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 01/09/2016 Tlaxcala, the international network of translators for linguistic diversity Tlaxcala's Manifesto  
English  
 UNIVERSAL ISSUES 
UNIVERSAL ISSUES / Die Geburt eines Eurasischen Jahrhunderts
Russland und China gestalten Pipelineistan
Date of publication at Tlaxcala: 31/05/2014
Original: The Birth of a Eurasian Century
Russia and China Do Pipelineistan

Translations available: Português  Italiano  Español 

Die Geburt eines Eurasischen Jahrhunderts
Russland und China gestalten Pipelineistan

Pepe Escobar Пепе Эскобар

Translated by  Lars Schall

 

HONGKONG – Ein Gespenst geht um in Washington, eine beunruhigende Vision einer chinesisch- russischen Allianz, die zu einer expansiven Symbiose aus Handel und Gewerbe in weiten Teilen der eurasischen Landmasse miteinander verheiratet ist – auf Kosten der Vereinigten Staaten.

 

Und kein Wunder, dass Washington besorgt ist. Diese Allianz ist bereits beschlossene Sache bei einer Vielzahl von Möglichkeiten: durch die BRICS-Gruppe der Schwellenländer (Brasilien, Russland, Indien, China und Südafrika); in der Shanghaier Organisation für Kooperation (Shanghai Cooperation Organization, SCO), dem asiatischen Gegengewicht zur NATO; innerhalb der G20; und über die 120 Mitgliedernationen der Bewegung der blockfreien Staaten (Non-Aligned Movement, NAM). Handel und Gewerbe sind nur ein Teil des künftigen Schnäppchens. Auch locken Synergien in der Entwicklung neuer Militärtechnologien. Nach Russlands Star Wars-Stil kommen 2018 ultra-ausgefeilte S-500 Luftabwehrraketensysteme an den Start; Peking will sicher eine Version davon für sich bekommen. In der Zwischenzeit ist Russland dabei, Dutzende Sukhoi Su-35-Kampfjets neuester Machart an die Chinesen zu verkaufen, indem sich Peking und Moskau dahinbewegen, eine Luftverkehrsindustrie-Partnerschaft zu besiegeln.

Diese Woche sollte das erste wirkliche Feuerwerk bei den Feierlichkeiten eines neuen Eurasischen Jahrhunderts in der Herstellung bieten, wenn der russische Präsident Wladimir Putin in Peking auf den chinesischen Präsidenten Xi Jinping trifft. Sie erinnern sich an “Pipelineistan”, all diese entscheidenden Öl- und Gas-Pipelines kreuz und quer durch Eurasien, die das wahre Kreislaufsystem für das Leben in der Region ausmachen. Nun, es sieht so aus, als ob der ultimative Pipelineistan-Deal im Wert von 10 Milliarden USD und 10 Jahren Vorbereitungszeit ebenfalls unterschrieben wird. Dabei vereinbart der gigantische, staatlich kontrollierte russische Energieriese Gazprom, die gigantische, staatlich kontrollierte China National Petroleum Corporation (CNPC) 30 Jahre lang täglich mit 3,75 Milliarden Kubikmeter verflüssigten Erdgas zu versorgen, beginnend im Jahre 2018. Das ist das Äquivalent eines Viertels der massiven russischen Gasexporte nach ganz Europa. Chinas derzeitige tägliche Gasnachfrage beläuft sich auf rund 16 Milliarden Kubikmeter pro Tag, und Importe machen 31,6% des Gesamtverbrauchs aus.

Gazprom mag immer noch den Großteil seiner Gewinne in Europa einsammeln; aber Asien könnte sich als sein Everest herausstellen. Das Unternehmen wird diesen Mega-Deal nutzen, um Investitionen in Ost-Sibirien zu steigern, und die ganze Region wird als privilegierte Gasdrehscheibe für Japan und Südkorea neu konfiguriert werden. Wenn Sie wissen wollen, warum kein Schlüsselland in Asien bereit war, Russland in der Ukrainekrise “zu isolieren” – unter Missachtung der Obama-Regierung –, brauchen Sie nicht weiter als bis nach Pipelineistan zu blicken.

