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 08/12/2016 Tlaxcala, the international network of translators for linguistic diversity Tlaxcala's Manifesto  
English  
 LAND OF PALESTINE 
LAND OF PALESTINE / Das Recht und die Pflicht der Palästinenser, Widerstand zu leisten
Date of publication at Tlaxcala: 02/11/2014
Original: The Palestinians’ right and duty to resist

Das Recht und die Pflicht der Palästinenser, Widerstand zu leisten

Gideon Levy جدعون ليفي גדעון לוי

Translated by  Ellen Rohlfs اِلِن رُلفس
Edited by  Fausto Giudice Фаусто Джудиче فاوستو جيوديشي

 

Stell dir vor, du wärst ein Palästinenser; vielleicht ein Bewohner Ost-Jerusalems. 47 schwierige Jahre liegen hinter dir; eine große deprimierende Dunkelheit  liegt vor dir. Die israelischen Tyrannen, die dein Schicksal dem Untergang weihen,  erklären in aller Arroganz, dass alles für immer so bleibt. Deine Stadt wird unter Besatzung bleiben – auf immer und ewig. Der Verteidigungsminister, der zweite Mann in der Regierung, die dich knechtet, sagt, dass ein palästinensischer Staat niemals errichtet werden wird.

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Stell dir vor, du wärst ein Palästinenser und deine Kinder sind in Gefahr. Vor zwei Tagen haben die Besatzungsmächte ein Kind getötet, weil es angeblich „eine Brandbombe gezündet“ hat. Der Slogan „Tod den Arabern!“  wurde  nahe deiner Wohnung an die Wand gesprüht. Überall brüllen dich Soldaten oder Grenzpolizisten an. Jede Nacht kann deine Wohnung  brutal gestürmt werden. Nie wirst du wie ein menschliches Wesen behandelt. Sie werden dich zerstören, demütigen,  einschüchtern, vielleicht auch verhaften – womöglich ohne Prozess. 

Es gibt nahezu 500 Administrativhäftlinge, eine Rekordzahl für die letzten Jahre. Wenn einer deiner Freunde oder Familienangehörige festgenommen worden ist, wirst du Probleme haben, eine Besuchszeit zu bekommen. Wenn du „Erfolg“ hast, wirst du eine halbe Stunde durch ein Glasfenster mit ihm reden können. Ist der Administrativhäftling ein Familienangehöriger, wirst du trotzdem nie erfahren, wann er entlassen wird. Aber das sind Kleinigkeiten, an die du dich seit langem gewöhnt hast.
 
Vielleicht  hast du dich auch an den Landraub gewöhnt. Jeden Moment kann ein Siedler dein Land verwüsten, deine Anpflanzung anzünden  oder deine Felder verbrennen. Er wird nicht vor Gericht gebracht. Die Soldaten, die dich angeblich beschützen, stehen untätig daneben. Jeden Moment können sie eine Anordnung zur Zerstörung deines Hauses bzw. zur Zwangsräumung  erwirken. Da kannst du gar nichts machen.
 
Stellt euch vor, ihr wärt Palästinenser. Ihr könnt den Gazastreifen nicht verlassen; und dabei ist es auch schon nicht leicht, die Westbank zu verlassen. Der Strand, weniger als eine Stunde Fahrt von eurem Ort in der Westbank entfernt, liegt jenseits der Berge der Dunkelheit. Für einen Israeli ist es leichter nach  Tierra del Fuego - zwischen Argentinien und Chile-  zu reisen  als für euch, an den Strand von Ajami zu gelangen.
 
Da gibt es keine Träume, keine Wünsche. Deine Kinder haben fast gar keine Chance, irgendetwas im Leben zu erreichen, selbst wenn sie zur Universität gehen. Alles, was ihnen offen steht, ist ein Leben voller Demütigung und Erwerbslosigkeit.
 
Da gibt es keine Chance, dass sich diese Situation bald verändern wird. Israel ist stark, es hat USA in der Tasche, deine Führung ist schwach ("Palästinensische Behörde") und isoliert (Hamas) und die Welt verliert das Interesse an Deinem Schicksal. Was tun?
 
Es gibt zwei Möglichkeiten: die erste ist, alles akzeptieren, nachgeben, aufgeben. Die zweite ist Widerstand. In der Geschichte, wen respektieren wir mehr?  Diejenigen, die ihre Tage unter Besatzung zugebracht und mit ihr zusammen gearbeitet haben oder diejenigen, die für ihre Freiheit gekämpft haben?
 
Stell dir vor, du wärst ein Palästinenser. Du hast jedes Recht, Widerstand zu leisten.  In der Tat: es ist deine Bürgerpflicht. Keine Frage: das besetzte Volk hat das Recht auf Widerstand gegen die  Besatzung – das ist ein Gebot des Naturrechts, der Moral der Geschichte, des Völkerrechts.
 
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Die einzige Einschränkung  liegt in der Frage der Mittel des Widerstands. Die Palästinenser haben fast alles versucht, im Guten wie im Schlechten, Verhandlungen und Terror, Zuckerbrot und Peitsche, Steine und Bomben, Demonstrationen und Selbstmordangriffe. Alles vergeblich. Sollen sie verzweifeln und aufgeben? Fast nie ist das in der Geschichte geschehen: also werden sie weitermachen. Manchmal werden sie legitime, manchmal abscheuliche Methoden verwenden. Sie haben ein Recht auf Widerstand.
 
Jetzt leisten sie Widerstand in Jerusalem.  Sie wollen dort keine israelische Herrschaft oder Leute, die Kinder bei lebendigem Leib anzünden. Sie wollen nicht, dass bewaffnete Siedler mitten in der Nacht in ihre Wohnungen eindringen und sie unter dem Schutz israelischen Rechts  aus ihren Häusern vertreiben. Sie wollen keine Stadtverwaltung, die ihre Dienstleistungen nach nationaler Zugehörigkeit anbietet oder Richter, die Urteile über ihre Kinder fällen auf der Basis ihrer Herkunft. Sie rasten auch völlig aus, wenn das Haus von jüdischen Terroristen nicht abgerissen wird, wohingegen das Haus eines Palästinensers zerstört werden wird.
 
Sie wollen nicht, dass Israel sie weiter tyrannisiert, also leisten sie Widerstand. Sie werfen Steine und Brandbomben. So sieht Widerstand aus. Manchmal sind ihre Taten blutrünstig und schrecklich. Aber selbst das ist nicht so schlimm wie die den Besatzern innewohnende Gewalt.
 
Es ist ihr Recht, es ist ihre Pflicht.
 





Courtesy of Tlaxcala
Source: http://www.haaretz.com/opinion/.premium-1.622711
Publication date of original article: 26/10/2014
URL of this page : http://www.tlaxcala-int.org/article.asp?reference=13814

 

Tags: Jerusalem al-QodsZionistische BesatzungPalästinensischer WiderstandPalästinaIsrael
 

 
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