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 05/07/2020 Tlaxcala, the international network of translators for linguistic diversity Tlaxcala's Manifesto  
English  
 ABYA YALA 
ABYA YALA / „Jetzt ergreifen die Völker das Wort!“: Bericht vom internationalen Kongress für Kommunikation in Venezuela
Date of publication at Tlaxcala: 02/01/2020
Translations available: Français  Español 

„Jetzt ergreifen die Völker das Wort!“: Bericht vom internationalen Kongress für Kommunikation in Venezuela

Carsten Hanke

 

Unter dieser Losung fand vom 02.12.2019 bis 04.12.2019 der Kongress zur „Bildung einer Alternativen Kommunikation“ in der Hauptstadt Venezuelas, in Caracas, statt. Im Ergebnis des Forums von Sao Paulo wurde Venezuela beauftragt einen solchen Kongress durchzuführen, weil allen Beteiligten bewusst ist, dass die bürgerliche Propaganda als sogenannte Vierte Macht im Staat, zur modernen Kriegsführung benutzt wird. Diese richtet sich gegen alle fortschrittlichen Kräfte, die um ihre sozialen Rechte kämpfen bis hin zu jenen Staaten, die mit dem Aufbau des Sozialismus jene gesellschaftliche Alternative zum gegenwärtig wütenden Kapitalismus bieten.

Dieser Kongress in Venezuela, der eigentlich erst im Januar 2020 stattfinden sollte, wurde auf Grund der zugespitzten Situation in Lateinamerika mit dem faschistischen Putsch in Bolivien, den verstärkten sozialen Kämpfen in Chile und Kolumbien sowie der prekären Situation in Argentinien mit der hohen Staatsverschuldung, der extremen Situation in Brasilien mit dem faschistoiden Präsidenten und insbesondere mit der ausgeweiteten Embargopolitik der USA und deren Vasallen gegenüber Kuba und Venezuela, notwendig.

Das Ziel dieses Kongresses war, eine solidarische Vernetzung unter allen fortschrittlichen Kräften, um auf kürzestem Weg sich stets mit Informationen auszutauschen, diese entsprechend medial zu veröffentlichen, um so der Bevölkerung in allen Ländern eine alternative wahrheitsgemäße Berichterstattung gegenüber der bürgerlichen Hetzpropaganda zu bieten.

Dass 135 Delegationen aus 38 Ländern, trotz der Embargopolitik, an diesem Kongress teilgenommen haben, beweist erneut, dass trotz widriger Umstände bei der Anreise der solidarische Wille bei allen Beteiligten obsiegt und jede Hürde zu überwinden ist.

Die Delegierten erwartete ein vollgepacktes Programm, denn schon am Vorabend des Kongresses gab es neben der Einweisung verschiedene Informationsveranstaltungen. So war bereits ein Gespräch mit Tania Diaz, Ministerin für Kommunikation und Information und derzeit erster Vizepräsident der Verfassunggebenden Nationalversammlung (ANC), über die Bedeutung der Informationsverbreitung unter aktuellen Bedingungen hochinteressant.

Bei sommerlichen Temperaturen fand am nächsten Tag die Eröffnung des Kongresses unter freiem Himmel am Kongresszentrum statt. Die Aussagen der Präsidentin von Telesur, Patricia Villegas, und Ernesto Villegas als Schriftsteller und ehemaliger Chef des Regierungsbezirkes Caracas und jetziger Kulturminister, waren hochinteressant, da sie verdeutlichten, wie die bürgerlichen Medien im In- und Ausland gezielt mit Falschmeldungen gegen die Regierung Maduro eine Hetzkampagne aufbauen.

Danach folgte ein sehr emotionaler Teil, da hier verschiedene frei agierende Journalisten mit ihren Tatsachenberichten von den Putschversuchen 2017, 2018 und 2019 berichteten. Dazu wurden im Hintergrund von ihnen gefertigte Filmaufnahmen direkt vor Ort eingespielt. Die Bilder zeigten, wie vermummte Kontras, mit Gewehren bewaffnet, auf mehreren Motorrädern gezielt auf Chavisten und andere für die Regierung demonstrierende Bürger zufuhren und dazu auf sie mit Molotowcocktails warfen. Dass in diesem Zusammenhang bürgerliche Medienvertreter geschützt hinter den vermummten Angreifern ihre Aufnahmen machten, war deutlich zu erkennen. Auf der anderen Seite wurden diese Film- und Fotoaufnahmen der freien Journalisten unter Lebensgefahr gemacht, da diese Art der Berichterstattung - der Aufdeckung der Hintergründe - nicht gewollt war.

Am 3. Dezember 2019 wurde dann in 8 verschiedenen Arbeitsgruppen sehr intensiv gearbeitet. Jeder der Delegierten konnte sich vorab in eine dieser Arbeitsgruppen eintragen. Es wurden u.a. in den Arbeitsgruppen die Psychologie der Medien, digitale Netzwerke, Kommunikation von Befreiung des Kapitals, Kultur in linker Vernetzung, neue Möglichkeiten der Vernetzung, Medien in Kriegszeiten und „Wir sind das Netzwerk“ behandelt. Alle Themen waren für sich genommen schon sehr interessant und ich entschied mich für letzteres „Wir sind das Netzwerk“, auch aus dem Grund, weil ich hier Impulse für die sofortige Umsetzung erwartete.

