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 07/12/2019 Tlaxcala, the international network of translators for linguistic diversity Tlaxcala's Manifesto  
English  
 LAND OF PALESTINE 
LAND OF PALESTINE / Die verborgenen Dokumente, die die wahren Grenzen Israels und Palästinas enthüllen
Date of publication at Tlaxcala: 25/11/2014
Original: The hidden documents that reveal the true borders of Israel and Palestine

Die verborgenen Dokumente, die die wahren Grenzen Israels und Palästinas enthüllen

David Gerald Fincham

Translated by  Ellen Rohlfs اِلِن رُلفس
Edited by  Susanne Schuster سوزان شوستر

 

Ich glaubte einmal, dass Israel seine Grenzen nie festgelegt hat. Es war eine jener Tatsachen, die „jeder wusste“. Ich wurde durch den Blogger „talknic“ korrigiert. Mondoweiss ist privilegiert talknic als häufigen Kommentator zu haben, und viele Leser hier werden mit dem Dokument vertraut sein, auf das er mich hinwies: den Brief von Eliahu Epstein, dem Vertreter der jüdischen Agentur in Washington, an Präsident Truman und an das Außenministerium am 14. Mai 1948.

 

Epsteins Brief an Truman

In dem Brief fordert die provisorische Regierung Israels die USA förmlich dazu auf, den neuen Staat Israel anzuerkennen, der in Kürze in Tel Aviv ausgerufen werden sollte, genau eine Minute nach Mitternacht, wenn das britische Mandat über Palästinas enden würde. Er beginnt:

"Sehr geehrter Herr Präsident, ich habe die Ehre, Ihnen mitzuteilen, dass der Staat Israel als unabhängige Republik innerhalb der von der UN-Generalversammlung angenommenen Grenzen in ihrer Resolution vom 29. November 1947 ausgerufen worden ist."

Die Resolution bezieht sich auf UNGA Resolution 181, die die Teilung von Palästina in getrennte Staaten empfiehlt, einen jüdischen und einen arabischen Staat. Die zionistische Führung hat öffentlich den Teilungsplan akzeptiert und dieser Brief definiert die Grenzen von Israel, wie sie auf dem Plan bestimmt werden. (s. Plan).

Sobald ich die Worte „ausgerufen … innerhalb der Grenzen…“ las, wusste ich, dass ich von der zionistischen Propaganda betrogen worden war. Als ich weiter darüber nachdachte, wurde mir klar, dass die Idee eines Staates ohne festgelegte Grenzen tatsächlich völlig unsinnig ist. Man stelle sich vor, dass es zwischen Kanada und USA keine festen Grenzen gäbe. Dann würden die Leute nicht wissen, in welchem Land sie leben, welche Staatsbürgerschaft sie hätten, an welche Gesetze sie sich halten müssten, welches Geld sie benützen könnten. Es würde ein Chaos sein. Die Montevideo-Konvention listet folgende Anforderungen für die Existenz eines Staates auf: eine ständige Bevölkerung, ein klar definiertes Gebiet, eine Regierung und die Möglichkeit in (gute) Beziehungen mit andern Staaten zu treten. Wenn Israel sich wirklich als ein Staat ohne Grenzen erklärt hat, dann ist es überhaupt kein Staat.
 
Um zu verstehen, wie die zionistische Führung dazu kam, diese Grenze zu definieren und warum sie später äußerst erfolgreich versuchte, die Welt davon zu überzeugen, dass dies nie geschah, müssen wir nur die Ereignisse in Tel Aviv und Washington betrachten, als sich das Mandat dem Ende näherte.

Israels Unabhängigkeitserklärung

Israel war zögerlich beim Ziehen seiner Grenzen. Nach einem Artikel auf der Website der israelischen Regierung traf sich die provisorische Regierung Israels vom 12. bis 14. Mai in Tel Aviv, um den Entwurf der Unabhängigkeitserklärung zu überdenken. Diese Diskussion wurde von David Ben Gurion als Premierminister und Verteidigungsminister geleitet.
 
 http://tlaxcala-int.org/upload/gal_9504.jpg

Teilungsplan der UNO von 1947, markiert mit der Waffenstillstandslinie von 1949

Es gab hitzige Diskussionen über die Grenzen. Einige hielten an den Grenzen des Teilungsplanes fest, während Ben Gurion streng die Auffassung vertrat, dass sie nichts über die Grenzen sagen sollten, weil es seine Absicht war, noch Land außerhalb der Grenzen des Teilungsplans zu erobern und es in den Staat einzugliedern. Seine Meinung wurde mit fünf zu vier Stimmen angenommen, wobei die vier andern Mitglieder abwesend waren. Diese Abstimmung ist der Ursprung der Geschichte, dass „Israel nie seine Grenzen definierte“. Ben Gurion ging an diesem Abend des 13. Mai nach Hause und schrieb den Entwurf der Unabhängigkeitserklärung noch einmal und entfernte dabei alle Empfehlungen des Teilungsplanes.
 
