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 20/11/2017 Tlaxcala, the international network of translators for linguistic diversity Tlaxcala's Manifesto  
English  
 LAND OF PALESTINE 
LAND OF PALESTINE / Ist die israelische Regierung antisemitisch?
Date of publication at Tlaxcala: 12/09/2017
Original: Is Israel’s government anti-Semitic?

Ist die israelische Regierung antisemitisch?

Yehuda Bauer יהודה באואר

Translated by  Milena Rampoldi ميلينا رامبولدي میلنا رامپلدی Милена Рампольди
Edited by  Fausto Giudice Фаусто Джудиче فاوستو جيوديشي

 

Wenn es um die Behandlung liberaler Juden in den USA und Israel geht, so könnte dies wirklich zutreffen  

In der westlichen Welt, auch in deren weniger lobenswerten Teilen, gilt der Verstoß gegen die Rechte der religiösen Juden, gemäß ihren eigenen Sitten zu beten, als ein klares Zeichen von Antisemitismus. Es ist bekannt,  dass die israelische Regierung von der Vereinbarung zurückgetreten, die nicht-orthodoxen Juden die Erlaubnis erteilt hatte, im Bereich des südlichen Endes der Westlichen Mauer zu beten – diese gehört nicht zum Bereich, der von den orthodoxen und ultra-orthodoxen Juden kontrolliert wird. Können wir somit behaupten, dass die israelische Regierung eine antisemitische Politik verfolgt?

Es stimmt, dass die westliche Mauer an sich schon eine komplizierte Angelegenheit ist. Sie wurde auf Anordnung von Herodes errichtet – ein Büttel der Römer und mörderischer Despot – und diente als externe Mauer des Tempelberg-Geländes. Der selige Jeshajahu Leibowitz bezeichnete das Beten an der Kotel und die Einführung von Notizen zwischen ihren Steinen als einen heidnischen Kult und die Verehrung toter Steine. Das Gebet an der westlichen Mauer ist in der Tat ein an Steine gerichtetes Gebet. Eine religiöse Person kann somit nicht wirklich glauben, dass ihr Gott ihr Gebet, das sie an die Steine richtet, mehr erhört als das an jeglichem anderen Ort verrichtete Gebet.

Dennoch sehen die liberalen religiösen Juden die Angelegenheit nicht so und akzeptieren die problematische Anschauung der Orthodoxen, es handle sich hierbei um eine heilige Stätte. Man kann sich natürlich fragen, ob die Tatsache, dass der Tempel vor 1943 Jahren in einer gewissen Entfernung von dieser Mauer stand, diese Steine wirklich heilig macht und ob eine solche Anschauung Teil einer jeglichen religiösen jüdischen Auffassung sein kann. Anscheinend nicht, aber in der Praxis ist es überraschenderweise so.

Auf jeden Fall ist der Beschluss, der den liberalen Juden verbietet, hier zu beten, wie ein Schlag ins Gesicht – von Seiten einer Regierung, die sich für jüdisch hält, aber von Charedim und religiösen Zionisten kontrolliert wird – gegen die Mehrheit der Menschen, die sich weltweit als Juden identifizieren.

Jospeh Rank

Welcher ist nun der politische Hintergrund dieser Situation? Orthodoxe Zionisten und Charedim machen  ungefähr 10% des Weltjudentums aus. In Israel machen diese beiden religiösen Gruppen, den Daten und Umfragen zufolge, ungefähr 21% der israelischen Juden aus (40% sehen sich als säkular und der Rest bezeichnet sich als traditionell, mit verschiedenen Stufen der Befolgung der religiösen Regeln).

Die Vertreter der beiden ultra-orthodoxen Parteien in der Knesset (Schas und Vereinigtes Thora-Judentum) besetzen 13 Sitze, während die religiös-zionistische HaBajit haJehudi  acht hat – insgesamt sind das 21 (17,5%) aller israelischen Abgeordneten. Verschiedenen Berichten zufolge gibt es weitere sieben Abgeordnete, die sich für praktizierende Juden halten. Diese letzteren entsprechen einer Gesamtanzahl von 28 (23,3%) aller Abgeordneten. Diese Aufteilung spiegelt genau die Ergebnisse der oben angeführten Umfrage wieder. So haben wir eine Situation, in der eine kleine Minderheit von Charedim und religiösen, zionistischen Juden anderen Juden die Freiheit nimmt, ihre Religion frei auszuüben.

