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 19/11/2017 Tlaxcala, the international network of translators for linguistic diversity Tlaxcala's Manifesto  
English  
 CULTURE & COMMUNICATION 
CULTURE & COMMUNICATION / Spotlight oder die Macht des investigativen Journalismus
Date of publication at Tlaxcala: 08/04/2016
Original: Spotlight ou le pouvoir du journalisme d’investigation
Translations available: Italiano  English  Español 

Spotlight oder die Macht des investigativen Journalismus

Rim Ben Fraj ريم بن فرج

Translated by  Milena Rampoldi ميلينا رامبولدي میلنا رامپلدی Милена Рампольди
Edited by  Fausto Giudice Фаусто Джудиче فاوستو جيوديشي

 

„Gott nein zu sagen fällt schwer“, erklärt das Opfer eines „pädophilen“ Priesters, in einem Interview durch eine Journalistin des Ermittlungsteams Spotlight des Boston Globe, nach dem der Film von Tom Mc Carthy betitelt ist. Dieser kam am 27. Januar dieses Jahres in den US-Kinos heraus und kann nun weltweit gesehen werden.

Ein tadelloser Hollywoodfilm, der so wahrheitsgetreu  wie möglich die langzeitige Recherche rekonstruiert, die von diesen Journalisten über dieses so heikle Thema geführt wurde. Es ging um den dreißigjährigen Schutz, den der Kardinal und Erzbischof von Boston, Bernard Law den Priestern seiner Diözese gewährleistete, die sich die sich des sexuellen Missbrauchs an Kindern schuldig gemacht hatten. 2003 erhielten die Journalisten für ihre Recherchearbeit den Pulitzerpreis. Der Film über sie hat schon 9 Preise gewonnen. Der erste davon war der Oscar für den besten Film. Mit Sicherheit wird er noch andere Preise gewinnen, vor allem beim kommenden Festival von Cannes.

Es ist allgemein bekannt, dass Religion und Sexualität sind Tabuthemen und haben wie bekannt nichts miteinander zu tun. Und jedes Mal, wenn sie sich treffen, knallt es.

Die „zivilisierte“ Welt, die so geschockt von der primitiven Barbarei des „heiligen Krieges der Ehe“ (jihad an-nikah) des „Islamischen Staates“ ist, hat aber ihre Probleme, wenn es darum geht, den eigenen Gräueln ins Gesicht zu sehen, wie beispielsweise denen der zu Unrecht als „pädophil“ bezeichneten Priester. Etymologisch betrachtet ist ein Pädophiler eine Person, die „Kinder liebt“; aber diese Priester, die Jungen und Mädchen missbrauchen, indem sie sie sexuell belästigen, durch Penetration vergewaltigen und dabei oft auch noch foltern, tun dies sicher nicht aus Liebe zu den Kindern, sondern weil sie einfach wissen, dass sie die Schwächsten und Verwundbarsten ausnutzen können. Diese Raubmenschen sind nichts anderes als Pädokriminelle, Punkt. Der Verein der Überlebenden von Kindermissbrauch durch Priester SNAP zählt heute über mehr als 12.000 Mitglieder in 56 Ländern: das gibt eine Ahnung vom Ausmaß des Phänomens, das auf keinen Fall marginal ist.

Genauso wie der Islamische Staat die jungen Araber manipuliert, um sie für den Heiligen Krieg zu rekrutieren, nutzen diese Priester die Ärmsten und Ausgeschlossensten der Gesellschaft aus. „Wenn man in Boston arm ist, spielt die Religion eine entscheidende Rolle in unserem Leben … Die Priester suchen ihre Opfer unter den Ärmsten und Verwundbarsten aus, um auf Nummer sicher zu gehen, dass sie auch schweigen.“    

Die Offenbarungen des Boston Globe haben seit Januar 2002 einen Schnellballeffekt erzeugt und zu Offenbarungen ähnlicher Verbrechen in der ganzen Welt geführt. Der Kindermissbrauch betrifft nicht nur die katholische Kirche, sondern alle Kirchen und im Allgemeinen Organisationen, in denen Kinder unter der Autorität von Erwachsenen gruppiert werden.

Wie der aktuelle Skandal zeigt, der die katholische Kirche in Frankreich mit dem Fall des Kardinals und Bischofs von Lyon, Mgr. Barbarin, erschüttert, hat sich die hohe Hierarchie meistens genauso verhalten wie die in Boston. Sie hat die Regeln der Omertà, des Gesetzes des Schweigens der sizilianischen Mafia angewendet. Der Boston Globe hat dieses Schweigen gebrochen und den Weg gewiesen.  

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Eine Lektion in Journalismus

Spotlight sollte zu den Lehrprogrammen aller Journalistenschulen und Ausbildungen für Bürgermedien gehören. Erstens sind die Spotlight-Journalisten weder Supermen noch Superwomen, sondern ganz normale BostonerInnen und BaseballliebhaberInnen. Außerdem sind sie extrem fleißige Leute mit einem 15-Stundentag. Die Cafés, in die sie gehen, besuchen sie nur, wenn sie sich mit ihren Zeugen treffen. Sie wollen nur Eines: die Wahrheit finden. Und dabei vergessen sie nie die Pflicht, den Schutz ihrer Quellen zu pflegen, und dies angefangen von den Opfern, die sich bereit erklären zu sprechen und denen sie eine wahrhaftige Empathie entgegenbringen. Und sie sind geduldig, sie nehmen sich die Zeit, die sie brauchen und passen sich an die Zeitlichkeit ihrer Zeugen an. Sie sind sich dessen bewusst, dass die frühzeitige Veröffentlichung der teilweisen Ermittlungsergebnisse alle ihre Bemühungen zwecks Ermittlung des ganzen Ausmaßes der Affäre zunichtemachen könnte. Auf diese Weise dehnte sich die ursprüngliche Recherche über einen kriminellen Priester auf 7, dann 13, dann 90 alleine in der Diözese von Boston aus, die insgesamt mehr 1.000 Opfer missbrauchten.  

Durch die Veröffentlichung der eigenen Offenbarungen in mehr als 600 Artikeln in einem einzigen Jahr, hat der Boston Globe gezeigt, dass die Macht dieser vierten Gewalt der Medien auch auf andere Aspekte als auf Scoop, Buzz, Skandal um jeden Preis zurückzugeführt werden kann, und zwar auf die Worte der Schwächsten, der Stimmlosen. Und auf diese Weise ist es dem Boston Globe gelungen, einen Kampf gegen diese furchtbare zweite Macht, die katholische Kirche in Boston zu gewinnen. Denn in Boston ist praktisch jeder Zweite ein Katholik. Aber dieser Kampf betrifft nicht nur die Katholiken.

Überall, wo die Armen in Ignoranz überleben, werden ihre Kinder zu auserkorenen Opfern räuberischer, machtdurstiger Unmenschen, die sie missbrauchen und sie im Namen einer höheren Instanz, im Allgemeinen eines Gottes, zum Schweigen bringen. Die Lehre aus Boston erhebt sich somit zu einer universalen Lehre.

 





Courtesy of Tlaxcala
Source: http://nawaat.org/portail/2016/04/04/spotlight-ou-le-pouvoir-du-journalisme/
Publication date of original article: 04/04/2016
URL of this page : http://www.tlaxcala-int.org/article.asp?reference=17659

 

Tags: SpotlightBoston GlobeInvestigativer JournalismusKatholische KirchePädokriminelle PriesterTom McCarthyUS-FilmHollywood
 

 
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