 

Ausstieg aus dem Petrodollar, Einstieg in den Gas-o-Yuan

Und dann, über Ängste in Washington sprechend, gilt es das Schicksal des Petrodollar zu bedenken, oder vielmehr die “thermonukleare” Möglichkeit, dass Moskau und Peking sich bei der Zahlung für den Gazprom-CNPC-Deal nicht auf Petrodollars, sondern auf chinesische Yuan einigen. Man kann sich kaum eine schwerere tektonische Verschiebung vorstellen, bei der sich Pipelineistan mit einer wachsenden politisch-ökonomisch-energiebezogenen Partnerschaft zwischen Russland und China kreuzt. Zusammen damit besteht die künftige Möglichkeit zu einem Vorstoß, abermals von China und Russland angeführt, hin zu einer neuen internationalen Reservewährung – eigentlich ein Währungskorb –, die den Dollar (zumindest in den optimistischen Träumen der BRICS- Mitglieder) ersetzen würde.

Gleich nach dem möglicherweise spielverändernden chinesisch-russischen Gipfel kommt im Juli ein BRICS-Gipfel in Brasilien. Das ist der Zeitpunkt, da eine mit 100 Milliarden USD ausgestattete BRICS-Entwicklungsbank, die 2012 angekündigt worden war, offiziell als eine mögliche Alternative zum Internationalen Währungsfonds (IWF) und der Weltbank als Quelle für Projektfinanzierungen für Entwicklungsländer geboren werden wird.

Noch mehr BRICS Zusammenarbeit, die den Dollar umgehen soll, spiegelt sich im “Gas-o-Yuan” wider, im Sinne von Erdgas, das in der chinesischen Währung gekauft und bezahlt wird. Gazprom erwägt sogar Marketing-Anleihen in Yuan im Rahmen der Finanzplanung für die Expansion. Yuan-gedeckte Anleihen sind bereits in Hongkong, Singapur, London und jüngst in Frankfurt im Handel.

Nichts könnte für den neuen Pipelineistan-Deal sinnvoller sein, als ihn in Yuan abzuwickeln. Peking würde Gazprom in dieser Währung (umwandelbar in Rubel) bezahlen; Gazprom würde den Yuan ansammeln; und Russland würde dann unzählige Made-in-China-Waren und -Dienstleistungen in Yuan kaufen.

Es ist allgemein bekannt, dass die Banken in Hong Kong, von Standard Chartered bis HSBC – ebenso wie andere über Handelsabkommen eng mit China verknüpfte Institute –, eine Diversifizierung in den Yuan vorgenommen haben, was bedeutet, dass er eine de facto globale Reservewährung noch vor seiner vollen Konvertierbarkeit werden könnte. (Peking arbeitet inoffiziell an der vollen Konvertierbarkeit des Yuan ab 2018.)

Der russisch-chinesische Gas-Deal ist untrennbar mit den Energiebeziehungen zwischen der Europäischen Union (EU) und Russland verbunden. Denn der Großteil des russischen Bruttoinlandsprodukts kommt aus dem Öl- und Gasvertrieb, ebenso eine Menge seines Einflusses in der Ukrainekrise. Im Gegenzug hängt Deutschland von Russland bis hinauf auf saftige 30% der Erdgasversorgung ab. Doch Washingtons geopolitische Imperative – mit polnischer Hysterie gewürzt – haben Brüssel dazu gedrängt, Möglichkeiten zu finden, um Moskau in der zukünftigen Energiesphäre zu “bestrafen“ (ohne heutige Energie-Beziehungen zu gefährden).

Es gibt dieser Tage ein konsistentes Gerangel in Brüssel ob der möglichen Absage der geplanten 16 Milliarden Euro teuren South-Stream-Pipeline, deren Bau im Juni starten soll. Bei Fertigstellung würde sie noch mehr russisches Erdgas nach Europa pumpen – in diesem Fall unter dem Schwarzen Meer (unter Umgehung der Ukraine) nach Bulgarien, Ungarn, Slowenien, Serbien, Kroatien, Griechenland, Italien und Österreich.

Bulgarien, Ungarn und die Tschechische Republik haben bereits klar gestellt, dass sie eine Stornierung ablehnen. Und eine Stornierung steht wahrscheinlich nicht in den Karten. Immerhin ist die einzige offensichtliche Alternative Gas vom Kaspischen Meer aus Aserbaidschan, und das wird wahrscheinlich nicht passieren, es sei denn, die EU kann plötzlich den Willen aufbringen und die Mittel für einen Crash-Zeitplan für die sagenumwobene Baku-Tiflis-Ceyhan-Ölpipeline (BTC) geben, die während der Clinton-Jahre konzipiert wurde, um ausdrücklich Russland und Iran zu umgehen.