Sein Motiv ist klar. Er wollte eine Art chaotische Situation schaffen, wie ich sie bei meiner Kanada-USA-Illustration skizzierte. Wenn es keine definierte Grenze zwischen Israel und dem Rest von Palästina gibt, dann konnte das ganze Palästina als offenes Gebiet erklärt werden, frei zur Eroberung.
 
Am 14. Mai wurde der von Ben Gurion neu geschriebene Entwurf vom Nationalrat, dem werdenden Parlament des neuen Staates, vorgelegt und einstimmig bei der zweiten Abstimmung angenommen: wir wissen also, dass Veränderungen gemacht wurden. Der Artikel sagt nicht welche und lässt vermuten, dass sie minimal waren. Aber wenn wir uns den Text der Erklärung der Gründung des Staates Israel näher ansehen, sehen wir, dass die Empfehlungen des Teilungsplanes wiederhergestelt worden sind. Tatsächlich bildete der Teilungsplan das Kernstück der Erklärung:
AUF GRUND UNSERES NATÜRLICHEN UND HISTORISCHEN RECHTES UND AUF GRUND DER RESOLUTION DER UNO-GENERALVERSAMMLUNG ERKLÄREN WIR DIE ENTSTEHUNG EINES JÜDISCHEN STAATES IN EREZ ISRAEL, BEKANNT ALS DER STAAT ISRAEL.
Die auf dem Teilungsplan basierende Erklärung definiert stillschweigend die Grenzen, die im Plan definiert sind, sagt dies aber nicht ausdrücklich. Da die Ausrufung eines neuen Staates ein einzigartiges Ereignis ist, während Grenzen später verändert werden können, ist die Abwesenheit einer Grenzfestlegung in der Erklärung selbst unbedeutend. Es war Epsteins Brief, der ausdrücklich Israels Grenzen definierte.

Epsteins Telegramm an Shertok (Sharett)

Später an diesem Tag, dem 14. Mai, nachdem Truman auf Epsteins Brief geantwortet hatte, indem er Israel anerkannte, sandte Epstein ein Telegramm an Moshe Shertok, Außenminister der provisorischen Regierung Israels. In ihm stand die dramatische Geschichte, wie er der Geheimhaltung verpflichtet und unter Termindruck dazu kam, den Brief an Truman zu schreiben:
1. Die US-Regierung hat gerade den Staat wie folgt anerkannt:
„Die Regierung ist informiert worden, dass ein jüdischer Staat in Palästina ausgerufen worden ist und die provisorische Regierung hat deshalb die Anerkennung gefordert. Die USA erkennen die provisorische Regierung als die de facto Autorität des neuen Staates Israel an.“
2. Informelle Gespräche mit Vertretern des Weißen Hauses machten klar, dass die Anerkennung de facto, aber nicht de jure sei, weil die Regierung zunächst eine provisorische sei.
3. Die herrschenden Umstände sind folgende: Clark Cilfford, der Sprecher des Weißen Hauses, telefonierte mit Washingtons Freunden und riet, dass das Außenministerium mittags am 14. Mai mit der sofortigen Anerkennung einverstanden sei. Nach sorgfältiger Beratung hier mit Ben Cohen und Ginsberg wurde folgender Brief entworfen und an den Präsidenten und Außenminister gesandt:
Sehr geehrter Herr Präsident, ich habe die Ehre, Ihnen mitzuteilen, dass der Staat Israel als eine unabhängige Republik innerhalb der von der UN-Generalversammlung mit seiner Resolution vom 29. November 1947 angenommenen Grenzen ausgerufen wurde und dass die provisorische Regierung beauftragt wurde, die Rechte und Pflichten der Regierung zu übernehmen, um Gesetz und Ordnung innerhalb der Grenzen Israels wahrzunehmen, um den Staat gegen äußere Aggressionen zu verteidigen und Israel von Verpflichtungen gegenüber anderen Nationen in der Welt zu entbinden, gemäß dem internationalen Recht.
Der Unabhängigkeitsakt wird eine Minute nach sechs Uhr abends am 14. Mai 1948 amerikanische Ostküstenzeit wirksam.
 
