TLAXCALA تلاكسكالا Τλαξκάλα Тлакскала la red internacional de traductores por la diversidad lingüística le réseau international des traducteurs pour la diversité linguistique the international network of translators for linguistic diversity الشبكة العالمية للمترجمين من اجل التنويع اللغوي das internationale Übersetzernetzwerk für sprachliche Vielfalt a rede internacional de tradutores pela diversidade linguística la rete internazionale di traduttori per la diversità linguistica la xarxa internacional dels traductors per a la diversitat lingüística översättarnas internationella nätverk för språklig mångfald شبکه بین المللی مترجمین خواهان حفظ تنوع گویش το διεθνής δίκτυο των μεταφραστών για τη γλωσσική ποικιλία международная сеть переводчиков языкового разнообразия Aẓeḍḍa n yemsuqqlen i lmend n uṭṭuqqet n yilsawen dilsel çeşitlilik için uluslararası çevirmen ağı la internacia reto de tradukistoj por la lingva diverso

 15/12/2017 Tlaxcala, the international network of translators for linguistic diversity Tlaxcala's Manifesto  
English  
 LAND OF PALESTINE 
LAND OF PALESTINE / Ein vereintes Jerusalem? Trumps Anerkennung der israelischen Hauptstadt könnte einen ungeahnten Preis haben
Date of publication at Tlaxcala: 07/12/2017
Original: United Jerusalem? Trump's recognition of Israeli capital may carry an unexpected price

Ein vereintes Jerusalem? Trumps Anerkennung der israelischen Hauptstadt könnte einen ungeahnten Preis haben

Nir Hasson ניר חסון

 

Über 300.000 Palästinenser leben derzeit ohne Staatsbürgerrecht in der Stadt, eine Situation, auf die zu reagieren der Vorstoss der USA Israel unbeabsichtigt zwingen kann.

 

 

Steve Bell, The Guardian

Da ist natürlich eine große Portion Chuzpe in der israelischen Forderung, die Welt solle Jerusalem als seine Hauptstadt anerkennen: nahezu 40% der Einwohner der Stadt haben nicht die israelische Staatsbürgerschaft, sondern lediglich Aufenthaltsstatus.

Israel bemüht sich sehr diesen Status zu erhalten und verweigert Palästinensern das Wahlrecht für das Parlament, das seinen stolzen Sitz in der Stadt hat.

Israel fordert von der Welt Jerusalem anzuerkennen, aber ist nicht gewillt den wahren Preis für die Stadt zu schultern.

International ist Jerusalem eine Art lebendes Fossil – das letzte Überbleibsel des Plans von 1948 zur Teilung des Landes. Die Stadt ist der einzige Ort, wo die internationale Gemeinschaft nicht nur die Annexion von Juni 1967 zurückweist, sondern auch die vom vorhergehenden sog. Unabhängigkeitskrieg von 1948. Nach dem UN-Teilungsplan sollte Jerusalem unter internationaler Kontrolle stehen. Aber sowohl Israel als auch Jordanien haben gegen diesen Plan verstoßen, indem sie je eine Hälfte der Stadt 1948 besetzten.

Bis heute lehnt es die Welt ab die alte Besetzung von 1948 anzuerkennen, und es besteht kaum ein Zweifel, dass die israelische Entscheidung die Ost-Hälfte der Stadt 1967 (nach dem Sechs-Tage-Krieg) zu annektieren, zur weltweiten Weigerung, auch nur West-Jerusalem anzuerkennen, beigetragen hat.

Dennoch ist die von US-Präsident Donald Trump für Mittwoch erwartete Ankündigung, in der er Jerusalem als Hauptstadt Israels anerkennen will, nicht mehr als symbolisch. Sie hat keine praktische Bedeutung.

Tatsächlich hat Jerusalem seit 1949 als Hauptstadt Israels funktioniert. Ausländische Botschafter und Führunsgpersönlichkeiten, die anfangs die Stadt für offizielle Konferenzen gescheut haben, haben das seit langem aufgegeben. Jetzt sorgen sie dafür, dass ihre Treffen in der Westhälfte der Stadt stattfinden.

Aber eine andere zentrale Komponente der internationalen Politik gegenüber Israel ist Wechselseitigkeit: West-Jerusalem als Hauptstadt Israels anzuerkennen verpflichtet sie Ost-Jerusalem als palästinensische Hauptstadt anzuerkennen.

Tatsächlich basiert der Hauptstrom der palästinensischen Politik – der der Palästinensischen Autonomiebehörde – selbst auf diesem Verständnis.

„Abbas kann seinem Volk keinen palästinensischen Staat ohne Hauptstadt in Al-Quds verkaufen“, sagt Ofer Zalzberg, führender Analyst der International Crisis Group für Israel/Palästina, unter Bezugnahme auf den arabischen Namen von Jerusalem.  „Das grundlegende Abkommen zum Zwei-Staaten-Modell ist, soweit die PLO betroffen ist, dass sie Al-Quds bekommen im Tausch gegen den Verzicht auf das Rückkehrrecht. Die US-amerikanische Anerkennung Ost-Jerusalems auch als Hauptstadt Israels bedeutet, dass es aus der Perspektive der PLO keine Hoffnung für eine Strategie politischer Verhandlungen gibt, um einen palästinensischen Staat mit seiner Hauptstadt Jerusalem zu erlangen – sie haben nichts, was sie ihrem Volk vorweisen können. Sie spüren, dass sie eine neue Basis für ihre Politik finden müssen. Bisher haben sie zahlreiche Alternativen vorgeschlagen inklusive Staatsbürgerrecht, bewaffnetem Widerstand, gewaltfreiem Volkswiderstand und Klagen in Den Haag“, stellt er fest.

