TLAXCALA تلاكسكالا Τλαξκάλα Тлакскала la red internacional de traductores por la diversidad lingüística le réseau international des traducteurs pour la diversité linguistique the international network of translators for linguistic diversity الشبكة العالمية للمترجمين من اجل التنويع اللغوي das internationale Übersetzernetzwerk für sprachliche Vielfalt a rede internacional de tradutores pela diversidade linguística la rete internazionale di traduttori per la diversità linguistica la xarxa internacional dels traductors per a la diversitat lingüística översättarnas internationella nätverk för språklig mångfald شبکه بین المللی مترجمین خواهان حفظ تنوع گویش το διεθνής δίκτυο των μεταφραστών για τη γλωσσική ποικιλία международная сеть переводчиков языкового разнообразия Aẓeḍḍa n yemsuqqlen i lmend n uṭṭuqqet n yilsawen dilsel çeşitlilik için uluslararası çevirmen ağı

 04/06/2020 Tlaxcala, the international network of translators for linguistic diversity Tlaxcala's Manifesto  
English  
 ASIA & OCEANIA 
ASIA & OCEANIA / Medizinische Hilfe für den Widerstand der indigenen Völker Indiens
Date of publication at Tlaxcala: 25/11/2010
Original: Medical assistance for the resisting natives of India
Translations available: Italiano  Français  Español  Svenska/Dansk/Norsk 

Adivasi Drum:
Medizinische Hilfe für den Widerstand der indigenen Völker Indiens

Sumud

Translated by  Einar Schlereth

 

Die Globalisierung hat Indien zu einer Bonanza der internationalen Multis gemacht. Die 100 großkapitalistischen Familien, die eine Milliarde Menschen regieren, haben alle Schutzschranken für das Kapital niedergerrissen, um ins Land und hinaus zu fließen – offenbar für das Wohl der Entwicklung.

In erster Linie in dem an Mineralien reichen Gürtel im Südosten hat die indische Regierung weite Landgebiete an Bergwerkunternehmen und Schwerindustrien vergeben vermittels Verträgen im Werte von dutzenden Milliarden Euros. Sie kommen, um die natürlichen Ressourcen auszubeuten und lassen nichts anderes als Verschmutzung und erschöpfte Ressourcen zurück. Auf dem Land, das sie sich aneignen wollen, leben jedoch zufälligerweise Menschen, meistens ohne Eigentumstitel – die Adivasi (Hindi-Wort für Einheimische). Sie sind die Ärmsten der Armen, von der Kastengesellschaft ausgeschlossen genau wie die Unberührbaren (Dalits), aber sie leben im Unterschied zu diesen in Dschungeln in früher abgelegenen Gegenden, wo sie von der Subsistenzwirtschaft leben konnten.

Für das Big Business gibt es also nur eine Lösung: jagt sie von ihrem Land so wie es die Vorläufer des entstehenden Kapitalismus mit den europäischen Bauern und den amerikanischen einheimischen Völkern taten. Im vergangenen Jahrzehnt sind hunderttausende Adivasis davongejagt worden, wodurch sie nicht nur ihren Lebensunterhalt verloren, sondern wodurch auch ihre uralte Kultur an den Rand des Erlöschens gebracht wurde.

Aber der Widerstand wächst. Megaprojekte sind aufgeschoben worden, seit die Adivasis sich weigern, ihr Land zu verlassen und andere Teile der Bevölkerung sich ihnen angeschlossen haben, um deren Lebensunterhalt vor dem räuberischen Appetit der Multis zu schützen. Als die billigen Vesprechungen nach Art der weißen Siedler in Nordamerika nicht mehr wirkten, wurde brutale Gewalt angewandt. Der vormals friedliche Widerstand verwandelte sich in gewalttätige Selbst-Verteidigung. Der maoistische bewaffnete Widerstand verbreitete sich rasch und entwickelte sich wie die Adivasi-Führung zumindest an den heißesten Punkten des Konfliktes.

Die Regierung schuf irreguläre Milizen, Salwa Judum (Säuberungsjagd) genannt mit Hilfe der privilegierten Adivasi, welche die Widerstand leistenden Menschen massakrierten, ihre Dörfer niederbrannten und sie zur Flucht zwangen. Hunderttausende von Adivasis wurden in Lagern interniert. Am Ende flohen sie aus den Lagern in die Dschungel und verstärkten die Reihen der Maoisten. 2009 wurde die Salwa Judum beinahe völlig zerstört. Da kamen ihnen mehrere von der indischen Armee unterstützte und trainierte paramilitärische Kräfte zu Hilfe im Krieg gegen die einheimischen Völker, der Green Hunt (Grüne Jagd) genannt wurde.