Mit voller Kenntnis der tiefen Verbundenheit, die zwischen der Regierung der USA und dem jüdischen Volk seit 30 Jahren existiert und wächst, bin ich von der provisorischen Regierung des neuen Staates autorisiert worden, diese Botschaft zu übermitteln und die Hoffnung auszudrücken, dass Ihre Regierung Israel anerkennen und in der Gemeinschaft der Staaten willkommen heißen wird.
 
Mit Hochachtung grüße ich
 
Eliahu Epstein, Beauftragter der provisorischen Regierung von Israel.
 
4. Weitere Konsultation und vorherige Mitteilungen wurden wegen Geheimhaltung durch Clifford verhindert.
5. Etwas früher an jenem Tag telefonierte Loy Henderson, um sich wegen der Grenzen des neuen Staates zu vergewissern. Er gab den Rat, dass die Grenzen mit der UN-Resolution übereinstimmen.
6. Die Umstände erforderten es, dass ich für diesen Akt rechtlich verantwortlich bin und die Verantwortung fürs Absenden des Briefes.
 
Clark Clifford war ein guter Unterstützer der zionistischen Sache und ermutigte Truman, den Staat Israel - sobald er ausgerufen ist – anzuerkennen. In seinen Erinnerungen sagt er, dass er Epstein half, die Bitte um Anerkennung zu formulieren und dass er es war, der zu Epstein sagte: „Es war besonders wichtig, kein Land jenseits der Grenzen, wie sie in der UN-Erklärung skizziert sind, zu beanspruchen.“
 
Loy Henderson war im Außenministerium und war gegen Trumans Anerkennung. Da sie nun verwirklicht wird, wollte er auch sicher gehen, dass Israel seine Grenzen definiert. Epstein übergab einen detaillierteren Bericht des Anrufs an Max Löwenthal, ein anderer Berater von Truman. Henderson hatte gefragt, ob der jüdische Staat noch mehr Land haben wolle, als die UN-Resolution gewährte. Epstein erwiderte: „Nein, und jedes Land, das vor dem Frieden genommen wird, würde an den arabischen Staat zurückgegeben.“
 
Es ist klar, dass Israel von den USA nicht anerkannt worden wäre, wenn es sich nicht mit den Grenzen des Teilungsplanes einverstanden erklärt hätte.
 
Das Telegramm deutet darauf hin, dass Epstein nicht in der Lage war, mit der zionistischen Führung in Tel Aviv zu kommunizieren, bevor sein Brief Truman erreichte. Zum Glück hatten beide ähnliche Entscheidungen getroffen: in Tel Aviv die Ausrufung des Staates auf dem Teilungsplan zu gründen; in Washington die Grenzen entsprechend dem Plan zu definieren.

Israel und Palästina

Es gab in dem Zeitraum 1948-49 keinen Zweifel über den Verlauf von Israels Grenzen. Der Text von Epsteins Brief zusammen mit Trumans Antwort, Israel anzuerkennen, wurde in der Weltpresse in Washington am 15. Mai 1948 veröffentlicht. Talknics und meine eigene Website führen mehrere Gelegenheiten auf, bei denen Israel öffentlich die Existenz dieser Grenzen anerkannte. Alle Staaten, die Israel anerkannten, wussten um die Ausdehnung des Gebietes, die es beanspruchte.
 
Der Text der Erklärung soll den Eindruck entstehen lassen, dass die Gründung Israels von den UNO autorisiert war. Das stimmt nicht. Die UN haben nach ihrer Charta nicht die Autorität, Staaten zu gründen oder zu teilen. Der Teilungsplan war nur eine Empfehlung. Der Plan hat nur einen Prozess vorgesehen, der mit dem Ende des (brit.) Mandats anfing und der zur stufenweisen Errichtung von zwei Staaten führen würde. Weil der Plan von der arabischen Seite abgelehnt wurde, konnte er nicht ausgeführt werden.
 
Israel wurde als souveräner Staat durch die Entscheidung der zionistischen Führung geschaffen, um dem im Plan vorgesehenen Prozess zuvor zu kommen, und erklärte den Staat Israel unmittelbar am Ende des Mandats. Die zu jener Zeit festgelegten Grenzen sind seine souveränen Grenzen …. sie wurden von den anderen Staaten anerkannt.
 
