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 12/12/2017 Tlaxcala, the international network of translators for linguistic diversity Tlaxcala's Manifesto  
English  
 LAND OF PALESTINE 
LAND OF PALESTINE / Eine Wahlniederlage Netanjahus wird Israel nicht erlösen
Date of publication at Tlaxcala: 15/03/2015
Original: Netanyahu's electoral defeat won't redeem Israel
Translations available: Français 

Eine Wahlniederlage Netanjahus wird Israel nicht erlösen

Gideon Levy جدعون ليفي גדעון לוי

Translated by 
Edited by  Fausto Giudice Фаусто Джудиче فاوستو جيوديشي

 

Schluss mit der Anprangerung des derzeitigen Premierministers:  wenn das « linke Zentrum“ an die Macht gelangt, wird das nicht so vieles ändern, als behauptet wird.

Benjamin Netanjahu hat die israelisch-US-amerikanischen Beziehungen nicht „vernichtet“ oder „zerstört“. Schade, wirklich schade, denn sonst ist Israel kaum mehr durch was anderes korrumpiert worden, als durch seine pervertierten Beziehungen mit US-Amerika. Der Premierminister hat bloß seine persönlichen Beziehungen mit der derzeitigen US-Regierung zerstört. Nichts Gutes zwar, aber auch nichts Katastrophales.

Washington wird Israel blindlings weiter mit Waffen beliefern und unterstützen in all dessen Kriegen und Besatzungen, mit oder ohne Netanjahu. Und sobald an Stelle des derzeitigen Premierministers ein anderer getreten sein wird,  beginnen die superfesten Umarmungen mit den israelischen Regierungschefs von neuem. Wartet nur: ihr werdet es erleben, wie die US-Amerikaner und Europäer zu einem Wahlsieg von Jitzchak Herzog Beifall klatschen; und wie alles sich wieder normalisiert, ohne jeglichen dauerhaften Schaden.

 

 

Netanjahus Darstellungen als Zerstörer der US-amerikanisch-israelischen Beziehungen ist Teil einer derzeit gipfelnden Dämonisierungskampagne. Israel ist mit  einem Fluch belegt, dessen Name Netanjahu heißt und nicht anders.

 

 

Netanjahu ist der leibhaftige Teufel.  Jede Einzelheit seines  Verhaltens wird als ein Verbrechen und eine Landeskalamität vorgestellt  - nennt mir bloß andere Beispiele von Menschen, die  vor Haustür gelieferte Gartenmöbel  bestellt haben, oder das Geld der Pfandflaschen für sich behalten haben, die mit öffentlichen Geldern bezahlt wurden - und ihr habt ein Bild vom Teufel, der heutzutage in der Residenz des Premierministers sitzt.

 

Ja, sicher ist Netanjahu ein übler Premierminister, aber kein viel schlechterer - wenn schon schlechter - als seine meisten VorgängerInnen. Nicht gerechtfertigte Kriege hat er nicht so viele wie Ehud Olmert geführt, nicht so viele  Siedlungen gebaut als Ehud Barak (im Verhältnis zur Dauer seines Mandats) und er ist anscheinend nicht so korrupt, wie Ariel Sharon war. Zwar hat sich Israels Lage in vielen Hinsichten verschlechtert, seit er an der Macht ist, aber dieses Trend hatte schon vor seinem Machtantritt begonnen und ein Ende wird es mit seinem Abtritt nicht nehmen.

Man stellt sich vor, dass das einzige Problem von Israel Netanjahu heißt, und dass dessen Wahlniederlage die Erlösung bedeuten wird. Aber Netanjahu ist nicht Israels einziges, und nicht mal dessen Hauptproblem; so werden jene Probleme durch seinen Abtritt keinesfalls gelöst.

Die andauernd auf ihn gerichtete Aufmerksamkeit hat die Grenzen des Rationalen schon längst überschritten, es erinnert an Zeremonien des Voodoo-Kultes oder Exorzismus-Rituale. Vielleicht wird er noch im Mai bei den Feuern  von Lag Ba’omer in effigie verbrannt. Ja, ein Fluch ruht auf Israel und dessen Name heißt Netanjahu. Jener verkörpert all unsere Dämonen, von seiner Lady Macbeth (seiner Ehefrau) ganz zu schweigen. 

Wie leicht ist es, alles auf ihn zu wälzen.  Wie bequem, all die üblen Zustände in Israels und der israelischen Gesellschaft seiner befehlerischen Image anzuhängen, bei seinem mit  Pomade beschmierten Haar  und seinem falschen Pathos und uns einzubilden, dass nicht wir, sondern er die Schuld an  allem  Übel trägt.  Wie leicht ist es, zu glauben, dass alles gut gehen wird, wenn er nicht mehr da ist, dass dann alle Wunden heilen und Tausende Blumen blühen werden.

Ganz sicher ist es ein bequemes Mittel, sich den Problemen zu stellen, - ein Mittel, das für eine in Verleugnung gebadete Gesellschaft typisch ist. Netanjahu ganz allein ist die „ illegalen Vorposten“, deren Vernichtung der Besatzung ein Ende machen wird. Genau wie bei Jasser Arafat ergeht es ihm  (in den Augen der Israelis);  damals hieß es: wenn er nur von der Erdboden weggewitscht würde, dann hätten wir gleich den Frieden.  Wenn wir nur Netanjahu loskriegen könnten, ginge sofort alles gut.

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Wahlkampagne auf israelische Art, von Mark Hurwitt,, Brooklyn, New York, USA

Wenn man sich die Gegner von Netanjahu  (Jitchzak Herzog, Tzipi Livni, Yair Lapid und Mosche Kachlon) ansieht, ist das einfach lächerlich: wenn sie an die Macht kommen, wird sich gar nicht so vieles ändern, wie diese Dämonisierungskampagne es verbreitet.

Wie leicht, Stimmen gegen ihn zu sammeln und wie „modisch“ zu seufzen: “Ach, dieser Netanjahu!“ Gebt uns mehr Waffen, um diesen Volksfeind zu spießen. Nicht, dass es nicht genug Gründe gäbe, ihn anzulasten - die Liste seiner Untaten ist lang - , aber  die Übertreibungen und die Fokussierung der Kritik auf ihn allein  haben diese Kampagne verdächtig gemacht. (…)





Courtesy of Tlaxcala
Source: http://www.haaretz.com/opinion/.premium-1.644693
Publication date of original article: 01/03/2015
URL of this page : http://www.tlaxcala-int.org/article.asp?reference=14387

 

Tags: NetanjahuIsraelZionistische PolitikWahlen
 

 
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