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 13/08/2020 Tlaxcala, the international network of translators for linguistic diversity Tlaxcala's Manifesto  
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 ASIA & OCEANIA 
ASIA & OCEANIA / Während Obama in Indonesien landet, zeigen geheime Dokumente, wie die US-unterstützten indonesischen Spezialeinheiten Kirchen und Zivilisten in Papua aufs Korn nehmen
Date of publication at Tlaxcala: 12/11/2010
Original: As Obama Arrives in Jakarta, Secret Docs Show U.S.-Backed Indonesian Special Forces Unit Targets Papuan Churches, Civilians

Während Obama in Indonesien landet, zeigen geheime Dokumente, wie die US-unterstützten indonesischen Spezialeinheiten Kirchen und Zivilisten in Papua aufs Korn nehmen

Amy Goodman

Translated by  Einar Schlereth

 

Amy Goodman: Päsident Obama ist heute in Indonesien angekommen, die zweite Station seiner 10-täigen Reise nach Asien. Es ist Obamas erster Staatsbesuch in Indonesien, nachdem er dort als Kind vier Jahre lang lebte. Wir gehen nach Jakarta, um mit dem investigativen Journalisten und Aktivisten Allan Nairn zu sprechen, der gerade geheime Dokumente veröffentlicht hat über Kompassus – die gefürchteten indonesischen Spezialeinheiten – die seit den 50-er Jahren für Menschenrechtsverletzungen verantwortlich sind. Zuvor in diesem Jahr hat die Obama-Verwaltung ein 12-jähriges Verbot aufgehoben, das Training für Kompassus zu finanzieren. Während Obama über Menschenrechte spricht, zeigen die Dokumente, dass Kompassus Kirchen und Menschen in Papua aufs Korn nimmt, sowie eine Kompassus Feindliste, an deren Spitze ein örtlicher Baptisten – Geistlicher in West-Papua steht.

Ausschrift:

Obama und der indonesische Präsident Susilo Bambang Yudhoyono werden wahrscheinlich die alte US-Indonesien Umfassende Partnerschaft diskutieren, die Handel, Investitionen, militärische Zusammenarbeit und andere bilaterale Fragen umfasst.

Auf einer gemeinsamen Pressekonferenz mit Yudhoyono heute hat Obama über die wachsenden US-Indonesien-Bindungenn gesprochen und seine erstmalige Rückkehr in dasLand seit seiner Kindheit.

Präsident Barack Obama: Es ist viel über die Tatsache gesagt worden, dass es meine Rückkehr dorthin ist, wo ich als Kind lebte. Ich will Ihnen sagen, dass ich es kaum wiedererkannte, als ich die Straßen entlangfuhr. Das einzige Gebäude, das es gab, als ich nach Jakarta kam, war das Sarinah. Jetzt ist es eins der kleineren Gebäude in der Straße.
Aber heute, als Präsident, bin ich hier, um mich auf die Zukunft und nicht auf die Vergangenheit zu konzentrieren: die Umfassende Partnerschaft, die wir zwischen den Vereinigten Staaten und Indonesien aufbauen. Als eine der größten Demokratien der Welt, als die größte Wirtschaft in Südostasien und als Mitglied der G20, als ein regional führendes Land, als ein riesiger Archipel in der ersten Linie für Klimawechsel und als eine Gesellschaft von außerordentlicher Vielfalt, ist es Indonesien, wo viele der Herausforderungen und Möglichkeiten des 21. Jahrhunderts zusammenkommen. Den Wohlstand zu fördern, die Partnerschaft zwischen unseren Ländern auszuweiten und die politische und Sicherheitskooperation zu vertiefen, das sind die Säulen unserer neuen Partnerschaft, die so vieles der Führung meines guten Freundes Präsident Yudhoyono verdankt. Ich glaube, dass unsere beiden Nationen erst begonnen haben, die Kooperation zu schmieden, die möglich ist. Und ich sage das nicht als jemand, der aus erster Hand weiss, was Indonesien der Welt bieten kann, ich sage es als Präsident, ein Präsident, der weiss, was Indonesien und die Vereinigten Staaten zusammen der Welt bieten können, wenn wir in einem Geist wechselseitiger Interessen und Respekt zusammenarbeiten. Also terima kasih (Danke) und as-salaam alaikum.