Es wird manchmal gefragt, ob die Schaffung Israels legal wäre. Die Antwort ist, dass dies weder legal noch illegal wäre, weil es kein System von Gesetzen gibt, in denen es um die Schaffung von Staaten geht. Israel existiert als souveräner Staat, weil er die Voraussetzungen der Montevideo Convention erfüllt und von anderen Staaten anerkannt wurde.
 
Israels Gründung teilte das Land in zwei Gebiete: den Staat Israel, und der Rest Palästinas außerhalb der Grenzen Israels gehörte nach dem Teilungsplan zum Gebiet des arabischen Staates. Palästina war in einer traurigen Verfassung. Der größte Teil seiner Bevölkerung wurde zu Flüchtlingen und sie hatte keine Regierung, weil das Mandat beendet war. Es gab nichts an seiner Stelle. Es wurde ein Gebiet ohne eigene Regierung.
 
Die jüdische Nationales-Heim-Politik des britischen Mandats hatte es für die Palästinenser unmöglich gemacht, ihr Recht auf Selbstbestimmung im Mandat Palästina auszuüben, wie es durch den Bericht des UN-Sonderkomitees zu Palästina (II 176) bestätigt war. Aber weil Israels Grenzbestimmung die souveräne Ausdehnung des Staates Israel auf den jüdischen Staat im Teilungsplan begrenzte, bestimmte sie so auch die Grenzen des Gebietes, das sich nicht selbst regierte, und schuf damit die Möglichkeit, dass die Palästinenser das Recht auf einen eigenen Staat in dem nach dem Teilungsplan übrigen Gebiet ausüben konnten.
 
Grenzen können geändert werden, aber ein Staat kann nur Gebiete von einem Nachbar durch legale Annexion erwerben, d.h. durch gegenseitige Anerkennung und mit einem Referendum der Bevölkerung. Land durch Krieg erwerben verletzt die fundamentalen Prinzipien der UNO-Charta. Aber genau das tat Israel.

Israel wird größer – der Krieg von 1948-49

Israel wurde mitten in einem Bürgerkrieg zwischen Juden und Arabern gegründet. Um 0 Uhr 1 am 15. Mai 1948, als die Staatsgründungserklärung wirksam wurde, kämpften bereits jüdische Milizen außerhalb Israels souveränen Grenzen auf palästinensischem Gebiet. Noch in derselben Nacht betraten Streitkräfte der arabischen Staaten Palästina und der Bürgerkrieg wurde ein Krieg zwischen Israel und den arabischen Staaten. Das Wissen um den genauen Verlauf der Grenzen liefert ein besseres Verständnis für das Wesen dieses Krieges. Israel wurde nicht von fünf arabischen Staaten angegriffen. Der größte Teil des Kampfes spielte sich in Palästina ab, außerhalb der Grenzen Israels. Keine jordanischen Kräfte betraten Israel. Die Arabische Liga berichtete der UNO, dass sie Palästina betrat, um die Araber vor einem zionistischen Angriff zu schützen. Israel berichtete den UNO, dass seine Kräfte in Palästina operierten, außerhalb seiner Grenzen, um die Juden vor arabischen Angriffen zu schützen. Die UNO identifizierte weder die eine noch die andere Seite als Aggressor.
 
Nachdem die provisorische Regierung aufgrund der Annahme der Teilungslinien als Grenze anerkannt wurde, entschied sie ein paar Tage später (am 20. Mai), dass „Israel die Teilungslinien nicht mehr respektieren würde“. Am 3. Juni sagte Ben Gurion in einem Bericht an die provisorische Regierung, „die ganze Ausdehnung des Staates Israel, die uns unter den Bedingungen der UNO-Resolution zugewiesen wurde, liegt jetzt in unserer Hand. Wir haben mehrere bedeutende Bezirke außerhalb jener Grenzen erobert …. Wir werden ständig in der Offensive bleiben, die sich nicht von den Grenzen des jüdischen Staates einschränken lässt“. Dies bestätigt beides, die Existenz der Grenzen und seine Absicht, hinter diesen noch mehr Land zu erobern. Während der Krieg weiterging, holte sich Israel noch mehr Land, bis die Kämpfe mit dem Waffenstillstand von 1949 endeten.
 
