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 19/02/2020 Tlaxcala, the international network of translators for linguistic diversity Tlaxcala's Manifesto  
English  
 EDITORIALS & OP-EDS 
EDITORIALS & OP-EDS / Sturmwarnung für Europa: immer dieselben Sündenböcke gegen die logischen Revolten
Date of publication at Tlaxcala: 19/10/2010
Original: Avis de tempête sur l’Europe : contre les révoltes logiques, toujours les mêmes boucs émissaires
Translations available: Español  Português/Galego 

Sturmwarnung für Europa: immer dieselben Sündenböcke gegen die logischen Revolten

Fausto Giudice Фаусто Джудиче فاوستو جيوديشي

Translated by  Einar Schlereth

 

 

Angela Merkel, Kanzlerin mit der eisernen Faust im Samthandschuh, hat am Samstag in Potsdam bekanntgegeben, dass die multikulturelle Gesellschaft – was die Deutschen 'multikulti' nennen – tot und begraben sei, dass sie gescheitert sei. Sie hat die Heftigkeit ihrer Behauptung zu dämpfen versucht, indem sie hinzufügte, dass „der Islam ein Teil Deutschlands sei“, aber verdeutlicht, dass „jene, die nicht unsere christlichen Werte teilen“ sich nach einem anderen Platz umsehen sollten.

 
Nicolas Sarkozy hat im vergangenen Juli die Jagd auf die Roma eröffnet, die er als „aggressive Bettler“ und kriminelle „Parasiten“ der sozialen Dienstleistungen bezeichnete.
 
Die Regierung Berlusconi hat die Abschiebung derselben „parasitären“ Ausländer erfunden, womit ebenfalls die Roma gemeint waren, falls sie dem Staat auf der Tasche liegen würden.
 
In Wien, ehemalige Hauptstadt des Habsburger Kaiserreiches, haben die Wähler 27 von 100 Gemeinderäten auf der Liste der sogenannten freiheitlichen Partei FPÖ ihre Stimme gegeben, an deren Spitze der unheilvolle Nacheiferer des Jörg Haider, H.C. Strache, steht, die eine ausgesprochen rassistische und xenophobische Wahlkampagne geführt hat. Jetzt lautet die Frage, wer die Mehrheit stellen wird, um die Stadt zu regieren: die Sozialdemokraten mit den Grünen oder die Konservativen mit den 'Freiheitlichen'.
 
All dieses dröhnende Geschrei mit stark faschistischer Einfärbung hat nur ein Ziel: den Versuch, die Aufmerksamkeit auf die üblichen Sündenböcke zu lenken, die Ausländer, die woanders her gekommen sind, „die nicht wie wir leben, nicht wie wir denken, nicht wie wir reagieren“. Die wirklichen Probleme liegen hingegen woanders: die Einsparungspläne, die in ganz Europa die Möglichkeiten für eine wachsende Anzahl Menschen vermindern, anständig zu leben; die Reformprojekte für die Pensionen; die Milliarden, die für pharaonische Bauprojekte ausgegeben werden und üppige Geschenke für die Banksters; die Auslagerung von Unternehmen in die neuen kapitalistischen Paradiese Asiens; der Mangel an Perspektiven für einen großen Teil der studierenden Jugend etc.
 


Wer zuletzt lacht, lacht am besten

 
In Deutschland steht die Kampagne für die Regionalwahlen im März 2011 bevor, die Merkel in Potsdam praktisch eingeläutet hat. Angie weiß sehr wohl, dass sie Stuttgart und Baden-Württemberg, die katholischen historischen Bastionen des katholischen Zentrums und ihres Nachfolgers, der CDU, verlieren wird; dort ist ihre Wählerschaft dabei, sich in eine Armee des bürgerlichen Widerstands gegen das Bahnhofs-Projekt Stuttgart 21 zu verwandeln, dessen Kosten auf 8-10 Milliarden Euro geschätzt werden. Die braven schwäbischen Bürgerinnen mit ihren Perlenketten sind dabei, sich in wütende Grüne und Rote zu verwandeln! Ihnen „unsere christlichen Werte“ zum Fraß vorzuwerfen, wird sie herzlich zum Lachen bringen.
 
In Frankreich sind es die Präsidentenwahlen 2012, die auf dem Hintergrund der sozialen Revolte begonnen haben, bei der das Risiko besteht, die Ausmaße der Bewegung von 1995 gegen die Reform der sozialen Sicherheit von Juppé anzunehmen. Der öffentlichen Meinung die Zigeuner zum Fraß vorzuwerfen, hat diese nicht zum Lachen gebracht, sondern damit hat Sarkozy den Zorn der Franzosen jedweder Herkunft und Schelte von der UNO bis zum Vatikan hervorgerufen.

In Italien klammert sich Berlusconi an die Macht und erklärt, dass er auf seinem Posten bis 2013 bleiben werde. Die Passivität und Trägheit der etablierten 'Linken' ist dabei, von den Arbeitergewerkschaften und den Bürgerbewegungen, darunter zahlreiche Intellektuelle und berühmte Künstler, überflügelt zu werden.
 
In Österreich ist die zivile Gesellschaft, paralysiert durch die „Rückbürgerung“ der jungen Arigona Zogaj aus Kosovo, dabei, sich zu erholen und die Verteidigung von ausländischen Minderjährigen, die von der Abschiebung bedroht sind, zu übernehmen. Die sozialdemokratische Regierung hat, um die Lage zu entschärfen, den Polizeichef entlassen, der allerdings nur die Befehle ausgeführt hat.
 
Die sogenannte Integrationsdebatte ist nur Augenwischerei. Es hilft gar nichts, es damit zu versuchen, weil sie von vornherein zum Scheitern verurteilt ist.

Die Immigranten, deren Kinder und Enkelkinder sind seit langem integriert. Sie sind als Arbeiter, Arbeitslose, als Schüler und Studenten, als Verbraucher, als streitbare Bürger und selbst als Wähler integriert.
 
Es ist an der Zeit, dass die europäischen Politiker die Selbstverständlichkeit des Satzes von Max Frisch einsehen, den er vor langer Zeit (1965) geschrieben  hat: „Man hat Arbeitskräfte gerufen, und es kommen Menschen.“
 

 





Courtesy of Basta! Journal de marche zapatiste
Source: http://azls.blogspot.com/p/leditorial-de-basta-operation-moshtarak.html
Publication date of original article: 18/10/2010
URL of this page : http://www.tlaxcala-int.org/article.asp?reference=2009

 

Tags: Europa DeutschlandEuropäische UnionMerkelStracheBerlusconiSarkozyItalienFrankreichÖsterreichFPÖDemagogieAusländerfeindlichkeitRassismusKrise des KapitalismusIslamophobieMultikultiCDUStuttgart 21Wahlen
 

 
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