Amy Goodman: Während Obama mit der Umfassenden Partnerschaft auf Kundenfang geht, rufen Menschenrechtsaktivisten Obama auf, die US-Unterstützung für das mit Verbrechen besudelte indonesische Militär anzupacken. Zuvor in diesem Jahr hat Obama das 12-jährige Verbot der Unterstützung für die berüchtigte indonesische Militäreinheit, bekannt als Kompassus, aufgehoben. Diese Spezialeinheit ist verwickelt in eine Unzahl von Menschenrechtsverletzungen in Ost-Timor, in Aceh, in Papua und Java seit ihrer Bildung 1950. Laut Human Rights Watch dienen mindestens 11 von 18 wegen Menschenrechtsverbrechen verurteilte Kopassus Soldaten in der indonesischen Militär.

Heute werden wir die Zeit nutzen, um die Situation der Menschenrechte in Indonesien zu betrachten und die US-Rolle bei den Übergriffen, die bis heute anhalten. Aus Indonesiens Hauptstadt Jakarta, wo sich Obama jetzt befindet, stößt jetzt der altgediente Journalist und Aktivist Allan Nairn zu uns. 1991 waren wir beide in Ost-Timor, wo wir Zeuge des Santa Cruz Massakers wurden und überlebten, bei dem die indonisiche Armee mehr als 270 Timoresen ermordete. Die Soldaten haben Allan den Schädel gebrochen. Allan hat nun die US- Unterstützung für die Morde und Folter von Zivilisten durch die indonesische Armee enthüllt. In diesem Jahr wurde er bereits mit Verhaftung bedroht, als er die Verwicklung der indonesischen Armee in die Ermordung politischer Aktivisten in Aceh aufdeckte. Und gerade heute hat er auf seiner Webseite allannairn.com die Details von durchgesickerten indonesischen Dokumenten veröffentlicht, die, wie er sagt, die Beteiligung von Kopassus an – ich zitiere - „Mord und Entführung“ sowie die Anvisierung von „Kirchen in West-Papua und der Kennzeichnung von zivilen Dissidenten als Feinde“ aufzeigen.

Allan, willkommen bei Democracy Now! Kannst du beginnen, auf Präsident Obamas Besuch zu antworten, der erste Besuch seit seiner Kindheit?

Allan Nairn: Nun, es ist schön, in der Lage zu sein, dorthin zurückzukehren, wo man aufgewachsen ist, aber man sollte nicht Waffen als Geschenk mitbringen. Man sollte nicht Training für die Leute mitbringen, die die alten Nachbarn foltern. Obama sagte in seiner Presse-Konferenz, dass er der moslemischen Welt die Hand reichen möchte. Er sagte, es habe Missverständnisse und Misstrauen gegeben. Nun, eine Möglichkeit, die Hand den Moslems, aber auch den Christen und den Hindus und den Buddhisten Indonesiens zu reichen, wäre, die US-Unterstützung für die indonesische Armee zu streichen, die hunderttausende von indonesischen Zivilisten getötet hat, als auch Zivilisten in dem vormals besetzten Ost-Timor; und ferner für den Rest der moslemischen Welt, den Angriff auf Afghanistan, Irak zu stoppen, die Dronen-Angriffe auf Pakistan, Jemen, Kenya und anderswo zu stoppen. Das wäre der Anfang einer sinnvollen Handreichung: die kriminellen Akte zu stoppen.

Aber Obama ist nicht bereit, dies zu tun. Er erbte einen US-Apparat, der weltweit, in dutzenden Ländern, Kräfte unterstützt, die Zivilisten töten, und er zog es vor, alles so laufen zu lassen wie es war, den Zeiger auf „Töten“ stehenzulassen. Die Leute, die Bush berieten oder unterstützten, preisen jetzt Obama. Sie sagen, dass er die Bush-Strategie fortführe. Und das tut er. Ja, er hat es noch schlimmer gemacht, indem er die Angriffe auf Afghanistan intensiviert hat und eine neue Front offenen Krieges in Pakistan eröffnet hat. Das Gefühl also über Obamas Heimkehr wäre besser, wenn er nicht Gewalt mit sich gebracht hätte.

Amy Goodman: Allan, wir unterbechen hier. Wir kommen auf dich zurück. Wir rufen wieder an und versuchen, eine bessere Verbindung zu bekommen.

Zusammenfassung des zweiten Videos:

Amy Goodman spricht zuerst mit John Miller über die Wiederaufnahme der US-Unterstützung für die berüchtigte indonesische Spezialeinheit Kopassus, die sich unzähliger Verbrechen schuldig gemacht hat. Die USA fanden es ausreichend, dass ein paar Militärs versetzt und ein paar verurteilt und schnell wieder freigelassen wurden.