In dem eroberten Gebiet zwischen den Teilungslinien und der Waffenstillstandslinie wandte Israel das israelische Gesetz an, statt es als militärisches Besatzungsgebiet unter den Kriegsgesetzen zu deklarieren, und machte das Gebiet de facto zu einem Teil von Israel. Die Waffenstillstandslinie (allgemein die Grüne Linie genannt) wurde deshalb die de facto Grenze Israels. Natürlich war dies keine legale Annexion, wie die Waffenstillstandsabkommen selbst deutlich machten: „die Waffenstillstandslinie wird in keinem Sinn als politische und territoriale Grenze“ angesehen. Da Israel nicht die Absicht hat, dieses Gebiet zurückzugeben, wird es richtigerweise als gestohlenes Land bezeichnet.
 
Israels souveräne Gebiete machen etwa 55 % des Palästina-Mandats aus, das gestohlene Land weitere 23 %. So bleiben den Palästinensern mit der Westbank und dem Gazastreifen noch 22 %. Im gestohlenen Land liegen die Städte Acco, Ashkelon, Jaffa, Nazareth, Ramle, Beersheba, Lydda und West-Jerusalem, alle außer der letztgenannten sollten nach dem Teilungsplan dem arabischen Staat zugewiesen werden, weil sie wichtige Zentren der arabischen Bevölkerung waren.
 
Gemäß Kapitel XI der UNO-Charta wird automatisch ein „Treuhandsystem“ geschaffen, wenn ein Staat (in diesem Fall Israel) ein Gebiet verwaltet, das keine eigene Regierung hat (Teile von Palästina). Bei diesem Treuhandverhältnis wäre die Verantwortung Israels, im gestohlenen Land „die Interessen seiner Bewohner die von höchstem Rang sind“, anzuerkennen und ihnen zu helfen, „eine eigene Regierung und freie politische Institutionen zu entwickeln“. Mit andern Worten: dem palästinensischen Volk zu helfen, ihr Recht auf Selbstbestimmung in ihrem eigenen Land zu bekommen.
 
Israel verletzte ernstlich dieses Treuhandverhältnis. Es machte das Gebiet zu einem Teil Israels und hinderte sein Volk, freie politische Institutionen und eine eigene Regierung zu entwickeln. Die Weigerung, den palästinensischen Flüchtlingen die Rückkehr zu erlauben, die Zerstörung ihrer Dörfer und deren Neubesiedlung mit jüdischen Einwanderern ordnete die Interessen des palästinensischen Volkes jenen der jüdischen Immigranten im palästinensischen Gebiet unter.
 
Kapitel XI der Charta gilt auch auf der Westbank und in Gaza, das 1967 von Israel besetzt wurde. Da dort eine Militärverwaltung herrscht, müssen die Genfer Konventionen befolgt werden. Israel hat diese ebenfalls verletzt.

Palästinas Recht auf territoriale Kompensation

Nichts hat den Status der Grenze zwischen Israel und Palästina seit 1949 verändert, da es keinen Friedensvertag zwischen den beiden Seiten gegeben hat. Die Teilungslinie ist noch immer die erklärte und anerkannte souveräne Grenze Israels. Die Grüne Linie ist immer noch die de facto Grenze Israels. Man möge bitte aufhören, sie die Grenze von vor 1967 zu nennen. Sie ist keine anerkannte Grenze und sie hat sich 1967 um keinen Zoll bewegt. Noch ist das Gebiet innerhalb der de facto Grenze „das eigentliche Israel“. Das gestohlene Land wird missbräuchlich als ein Teil Israels angesehen, seitdem es durch Krieg in Verletzung der UNO-Charta annektiert wurde.
 
Palästina hat gesagt, dass Israel im Interesse des Friedens das 1948/49 gestohlene Land behalten kann. Dies ist eine weise Entscheidung. Das gestohlene Land ist mit dem Rest Israels völlig integriert und diese Situation ist nicht umkehrbar. Es ist auch ein sehr großzügiges Angebot, tatsächlich zu großzügig, weil Palästina nicht einmal um territoriale Kompensation für den Verlust von so viel Kernland gebeten hat. Dies ist ein Fehler. Israel hat eine Bevölkerung von rund 8 Millionen. Die palästinensische Bevölkerung, einschließlich der Westbank und Gaza und den staatenlosen Flüchtlingen mit dem Recht auf Rückkehr, ist etwa 9 Millionen. Ein Friedensabkommen, das nur 22 % Palästinas unter palästinensisch-arabischer Herrschaft übrig lässt, könnte wohl nicht als brauchbare und gerechte Lösung angesehen werden, die zu einem dauerhaften Frieden führt.
 