Unterdessen hat sich die Adivasi-Gesellschaft unter dem doppelten Druck des globalen Eindringens und des Volkswiderstandes unwiderruflich verändert. Während sie sich der kapitalistischen Entwicklung widersetzen, die von den oberen Klassen und der globalen Elite begrüßt wird, wollen sie eine Entwicklung durch und für die Mehrheit des Volkes durchsetzen. In den abgelegensten Gegenden wurde mit kollektiver Landwirtschaft und Handwerkprojekten begonnen. Zum ersten Mal wird ihnen Erziehung in den Adivasi-Sprachen durch die Maoisten geboten, was die Regierung zwingt, ebenfalls den Weg einzuschlagen. Die Volksmacht wird ebenfalls eingerichtet, die den Frauen die Möglichkeit bietet, aus ihrer traditionell untergeordneten Rolle auszubrechen.

Auch andere Gruppen der Armen und Unterdrückten folgen dem Beispiel, da die kapitalistische Globalisierung eine allumfassende Bedrohung darstellt. Das Beispiel von Posco, einer südkoreanischen Schwerindustrie-Gesellschaft, die die größte Einzelinvestition mit einigen dutzend Milliarden Euros plant, illustriert die allgemeine Situation. Posco plant ein Stahlwerk zusammen mit einem Tiefseehafen und einem Eisenerzbergwerk in Odisha an der Ostküste. Während die Regierung das Projekt unterstützt, das am Ende dem Wohle aller Inder zugutekommen soll, widersetzt sich die Bewegung des Volkes ihm auf das Heftigste. Die Adivasis, die sich gegen die Bergwerke wehren, die Fischer gegen den Hafen, der ihre Fischgründe zerstören wird, die Bauern ohne Eigentumstitel, deren Lebensunerhalt zugrundegerichtet wird und die Menschen im allgemeinen fürchten, dass die Industrien die geringen Wasserressourcen trockenlegen werden.

Da dieser Kampf durch die globale Finanzkrise verstärkt wird, brandmarkt die Regierung jede Opposition als Terrorismus; sei es die Moslem-Minorität im Visier des vom Staat geförderten Hindu-Chauvinismus, sei es die nationale Befreiungsbewegung in Kaschmir im Nordwesten oder seien es die Adivasis oder Dalits. Unter Verwendung des westlichen Musters des Krieges gegen den Terror verfolgt die selbsternannte größte Demokratie der Welt all jene, die es wagen, die demokratischen Rechte in Anspruch zu nehmen, zu denen sie formal berechtigt sind. Selbst die bedeutendste Schriftstellerin Indiens, Arundhati Roy, die den bewaffneten Widerstand besuchte, um über dessen Motive zu berichten, wird mit Gefängnis bedroht.

Als die Freiwilligenorganisation Sumud wollen wir konkret und praktisch den gerechten Kampf der indischen Indigenen um das Überleben unterstützen als Antwort auf ihren Hilferuf für Entwicklungsprojekte des Volkes. Nicht nur, weil es unsere moralische Pflicht ist, gegen die Wiederholung kolonialen Genozids, wie er von der westlichen kapitalistischen Zivilisation begangen wurde. Sondern letzlich auch, weil wir ebenfalls von der Globalisierung betroffen sind und unsere Kräfte mit dem globalen Widerstand vereinigen müssen.

Der Zugang zum Adivasi-Widerstand in Gebieten so groß wie alle europäischen Staaten wird jedoch von der Armee blockiert. Deshalb schlugen unsere Freunde und Partner von „ADIVASI DRUM“, einem Kollektiv von Gemeindeorganisationen, die im südlichen Staat Andhra Pradesh tätig sind, uns ein mobiles medizinisches Projekt an den Rändern der Konfliktzonen vor. Ob das möglich sein wird oder nicht, hängt von unserer Fähigkeit ab, eine politische Kampagne sowohl in Europa als auch in Indien in Gang zu bringen.

Anfang 2011 planen wir eine kleine Delegation zu entsenden, um erste Hilfe zu bringen und auch vor Ort die Möglichkeiten für gemeinsame Aktivitäten mit den Teams von Adivasi Drum zu testen. In der Zukunft wollen wir das Projekt ausweiten.

Was wir brauchen:

  • Medizinisches Personal einschließlich Ärzte, die bereit sind, zusammen mit dem örtlichen Personal zu arbeiten.
  • Filme, Fotos und journalistische Berichterstattung.
  • Mehrere tausend Euros Spenden, um örtlich produzierte Medikamente einzukaufen.


Freiwillige können sich hier melden: info[at]sumud[dot]org

Spenden können an Sumud überwiesen werden:

Banca Popolare Etica
IBAN: IT19U0501802800000000127032
BIC: CCRTIT2T84A





Courtesy of Einar Schlereth http://www.tlaxcala-int.org/
Source: http://www.sumud.org/index.html
Publication date of original article: 20/11/2010
URL of this page : http://www.tlaxcala-int.org/article.asp?reference=2660

 

Tags: AsienIndienAdivasiDalitGlobalisierungglobale PlünderungWiderstandPOSCOMaoisten
 

 
Print this page
Print this page
Send this page
Send this page


 All Tlaxcala pages are protected under Copyleft.