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 10/12/2019 Tlaxcala, the international network of translators for linguistic diversity Tlaxcala's Manifesto  
English  
 USA & CANADA 
USA & CANADA / Der „Verzweiflungstod“ ist die US-amerikanische Seuche
Date of publication at Tlaxcala: 29/11/2019
Translations available: فارسی 

Der „Verzweiflungstod“ ist die US-amerikanische Seuche

Nicola von Lutterotti نیکلا لوتروتی

 

Jahrzehntelang tendierte die Lebenserwartung der Einwohner  westlicher Länder nur in eine Richtung: nach oben. In den Vereinigten Staaten zeichnet sich allerdings längst  seit einiger Zeit eine Kehrtwende ab, und  neue Zahlen belegen: Die Lebenserwartung nimmt weiter ab. Zurückführen lässt  sich dieser Trend offenbar nicht allein auf den epidemieartigen Missbrauch von opiathaltigen Schmerzmitteln.

Die sogenannte Opiatkrise, deren Wurzeln in die neunziger Jahre  zurückreichen, hat zwar landesweit zu einem markanten Anstieg der Todeszahlen geführt,  und das quer durch alle Bevölkerungsschichten hindurch. Sie kann den wachsenden Rückstand der Einwohner Amerikas zu jenen anderer Industrieländer, was  die Aussicht auf ein langes Leben angeht,  allerdings nicht allein erklären. Welche  Faktoren darüber hinaus zur sinkenden  Lebenserwartung der Amerikaner beitragen, haben die Autoren der neuen Analyse im Detail erforscht. Zurückgreifen  konnten Steven Woolf von der VCU  School of Medicine in Richmond/Virginia  und seine Kollegin Heidi Schoomaker auf  die Archive mehrerer nationaler Datenbanken, jene des National Center for Health Statistics und der Centers for  Disease Control and Prevention (CDC).

Wie die Gesundheitswissenschaftler im Journal der amerikanischen Medizingesellschaft schreiben, nahm die Lebenserwartung der amerikanischen Bevölkerung - jeweils gemessen zum Zeitpunkt  der Geburt - zwischen 1959 und 2016  von 69,9 auf 78,9 Jahre zu („JAMA“ doi:10.10()1/jan:ıa.2019,16932). Sie stieg  damit in ähnlichem Maße an wie in anderen wohlhabenden Nationen. Sie belegte  allerdings in dieser Liste seit jeher einen  der unteren Ränge und rutschte dann  nach der Jahrtausendwende auf den letzten Platz ab. Ihr Rückstand zur Lebenserwartung der anderen wohlhabenden Völker wurde zugleich immer größer. Einsame Spitze ist Japan. So werden Mädchen,  die 2016 im Land der aufgehenden Sonne geboren wurden, im Mittel 87 Jahre alt;  ihre Altersgenossen männlichen Geschlechts können mit immerhin 81 Lebensjahren rechnen. Gleichaltrige Amerikanerinnen und Amerikaner hinken diesen Werten um jeweils rund drei Jahre  hinterher. Aber auch die Deutschen  schneiden diesbezüglich vergleichsweise  schlecht ab. So erreichen Mädchen dieser  Alterskohorte, voraussichtlich 83,5 und  die Jungen 78,5 Lebensjahre.

Während die Lebenserwartung der  Westeuropäer, Australier, Japaner und Kanadier aber nach wie vor zunimmt, geht  jene der Amerikaner seit 2014 kontinuierlich zurück. Wie aus den Analysen von  Woolf und seiner Kollegin hervorgeht, liegen diesem Trend mehrere besorgniserregende Entwicklungen zugrunde. Zum einen ist die Sterberate der 25 bis 65 Jahre  alten Erwachsenen seit den neunziger  Jahren ständig angestiegen. Im  Jahr 2010  erreichte sie einen so hohen Stand, dass  sie die Lebenserwartung der Bevölkerung  zum Kippen brachte. 

Was die Ursachen für die erhöhte Sterblichkeit der Erwachsenen jüngeren und  mittleren Alters betrifft, konnten die Studienautoren mehrere treibende Kräfte  identifizieren. Ganz oben stehen demnach eine Überdosierung von Opioiden,  ein übermäßiger Alkoholkonsum und Suizide,  eine Trias, die die Autoren mit dem  Begriff „Verzweiflungstod“ betiteln. 

Beigetragen haben zum Rückgang der  Lebenserwartung amerikanischer Bürger  darüber hinaus die verbreitete Fettsucht, ein nicht oder unzulänglich behandelte:  hoher Blutdruck und Nierenversagen. Bei  allen Störungen handelt es sich um Folgen eines ungesunden Lebensstils. So  sind wenig Bewegung und eine kalorienreiche Kost die wichtigsten Treiber der  Adipositas, die wiederum häufig in hohen Blutdruck und einen Typ-2-Diabetes  mündet. Darüber hinaus zählt der Diabetes („Alterszucker“) zu den häufigsten Ursachen eines Nierenversagens.

  Ob es den Amerikanern gelingt, dieser  Negativspirale entgegenzuwirken, bleibt  abzuwarten. Die Liste an Maßnahmen,  die hierzu erforderlich wären, ist lang.  Wissenschaftler um Howard Koh von der  Harvard-Universität in Boston sehen  dringenden Handlungsbedarf  Ansonsten bestehe die Gefahr, schreiben sie in  einem begleitenden Editorial, dass der  Rückgang der Lebenserwartung in Amerika zu einer beunruhigenden  neuen  Norm wird.





Courtesy of FAZ
Source: https://www.faz.net/aktuell/wissen/usa-krisenursachen-fuer-sinkende-lebenserwartung-16504092.html
Publication date of original article: 27/11/2019
URL of this page : http://www.tlaxcala-int.org/article.asp?reference=27572

 

Tags: FettsuchtVerzweiflungstodfrüh sterbenUSA
 

 
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