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English  
 UMMA 
UMMA / Fragen eines Professors im Exil an Iraks Minister für höhere Erziehung
Date of publication at Tlaxcala: 13/10/2010
Original: An Exiled Professor's Questions for Iraq's Higher Education Minister
Translations available: فارسی  Español 

Fragen eines Professors im Exil an Iraks Minister für höhere Erziehung

Saad Jawad سعد جواد

Translated by  Einar Schlereth

 

Eine Botschaft aus dem Irak an seine Wissenschaftler im Exil: Überlegen Sie eine Rückkehr in die Heimat“ (im The Chronicle vom 29. September 2010) lenkte die Aufmerksamkeit auf eine Bitte des irakischen Ministers für höhere Erziehung, Abed Thiab al-Ajili, um Hilfe für den Wissenschaftler-Rettungs-Fond des Instituts für Inernationale Ausbildung. Mich fesselte seine Bitte um Geld für TV-Kameras an den Toren der Universität, um Morde zu verhindern. Danach sprach er über die Verbesserungen der Sicherheitssituation im Irak, die seiner Meinung nach irakische Akademiker ermutigen sollte heimzukehren. Als ein Professor, der 31 Jahre lang der Baghdad-Universität gedient hat – und den Irak-Iran-Krieg, die unmenschlichen Sanktionen und die sechs Jahre Besatzung im Irak erlebt hat – möchte ich die folgenden Anmerkungen machen:



Soldado usamericano custodiando la Universidad de Bagdad

  • Ich weiß nicht, wieviel es kosten würde, TV-Kameras an den Toren der Universität anzubringen. (Niemand weiß, welche Universität der Minister meinte, weil es allein vier staatliche Universitäten in Baghdad gibt.) Was ich jedoch sicher weiß, ist, dass vor Beginn des gegenwärtigen akademischen Jahres eine Entscheidung getroffen wurde, in allen Klassenzimmern der Baghdad-Universität Kameras zu installieren, die mit zwei Fernsehschirmen verbunden werden sollten – einen im Büro des Dekans und der zweite im Büro seines Assistenten. Das war eine Entscheidung, die es noch nie weder in Irak noch an irgendeiner Universität in der Welt gegeben hat. Weiß der Minister von dieser Entscheidung? Und wenn sein Ministerium oder die Universitäten unter seiner Leitung Geld haben für dieses System einer Überwachung im Stil von Polizeistaaten, wie kommt es dann, dass sie kein Geld haben, um Kameras an den Toren der Universität zu installieren? Und seit wann können Kameras Morde an Akademikern verhindern?
     
  • In den vergangenen vier Monaten wurden ein Dutzen Menschen, die im Ministerium selbst arbeiten, unter der direkten Verwaltung des Ministers oder in seinem eigenen Büro entweder durch Killer ermordet, die Pistolen mit Schalldämpfern benutzten, oder durch Bomben zerrissen, die an ihren Autos befestigt worden waren. Könnte der Minister uns sagen, was er getan hat, um die Mörder zu finden, die diese Verbrechen begingen? Welchen Schutz hat er für diese Angestellten geschaffen, um ihre brutale Liquidierung zu verhindern? Ich erwähne nur die jüngsten Vorfälle, bei denen ich zwei meiner sehr guten Freunde und Kollegen verlor. Ich mus den Minister nicht daran erinnern, dass vor ein paar Jahren eine ganze Abteilung seines Ministeriums angegriffen wurde und alle Angestellten von Leuten abgeführt wurden, die Polizeiuniformen trugen und Regierungsautos fuhren. Sie wurden alle ermordet, in Stücke gehauen und in verschlossenen Dosen auf die Straßen geworfen. Bei dem Vorfall verlor ich auch zwei meiner Kollegen.
     
  • Da der Minister die Medien und jene Leute, die im Ausland leben, anklagt, Ignoranten zu sein und die Fakten nicht zu kennen und sagt, dass das Leben im Irak normal sei, könnte er uns dann sagen, wie oft er in der Lage war, die Universitäten im südlichen Teil des Irak zu besuchen? Oder besser noch, könnte er uns sagen, wieviele Besuche er den Universitäten innerhalb von Baghdad abgestattet hat? Und schließlich, und noch wichtiger, könnte er uns sagen, warum die Al-Mustansiriya Universität, die zweitgrößte Universität in Baghdad, jetzt vier Dekane (oder Präsidenten) hat, von denen jeder sein eigenes Büro, eigenes Sekretariat, eigene Bodyguards hat, und alle auf demselben Campus? Und warum sein Ministerbefehl, alle vier zu feuern, nicht befolgt wurde, und warum er nicht selbst zur Universität gegangen ist, um den Fall zu lösen? Und warum er seine meiste Zeit innerhalb der Grünen oder Roten Zone verbringt, wo er stark geschützte Häuser hat, und nicht im Ministerium für Höhere Erziehung selbst?
Ich muss sagen, dass ich nichts gegen den Mann habe. Er war die falsche Person am falschen Platz zur falschen Zeit. Weil er vor der Invasion mehr als 25 Jahre außerhalb des Irak lebte, hatte er keinerlei Informationen über das Leben an den irakischen Universitäten. Was jetzt geschieht, das ist der Fehler, wenn nicht das Verbrechen, der Besatungstruppen, die Leute einsetzten, die den größten Teil ihres Lebens außerhalb Irak verbracht haben, die überaus korrupt waren und keinen guten Ruf hatten. Aber so lange der Minister uns nicht eine offene und aufrichtige Antwort gibt oder uns sagte, warum er nicht um seine Entlassung gebeten habe, als er nicht seinen Pflichten nachkommen konnte – oder uns vielleicht sagt, um ihm einen Vertrauensbonus zu geben, warum ihm nicht erlaubt wurde, seine Pflichten zu erfüllen – kann er nicht erwarten, dass irakische Akademiker, die freiwillig ins Exil gingen, auf seine vielleicht ehrliche Aufforderung antworten.




Courtesy of The Chronicle for Higher Education
Source: http://chronicle.com/article/An-Exiled-Professors/124858/
Publication date of original article: 29/09/2010
URL of this page : http://www.tlaxcala-int.org/article.asp?reference=1855

 

Tags: LondonIrakBaghdads UnisAkademikermorde
 

 
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