Hinzu kommt, dass nicht-orthodoxe Juden in Israel weder heiraten noch scheiden dürfen, es sei denn dies erfolgt in einem orthodoxen Kontext. Die Beleidung der Mehrheit der weltweiten Juden und die Verweigerung des Rechtes (nicht orthodoxer) Juden, ihre grundlegende Freiheit auszuüben und gemäß ihrer Weltanschauung zu heiraten, sind ein einzigartiges Phänomen. Israel ist das einzige westliche Land, in dem die Regierung solche antisemitische Standpunkte vertritt.

Gleichzeitig erleben wir in den USA eine dramatische Zunahme des Antisemitismus. Und dort leben ungefähr 6 Millionen Juden. Es ist höchstwahrscheinlich, dass die derzeitige US-Regierung den latenten Antisemitismus, der schon lange in den USA vorhanden ist, von seinen Fesseln befreit hat. Und die Tatsache, dass ein Teil der Familie des Präsidenten Donald Trump jüdisch ist, macht hier keinen Unterschied. Neben seiner Tochter und seinem Schwager gibt es in der Trumpregierung einen jüdischen Finanzminister und einen jüdischen Wirtschaftsexperten. Es ist ein keineswegs neues Phänomen, das Antisemiten gegen Juden nutzen, weil es für sie aus verschiedenen Gründen bequem ist. Dies verhindert aber nicht die Verbreitung des Antisemitismus.

Das US-Judentum, das größtenteils, ob nun in seiner religiösen oder politischen Auffassung, liberal ist, befindet sich in einer sehr schwierigen Lage: In Charlottesville demonstrierten  die Rassisten und Neonazis nicht gegen die Schwarzen wie in der Vergangenheit, sondern gegen die Juden (der Bürgermeister von Charlottesville ist Jude). Trumps teilweise Identifizierung mit diesen Demonstranten („Es gibt gute Leute auf beiden Seiten“) hinterließ ein Gefühl der Niederlage.

Dies wurde letzte Woche in der Erklärung der Organisationen der reformistischen, konservativen und rekonstruktionistischen Rabbiner zum Ausdruck gebracht. Sie werden sich weigern mit Trump zu sprechen, wenn er sie wie immer einladen wird, um die baldigen religiösen jüdischen Festtage zu feiern. Der orthodoxe Rabbinerrat der USA verurteilte zwar die weißen Rassisten und ihre Befürworter in Charlottesville, kündigte aber auch an, dass er sich nicht weigern konnte, mit dem US-Präsidenten zu sprechen, wenn er ankündigte, sie vor den wichtigen heiligen Festlichkeiten treffen zu wollen.

Die liberalen Juden der USA befinden sich in einer Zwickmühle: auf der einen Seite die besorgniserregende Situation in ihrem eigenen Land – die antisemitischen Demos mit der teilweisen Unterstützung des Präsidenten – und auf der anderen Seite die Haltung der israelischen Regierung. Auf die können sie sich nämlich auch nicht verlassen. Anstatt wie die europäischen Regierungschefs die Rechtsradikalen in Charlottesville hart zu verurteilen, gab die israelische Regierung nur eine kurze, oberflächliche Erklärung ab.

Und auch das ist nichts Neues. Die israelische Regierung reagierte auch mit schwachen Erklärungen gegenüber den vor kurzem umgesetzten politischen Standpunkten der polnischen und ungarischen Regierungen, die das antisemitische Verhalten bestimmter Bürger (Polen) oder der Regierung (Ungarn) während des Holocausts rechtfertigten. Es ist nicht die Schuld des israelischen Außenministeriums, in dem die Mehrheit der Mitarbeiter Experten auf diesem Gebiet sind und ihr Bestes geben – im Besonderen im Kampf gegen den Antisemitismus – auch wenn sie von oben weder finanziert noch unterstützt werden. Wir stehen hier vor einer Regierungspolitik, die wirtschaftliche und Sicherheitsinteressen vertritt.

Es wäre übertrieben zu behaupten, dass die israelische Regierung antisemitisch ist. Aber es wäre wahrscheinlich kein Fehler zu behaupten dass diese Regierung eine Politik umsetzt, die gegenüber  der großen Mehrheit der Juden klare Anzeichen von Antisemitismus aufweist.

Nick D. Kim

 





Courtesy of Tlaxcala
Source: http://www.haaretz.com/opinion/.premium-1.809613
Publication date of original article: 30/08/2017
URL of this page : http://www.tlaxcala-int.org/article.asp?reference=21506

 

Tags: Religiöse ZionistenOrthodoxe JudenLiberale JudenZionismus gg. JudenCharlottesvilleAntisemitismusUSAPalästina/Israel
 

 
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