Am späten Nachmittag wurde kurzfristig eine Großdemonstration in Caracas organisiert. Hintergrund war der tags zuvor vom kolumbianischen Präsidenten einberufene militärische Rat mit weiteren 16 Staaten und den USA, um Maßnahmen gegen Venezuela zu beschließen. Wer eine solche Manifestation großer Teile der Bevölkerung mit seiner Regierung in Venezuela nicht erlebt hat, war nicht in Venezuela. Sicherlich ist hier die besondere Mentalität der Lateinamerikaner mit zu berücksichtigen, aber wer eine solche Verbundenheit zwischen Regierung und Volk praktisch lebt, bekommt die Antwort darauf, warum in Venezuela bisher jeder Putschversuch gescheitert ist. Da ich es selbst vor Ort live erleben durfte und eigene Video- und Fotoaufnahmen es belegen, wie entschlossen man bereit ist, die Errungenschaften vor jeglichen Angriffen von innen und außen, zu verteidigen, war diese machtvolle Demonstration der Verbundenheit zwischen Regierung und Volk eine eindrucksvolle Antwort auf künftige gegnerische Angriffe.

Der Autor mit Carolus Wimmer

Dass ich am Rande des Kongresses noch an weiteren wichtigen Gesprächen teilnehmen konnte, war unserem Freund Dr. Carolus Wimmer vor Ort zu verdanken. Als Aktivist im COSI (Komitee für internationale Solidarität und Friedenskampf), welches 1971 mit dem Kampf gegen das damalige Militär gegründet worden ist, hat er eine große Bedeutung. Es ist die einzige Friedensorganisation in Venezuela und es gilt auch hier über die Landesgrenzen hinaus, die solidarische Zusammenarbeit weiter auszubauen. Ebenso konnte ich mit Freude einige der vielen Errungenschaften seit Hugo Chavez bis heute live erleben. So wurden 2,9 Millionen Sozialwohnungen gebaut, die vollausgestattet den Familien (für 4 Personen für ca. 77 m²) kostenlos übergeben wurden. Das Bus, U-Bahn ebenso gratis ist, wie die medizinische Versorgung, der Besuch staatlicher Schulen oder das Studium kommt sicherlich vielen DDR-Bürgern bekannt vor.

Am letzten Tag wurde dann etwas überraschend für alle TeilnehmerInnen des Kongresses die Auswertung im Regierungssitz mit dem Präsidenten Maduro selbst vorgenommen. Unter freiem Himmel, bei gefühlten 30 Grad verwies der Präsident in seiner Rede auf die große Bedeutung der internationalen Solidarität und dass die Schaffung einer alternativen Vernetzung unter uns, unsere unberechenbare Waffe gegen jegliche Angriffe des Imperialismus ist und nahm dabei demonstrativ sein Handy so in die Hand, als habe man eine Pistole in der Hand.

Der Autor mit Diosdado Cabello

Danach ging es wieder zum Tagungsort ins Hotel Alba, wo der Vizepräsident der PSUV und Präsident der Verfassunggebenden Nationalversammlung, Diosdado Cabello, im Rahmen einer Kulturveranstaltung den Kongress dann offiziell beendete.

Dass bei diesem kurzweiligen aber sehr intensiv erlebten Aufenthalt in Venezuela auch viele noch bestehende Probleme sichtbar werden, ist offenkundig. In vielen Gesprächen mit Repräsentanten der Regierung und der Bevölkerung wird nicht nur die enge Verbundenheit sichtbar, ihnen ist auch bewusst, dass in der Vergangenheit auch Fehler gemacht worden sind und man auch künftig nicht davon frei sein wird, noch Fehler zu machen. Man ist aber nicht nur gewillt, sondern entschlossen, den Sozialismus weiter aufzubauen.

Ich habe die Venezolaner als ein sehr liebevolles und emotionales Volk erlebt und ich kann sie sehr gut verstehen, wenn man allen sogenannten Linken eine klare Absage erteilt, die da meinen, sie müssten wegen begangener Fehler eine kritische Solidarität üben. Da kann ich den Venezolanern nur zustimmen, da jedem Land, jeder Bewegung, welche um Unabhängigkeit kämpft, für Frieden und sozialen Fortschritt eintritt sowie einen antikapitalistischen Kurs einschlägt, als Linker unsere uneingeschränkte Solidarität gehören sollte. Jedem sollte bewusst sein, dass beim Aufbau einer neuen fortschrittlichen Gesellschaft wie dem Sozialismus immer Fehler gemacht werden können. Das ist auch der Tatsache geschuldet, weil dieser Aufbau immer durch jene Kräfte auf vielfältigste brutalste Art gestört wird, die durch den Sozialismus ihren Machteinfluss verlieren.

Kämpfen wir gemeinsam solidarisch mit unseren Freunden, den Venezolanern, mit Kubanern, Chilenen, Bolivianern und allen Völkern, die für ihre Unabhängigkeit, sozialen Fortschritt und Frieden kämpfen.

Der Autor mit Außenminister Jorge Arreaza

 





Courtesy of RotFuchs/Tlaxcala
Publication date of original article: 02/01/2020
URL of this page : http://www.tlaxcala-int.org/article.asp?reference=27724

 

Tags: Internationaler Kongress für KommunikationAlternative KommunikationBolivarianische Rpublik VenezuelaInternationale Solidarität
 

 
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