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 31/08/2016 Tlaxcala, the international network of translators for linguistic diversity Tlaxcala's Manifesto  
English  
 EDITORIALS & OP-EDS 
EDITORIALS & OP-EDS / Tut mir leid, aber Israel hat überhaupt kein Existenzrecht
Date of publication at Tlaxcala: 11/08/2014
Original: Excuse Me, But Israel Has No Right To Exist
Translations available: Français  Español 

Tut mir leid, aber Israel hat überhaupt kein Existenzrecht

Sharmine Narwani شارمين نرواني

Translated by 
Edited by  Fausto Giudice Фаусто Джудиче فاوستو جيوديشي

 

Der Ausdruck « Existenzrecht » ist für mich in den Neunziger Jahren präsent geworden, als der Begriff einer „Zwei-Staaten-Lösung“ in dem kollektiven Wortschatz aufgetaucht ist. Bei jeder Debatte auf der Uni griff jeder Zionist auf diese drei Zauberwörter zurück, als er mit seinen Argumeten am Ende war. Damit setzte er dem Gespräch ein Ende, indem er empört aufrief: „ Sie wollen doch nicht behaupten, dass Sie Israel sein Existenzrecht absprechen?“

 
Klar, Israels Existenzrecht durfte man nicht bestreiten. Das war soviel, wie das Grundrecht der Juden auf ... Rechte abzuleugnen, und um das Maß voll zu machen wurde einer/m das Schuldgefühl über den Holocaust ins Gesicht geschmissen.
 
Nur, dass ich sicherlich überhaupt keine Schuld am Holocaust trage - und die PalästinenserInnen auch nicht. Das systematische Programm ethnischer Säuberung, dass in Europa gegen dessen jüdische Bevölkerung vorgenommen wurde, ist auf solch zynische und opportunistische Weise ausgenutzt worden, um die ethnische Säuberung gegen die arabisch-palästinensische Nation zu rechtfertigen, dass ein solches Argument mich völlig kalt lässt. Ich hab mich sogar dabei ertappt, - ach, shocking - die Augen zu verdrehen, als ich in demselben Satz die beiden Vokabeln- Israel und Holocaust- nennen hörte.
 
Was mich stört in jener Ära der „Nach-Zwei-Staaten-Lösung“, ist die Unverschämtheit von Israels Dasein an sich.
 
Was für ein fantastischer Einfall, dass eine Ausländergruppe aus einem anderen Kontinent sich eine vorhandene und bevölkerte Nation zueignen darf- und die „internationale Gemeinschaft“ davon überzeugen kann, dass gerade das getan werden musste. Soviel Dreistigkeit, das wäre ja zum Lachen - wenn es nicht so gravierend wäre.
 
Noch durchschlagender ist, dass die verfolgten Juden eine massive ethnische Säuberung gegen die einheimische palästinensische Bevölkerung vornehmen konnten, wobei sie selber die eigene ethnische Säuberung kaum überstanden hatten.
 
 

- Israel besitzt ein Existenzrecht!( bis, ter)
- Palästina besitzt ein Existenzrecht!
Das Abendland: “Wie bitte? Verzeih, mein Junge, aber bei dem Lärm kann ich Dich nicht hören!“

Carlos Latuff, 2006

Dabei ist aber das eigentlich Grauenerregende die Massenmanipulation, der zufolge die Palästinenser irgendwie gefährlich wären-- „Terroristen“, fest dazu entschieden, „die Juden ins Meer zu werfen“. Mein Leben verdiene ich durch die Arbeit mit Worten  und es fesselt mich, wie die Sprache zur Schaffung von Wahrnehmungen gebraucht wird. Dieses Tun - oft „ öffentliche Diplomatie“ genannt - ist in der Welt der Geopolitik zum unentbehrlichen Werkzeug geworden. Letztendlich sind die Worte die Bausteine unserer Psychologie.
 
Bedenkt z.B., wie wir nun den israelisch-palästinensischen Zwist und jede Lösung für diesen nun fortwährenden Konflikt auffassen. Ich werde dabei Auszüge eines früheren Artikels ausgiebig benutzen.
 
Hinsichtlich dieser Frage haben die USA und Israel den Diskurs weltweit bestimmt, indem sie drakonische Einstellungen definierten, welche Inhalt und Orientierung der Debatte immer fester beschränken. Zu anderen Einstellungen greifen wollen erschien bis vor kurzem unrealistisch, kontraproduktiv und sogar subversiv.
 