In jedem Fall hat Aserbaidschan nicht genügend Kapazität, um das Niveau an Erdgas zu liefern, das benötigt wird, und andere Akteure wie Kasachstan, das von Infrastrukturproblemen geplagt wird, oder das unzuverlässige Turkmenistan, das sein Gas an China zu verkaufen bevorzugt, befinden sich bereits weitgehend weg vom Fenster. Und vergessen Sie nicht, dass South Stream, verbunden mit Anschluss-Energie-Projekten, eine Menge an Arbeitsplätzen und Investitionen in vielen der wirtschaftlich verwüsteten EU-Staaten schaffen wird.

Dennoch, solche EU-Drohungen, wie unrealistisch sie auch immer sind, dienen nur dazu, Russlands zunehmende Symbiose mit den asiatischen Märkten zu beschleunigen. Für Peking vor allem ist das eine Win-Win-Situation. Immerhin: zwischen die Wahl gestellt, Energie über Meere zu beziehen, die von der US-Navy überwacht und kontrolliert werden, oder über stetige, stabile Landwege aus Sibirien, besteht kein Wettbewerb.

Wählen Sie Ihre eigene Seidenstraße

Natürlich bleibt der US-Dollar die globale Top-Leitwährung, mit 33% der weltweiten Devisenbestände am Ende des Jahres 2013 laut dem IWF. Es waren jedoch bis zu 55% im Jahre 2000. Niemand weiß den Prozentsatz in Yuan (und Peking spricht nicht), aber der IWF stellt fest, dass Reserven in “andere Währungen” in den Schwellenländern um 400% seit 2003 zugenommen haben.

Die Fed monetarisiert wohl 70% der US-Staatsanleihen in einem Versuch, die Zinsen davon abzuhalten, himmelwärts zu gehen. Pentagon-Berater Jim Rickards sowie jeder in Hongkong ansässige Banker neigt zu der Annahme, dass die Fed pleite ist (obwohl sie es nicht offiziell sagen). Niemand kann sich auch nur das Ausmaß der möglichen zukünftigen Flut vorstellen, die der US-Dollar inmitten eines 1.4 Billionen großen Finanzderivate-Araratbergs erleben könnte. Denken Sie allerdings nicht, dass dies die Totenglocke für den westlichen Kapitalismus sei; es ist nur das Taumeln dieses amtierenden Wirtschaftsglaubens, Neoliberalismus, immer noch die offizielle Ideologie der Vereinigten Staaten, des überwiegenden Teils der Europäischen Union, und Teilen von Asien und Süd-Amerika.

Soweit es das betrifft, was der “autoritäre Neoliberalismus” des Reichs der Mitte genannt werden könnte, was ist daran im Moment nicht zu mögen? China hat bewiesen, dass es eine ergebnisorientierte Alternative zum westlichen “demokratischen” kapitalistischen Modell für Nationen gibt, die versuchen, erfolgreich zu sein. Es baut nicht eine, sondern unzählige neue Seidenstraßen, massive Netze von Hochgeschwindigkeits-Eisenbahnen, Autobahnen, Pipelines, Häfen, und Glasfaser- Netzwerke über große Teile Eurasiens hinweg. Dazu gehören eine südostasiatische Straße, eine zentralasiatische Straße, eine “maritime Autobahn” am Indischen Ozean, und sogar eine Hochgeschwindigkeits-Eisenbahnlinie, die durch den Iran und die Türkei den ganzen Weg bis hin nach Deutschland reicht

Im April, als Präsident Xi Jinping die Stadt Duisburg am Rhein besuchte, mit dem größten Binnenhafen der Welt und mitten im Kernland von Deutschlands Stahlindustrie an der Ruhr, machte er einen kühnen Vorschlag: eine neue ” Wirtschafts-Seidenstraße” sollte zwischen China und Europa auf der Grundlage der Chongqing-Xinjiang-Europa-Eisenbahn gebaut werden, die bereits von China nach Kasachstan, dann durch Russland, Weißrussland, Polen und schließlich Deutschland in Betrieb ist. Das sind 15 Tage mit dem Zug, 20 weniger als für Frachtschiffe von der Ostküste Chinas. Das wäre das ultimative geopolitische Erdbeben im Sinne der Integration des Wirtschaftswachstums in ganz Eurasien.

Beachten Sie, dass, wenn keine Blasen platzen, China drauf und dran ist, die globale Wirtschaftsmacht Nummer eins zu werden – und zu bleiben –, eine Position, die es 18 der letzten 20 Jahrhunderte genoss. Aber sagen Sie das nicht den Ikonenmalern in London; sie glauben immer noch, dass die US-Hegemonie fortdauern wird, nun ja, für immer.

