TLAXCALA تلاكسكالا Τλαξκάλα Тлакскала la red internacional de traductores por la diversidad lingüística le réseau international des traducteurs pour la diversité linguistique the international network of translators for linguistic diversity الشبكة العالمية للمترجمين من اجل التنويع اللغوي das internationale Übersetzernetzwerk für sprachliche Vielfalt a rede internacional de tradutores pela diversidade linguística la rete internazionale di traduttori per la diversità linguistica la xarxa internacional dels traductors per a la diversitat lingüística översättarnas internationella nätverk för språklig mångfald شبکه بین المللی مترجمین خواهان حفظ تنوع گویش το διεθνής δίκτυο των μεταφραστών για τη γλωσσική ποικιλία международная сеть переводчиков языкового разнообразия Aẓeḍḍa n yemsuqqlen i lmend n uṭṭuqqet n yilsawen dilsel çeşitlilik için uluslararası çevirmen ağı la internacia reto de tradukistoj por la lingva diverso

 24/09/2017 Tlaxcala, the international network of translators for linguistic diversity Tlaxcala's Manifesto  
English  
 LAND OF PALESTINE 
LAND OF PALESTINE / Israelis töten Israelis
Date of publication at Tlaxcala: 17/07/2017
Original: Israelis Killing Israelis

Israelis töten Israelis

Gideon Levy جدعون ليفي גדעון לוי

Translated by  Ellen Rohlfs اِلِن رُلفس

 

Die Erschießung von zwei Polizisten auf dem Tempelberg/Haram as Sharif hatte ein Motiv, einen Grund und tiefe Wurzeln. Diese zu diskutieren, wird aber als Verrat angesehen und als Rechtfertigung von Terror



Die Beerdigung von Hauptfeldwebel Hael Sathawi in Maghar. Sathawi wurde am 14. Juli 2017 bei einer Erschießung auf dem Tempelberg in Jerusalem getötet. Foto Gil Eliahu

Fünf bewaffnete Israelis  wurden am Freitag  am Aufgang zum Tempelberg nach einer kurzen  Schießerei  getötet.  Drei Israelis von Umm al-Fahm töteten  zwei  Polizei-Offiziere  aus den Städten  Maghar und Hurfeish im Norden.  Die Angreifer wurden in einem Kampf über die Kontrolle und Präsenz an dieser  heiligen und besetzten Stätte  getötet. Die Motive der Angreifer waren religiöse, nationalistische Motive oder eine Kombination von beidem,  aber egal wie, sie benützten gewalttätigen Widerstand gegen die Präsenz der Polizei am Eingang dessen, was für sie eine heilige Stätte ist.

Nur die ethnische Zugehörigkeit der fünf genügte, um das Deck durcheinander zu bringen. Das war kein Terrorakt, wie wir es gewohnt sind. Die Angreifer  waren keine  Palästinenser aus den  (seit 1967 besetzten) Gebieten, ihre Opfer waren keine jüdischen  Israelis und die Operation war keine Terrorattacke: Terror  ist gegen Zivilisten gerichtet. Dies war kein  Beginn  eines Bürgerkriegs, aber es war eine Erinnerung, dass es selbst in Israel Leute gibt, die sich dem bewaffneten  Kampf gegen die  Besatzung hingeben wollen. Es ist eine Mahnung, die jeden Israeli beunruhigen sollte.

Israels Antwort war reflexartig, wie es immer nach einem Angriff ist, bei dem Israelis getötet werden. Es versuchte zu zeigen, dass was geschieht, nachdem ein Druse in Uniform getötet wird, dasselbe ist, als wenn ein  Jude in Uniform getötet wird: kollektive Strafe und eine harsche Antwort. Der Tempelberg wurde für zwei Tage geschlossen, weil irgendetwas getan werden musste und die Trauerzelte in Umm al-Fahm wurden zerstört – vielleicht  als eine Alternative zum Zerstören der Häuser der Täter –, eine äußerst ärgerliche Verletzung des Rechtes zu trauern.  Würde  jemand daran denken, Juden daran zu hindern Shiv’a* zu sitzen, egal wer sie waren?

Die Politiker konkurrierten auch, um zu sehen, wer  den Angriff  in härterem Ton verurteilt, als ob dies wichtig wäre. Im Wettbewerb der Verurteilung war der Sieger, nicht  überraschend  zum ersten und wahrscheinlich nicht letzten Mal  der neu gewählte Vorsitzende der Arbeitspartei,  Avi Gabbay, aufsteigender Stern der zionistischen Linke. Er erachtete dies als „abscheulichen Terrorakt“ und nannte die Täter „verachtenswerte Mörder“.