Die Unterlassung, um Kompensation zu bitten, kommt daher, dass die palästinensische Führung glaubt, Israel habe nie seine Grenzen definiert. Sie glaubt dies, weil es eines jener Dinge ist, die „jeder weiß“ und weil auch ihr Rechtsberater ihnen sagte, dass Israel keine festgelegten Grenzen hat. Folglich verstehen sie die rechtliche Unterscheidung zwischen Israels souveränem Gebiet und dem gestohlenen Land nicht. Derselbe Berater sagte ihnen auch, dass die Resolution 242 des UNO-Sicherheitsrates die Grenzen des palästinensischen Staates „darlegt“. Dies ist eine weitere unsinnige Fiktion. Resolution 242 sagt nichts über die Position irgendwelcher Grenzen aus, noch könnte sie es, weil die UNO nicht die Autorität hat, einem Staat zu sagen, wo seine Grenzen sind; das ist eine Sache der Staaten untereinander, miteinander darüber zu beraten und überein zu stimmen.
 
Ich bin davon überzeugt, dass Palästina seine Position nachdrücklich vertreten kann, was Gerechtigkeit, das Internationale Recht (Völkerrecht) und die Durchführbarkeit betreffen, so bedarf es einen Transfer von Gebieten aus israelischer Herrschaft im südlichen Negev (südlich von Bersheba, die Stadt selbst liegt auf gestohlenem Land). Dies würde drei Dinge erreichen: territoriale Verbindung zwischen der Westbank und Gaza, Raum für rückkehrende Flüchtlinge liefern und die Beduinen befähigen, aus der israelischen Souveränität unter die palästinensische zu kommen, falls sie es wünschen.
 
Das ist keine neue Idee. Der Negev war im Teilungsplan dem jüdischen Staat zugedacht, als ein Gebiet, das in der Lage ist, eine große Anzahl jüdischer Immigranten aufzunehmen, weil es damals nur dünn von Beduinen besiedelt war. Der UN-Vermittler war der erste, der vorschlug (s. seinen Bericht von September 1948 [One III.6]), dass ein Teil des Negev dem vorgeschlagenen Arabischen Staat zugeschlagen werde; damals als Kompensation für den Verlust des westlichen Galiläa. Bei dem fehlgeschlagenen Versuch einer Friedenskonferenz 1948 in Lausanne sagten die Araber, dass sie den Negev brauchen würden, um die zurückkehrenden Flüchtlinge aufzunehmen, da Israel nicht bereit war, sie aufzunehmen (s. Bericht der Schlichtungskommission). Während der Konferenz schrieb Präsident Truman eine geheime Mitteilung an Ben Gurion, in der er Israels Weigerung missbiligte, territoriale Kompensation für Gebiete zu liefern, die es jenseits der Grenzen des Teilungsplanes erworben hatte.
 
Die Vertreibung von 750 000 nicht-jüdischen Palästinensern und Israels de facto Vergrößerung im Krieg von 1948/49 bedeutete, dass der ursprüngliche Grund für das Überlassen des Negevs an Israel obsolet geworden sei. Obwohl Israel seit 2005 den Negev aktiv für jüdische Besatzung entwickelte, ist die Bevölkerungsdichte noch dünn. Es sollte möglich sein, eine passende Teilung des Gebietes zu erreichen. Beides sollte zusammenhängend sein, israelisches und palästinensisches Gebiet; da könnte es eine neutrale Übergangsstelle zwischen den beiden Staaten geben, ähnlich dem im Teilungsplan (südwestlich von Nazareth und Ramle).
 
Eine Verhandlung über neue Grenzen muss Rücksicht auf die Wünsche der Bewohner nehmen. Es würde nicht legal sein, Menschen aus einer Souveränität in eine andere zu transferieren, wenn die Mehrheit nicht damit einverstanden ist, und die Grenzlinie sollte so gezogen werden, dass die Anzahl der Leute, die sich benachteiligt fühlen, so klein wie möglich gehalten wird. Jüdische Siedlungen im Negev sollten z. B. so weit wie möglich innerhalb Israels gehalten werden. Jedem, dessen Souveränität geändert wird, sollte doppelte Staatsbürgerschaft gegeben werden.

