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 16/06/2019 Tlaxcala, the international network of translators for linguistic diversity Tlaxcala's Manifesto  
English  
 LAND OF PALESTINE 
LAND OF PALESTINE / Rede beim 1. Europäischen Kongress zur Unterstützung der palästinensischen politischen Gefangenen
Berlin, 26.4.2014
Date of publication at Tlaxcala: 14/05/2014
Original: Speech at the First European Conference in support of Palestinian detainees
Berlin, 26. 4. 2014


Rede beim 1. Europäischen Kongress zur Unterstützung der palästinensischen politischen Gefangenen
Berlin, 26.4.2014

Felicia Langer

Translated by  Ellen Rohlfs اِلِن رُلفس
Edited by  Fausto Giudice Фаусто Джудиче فاوستو جيوديشي

 

Zunächst möchte ich meine herzlichen Grüße aussprechen  allen angesehenen Diplomaten, Gästen und Aktivisten von überall her, besonders die palästinensischen, die zu dieser Konferenz gekommen sind,  wie die Botschafterin Dr. Khouloud Daibes  und Dr. Khaled Hamad, der Koordinator  der Allianz für die Solidarität mit den palästinensischen Gefangenen, ich grüße das verehrte  Publikum, das sich in Berlin versammelt hat. Ich bin glücklich, in der Lage zu sein, zu diesem äußerst wichtigen Thema etwas beizutragen: die palästinensischen Gefangenen und ihr Schicksal.

 

Das Motto dieses Kongresses: „Wir werden  unsere Verhafteten nie vergessen“. Die palästinensischen Gefangenen, begleiten mich seit Beginn der Besatzung 1967 und sind bis zum heutigen Tag  ein Teil meines Lebens und meiner Bücher geworden. Ich werde nie  die palästinensischen Kinder als die jüngsten Gefangenen Palästinas vergessen. Ich möchte erwähnen und aus bedeutenden Dokumenten wie des internationalen Rechtes (auch Völkerrecht genannt)  zitieren (aus Zeitmangel nur wenige), die palästinensische Gefangene betreffen und die von Israel ständig verletzt werden.
 
Ein solches Dokument ist die Universale Erklärung der Menschenrechte, 1948. Artikel 9 dieser bedeutenden Erklärung spricht gegen willkürliche Verhaftung. Jene Tausende palästinensischer Verwaltungshäftlinge, die ohne Gerichtsverhandlung verurteilt,  und ohne irgendeine reale, legale Verteidigungsmöglichkeit waren, während  dieser fast 47 Jahre bis heute sind sie der Beweis der israelischen Verletzung einer der unbedingt notwendigen Maxime des Völkerrechts.  Die Gerichtsprozesse gegen diese Administrativhaft sind eine Farce,  die ich einen „Kampf gegen Geister“ genannt habe. Artikel 55 der UN-Charta spricht über die Pflicht jedes Staates, die Menschenrechte des Volkes und sein Recht auf Freiheit zu achten – doch  Israel ignoriert mit Impertinenz  diesen Artikel ständig.
 
Eines der bedeutendsten Dokumente des Völkerrechtes ist die Vierte Genfer Konvention von 1949, die ich am Ende dieser juristischen Untersuchung analysieren sollte. Palästina wurde vor kurzem als eine  sehr hohe vertraglich verpflichtete Partei der Vierten Genfer Konvention und dem zusätzlichen Protokoll akzeptiert.
 
195 Staaten unterstützen die Vierte Genfer Konvention. Eine der bedeutendsten Konventionen ist die Konvention gegen Folter von 1984, die Israel ständig  verletzt. Ich werde später über die israelische Folterpraxis, die Israel während all der Jahre durchführte und die ich in meinen Büchern beschrieben habe, sprechen, auch über die Folterspuren am Körper, die ich mit eigenen Augen gesehen habe. Ja, ich bin eine Anwältin und eine Zeugin all dieser Verbrechen.
 
Ich kehre zurück zur Vierten Genfer Konvention von 1949, die sich auf den Schutz von zivilen Personen in Kriegszeiten bezieht.

Den Text dieser Konvention habe ich 23 Jahre mit mir getragen, von einem Gerichtssaal in den anderen, in den besetzten Gebieten und ins Oberste Gericht in Jerusalem und zitierte daraus – aber vergeblich. Die Konvention fordert Schutz der angeklagten Personen, der Gefangenen, der gerichtlichen Prozesse. Folterungen sind verboten, auch Kollektivstrafen, Repressalien gegen geschützte Personen und ihr Eigentum. Angeklagte Personen (§72) sollen das Recht haben, zu ihrer Verteidigung den notwendigen Beweis zu präsentieren usw.
 