An der Debatte dürfen nur jene teilnehmen, die deren Grundsätze hinnehmen: Der Staat Israel muss akzeptiert werden, sowie seine regionale Vorherrschaft und seine militärische Überlegenheit; auch die fragwürdige Logik, auf welcher die Ansprüche des jüdischen Staates auf Palästina basieren; und schließlich welche Parteien, Bewegungen und Regierungen akzeptable oder unakzeptable Gesprächpartner bei einer Konfliktlösung sind.
 
Vokabeln wie Friedenstaube, Falke, Aktivist, Extremist, Gemäßigter, Terrorist, islamisch-faschistisch, Holocaustleugner, Existenzbedrohung, geisteskranker Mollah bestimmen die Teilnahme gewisser Menschen an der Lösung - und können andere augenblicklich davon ausschließen.
 
Dann kommt der Sprachgebrauch, der „ Israels Existenzrecht“ vor jeder Hinterfragung schützt: Alles, was sich auf den Holocaust, den Antisemitismus und die Mythen der historischen Rechte der Juden auf das ihnen vom Allmächtigen zugeteilte Land beruft - als ob Gott ein Grundstückmakler wäre! - Mit so einem Wortschatz soll nicht nur jeder Anfechtung jüdischer Ansprüche auf Palästina vorgebeugt, sondern auch all jene, welche die Legitimation dieses modernen Kolonialversuchs hinterfragen, bestraft und marginalisiert werden.
 
Dieses kollektive Denken hat aber nichts gefruchtet. Verhüllen, ablenken, ableiten, ausweichen, bagatellisieren- nur dazu hat es geführt, und wir sind einer befriedigenden Lösung keinen einzigen Schritt näher gekommen ... weil die Prämisse gefälscht war.
 
Für dieses Problem gibt es keine Lösung. Wir haben mit einer Krise zu tun, wo es nur Misserfolg und Irrwege gibt; da muss man kehrt machen. Israel ist das Problem. Es ist der letzte neuzeitliche Kolonialversuch, und es wurde gerade zur Zeit unternommen, wo solche Vorhaben überall weltweit zusammenbrachen.
 
Es gibt keinen „israelisch-palästinensischen Konflikt “ - denn das würde unterstellen, dass beide Seiten irgendwie gleichgestellt wären mit Hinblick auf die Macht, das Leiden und die verhandelbaren konkreten Elemente. Die Gleichung ist aber nicht im geringsten Maße symmetrisch. Israel ist die Besatzungs- und Unterdrückungsmacht. Die PalästinenserInnen leben unter der Besatzung und werden unterdrückt. Was gibt es da zu verhandeln? Israel hat alle Karten in der Hand. Die Israelis können Grundstücke, Güter, Rechte zurückgeben - aber auch das hat keinen Sinn - denn: was ist mit dem, was übrig bleibt? Warum nicht alle Grundstücke, alle Güter, alle Rechte zurückgeben? Wieso hätten die das Recht, etwas zu behalten - inwiefern macht es einen grundsätzlichen Unterschied, ob Israel vor 1948 oder nach dem willkürlich gewählten Jahr 1967 Grundstücke und Güter an sich gerissen hat?
 
Worin unterscheiden sich die Kolonialisten vor 1948 von denen, die sich nach 1967 angesiedelt haben?
 
Gestatten Sie mir eine Berichtigung: Die Palästinenser haben wohl eine Karte in der Hand, welche Israel den Mund wässerig macht: die große Anforderung, am Verhandlungstisch zu sitzen, die alles Übrige zu enthalten scheint. Israel sehnt sich nach der Anerkennung seines „Existenzrechtes“. Aber Israel gibt es ja schon, oder?
 
Tatsächlich fürchtet sich Israel am meisten vor seiner „Delegitimierung“. Hinter dem Samtvorhang liegt ein Staat, der auf Mythen und Mären errichtet wurde, der ohne den Schutz eines Militärriesen, einer US-amerikanischen Hilfe in Milliardenhöhe und eines einzigen Vetorechts im UNO-Sicherheitsrat  nicht fortbestehen kann. Nichts Weiteres schirmt Israel vor seiner Demontage ab. Ohne diese drei Deckungen könnten die Israelis nicht mehr in einem Staat leben, der nunmehr „ der unsicherste Ort für die Juden“ geworden ist.
 
Nehmt den ganzen Diskurs und Anstrich der Propaganda weg und sofort wird Euch klar, dass Israel nicht auf derselben Basis beruht, wie „normale“ Staaten. Nach 64 Jahren hat es immer noch keine Grenzen. Nach 6 Jahrzehnten steht es mehr denn je einzeln da. Über ein halbes Jahrhundert später braucht er eine menschenfresserische Armee, nur um die Palästinenser davor zu hindern, nach Hause zu gehen.
 