Die Einstaatenlösung

Die ganze Diskussion über Grenzen und Gebiete würde sofort irrelevant werden, wenn es eine Einstaatenlösung gäbe. Ich erwarte, dass dies letzten Endes geschieht. Die größte Erfolgschance hätte meiner Ansicht nach eine Union der zwei Völker nach dem Modell England-Schottland. Doch im Augenblick bestehen schon zwei Staaten und der einzige Weg, dass sie erfolgreich in einen Bundesstaat oder eine Union fusionieren, ist freiwillig. Von Freiwilligkeit kann nicht die Rede sein, wenn die zwei Völker nicht auf Augenhöhe verhandeln. Eine Einstaatenlösung kann nur über eine vorläufige Zweistaatenlösung verwirklicht werden. Die territoriale Frage muss gelöst werden.

Israels Täuschungen

Israels Erklärung von souveränen Grenzen am 14. Mai 1948 war ein Schwindel – gegenüber Präsident Truman und dem Rest der Welt, dafür bestimmt, die Anerkennung Israels zu entlocken. Israel hatte nie die Absicht, sich mit diesen Grenzen zufrieden zu geben. Seitdem ziehen Israel und seine zionistischen Unterstützer noch einen Schwindel durch: die Definition der Grenze habe nie stattgefunden.
 
Wie kann solch eine unsinnige und leicht widerlegbare Idee zu etwas werden, das „jeder weiß“? Und „jeder“ schließt einige erstaunliche Leute ein: der Historiker Avi Shlaim, Professor an der Universität Oxford, sagte in einem Interview, dass die „Waffenstillstandslinie die einzige international anerkannte Grenze ist, die Israel jemals hatte“, Francis A. Boyle, Professor für Völkerrecht an der Universität von Illinois, ist der Berater der PLO – wie schon erwähnt. Er sagte, dass „Israel keine genau festgelegten Grenzen hat“; Uri Avnery, erfahrener israelischer Journalist, Politiker und Friedensaktivist, hat gesagt, dass „Israel sich vom ersten Tag an weigerte, seine Grenzen festzulegen.“ Jeremy R. Hammond, Herausgeber von Foreign Policy Journal, schreibt in seinem Buch „Die Ablehnung der palästinensischen Selbstbestimmung“ (Kapitel 4) von der Errichtung Israels „bezeichnenderweise wurden für den neu ausgerufenen Staat keine Grenzen bestimmt“; John B. Judis, politischer Historiker, diskutiert in seinem kürzlich herausgekommenen Buch „Genesis“ über Truman, Zionismus und die Schaffung Israels, auch die Ereignisse vom 14. Mai 1948 in Washington (S. 317), und erwähnt, dass Clifford gemeinsam mit Epstein den Brief schrieb, der um die Anerkennung bat. Aber er zeigt keine Kenntnis von seinem Inhalt und geht nicht auf den Text ein.
 
Falsche Information zu liefern, wie den Artikel über Israels Unabhängigkeitserklärung – wie eingangs diskutiert – ist eine zionistische Propagandatechnik, das Wichtigste ist aber Schweigen und Unterdrückung von Informationen.
 
Es könnte sein, dass ich übertreibe, wenn ich Epsteins Brief an Truman als „verborgen“ beschreibe, da er seit 15. Mai 1948 öffentlich ist, aber für ein Dokument von solch historischer Bedeutung ist er kaum verbreitet im Internet. Soweit ich feststellen kann, gibt es keine einzige israelische Regierungs- oder Zionistenwebsite, die diesen Brief erwähnt, wenn über die Gründung des Staates Israel und Trumans Anerkennung geht. Der volle Text erscheint nur auf drei wohl bekannten Websites: als ein Faksimile des Originals ohne Suchfunktion in der Truman-Bibliothek; das Avalon-Projekt in der Yale Law School; und in der „Jüdischen Virtual Library“, wo er nur als ein „Brief von der provisorischen Regierung an die USA“ indiziert ist. Nirgendwo wird sein Inhalt oder seine Bedeutung diskutiert. Sonst erscheint er meistens in Blogs, Nachrichtenarchiven und Diskussionen.
 
Aktive Unterdrückung findet ebenfalls statt. Manchmal hinterlasse ich einen höflichen und relevanten Kommentar, den ersten Satz des Briefes zitierend, auf der Website der Times of Israel, und stelle fest, dass er vom Moderator schnell gelöscht worden ist.
 