„Die Explosion steht vor der Tür – wenn nicht heute, dann morgen, und wenn nicht morgen, dann am Tag danach“, sagt Ali Jida, ein bekannter palästinensischer Aktivist in der Altstadt von Jerusalem.  „Dabei geht es nicht nur um Trumps Position. Da ist ein Zusammentreffen aller möglichen Dinge: das Verhalten der israelischen Soldaten, die Demütigungen. Es wird eine Explosion geben und sie wird sich auf Jerusalem zentrieren“, sagt er voraus.

Selbst dann wird der Himmel über Jerusalem nicht über Nacht einstürzen. Die US-Erklärung ist ein schwerer Schlag für die Vision eines zukünftigen palästinensischen Staates. Aber für die Palästinenser von Jerusalem war dieser Staat immer ein blasses und nicht greifbares Gerücht. Im Gegensatz zu den Metalldetektoren, die diesen Sommer am Eingang zum Al-Aqsa-Gelände kurz installiert wurden, ist schwer zu sehen, dass die US-Erklärung die Massen auf die Strassen schickt.

Natürlich werden wir gewaltsame Auseinandersetzungen und eine zunehmende Zahl von Terroranschlägen sehen. Freitagsgebete in der Al-Aqsa-Moschee am Tempelberg werden wahrscheinlich eine Gewaltwelle auslösen, aber man kann in diesem Stadium kaum einen generellen Ausbruch sehen.

Man sollte aber trotzdem daran zu erinnern, dass diese Dinge eine Art „Inkubationszeit“  haben. Die zweite Intifada brach zwei Monate nach dem Zusammenbruch der Camp David-Gespräche im Juli 2000 aus. Der Gewaltausbruch im Sommer 2014 kam drei Monate nach dem Zusammenbruch der Gespräche zwischen Israel und den Palästinensern.

Jedenfalls verfehlen alle Gespräche über die unmittelbaren Auswirkungen von Trumps Entscheidung, worum es geht. Auch wenn deshalb keine weitere Intifada ausbricht, und sogar wenn Netanjahu über die düsteren Prohezeiungen der Linken hämisch spottet, die Erklärung wird sich in Wirklichkeit dahingehend auswirken, dass die Palästinenser keine Hoffnung mehr auf einen zukünftigen Staat haben. Diese Hoffnungslosigkeit wird  einerseits die Rufe nach dem Dschihad verstärken, die Al-Aqsa zu retten, und andererseits eine zunehmende Integration in die israelische Gesellschaft, da es keinen Sinn mehr hat auf den Messias in Form eines unabhängigen Staates zu warten.

Das soziale Tabu für die (palästinensischen, Ü.) Bewohner Ost-Jerusalems die israelische Staatsbürgerschaft zu beantragen, ist schon lange erschüttert. Was uns zum Anfangspunkt zurückbringt: Ist Israel darauf vorbereitet  den tatsächlichen Preis für die Vereinigung Jerusalems zu zahlen? Dieser Preis besteht nicht in leeren Erklärungen oder verstärkter Polizeipräsenz in der Altstadt. Der Preis besteht darin den 320.000 Palästinensern, die in der vereinten Stadt leben, die Staatsbürgerschaft zu geben. So lange sie nicht die Staatsbürgerschaft haben und nicht wählen können, sind Erklärungen bedeutungslos und hat die Reklamation der Palästinenser und der internationalen Gemeinschaft (außer Trump), dass Israel nicht der Souverän von Jerusalem ist, keine Gültigkeit. 

Ihnen die Staatsbürgerschaft zu geben, wird zur vollständigen und wirklichen Vereinigung des ewigen Jerusalem führen und gleichzeitig mit der Zwei-Staaten-Lösung ein für alle Mal Schluss machen. Die nächste Phase für Israel wird sein, dass es mit weiteren Fragen von gleichem Gewicht konfrontiert ist: ob es den hunderttausenden Palästinensern, die in der Westbank-Zone C leben, die Staatsbürgerschaft gibt, und nach ihnen den Millionen Palästinensern anderswo in der Westbank und im Gazastreifen.

Vielleicht ist die Ankündigung der USA letzten Endes eine gute Nachricht, da sie den Tag näher bringt, an dem die israelische Regierung etwas tun muss, was sie mehr als alles andere hasst: eine Entscheidung treffen.

 

 





Courtesy of Tlaxcala
Source: https://www.haaretz.com/israel-news/.premium-1.827175
Publication date of original article: 07/12/2017
URL of this page : http://www.tlaxcala-int.org/article.asp?reference=22210

 

Tags: Jerusalem/Al-QodsPalästina/IsraelEin einziger StaatTrumpUSA
 

 
Print this page
Print this page
Send this page
Send this page


 All Tlaxcala pages are protected under Copyleft.