Bei seinem nicht sehr viel versprechenden Debüt  konkurrierte er mit dem Stil  der Likudniki Ofir Akunis  und Gilad Erdan. Wenn dies ein verachtenswerter Terrorakt war, wie würde  Gabbay das Sprengen eines Busses nennen, der voller Leute ist?  Und was würde er über  Grenzpolizei-Offiziere sagen, die ab und zu  ein vorbeigehendes palästinensisches Mädchen oder einen Jungen  mit einem Messer töten? Und vielleicht haben die Angreifer niemanden, der sie mit einem Auftrag „sandte“?  Vielleicht sind es  Araber, die selbst entscheiden?  Das ist nicht die Art und Weise, um eine Mitte-Links-Opposition aufzubauen.

Aber die humoristische Abwechslung wurde – wie gewöhnlich – von dem Politiker geliefert, der von seinem  Selbstbewusstsein das verliert, was davon bleibt. Jesch Atid*-Vorsitzender   Yair Lapid schrieb anscheinend mit vollem Ernst: „Mit ihrem Tod haben sie uns befohlen, zu leben.“ Lapid lebt in Ramat Aviv Gimel Dank dem Tod der Grenzpolizei-Offiziere nahe dem Eingang zur Al-Aqsa.  Selbst das hat eine gewisse Logik und jeder rezitierte in einem sirupartigen Chor:  Die Blut-Allianz mit der Drusen-Gemeinschaft ist eine  heilige Allianz.

Und im Hintergrund  war die übliche und unverschämte Forderung einer Verurteilung von Seiten des palästinensischen Präsidenten Mahmoud Abbas und der Araber Israels -  ja tatsächlich der ganzen Welt, während  Israels niemals die Akte seiner Soldaten und Polizisten  verurteilt, auch wenn sie unschuldige Zivilisten töten.

Und  vor allem noch einmal: keiner fragt, warum dies geschehen ist und warum dies noch viele Male geschehen wird. Das Töten von zwei Polizisten ist ein ernster Vorfall; die Tatsache, dass Israelis sie töteten, macht dies noch schlimmer.

Aber selbst Vorfälle wie diese haben ein Motiv, einen Grund und tiefe Wurzeln. Diese zu diskutieren, wird als Verrat angesehen und als Rechtfertigung von Terror. Israel  fragt nicht einmal sich selbst, ob es wert ist, den Preis dieses Blutvergießen zu zahlen, für die Kontrolle der Al-Aqsa oder des Grabes der Patriarchen, des Flüchtlingslagers von Balata oder Jenin. Es verhindert, dass diese Fragen aufkommen, weil es die Antworten weiß und sie wie das Feuer flieht.

Die Antworten führen zu einer einzigen Schlussfolgerung, einer Schlussfolgerung, die nur wenige Israelis zu akzeptieren bereit sind. Und so sagt Israel tatsächlich:  Vergieße mehr von unserm Blut.  Vergieße Blut bis es so weh tut, dass wir uns der Antwort  auf die schicksalhafteste Frage nicht mehr entziehen können:  Wollen wir diese verfluchte Besatzung fortführen, die uns weiter bis zum letzten Tag Blut kosten wird? 

*Anm. des Hrsgb.

Die Schiv'a (hebr. „sieben“) ist im Judentum die Zeit der Trauer in der ersten Woche unmittelbar nach dem Begräbnis von Eltern, Ehegatten, Geschwistern oder eines Kindes, die für die Hinterbliebenen nach der Beerdigung beginnt.

Jesch Atid (hebr. „Es gibt eine Zukunft“) ist eine liberale laizistische Partei, die im April 2012 vom früheren TV-Journalisten Yair Lapid, dem Sohn des früheren Schinui-Politikers und israelischen Justizministers Josef „Tommy“ Lapid, gegründet wurde. Bei der Wahl zur Knesset am 22. Januar 2013 wurde Jesch Atid mit 19 Mandaten die zweitstärkste Partei in der Knesset. Am 15. März 2013 wurde der Koalitionsvertrag unterzeichnet, wobei Lapid das Amt des Finanzministers erhielt. Am 2. Dezember 2014 wurde Yair Lapid von Ministerpräsident Benjamin Netanjahu entlassen.

 





Courtesy of Tlaxcala
Source: http://www.haaretz.com/opinion/.premium-1.801468
Publication date of original article: 16/07/2017
URL of this page : http://www.tlaxcala-int.org/article.asp?reference=20960

 

Tags: Palästinensischer WiderstandZionistische BesatzungPalästina/Israel
 

 
Print this page
Print this page
Send this page
Send this page


 All Tlaxcala pages are protected under Copyleft.