Bring mich zum Kalten Krieg 2.0

Trotz der jüngsten schweren finanziellen Kämpfe haben die BRICS-Staaten bewusst daran gearbeitet, eine Gegenkraft zu der ursprünglichen und – nach dem Rauswurf Russlands im März – erneute Gruppe der 7 oder G7. Sie sind begierig, eine neue globale Architektur zu erzeugen, um die zu ersetzen, die zuerst infolge des Zweiten Weltkriegs verhängt wurde, und sie sehen sich als potenzielle Herausforderung für die exzeptionalistische und unipolare Welt, die Washington als unsere Zukunft vorschwebt (mit sich selbst als Welt-Robocop und der NATO als Robo-Polizei). Der Historiker und imperialistische Cheerleader Ian Morris definiert in seinem Buch “War! What is it Good For?” die USA als den ultimativen “Globocop” und “die letzte Hoffnung der Erde.” Wenn dieser Globocop “seiner Rolle müd wird”, schreibt er, “gibt es keinen Plan B.”

Nun, es gibt einen Plan BRICS – so würden die BRICS-Nationen zumindest gerne glauben. Und wenn die BRICS in diesem Sinne auf der globalen Bühne handeln, zaubern sie schnell eine kuriose Mischung aus Angst, Hysterie und Kampfeslust im Washingtoner Establishment hervor. Nehmen Sie Christopher Hill als Beispiel. Der ehemalige Vizeaußenminister für Ostasien und US- Botschafter im Irak ist jetzt ein Berater bei der Albright Stonebridge Group, einem Beratungsunternehmen, das tief mit dem Weißen Haus und dem State Department verbunden ist. Als Russland unten und weg war, pflegte Hill von einer hegemonialen amerikanischen “neuen Weltordnung“ zu träumen. Nun, da die undankbaren Russen das verschmäht haben, was “der Westen angeboten hat” – das heißt: “einen besonderen Status bei der NATO, eine privilegierte Beziehung zur Europäischen Union, und die Partnerschaft in internationalen diplomatischen Bemühungen” –, sind sie seiner Ansicht nach damit beschäftigt, die Sowjetunion wiederzubeleben. Übersetzung: Wenn Ihr nicht unsere Vasallen seid, seid Ihr gegen uns. Willkommen im Cold War 2.0.

Das Pentagon hat seine eigene Version davon, die nicht so sehr gegen Russland, sondern China gerichtet ist, von dem seine Denkfabrik zur künftigen Kriegsführung behauptet, es sei bereits im Krieg mit Washington in einer Reihe von Arten. Also, wenn es nicht Apokalypse Now ist, ist’s eben morgen Armageddon. Und selbstverständlich ist alles, was schief läuft, indem die Obama-Regierung sehr öffentlich gen Asien “schwenkt“ und die amerikanischen Medien sich mit der Rede von einer Wiederbelebung der “Eindämmungspolitik” des Kalten Kriegs im Pazifik füllen, Chinas Schuld.

Eingebettet in dem irren Schuss Richtung Kalter Krieg 2.0 befinden sich einige lächerliche Fakten am Boden: die US-Regierung, mit 17.5 Billionen USD Staatsverschuldung, Tendenz steigend, erwägt eine finanzielle Kraftprobe mit Russland, dem weltweit größten Energieproduzenten und eine wichtiger Atommacht, so wie es auch eine wirtschaftlich untragbare militärische Einkreisung des größte Gläubigers, China, fördert.

Russland unterhält einen beträchtlichen Handelsüberschuss. Riesige chinesische Banken werden keine Probleme haben, russischen Banken zu helfen, wenn westliche Gelder versiegen sollten. Im Sinne der Zusammenarbeit zwischen den BRICS-Nationen schlagen nur wenige Projekte eine 30 Milliarden Öl-Pipeline in der Planungsphase, die sich von Russland nach Indien über Chinas Nordwesten erstrecken wird. Chinesische Unternehmen diskutieren bereits eifrig die Möglichkeit der Teilnahme an der Schaffung eines Transportkorridors von Russland in die Krim sowie an einem Flughafen, einer Werft und einem Flüssigas-Terminal. Und noch ein thermonuklearer” Schachzug in der Mache: die Geburt einer Erdgas-Entsprechung der Organisation Erdöl exportierender Länder, die Russland, den Iran und den angeblich unzufriedenen US-Verbündeten Katar umfassen würde.