Dann setzt Amy Goodman ihr Gespräch mit Allan Nairn fort, der detailliert über die Dokumente berichtet, die er am selben Tag veröffentlicht hat. Sie beweisen die Menschenrechtsverletzungen der indonesischen Armee in West-Papua, wo Kirchen und Zivilisten ins Visier genommen werden. Sie sind online hier zu finden.

Danach kommen sie auf die Ermordung des indonesischen Menschenrechlers Munir Thalib im Jahre 2004 zu sprechen.

Hier folgt die Ausschrift:

Amy Goodman: Allan, ich wollte mit dir über den Fall von Munir, Munir Thalib, den indonesischen Menschenrechtsaktivisten reden, den bedeutendsten Menschenrechtler in Indonesien. Oder ich sollte sagen, den bekanntesten, weil, als wir vor kurzem in Bonn/ Deutschland waren auf der Versammlung der Gewinner des Right Livelihood Gewinner, er einer der Preisträger war. Ich traf seine Frau Suciwati. Und wir wollten ihre Beschreibung des Vorgefallenen bringen. Aber ich hätte gerne, dass du sagst, wer Munir war, was seine Bedeutung gewesen ist, und in welcher Beziehung es zu dem steht, worüber wir heute sprechen – das indonesische Militär und Kopassus und die Menschenrechtsverletzungen.

Allan Nairn: Nun, Munir war ein großer Mann. Er war mein Freund. Er war brilliant. Viele Indonesier sahen in ihm eine mögliche künftiige führende Persönlichkeit. Er war der zäheste, freimütigste und furchtloseste Menschenrechts-Anwalt. Und des brachte ihn das Militär um.

Es gab einen sehr beredten Vorfall, direkt nachdem die USA in Afghanistan einmarschierten. Munir hatte damals mehrere Menschenrechtsgruppen, und er bekam für sie etwas Geld von USAID. Er hatte einen Draht zur US-Botschaft. Aber er leitete ja Demonstrationen gegen die US-Invasion von Afghanistan. Die US-Botschaft ließ ihn holen, stauchten ihn zusammen und sagten ihm, würde mit Terroristen zusammenarbeiten und ihnen helfen. Und während das weiter ging, schickte das indonesische Militär unter Wiranto Schläger in sein Büro, um ihn in seinem Büro anzugreifen und ihn anzuklagen, dass er eine Marionette der USA sei. Was lachhaft ist, da sie ja Waffen von den USA erhalten. Aber aus demagogischen Gründen sagten sie, er sei eine Marionette. Also hetzten sie den Mob gegen ihn auf, während die USA ihn anklagte, den Terroristen in die Hände zu spielen. Aber Munir sagte immer seine Meinung und widersetzte sich dem Töten von Zivilisten.

Und dann passierte es, dass er einfach ausgebrannt war. Mir schien es, dass er Ruhe brauche. Und er beschloß, nach Holland zu gehen, um zu studieren – er wollte ein avanciertes Jurastudium durchziehen. Er nahm einen Flug und starb unterwegs. Ihm wurde Arsenik untergeschoben – das wurde im Gericht festgestellt – von einem Agenten der BIN, dem indonesischen Präsidenten-Nachrichtendienst. Nun der BIN war und ist immer noch ein Verbündeter der CIA. Die haben eine Beziehung, die scheinbar einträglich ist, und die mir als sehr eng beschrieben wurde. Tatsächlich stand der Boss der BIN damals, als sie Munir töteten, der General Hendropriyono, der USA so nahe, dass ihm persönliche Treffen mit Tenet zugestanden wurden, dem damaligen CIA-Chef, und mit Mueller, dem damaligen FBI Chef, und er wurde oft nach Langley für Beratungen geflogen. Und seine rechte Hand, General Muchdi, machte sich daran und ließ Munir im Flugzeug töten.

Download: FLVMP43GP

Neue Wikileaks Veröffentlichungen bestätigen diese Aussagen bis ins Detail. Siehe hier.





Courtesy of Amy Goodman
Source: http://www.democracynow.org/tags/indonesia
Publication date of original article: 09/11/2010
URL of this page : http://www.tlaxcala-int.org/article.asp?reference=2377

 

Tags: AsienIndonesienAllan NairnYudhoyonoUmfassende PartnerschaftKopassusMenschenrechtsverletzungen
 

 
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