Mein zweites Dokument, Epsteins Telegramm an Shertok, ist ein faszinierendes Stück Geschichte und von großer Bedeutung, denn es bestätigt, dass die USA Israel nicht anerkannt hätten, wenn es nicht seine Grenzen nach den UNO-Teilungsgrenzlinien definiert hätte. Dieser Fakt ist wirklich gut verborgen. Ein Link zu ihm als Faksimile ohne Suchfunktion erschien erstmals im Jahr 2012 auf der Website des israelischen Staatsarchivs (Dokument Nr. 3). Bis jetzt sind die einzigen anderen Verweise dazu im Internet in meinen Schriften und die einzige Textversion des Dokumentes im Internet steht auf meiner Website.

Zusammenfassung der Aussagen

Die zionistische Führung wollte die Grenzen Israels, als es am 14. Mai 1948 seine Unabhängigkeit vom restlichen Palästina erklärte, nicht definieren, wurde aber gezwungen, nach dem UNO-Teilungsplan die Grenzen zu definieren, um von den USA anerkannt zu werden. Das Gebiet, das von Israel außerhalb dieser Grenzen 1948-49 erobert und de facto Israel angeschlossen wurde, wurde durch Krieg gewonnen, also eine Verletzung der fundamentalen Prinzipien der UNO-Charta. Seit 1949 hat Israel sehr erfolgreich versucht, die Welt davon zu überzeugen, dass diese Grenzdefinition niemals geschah, um die Tatsache zu verbergen, dass das eroberte Gebiet außerhalb Israels erklärten und anerkannten souveränen Grenzen liegt und deshalb rechtmäßig ein Gebiet Palästinas ist, innerhalb diesem das palästinensische Volk das Selbstbestimmungsrecht habe. Obwohl die palästinensische Führung akzeptiert habe, Israel könne dieses Gebiet in einem Friedensabkommen behalten, gibt es überzeugende Gründe für eine Kompensation für diesen Verlust: in Form eines Transfers von israelischem Land im südlichen Negev unter palästinensische Herrschaft.
 
Weitere Informationen zum Thema dieses Aufsatzes finden Sie in dem Artikel „The Borders of Israel and Palestine“ auf meiner Website.
 
Eine Bitte an die Leser
 
Kam Ben-Gurion am Morgen des 14. Mai 1948 wirklich mit einer neuen Version der Erklärung an, die den Teilungsplan nicht erwähnte? Oder war er es, der über Nacht realisiert hatte, dass die Idee, einen Staat ohne definierte Grenzen zu gründen, nicht funktionieren würde? Die verschiedenen Entwürfe der Erklärung sollen in der Unabhängigkeitshalle in Tel Aviv ausgestellt sein. Gibt es einen israelischen Leser, der hingehen und sich das anschauen könnte und uns eine Rückmeldung geben könnte?

Wie haben die Zionisten es geschafft, „alle“ davon zu überzeugen, dass „Israel nie seine Grenzen definiert hat“? Um diese Frage ausführlich zu beantworten, bedürfte es eines großen Projektes im Fach Sozialpsychologie; jedenfalls wäre es interesssant, die Ansichten und Erfahrungen der Leser zu hören. Ich werde alle Kommentare beantworten.

Aktualisierung:

Prof Francis A. Boyle schickte die folgende Korrektur seiner Position hier unten, um der palästinensischen Führung einen Ratschlag anzubieten, was die Grenzen betrifft:
Am 23. Oktober 2014 schrieben Sie, ich hätte die Palästinenser über Israels „Grenzen“ falsch beraten. Israel akzeptierte tatsächlich die Teilungsresolution 181 und seine Grenzen. Aber die Palästinenser taten dies nicht. Tatsächlich wiesen sie die Teilungsresolution ab. Es gab also keine beiderseitig festgelegte Grenzen zwischen Israel und Palästina. Als es zur Abfassung der palästinensischen Unabhängigkeitserklärung am 15. November 1988 kam, bei der ich als Rechtsberater wirkte, riet ich aus diesen Gründen der PLO ab, die Teilungsresolution 181 zu akzeptieren, um den Umfang ihrer territorialen Forderungen während der Friedensverhandlungen mit Israel zu vergrößern, um so viel Land wie möglich zu erhalten. Mein Rat wurde nicht angenommen.




Courtesy of Tlaxcala
Source: http://mondoweiss.net/2014/11/documents-borders-palestine
Publication date of original article: 23/10/2014
URL of this page : http://www.tlaxcala-int.org/article.asp?reference=13972

 

Tags: IsraelPalästinaGründung des Staates IsraelEretz IsraelGrenzenTrumanTeilungsplanLandBen-GurionTeilungslinieWaffenstillstandslinie
 

 
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