Im Lichte dieser Grundsätze ist die Administrativhaft illegal, auch die Kolonisierung der besetzten Gebiete ist illegal! Artikel 147 der Konvention spricht von ernsten Brüchen der Konvention, einschließlich mutwilligen Tötens, Folter oder unmenschlicher Behandlung, die Kriegsverbrechen darstellen. Nach diesem Artikel begehen die israelischen Militärbehörden und die israelischen Politiker Kriegsverbrechen gegen die Palästinenser. Sie sollten vor den Internationalen Gerichtshof in Den Haag wegen 47 Jahre langen Kriegsverbrechen gestellt werden!
 



Die Botschafterin Palästinas Dr. Khouloud Daibes und Felicia Langer
 

Ich möchte jetzt über die Situation der palästinensischen Gefangenen sprechen, die ihre Würde behalten haben, deren Preis  sehr hoch war. Viele Male gab es heldenhafte Hungerstreiks, da der Körper des Gefangenen seine letzte Waffe war. Ich habe versucht, und es gelang mir, einige von ihnen zu retten: sie kehrten ins Leben zurück. Der heldenhafte Hungerstreik von Samer El Essawy von 2012 brachte mich in meine Vergangenheit zurück. Die längste kolonialistische Besatzung der modernen Zeit foltert permanent seine Opfer - und die Welt schweigt!
 
Israel steht über dem Gesetz, instrumentalisiert unsere Toten (der Shoa) und spielt die Rolle eines permanenten Opfers. Israel, die viert-stärkste Militärmacht der Welt, in Besitz von Atombomben etc. Mein Respekt gilt denen in Israel, die gegen die Besatzung kämpfen, die auch eine israelische Tragödie ist. Sie brauchen und verdienen unsere Solidarität.
 
Den letzten Teil meiner Rede möchte ich denen widmen, deren Leiden ich als ihre Anwältin und als Zeugin miterlebt habe. Die Opfer waren Mitglieder der linken „Nationalfront“, die 1974 verhaftet wurden. Die Namen waren wohl bekannt: Souleiman al Najab, Husni Hadad, Ghassan al Harb, Abed al Majid Hamdan und Khalil Higasy. Alle habe ich mit Hochachtung vertreten und habe ihr Schicksal in meinem Buch („Wut und Hoffnung“, 1990) beschrieben, einige von ihnen waren in der Vergangenheit schon in Jordanien verhaftet; sie erzählten mir, dass das, was sie in „der größten Demokratie der Welt“ erlebten, am schlimmsten war.
 
All die hier erwähnten Palästinenser waren für Frieden und Versöhnung mit Israel!
 
Nach einem langen Kampf erhielt ich die Genehmigung, sie im Jalame-Gefängnis zu besuchen. Ich werde nie die Wunden, offene Wunden, an ihrem Körper vergessen. Ich habe sie in Gegenwart eines Shin Bet-Agenten mit Namen Abu Nabil gesehen, der dicht neben mir saß. Mit zitternden Händen hab ich ihre Aussagen aufgeschrieben. Sie erzählten mir, dass ihre Äußerungen über Frieden (mit Israel) mit mehr Folterungen beantwortet wurden.
 

 
Khalil Higasy war fast unfähig zu gehen, seine Füße waren ernsthaft durch Schläge verletzt. Er sagte zu mir: „Felicia, als ich über Frieden zwischen uns und Israel sprach, wurde ich schwer geschlagen.“
Es war 1974. So viele Jahre sind vergangen mit unzähligen  Gefolterten. An ein bedeutendes Charakteristikum des israelischen Establishments bis zum heutigen Tag muss erinnert werden: sein totaler Widerstand gegen den Frieden!
 
Im Namen der Gefolterten, meiner Mandanten von  1974, habe ich an das Oberste Gericht appelliert. Mein Gesuch wurde zurückgewiesen, weil Abu Nabil aussagte, dass mein Zeugnis über Folter nicht wahr sei … obwohl er dieselben Wunden wie ich gesehen hatte. … Die Palästinenser konnten von diesem juristischen System keine Gerechtigkeit bekommen, da es eher  auf Lügner wie Abu Nabil hörte und nicht auf die gefolterten und verletzten palästinensischen Gefangenen. Was ich hier vorbrachte, ist nur ein Beispiel. Deshalb wenden wir uns an das Gewissen der Welt, das Schweigen zu durchbrechen, um den von den Besatzern Gequälten zu helfen, den geliebten Angehörigen der palästinensischen Gesellschaft! Ihren besten Söhnen!
 
Gesegnet seien jene, die ihre Stimme für die palästinensischen Gefangenen erheben und für ihre Freiheit.
 
Es ist auch eine Stimme für einen gerechten Frieden! Dieses Jahr ist das Jahr der Solidarität mit dem palästinensischen Volk! Solidarität ist das schönste Geschenk der Menschheit.
 
 
 

 





Courtesy of Tlaxcala
Source: http://tlaxcala-int.org/article.asp?reference=12241
Publication date of original article: 14/05/2014
URL of this page : http://www.tlaxcala-int.org/article.asp?reference=12242

 

Tags: Palästinensische politische GefangeneMenschenrechtePalästinaIsrael
 

 
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