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 30/05/2016 Tlaxcala, the international network of translators for linguistic diversity Tlaxcala's Manifesto  
English  
 UNIVERSAL ISSUES 
UNIVERSAL ISSUES / Oh Gott, der Antisemitismus!
Date of publication at Tlaxcala: 22/08/2014
Original: Gevalt*, anti-Semitism!
Translations available: Italiano  Français 

Oh Gott, der Antisemitismus!

Gideon Levy جدعون ليفي גדעון לוי

Translated by  Mikaela Honung

 

Für Juden ist Israel heutzutage der gefährlichste Ort in der Welt. Seit seiner Gründung sind in Israel mehr Juden durch Kriege und terroristische Attacken umgekommen als anderswo. Der Krieg in Gaza jedoch hat diesen Unterschied reduziert: mehr als jeder andere Krieg gefährdet er die Juden in der übrigen Welt.

Die Heimstätte der Juden, die Zuflucht der Nation, bietet nicht nur nicht mehr Schutz, sondern bedroht direkt die Juden auch anderswo. Bei der Einschätzung der Auswirkungen des Krieges muss auch dies unter den Verlusten berücksichtigt werden.

Eine Welle der Empörung bemächtigt sich der öffentlichen Weltmeinung. Im Gegensatz zu der selbstfälligen, blinden und süffisanten israelischen Öffentlichkeit, haben die Leute außerhalb Israels die Bilder aus Gaza gesehen und wurden darüber entsetzt. Für jeden, der ein Gewissen hat, war es unmöglich unberührt zu bleiben. Der Schock hat sich gegen den Staat in Hass verwandelt, der all dies angerichtet hat und bei einigen Gelegenheiten hat er den Antisemitismus aus seiner Höhle gelockt. Ja, im 21. Jahrhundert gibt es wieder Antisemitismus in der Welt und es ist Israel gewesen, der ihn genährt hat. Israel hat dem Hass genügend Entschuldigungen geliefert.

Nicht alle antiisraelischen Gefühle sind jedoch antisemitisch. Allenfalls ist das Gegenteil wahr: der größte Teil der Kritik an Israel ist begründet und moralisch zu rechtfertigen. Der Antisemitismus, rassistisch wie jeder nationalistische Hass, ist an den Rändern dieser Kritiken aufgetaucht, und Israel ist für sein Erscheinen direkt verantwortlich.

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Israel und das jüdische Establishment der Diaspora stempeln automatisch jede Kritik als antisemitisch ab. Der Trick ist alt: Das Gewicht der Schuld wird von denen, welche den Schrecken in Gaza angerichtet haben, auf jene projektiert, die sich mit dem sogenannten Antisemitismus beflecken. Das ist nicht unsere Schuld, das ist deine Schuld, du antisemitistische Welt. Was Israel auch tut, es hat immer die Welt gegen sich.

Das macht natürlich keinen Sinn. Ein Polizist, der einem jüdischen Autofahrer eine Strafe verpasst, ist nicht zwangsläufig antisemitisch, wie uns das einige jüdische Organisationen glauben machen wollen, ebenso wenig ist die Beraubung eines Rabbiners nicht zwangsläufig durch rassistischen Hass motiviert. Die Kritiken an Israel sind nicht zwangsläufig von Hass auf die Juden motiviert.

Diese Organisationen sind zum Blitzableiter für die Kritiken an Israel geworden und sie haben sie auf sich selbst geführt. Dies ist der Preis für ihre blinde Unterstützung Israels, für ihre laute Propaganda im Namen Israels, dafür, dass sie jede jüdische Gemeinde in eine PR-Agentur Israels verwandelt haben, für ihr einmütiges Gutheißen all dessen, was Israel tut. Wir sind ein Volk, sagen sie. In diesem Fall ist jeder, der Israel zu kritisieren wagt, auch wenn es in einen brutalen Konflikt geraten ist, ein Jude, der sich selbst hasst. Es sind also alle verantwortlich.

Ein Paar Juden, die im Ausland leben, haben mir von Panik ergriffen, während des Krieges, geschrieben und sie baten mich keine Artikel mehr zu schreiben und die Kritik zu lassen, weil sie die Antisemiten für sich benützten. Ich antwortete ihnen, dass jede Fortsetzung von Gaza mehr Schäden für Israel anrichtet als alle meine Artikel zusammen. Ich kenne auch viele Personen, die noch Sympathie für Israel haben, weil es gerade auch einen Rest freier Gesellschaft gibt, der die Kritiken akzeptiert.

Die Juden sollten auf jeden Fall die eigenen Ängste gegen den Staat Israel richten. Viele Juden haben heute Angst. Teilweise sind diese Ängste übertrieben, teilweise berechtigt. Meines Erachtens bleibt Muslim in Europa zu sein heute weitaus schwieriger als Jude zu sein. Aber in Paris haben die Juden keinen Mut mehr, die Kippa zu tragen, in Belgien wurde einer Frau den Zutritt zu einem Geschäft verwehrt, weil sie Jüdin war und ein französischer Journalist, der Algier letzte Woche besuchte,  sagte mir, dass der Hass auf Israel und die Juden in Frankreich einen historischen Höchststand erreicht hatte.

Diese Klagen sind an die Adresse Israels zu richten, weil Israel die Verantwortung für Gaza hat.

Jeder, der ein Herz für das Schicksal der Juden hat, jeder der über diese Episoden des Antisemitismus bestürzt ist, hätte darüber nachdenken sollen, bevor Israel einen weiteren sinnlosen Krieg führte. Die Welt ist nicht immer gegen Israel. Es reicht an die Übereinkommen von Oslo zu denken, wo einschließlich eines Teils der arabischen Welt, große Teile der Welt an seiner Seite stand. Die Welt wäre zufriedener, wenn sie Israel wieder umarmen könnte, weil es aufhört, sich wie ein Halbstarker und ein Unterdrücker zu benehmen.

Oh Gott, der Antisemitismus? Vielleicht, aber Israel selbst hat für das Zuführen von Brennstoff gesorgt.

 





Courtesy of Tlaxcala
Source: http://www.haaretz.com/opinion/.premium-1.610481
Publication date of original article: 14/08/2014
URL of this page : http://www.tlaxcala-int.org/article.asp?reference=13181

 

Tags: HasbaraZionistische PropagandaAngeblicher AntisemitismusIsraelPalästinaKriege gegen Gaza
 

 
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