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 28/08/2016 Tlaxcala, the international network of translators for linguistic diversity Tlaxcala's Manifesto  
English  
 LAND OF PALESTINE 
LAND OF PALESTINE / Gazas Kinder: „Israel schafft eine neue Generation von Feinden“
Date of publication at Tlaxcala: 23/08/2014
Original: Gaza's children: 'Israel is creating a new generation of enemies'

Gazas Kinder: „Israel schafft eine neue Generation von Feinden“

Harriet Sherwood

Translated by  Ellen Rohlfs اِلِن رُلفس
Edited by  Fausto Giudice Фаусто Джудиче فاوستو جيوديشي

 

Najia Warshaga, 9 Jahre alt, ist eine Veteranin von 3 Konflikten in Gaza. Sie kann nicht normal schlafen und ist immer ängstlich.

Najia Warshagha

Najia Warshaga im Haus ihres Onkels in Beit Lahia, Gazastreifen, mit ihrer Mutter Majdolen und ihrem Bruder Ali. Sie wurde in der UNRWA-Schule verletzt, von der vermutet wurde, dass sie fliehenden Familien Sicherheit gewährt. Foto: Sean Smith für The Guardian

Sie scheint das kollektive Leiden der Kinder des Gazastreifens darzustellen: ein kleines Mädchen, die Augen niedergeschlagen, Tränen um die Wimpern, eine mit Blut verschmierte Stirn, Qualen sind ihr ins Gesicht geschrieben.

 

Najia Warshagha

Ihr Bild wurde am Nachmittag des Granatfeuers in der UN-Schule in Jabaliya aufgenommen, da man dachte, diese sei ein Schutz vor dem Krieg. „Die Welt steht blamiert daneben“,  erklärte ein schockierter UN-Chef, nachdem 15 Leute starben und mehr als 100 verletzt wurden. Ihre von israelischen Luftschlägen auf die UN-Schule verursachten Verletzungen wurden behandelt.

Das Mädchen, dessen Bild rund um die Welt ging, ist Najia Warshagha, die im Alter von 9 schon eine Veteranin von drei blutigen Konflikten in Gaza ist. Während vier Wochen dieses Krieges, wurden nach der UN mindestens 447 Kinder getötet und 2744 verletzt. Tausende mehr sind schwer traumatisiert - unter ihnen Najia.
 
9 Tage nach der Bombardierung der Schule liegt Najia auf dem Sofa im Haus eines Verwandten, wo sie jetzt bleibt. Während sie sich erinnert, was geschah und davon erzählt, verdreht sie ihre Hände: „Ich war im Klassenzimmer Nr. eins und schlief. Da gab es einen großen Bumms, meine Mutter nahm uns in ihre Arme, dann landete noch eine Rakete. Ich schrie und weinte“, sagte sie.
 
Denkt sie weiter darüber nach? Eine Pause, dann nickt sie und mit leiser Stimme: „ Ich träume von dem, was geschah“
Ihre Mutter Majdolen, 31, ergänzt die Lücken in Najias dürftigem Bericht. Die Familie verließ ihre Wohnung in Beit Lahya, nah an der Grenze zu Israel, wenige Tage nachdem die Bombardierung begann, um in der nächsten Schule Zuflucht zu suchen. Ein paar Tage später, als sie fürchtete, dass dies auch unsicher sei, ging sie in die Schule in Jabaliya, wo rund 3300 Leute sich in Klassenräumen und Korridoren drängten und bis in den Schulhof hinaus. Sieben Familien schliefen in dem Klassenzimmer Nr 1 als die Raketen  4 Uhr 30 fielen. Najias Beine wurden verletzt und ihr vierjähriger Bruder Ali war am Kopf verletzt. Glücklicherweise waren die physischen Verletzungen nicht schwer. Majdolen hatte auch Splitterwunden an ihrer Schulter und am Kopf. Die Jabaliya-Schule war eine der sechs von der UN geführten Schulen, die während der letzten Wochen angegriffen wurden.
 
Die Familie wurde ins Shifa-Krankenhaus in Gazastadt gebracht, eine chaotische und überfüllte Stelle in diesen paar Wochen, deren erschöpfter Mitarbeiterstab rund um die Uhr arbeitet und wo jedes Bett besetzt ist. Ali verbrachte zwei Tage dort; Najia wurde eine Woche dort behalten wegen des extremen Schocks. Sie nimmt noch immer Medizin. Sie ist sehr traumatisiert, seit dies geschah“, sagt Majdolen. Sie kann nicht richtig schlafen, sie hat ständig Angst. Die Kinder wollen mich nicht verlassen, sie wollen mit mir schlafen und sie folgen mir, wohin ich auch gehe“.
 
Trotz der Augusthitze wickelt sich Najia nachts in eine Decke ein, sagt ihre Mutter. Die Familie schläft jetzt an ihrem vierten Ort, seitdem der Krieg begann, aber das Kind drängt noch an einen anderen Ort, weil es sich nirgendwo sicher fühlt.
 