Der (unausgesprochene) BRICS-Langzeitplan beinhaltet die Schaffung eines alternativen Wirtschaftssystems mit einem Korb goldgedeckter Währungen, der das gegenwärtige Amerika-zentrierte Weltfinanzsystem umgehen würde. (Kein Wunder, dass Russland und China so viel Gold anhäufen, wie sie nur können.) Der Euro – eine solide Währung, die von großen liquiden Rentenmärkten und großen Goldreserven gedeckt wird – wäre auch willkommen, dabei zu sein.

Es ist kein Geheimnis in Hongkong, dass die Zentralbank Chinas ein paralleles SWIFT-Netzwerk benutzte, um jede Art von Handel mit Teheran durchzuführen, das sich unter einem schwerlastigen US-Sanktions-Regime befindet. Indem Washington mit Visa und Mastercard als Waffen in einer wachsenden wirtschaftliche Kampagne im Kalten Kriegsstil gegen Russland schwingt, ist Moskau dabei, ein alternatives Zahlungs- und Kreditkartensystem einzuführen, welches nicht von der westlichen Finanz gesteuert wird. Ein noch einfacherer Weg wäre, das chinesische Union Pay-System zu übernehmen, dessen Operationen bezüglich des globalen Volumens bereits American Express überholt haben.

Ich schwenke bloß mit mir selbst

Keine “Schwergewichtsverlagerung“ der Obama-Administration gen Asien, um China einzudämmen (und es mit der Kontrolle der US-Navy über die Energie-Seewege zu diesem Land hin zu drohen), dürfte Peking von seiner Deng Xiaoping inspirierten, als “friedliche Entwicklung” beschriebene Strategie abrücken lassen, die es in ein weltweit führendes Handelskraftpaket verwandeln soll. Auch werden die Stationierungen von US- oder NATO-Truppen in Ost-Europa oder andere solche Kalte Kriegs-mäßige Handlungen Moskau wahrscheinlich nicht vor einem sorgfältigen Balanceakt abschrecken: sicherstellen, dass der Einflussbereich Russlands in der Ukraine stark bleibt, ohne Handel und Gewerbe, wie auch die politischen Beziehungen mit der Europäischen Union zu kompromittieren – vor allem mit dem strategischen Partner Deutschland. Dies ist Moskau Heiliger Gral; eine Freihandelszone von Lissabon bis Wladiwostok, die sich (nicht zufällig) in Chinas Traum von einer neuen Seidenstraße nach Deutschland spiegelt.

Washington immer überdrüssiger werdend, verabscheut Berlin für seinen Teil die Vorstellung eines Europas, das in den Krallen eines Kalten Krieg 2.0 gefangen ist. Deutsche Führungskräfte haben Wichtigeres zu tun, inklusive des Versuchs, eine wackelige EU zu stabilisieren, während ein wirtschaftlicher Zusammenbruch in Süd- und Mitteleuropa und der Vormarsch von immer mehr rechtsextremen Parteien abgewehrt werden muss.

Wenn die Streitigkeiten zwischen China und seinen Nachbarn im Südchinesischen Meer und zwischen diesem Land und Japan auf den Senkaku-/Diaoyou-Inseln auf die Krise in der Ukraine trifft, wird die unvermeidliche Schlussfolgerung sein, dass Russland und China ihre Grenzgebiete und Seewege in Privatbesitz befindlich betrachten, und sie werden die Herausforderungen nicht ruhig hinnehmen – sei es via der NATO-Erweiterung, US-Militär-Einkreisung oder über Raketenschilde. Weder Moskau noch Peking sind auf die übliche Form der imperialistischen Expansion aus, trotz der Version der Ereignisse, die jetzt der West-Öffentlichkeit zugeführt wird. Ihre “roten Linien” bleiben der Natur nach im Wesentlichen defensiv, einerlei des Getöses, das bisweilen bei der Sicherung von ihnen mit dabei ist.

