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 17/10/2017 Tlaxcala, the international network of translators for linguistic diversity Tlaxcala's Manifesto  
English  
 LAND OF PALESTINE 
LAND OF PALESTINE / Gideon Levy: „Die wirklichen Grundherren Israels sind die Raubsiedler “
Date of publication at Tlaxcala: 22/01/2017
Original: Israeli Journalist Gideon Levy: The 'Real Landlords' of Israel Are the Settlers
Translations available: Italiano 

Gideon Levy: „Die wirklichen Grundherren Israels sind die Raubsiedler “

Shir Hever שיר חבר

Translated by  Ellen Rohlfs اِلِن رُلفس  -  Fausto Giudice Фаусто Джудиче فاوستو جيوديشي

 

Gideon Levy diskutiert, wie die Sorgen der Regierung mit einer kleinen Kolonie im besetzten Westjordanland die politische Macht der Siedlerlobby in Israel veranschaulicht.

SHIR HEVER: Willkommen im Real News Network. Ich bin Shir Hever, aus Deutschland.
Eine kleine israelische Kolonie im besetzten Westjordanland steht seit Wochen auf der Tagesordnung der israelischen Regierung. Die Kolonie von Amona wird in Kürze evakuiert werden, scheint es, trotz der Bemühungen der Regierung, die Kolonie zu beibehalten. Einzelne Palästinenser besitzen die Länder, auf denen die Kolonie gebaut wird, und das israelische Oberste Gericht befahl seine Evakuierung. Die Regierung verspricht jetzt, die Kolonisten mit etwa 40 Millionen Dollar zu kompensieren.
Wir sind mit Gideon Levy. Gideon Levy ist ein prominenter israelischer Journalist und Autor der wöchentlichen Kolumne "The Twilight Zone" (Die Grauzone) in der israelischen Zeitung Haaretz. Er ist auch Mitglied des Redaktionsgremiums von Haaretz. Er hat viele Preise für Journalismus gewonnen und sein Buch The Punishment of Gaza (Die Bestrafung von Gaza), wurde 2010 veröffentlicht. Vielen Dank, Gideon, dass Sie mit uns sind.

GIDEON LEVY: Es ist mir ein Vergnügen.

Shir Hever: Sie haben gerade einen Artikel veröffentlicht in Middle East Eye unter dem Titel  How Israeli Settlements Won Their Best Ever Deal from Netanyahu (Wie die israelischen Siedler den besten Deal mit Netanjahu gewonnen haben). Ich möchte mit Ihnen ein wenig über diesen Artikel reden.
 Vielleicht können  Sie  damit beginnen, uns in ein paar Worten zu sagen, was es mit dieser Siedlung Amona auf sich hat und wie viele Leute dort leben

GL : Etwa 40 Familien leben dort auf privatem gestohlenem Land. Es ist einer dieser sog.  illegalen Außenposten, obwohl dies ein künstlicher Name ist, weil jeder weiß, dass alle diese Siedlungen illegal sind. Und das ist eine Ausweitung einer größerer Siedlung, die Ofra heißt.

SH:  So, Dror Etkes, ein israelischer  Forscher über Siedlungen, nennt Ofra „Die Mayflower“ der Siedlerbewegung. Können Sie erklären, was das für die Siedlungsbewegung, die israelischen Raubsiedler in der Westbank bedeutet,  und warum sie   wichtiger sind als andere.

GL: Sie sind wichtiger, weil  sie die Gründungsväter und –Mütter sind. Ofra ist eine der  ersten Siedlungen und eine der größten und etabliertesten.  Sie ist eine der ideologischen Siedlungen, weil  dort auf der Westbank viele Siedlungen sind, weil es dort um billiges Wohnen geht. Das ist nicht bei Ofra der Fall. Hier geht es um die Ideologie. Die Geschichte von Ofra ist eine interessante, weil  es mit ihr anfing wie bei vielen anderen, mit einem großen Bluff. Es ging um eine Antenne für die Armee und dann behauptete die Armee, es müsse jemand auf die Antenne aufpassen. Und dann wurden die Wächter drum herum eine Siedlung von ein paar Hundert und schließlich von Tausenden  von Einwohnern.

S.H. Die Siedler behaupten, dass dieser Bluff  absichtlich so gemacht wurde, mit vollem  Wissen der Regierung und sie wurden tatsächlich  von der Regierung überzeugt, dass es gut ist, dass sie dieses Land nehmen und darauf siedeln und dass sie nicht evakuiert werden.

GL:  Nicht nur das. Die Regierung versorgte sie mit Strom und Wasser. Sie  bepflasterte ihre Straße. Ich denke, die einzige Schuld ist der Regierung zu geben, nicht den Siedlern. Sie versuchen  so viel sie können. Doch die Regierung steht hinter allem. Deshalb muss nur der Regierung die Schuld gegeben werden.

SH:  Jetzt erwähnten sie, dass der Schadenersatz, der  den Siedlern gegeben würde, 40 Mil. $ betragen würde. Und sie sagten gerade, dass dort  40 Familien leben. Das macht etwa  1 Mill. $ pro Familie. Wie ist das möglich? In der Tat hat die Untersuchung, die gerade vom TV-Kanal 10 veröffentlicht wurde, ergeben, dass die Siedler nicht einmal  ihre Häuser  besitzen. Sie haben sie tatsächlich nur gemietet. Dennoch wird ihnen genug Geld gegeben, dass sie  ein Haus kaufen können.