Israel ist ein misslungener Versuch. Israel muss beatmet werden - schaltet bloß die drei Tröpfe ab und sofort liegt es tot da, und lebt nur noch in der Vorstellung einiger Ausländer, die geglaubt hatten, dass ihnen der Überfall des Jahrhunderts gelingen könne. Da haben sie sich aber mächtig getäuscht.
 
Das Wichtigste, was wir mit Hinblick auf einen einzigen Staat machen können, ist, den alten Wortschatz möglichst schnell abzuschaffen. Da gab es sowieso nichts Echtes - es war nur eine in einem besonderen „Spiel“ benutzte Sprache. Schaffen wir ein neues Vokabular mit neuen Möglichkeiten - der neue Staat wird die große Versöhnung der Menschheit bringen. Moslems, Christen, Juden - sie alle werden in Palästina zusammenleben, wie einst der Fall.
 
Jene, denen es nicht passt, können ihr Glück woanders versuchen. Unsre Geduld wird immer dünner, wie die Zelttücher in den Fegefeuerlagern, wo die PalästinenserInnen nun seit drei Generationen leben.
 
Diese allseitig ausgenutzten Flüchtlinge haben ein Recht auf schöne Wohnungen - mit Schwimmbädern im Erdgeschoß und Palmenbuschen vor Halleneingang. Denn der Schadenersatz, die ihnen für diesen misslungenen Versuch des Abendlandes zusteht, wird nie ausreichen.
 
Und die Juden hasst keiner. Dieses Argument des Judenhasses wird laut hinausposaunt, wenn man wirklich kein anderes mehr hat - es ist der letzte „Brandschutz“ dieses israelischen Frankensteingeschöpfs. Ich hab einfach keine Lust mehr, die üblichen Beteuerungen vorzubringen, zum Beweis, dass ich die Juden nicht hasse. Es ist einfach nicht zu beweisen, und offen gesagt ist ein solches Argument kein Alibi. Wenn die Juden, die den Holocaust nicht erlebt haben, immer noch Schmerz darüber empfinden, sollen sie das Problem mit den Deutschen regeln. Sie sollen ein gutes Grundstück deutschen Bodens für sich in Anspruch nehmen - dabei wünsch ich ihnen viel Glück.
 
Und die Antisemiten, denen ein Israel-kritischer Artikel den Mund wässerig macht, rate ich, ihr Glück anderswo zu suchen - sie gehören ja zur Ursache dieses Problems.
 
Die Israelis, die Palästina als gleich gestellte BürgerInnen mit der palästinensischen Urbevölkerung nicht teilen wollen - die nicht den Verzicht leisten wollen, den sie vor 64 Jahren von den Palästinensern verlangt haben - können ihren zweiten Pass benutzen, und nach Hause fahren. Die anderen, die im Lande bleiben, sollen lieber eine positive Haltung einnehmen - die Palästinenser haben wohl erwiesen, dass sie fähig sind, zu vergeben. Das Blutbad, das sie von ihren Unterdrückern erlitten haben, ohne entsprechend zu reagieren, zeigt eine bemerkenswerte Zurückhaltung und Vertrauensfähigkeit.
 
Wir werden nicht so sehr mit dem Tod eines jüdischen Staates zu tun haben, als mit dem Wegfall der letzten Überbleibsel des modernen Kolonialismus. Nur ein Übergangsritual - alles geht reibungslos vor sich. In diesem besonderen Moment des 21. Jahrhunderts sind wir alle PalästinenserInnen - diesem Ungerechtigkeitszustand ein Ende zu setzen, ist ein Test für die ganze Menschheit, und keine/r darf da untätig sitzen.
 
Israel hat kein Existenzrecht. Schafft diese geistige Schranke ab und verkündet es: „Israel hat kein Existenzrecht“. Lasset es af der Zunge vergehen, twittert es, postet es auf Eure Facebook-Seiten, überlegt es Euch nicht zweimal. Die Delegitimierung ist schon da - nur keine Angst. Palästina wird nie so qualvoll sein, wie Israel es von jeher war.*
 
 
*AdÜ: So sicher bin ich nicht, dass Israel das letzte Überbleibsel des Kolonialsystems ist. Es ist nur das Auffälligste.

 

 





Courtesy of Tlaxcala
Source: http://english.al-akhbar.com/blogs/sandbox/excuse-me-israel-has-no-right-exist
Publication date of original article: 17/05/2012
URL of this page : http://www.tlaxcala-int.org/article.asp?reference=13039

 

Tags: IsraelPalästinaZionismusDelegitimierungZwei-Staaten-LösungExistenzrecht
 

 
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