Auf der anderen Seite des Atlantiks zeigen Präsident Obama und seine Spitzenbeamten alle Anzeichen, sich zunehmend im eigenen Herumschwenken zu verstricken – gen Iran, gen China, gen Russlands östliche Grenzgebiete, und (unter dem Radar) gen Afrika. Die Ironie dieser ganzen Militär-Zuerst-Manöver ist, dass sie tatsächlich Moskau, Teheran und Peking helfen, ihre eigene strategische Tiefe in Eurasien und anderswo auszubauen, wie in Syrien reflektiert wird oder noch wichtiger bei immer mehr Energie-Vereinbarungen. Sie werden auch dabei helfen, die wachsende strategische Partnerschaft zwischen China und dem Iran zu zementieren. Die unerbittliche Erzählung des Wahrheitsministeriums Washingtons über all diese Entwicklungen ignoriert nunmehr die Tatsache, dass der “Westen” sich ohne Moskau nie hingesetzt hätte, um ein endgültiges Atomabkommen mit dem Iran zu besprechen oder ein Chemiewaffen-Abrüstungsabkommen aus Damaskus zu bekommen.

Was immer Washington wollen, befürchten oder verhindern versuchen könnte, die Tatsachen auf den Boden legen nahe, dass Peking, Moskau und Teheran in den kommenden Jahren langsam, aber sicher nur näher aneinander heran wachsen werden, eine neue geopolitische Achse in Eurasien erschaffend. Unterdessen scheint ein verwirrtes Amerika dem Rückbau der eigenen unipolaren Weltordnung zu helfen, während es den BRICS ein echtes Zeitfenster für die Gelegenheit bietet, um zu versuchen, die Regeln des Spiels zu ändern.

"Der rote Eisberg", US-amerikanischer Pamphlet aus dem Alten Kalten Krieg (1960)

Russland und China im Schwenk-Modus

In Washingtons Think-Tank-Land hat die Überzeugung gegriffen, dass sich die Obama-Regierung bei der Wiederaufführung des Kalten Krieges auf eine neue Version der Eindämmungspolitik zur “Begrenzung der Entwicklung Russlands als Hegemonialmacht” fokussieren sollte. Das Rezept: bewaffne die Nachbarn von den baltischen Staaten bis hin zu Aserbaidschan, um Russland “einzudämmen”. Der Kalte Krieg 2.0 ist im Gange, da aus der Sicht der Eliten Washingtons der erste nie aus der Stadt verschwand.

Doch so sehr die USA auch die Entstehung einer multipolaren Multi-Mächte-Welt bekämpfen mögen, deuten wirtschaftliche Fakten vor Ort regelmäßig auf solche Entwicklungen hin. Die Frage bleibt: Wird der Niedergang des Hegemon langsam und angemessen würdevoll sein, oder wird die ganze Welt in dem, was die “Samson-Option“ genannt werden könnte, mit in den Abgrund gezogen werden?

Während wir beobachten, wie sich das Schauspiel entfaltet, ohne dass ein Ende in Sicht wäre, behalten Sie im Hinterkopf, dass eine neue Kraft in Eurasien erwächst, bei der die chinesisch- russische strategische Allianz droht, sein Kernland zusammen mit den großen Strecken des Innenrands zu dominieren. Nun, das ist ein Alptraum von Mackinder-haften Proportionen aus Washingtons Sicht. Denken Sie zum Beispiel daran, wie Zbigniew Brzezinski, der ehemalige Sicherheitsberater, der ein Mentor der globalen Politik von Präsident Obama wurde, es sehen würde.

In seinem 1997er Buch “The Grand Chessboard” argumentierte Brzezinski, dass “der Kampf um die globale Vorherrschaft weiter gespielt werden” würde auf dem eurasischen “Schachbrett”, auf dem die “Ukraine ein geopolitischer Dreh- und Angelpunkt” war. “Wenn Moskau wieder die Kontrolle über die Ukraine erlangte”, schrieb er zu jener Zeit, würde Russland “automatisch wieder das nötige Kleingeld erlangen, um ein leistungsfähiger imperialer Staat zu werden, der sich über Europa und Asien spannt.”

Das bleibt der größte Teil der Begründung für die amerikanische imperiale Eindämmungspolitik – von Russlands europäischen “nahem Ausland” bis hin zum Südchinesischen Meer. Dennoch, ohne Endspiel in Sicht, halten Sie Ihre Augen auf Russlands Schwenk gen Asien, Chinas Schwenk gen der ganzen Welt und auf die BRICS gerichtet, die hart an dem Versuch arbeiten, das neue eurasische Jahrhundert herbeizubringen.





Courtesy of Lars Schall
Source: http://tinyurl.com/noxwu9c
Publication date of original article: 18/05/2014
URL of this page : http://www.tlaxcala-int.org/article.asp?reference=12412

 

Tags: RusslandEuropaChinaAsienEurasienPetrodollarAusstieg aus dem US-Dollar
 

 
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