GL: Nein. Die 40 Mill. $ werden  für die ganze Operation gebraucht, um die Siedler an einen andern Ort auf diesem Hügel zu bringen und jede  Familie bekommt viel weniger, weil  ein Teil der Ausgaben für den Umzug und für das Bauen neuer Häuser und das Bauen von öffentlichen Gebäude ist, wie eine Synagoge und  alles was sie sonst brauchen.  Es ist noch immer eine skandalöse Summe Geld. Es zeigt wieder einmal, dass es um  Grundstücksgeschäfte und in diesem Fall um Geld handelt. Ich schrieb oder  sagte irgendwo in dieser Woche im israelischen TV,  wenn ich ein Siedler wäre,  würde ich mich grässlich geschämt haben für dieses Phänomen, weil wir plötzlich merken, dass es nicht um Ideologie, nicht um Glauben geht, sondern  nur ums Geld.

SH: Und was denken Israelis darüber, wenn die Regierung bereit ist, so viel Geld an eine so kleine Gruppe von Leuten? Gibt es Proteste dagegen?

GL:  Leider  haben die Israelis schon vor langer Zeit aufgehört, zu denken und diese  Dinge interessieren keinen und stehen kaum auf ihrer Tagesordnung. Die Israelis beschäftigen sich  vor allem mit ihren nächsten Ferien und ihr nächstes neues Auto. Dies ist sehr bedauerlich, aber keiner macht die Verbindung zwischen  ernsten sozialen Problemen und dem Geld, das zu den Siedlern geht. Irgendwie bleiben  die Israelis total gleichgültig und blind und da gibt es keinen, der sie aufweckt.

SH:  Das ist sehr interessant, weil Sie in ihrem Artikel auch sagen, dass sogar die allgemeine Öffentlichkeit dazu meistens   apathisch ist, wie sie sagen. Sie kümmern sich nicht darum und sie  denken darüber nicht nach. Sie protestieren auch nicht. Aber die Regierung befasst sich viel mit diesem Fall.  In der Tat gab es ein Video, das  vom Ministerpräsident Netanjahu  gleich am nächsten Tag veröffentlich wurde. Er sagte darin,  dass die Regierung sich viele Stunden  damit befasst hat, mit Versuchen, um diese kleine Siedlung zu retten. Und Sie haben dies auch in ihrem Artikel  erwähnt. Und das Arrangement-Gesetz, dieses Gesetz, das sie verabschieden wollten, um diese illegalen Siedlungen  zu legalisieren. Warum  gibt die Regierung sich hier so viel Mühe um dieses Problem?  Wegen der Öffentlichkeit, die sich aber nicht darum kümmert?

GL:  Klar, der größte Teil der Öffentlichkeit kümmert sich nicht darum – aber genau das  ist der Grund, warum Ministerpräsident Netanjahu hier so handelt… ich bin mir nicht sicher, ob er sich so sehr um Amona kümmert, ob dies an der Stelle bleibt oder nicht. Das einzige, was er will;  er will  jede Art von Bild vermeiden, in dem Siedler mit Gewalt  evakuiert werden. Dies will er auf keinen Fall, während seiner Amtszeit.
Deshalb zahlt er  jeden Preis, um sie zu überzeugen, dass sie ohne Gewalt dort  umziehen.

SH: Sie erwähnten auch in ihrem Artikel, dass die Siedler die mächtigste Lobby ist oder  die den größten Druck innerhalb Israel versuchen. Was ist die Quelle ihrer Macht? Wie können sie so viel Einfluss auf die Regierung haben?

GL: Sie haben so viel Einfluss -  hier muss die Wahrheit gesagt werden -  sie sind die einzige Gruppe in Israels Gesellschaft, die einzige große Gruppe, die  bereit ist, zu kämpfen, die seit vielen, vielen Jahren für ihre Sache  kämpfen und die  wirklich  auf sehr sensible Empfindungen in der israelischen öffentlichen Meinung spielen.  Sie erpressen die  Regierung. Es begann nicht jetzt,  seit den 70-er Jahren erpressen sie jede Regierung und eine Regierung nach der anderen wird von  ihnen eingeschüchtert und ich muss sagen, sogar die Armee hat vor ihnen Angst haben.  Sie sind die  wirklichen Grundherren von Israel oder  wenigstens von seinen  besetzten Gebieten und jeder Politiker wird von ihnen eingeschüchtert.

SH:  Nun gut , vielen Dank Gideon Levy für diese Kommentare. Wir werden dieser Geschichte weiter folgen und  ich hoffe, dass sie damit einverstanden sind, dass wir uns wieder  treffen und dieses Gespräch fortführen.

GL: Es war mir ein Vergnügen. Vielen Dank.


Shir Hever: Und vielen Dank für Ihr Interesse an The Real News Network.
 

 





Courtesy of Tlaxcala
Source: http://therealnews.com/t2/index.php?option=com_content&task=view&id=767&Itemid=74&jumival=18007
Publication date of original article: 26/12/2016
URL of this page : http://www.tlaxcala-int.org/article.asp?reference=19723

 

Tags: Zionistische RaubsiedlerAmonaZionistische BesatzungPalästina/IsraelNetanjahuGideon Levy
 

 
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