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 31/03/2020 Tlaxcala, the international network of translators for linguistic diversity Tlaxcala's Manifesto  
English  
 UNIVERSAL ISSUES 
UNIVERSAL ISSUES / Bekenntnisse eines Auftragskillers über die Panama Papers
Date of publication at Tlaxcala: 26/04/2016
Original: Confessions of a Hit Man on Panama Papers
Translations available: Italiano 

Bekenntnisse eines Auftragskillers über die Panama Papers

John Perkins

Translated by  Milena Rampoldi ميلينا رامبولدي میلنا رامپلدی Милена Рампольди

 

Die Panama Papers sollten eigentlich gar keine Überraschung sein. Ich war 1970 da, als das nun aufgedeckte System in Betrieb genommen wurde. Als Auftragskiller habe ich dazu beigetragen, diese globale, auf dem legalisierten Verbrechen basierte Wirtschaft zu gestalten. Es handelt sich um ein System, in dem 62 Menschen so viel Reichtum besitzen wie die Hälfte der Weltbevölkerung und eine Hand voll Superreicher die Regierungen der ganzen Welt kontrolliert. Die großen Konzerne nutzen Infrastrukturen und Sozialdienste, ohne die Rechnung dafür zu bezahlen. Der durchschnittliche US-Bürger zahlt sie mit den Steuern auf seinem mühevoll erarbeiteten Einkommen, während die Reichsten und ihre Unternehmen ihre Erträge in Steueroasen wie Panama verstecken.

Die Ursprünge Panamas als Steueroase gehen auf das Jahr 1903 zurück, in dem der Präsident Theodore Roosevelt einen Aufstand schürte, um Panama von Kolumbien zu trennen, damit die USA den Panama-Kanal errichten konnten. J.P. Morgan und seine Bank wurden zum offiziellen steuerlichen Agenten des neuen Landes. Sehr bald genehmigte Panama Gesetze, die der Standard Oil Company von John D. Rockefeller die Möglichkeit boten, ihre Schiffe dort anzumelden. Auf diese Weise umging er Steuern und Regelungen der USA – so entstanden die Steuerparadiese Panamas.
 
Ich wurde damals nach Panama geschickt, um den ehemaligen Staatschef Omar Torrijos davon abzuhalten, weiterhin darauf zu bestehen, dass die USA das Eigentum am Panamakanal zurückgeben sollten und um seine Unterstützung der nationalistischen Bewegungen in Lateinamerika abzuschwächen. Torrijos gab wegen dem Kanal nicht nach, ließ aber zu, sein Land in ein Steuerparadies für Weltkonzerne zu verwandeln. Er sagte mir: „Wenn Ihr Land vorhat, meines auszubeuten, so ist es wohl das Mindeste, wenn ich im Gegenzug die Weltkonzerne unterstütze, um keine Steuern zu zahlen, die die CIA und den Pentagon finanzieren!”
 
Torrijos starb 1981 in einem Flugzeugunfall, bei dem viele glauben, dass die CIA die Finger im Spiel hatte. Seitdem wurden die Regierungen in Panama als Marionetten genutzt, um die kommerziellen Interessen der USA zu verteidigen. Das Land ist ein Steuerparadies für die Superreichen. In den letzten 12 Jahren hat sich das System, das zu seiner Errichtung beigetragen hat, von den Entwicklungsländern in die USA, nach Europa und in den Rest der Welt verbreitet. Das Ergebnis ist eine gescheiterte, globale Wirtschaft: zweieinhalb Milliarden Menschen leben unter der Armutsgrenze mit weniger als 2 Dollar pro Tag. Siebzig Prozent der Menschen leben in Ländern, in denen sich das Gefälle zwischen Arm und Reich in den letzten 30 Jahren nur noch verschlechtert hat. Weniger als 5% der Weltbevölkerung lebt in den USA, verbraucht aber 25% der Ressourcen des Planeten. Weniger als 1% dieser 5% bestimmt nicht nur die US-Politik, sondern auch die des Großteils der anderen Länder. Es ist ein Wirtschaftssystem, das auf Schulden,  Angst, Militarisierung und Ausbeutung von Rohstoffen basiert. Man verbraucht sich bis zur Ausrottung.
 
Und daraus müssen wir eine Lehre ziehen. In diesem Jahr der US-Präsidentschaftswahlen müssen wir verstehen, dass der neue US-Präsident über eine sehr begrenzte Macht verfügen wird. Die wirklich Mächtigen sitzen in den Großkonzernen als Führungskräfte. Wenn die Milliardäre in der Lage sind, Gesetze zu verabschieden, wie beispielsweise die Handelsvereinbarung zwischen den USA und Panama im Jahre 2012 und das Nordamerikanische Freihandelsabkommen, das ihren Unternehmen mehr Macht gibt als ihren souveränen Nationen, dann ist es an der Zeit, etwas zu ändern. Wir müssen eine Wirtschaft aufbauen, die die Verschmutzung bekämpft, neue Technologien für die Wiederverwertung der Abfälle entwickelt und den Planeten erhält, Systeme zwecks Überwindung der Verzweiflung, Armut, des Hungers und der Ursachen für Gewalt und Terrorismus ins Leben ruft. Dieses System muss eine gerechte Besteuerung einschließen: wer die Infrastrukturen nutzt, muss auch dazu beitragen, für diese zu bezahlen.
 
Die Enthüllungen der Panama Papers sind eine weitere Anklage gegen ein gescheitertes System, das ich zu gut kenne. Wahrscheinlich sind diese letzten Enthüllungen nur der sprichwörtliche Tropfen, die das Fass überlaufen lassen und uns dabei unterstützen, zu verstehen, dass wir Verantwortung für uns und die zukünftigen Generationen übernehmen müssen und diesem grausam zerstörerischen Kurs entgegenwirken müssen.
 
Kann man diesem Kurs denn wirklich entgegenwirken? Sehen Sie mal nach Vermont. In einem Staat, in dem weniger als 0,2% der USA-Bevölkerung leben, hat eine kleine Gruppe von Aktivisten und Bloggern erfolgreich einige der größten Lebensmittelhersteller des Landes unter Druck gesetzt, und zwar Kellogg, General Mills, Campbell Soup, Mars, und ConAgri, damit sie ihre politischen Richtlinien ändern und sich dazu verpflichten, GVO auf ihre Etiketten zu schreiben. Denn David kann Goliath besiegen.
 
Viele fokussieren auf die Erzfeinde der Panama Papers wie Putin und auf die Prominenten und überbezahlten Sportler. Wir dürfen uns aber nicht verfahren und müssen uns auf die Superreichen konzentrieren. Denn sie finanzieren die Wahlkämpfe derer, die ihre Interessen verteidigen, ihnen großartige Beratungshonorare versprechen, wenn diese Politiker ihr Mandat verlieren und ihre Reichtümer in Steuerparadiesen wie Panama verstecken.
 
Die Panama Papers sind eine Ermahnung: man darf legalisierte Verbrechen nicht übersehen. Die Leute aus Vermont sollen uns alle zum Handeln anspornen.




Courtesy of Tlaxcala
Source: http://www.commondreams.org/views/2016/04/12/confessions-panama-papers-hit-man
Publication date of original article: 12/04/2016
URL of this page : http://www.tlaxcala-int.org/article.asp?reference=17792

 

Tags: Panama PapersSteueroasen Steuerhinterziehung Offshore-IndustrieFinanzverbrechenImperialismus
 

 
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