga ausgeht, um ein arabisches Äquivalent zu den vielen Konjunkturplänen bereitzustellen, die in vielen anderen Ländern und Regionen weltweit ins Leben gerufen wurden. 

Ende März gab der Generalsekretär der Vereinten Nationen, António Guterres, einen „globalen Waffenstillstandsaufruf“ heraus, der die Welt und im Besonderen die Länder im Krieg des Nahen Ostens, zur Unterbrechung der Kriegshandlungen aufforderte, um alle Bemühungen in einem gemeinsamen Krieg gegen das Coronavirus zu vereinen.

Leider ist dieser Aufruf bisher vollkommen unbeachtet geblieben. Der Krieg in Libyen eskaliert und lässt nicht nach. Die israelische Ermordung von Palästinensern im besetzten Westjordanland nimmt unaufhaltsam seinen Lauf. Die Flüchtlingsflut aus Syrien, der Türkei und anderen Ländern des Nahen Ostens erfährt auch keinen Rückgang.

Die Krisenzeiten, die uns alle, unabhängig von ethnischer Zugehörigkeit, Religion oder geographischer Zugehörigkeit betreffen, stellen oft einen Weckruf dar und bieten die Gelegenheit für einen Neuanfang, einen neuen Gesellschaftsvertrag, um aus der Asche unseres kollektiven Leids wieder auferstehen zu können, um eine bessere Welt aufzubauen. 

Lassen wir COVID-19 die Gelegenheit sein, die allen Nationen und im Besonderen denen im Nahen Osten, die Chance eröffnet, sich Krieg, Hunger und Krankheit zu widersetzen, ihren Reichtum zu teilen und die Hand der Solidarität auf Afrika und unsere historischen Verbündeten weltweit auszudehnen. 



Eine palästinensische Schülerin verfolgt eine Unterrichtsstunde, die von einer Lehrerin während ihrer Isolationsperiode in Gaza-Stadt am 15. März 2020 mit ihrem Mobiltelefon zu Hause ausgestrahlt wird. Foto Mohammed Abed / AFP / Getty

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Palästinensische KünstlerInnen malen eine Wandmalerei, um für Schutzmaßnahmen gegen die Coronavirus-Pandemie in Khan Yunis, Gaza, am 28. März 2020 zu werben. Foto Mustafa Hassona / Anadolu Agentur


 

 





Courtesy of Tlaxcala
Source: https://www.arabnews.com/node/1654221
Publication date of original article: 06/04/2020
URL of this page : http://www.tlaxcala-int.org/article.asp?reference=28634

 

Tags: Coronavirus-KriseArabische Welt
 

 
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