Sich die Kriege durch den Kopf gehen lassen: Operation Cast Lead 2008-09, Operation Pillar of Defense 2012 und die augenblickliche Operation Protective Edge – alle in ihrem kurzen Leben. Najia erklärt, dass dieser Angriff der schlimmste gewesen ist. Um das Maß der verzweifelten Suche nach Sicherheit der Familie voll zu machen, ist nicht nur die Schule angegriffen, sondern auch ihr Haus flach gebombt worden. „Es ist nicht mehr – da ist nichts mehr“, sagt Majdolen.
 
Ärzte und Psychotherapeuten haben in Gaza bittere Erfahrungen beim Behandeln traumatisierter Kinder gemacht. Nach der Operation Cast Lead fand eine Untersuchung des Gaza community mental health programme [GCMHP, von Dr Ejad Sarraj gegründet, Anm d. Übers.], dass 75 % der Kinder über 6 an einem oder mehreren Symptomen der posttraumatischen Belastungsstörung leiden …
 
Im Nachhinein dieses Krieges , sagt Hasan Zeyada, ein Psychotherapeut von GCMHP dem Guardian: „leidet die Mehrheit der Kinder sehr an vielen psychologischen und sozialen Folgen. Unsicherheit und Gefühle der Hilflosigkeit, an Kraftlosigkeit . Wir beobachteten Kinder, die immer ängstlicher wurden – Schlafstörungen, Alpträume, Nachtterror, rückschrittliches Benehmen zeigen, wie z.B. sich an die Eltern klammern, Bettnässen, unruhiger und hyperaktiv werden, sich weigern, allein zu schlafen, die ganze Zeit mit den Eltern sein wollen, überwältigt von Angst und Sorgen. Manche fangen an, noch aggressiver zu sein.“
 
Eine Untersuchung von UNICEF, der UN-Agentur für Kinder fand nach der Operation Pillar of Defence, 2012, dass 91% der Kinder Schlafstörungen während des Konfliktes hatten, 94% sagten, dass sie mit ihren Eltern schlafen, 85 % berichten, dass sie Veränderungen in Appetit erleben, dass 82%, dass sie zornig sind; 97 % fühlen sich unsicher, 38 % schuldig; 47% beißen auf ihren Nägel; 78% haben mit Juckreiz zu tun und fühlen sich krank, und 82 % waren entweder fortwährend oder gewöhnlich in Angst vor drohendem Tod.
 
Dieses Mal wird es laut Zeyada wahrscheinlich schlimmer sein. „Jedes Kind über 6 Jahre war nun drei Kriegen ausgesetzt. Wir sprechen von einer traumatisierten Generation. Sie wird die Welt als gefährlich empfinden und sie werden eine Menge Frustration und  Zorn empfinden und einen Wunsch nach Rache“. „ Der augenblickliche Krieg ist intensiver und brutaler als die beiden vorherigen“, sagt er. Die Hauptpfeiler der palästinensischen Gesellschaft - Familie und Religion – sind unaufhaltsam getroffen worden. Viele Familien Familien haben unter mehrfachen Todesfällen gelitten, Tausende von Wohnungen und Dutzende von Moscheen sind zerstört worden.
 
Zeyada hat  unter seinen eigenen vier Kindern Unsicherheit beobachtet.“Meine Tochter bedeckt ihre Augen und Ohren, wenn das Fernsehen Bilder zeigt. Wenn ich Brot holen gehe, ruft mich mein Sohn viele Male und schreit:“Wo bist du?““
 
Seine Familie ist den Todeswellen nicht entkommen, die über Gaza tobten: Vor drei Wochen wurden seine Mutter, drei Brüder, seine Schwägerin und ein Neffe bei einem Angriff auf Zentral-Gaza getötet. „Da gab es keine Warnung“, sagt er. Nun, zusätzlich zu seinen eigenen Kindern sorgt er sich um verschiedene untröstliche Neffen und Nichten.
 
„ Keiner kann garantieren, dass dies nicht noch mal geschieht“, sagt er. „Wenn wir für die Kinder Sicherheit garantieren könnten, würde es helfen, dass sie ihr Trauma überwinden. Aber wenn wir sie nicht vor einem neuen Gewaltzyklus schützen können, ist es sehr schwierig … Israel befindet sich  die ganze Zeit im Prozess, sich eine neue Generation Feinde zu machen.“
 
Zurück in Beit Lahiya, Najia - noch immer in ihrem rosa Schlafanzug mitten am Tag – sieht sich zum 1. Mal das Foto an, das von ihr nach der Bombardierung der Schule gemacht wurde. Verwirrung und Angst gehen über ihr kleines Gesicht. Erholung – sollte sie kommen - ist noch weit entfernt.





Courtesy of Tlaxcala
Source: http://www.theguardian.com/world/2014/aug/11/gaza-children-israel-new-generation-enemies-najia-warshagha
Publication date of original article: 11/08/2014
URL of this page : http://www.tlaxcala-int.org/article.asp?reference=13197

 

Tags: Israelische KriegsverbrechenGazas Kinderposttraumatische Belastungsstörung PalästinaIsrael
 

 
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