TLAXCALA تلاكسكالا Τλαξκάλα Тлакскала la red internacional de traductores por la diversidad lingüística le réseau international des traducteurs pour la diversité linguistique the international network of translators for linguistic diversity الشبكة العالمية للمترجمين من اجل التنويع اللغوي das internationale Übersetzernetzwerk für sprachliche Vielfalt a rede internacional de tradutores pela diversidade linguística la rete internazionale di traduttori per la diversità linguistica la xarxa internacional dels traductors per a la diversitat lingüística översättarnas internationella nätverk för språklig mångfald شبکه بین المللی مترجمین خواهان حفظ تنوع گویش το διεθνής δίκτυο των μεταφραστών για τη γλωσσική ποικιλία международная сеть переводчиков языкового разнообразия Aẓeḍḍa n yemsuqqlen i lmend n uṭṭuqqet n yilsawen dilsel çeşitlilik için uluslararası çevirmen ağı

 21/11/2018 Tlaxcala, the international network of translators for linguistic diversity Tlaxcala's Manifesto  
English  
 UNIVERSAL ISSUES 
UNIVERSAL ISSUES / Henri Alleg (1921-2013), Ein vorbildlicher Kommunist und Revolutionär
Date of publication at Tlaxcala: 26/07/2013
Original: Henri Alleg (1921-2013): Um comunista e revolucionário exemplar
Translations available: Español  English  Français 

Henri Alleg (1921-2013), Ein vorbildlicher Kommunist und Revolutionär

Miguel Urbano Rodrigues (1925-2017)

Translated by  Doris Pumphrey

 

 

Henri Alleg wird am 20. Juli 1921 als Harry Salem in London geboren. Er ist der Sohn jüdischer polnisch-russischer Eltern, die mit ihm bald nach Paris umsiedeln. Mit 18 Jahren geht Henri nach Algerien. Dort schließt er sich der Kommunistischen Partei an. 1951 wird er Herausgeber der Tageszeitung "Alger républicain", die in französischer Sprache erscheint und den Unabhängigkeitskampf der Algerier unterstützt. Mit dem Verbot der Zeitung 1955 durch die französische Kolonialbehörde geht Henri in die Illegalität. Im Juni 1957 wird er verhaftet und erleidet, wie viele algerische Freiheitskämpfer, systematische Folter. Es gelingt ihm einen Bericht über die Verhörmethoden der französischen Besatzungskräfte aus dem Gefängnis zu schmuggeln. Als Buch erscheint dieses Zeugnis 1958 unter dem Titel La Question (Die Folter). Trotz Verbots findet es schnell weite Verbreitung in Frankreich und trägt ganz wesentlich dazu bei, die öffentliche Meinung gegen den Kolonialkrieg Frankreichs zu mobilisieren. In viele Sprachen übersetzt macht es Henri Alleg international bekannt.

Neben seinem politischen Engagement schreibt Henri Alleg noch viele Bücher und große politische Reportagen über andere Länder, die er später bereist. 2005 erscheint seine Autobiographie "Mémoire algérienne" (Algerische Erinnerung), die von der Presse in Frankreich als literarisch-politische Sensation gefeiert wird.

Trotz aller Enttäuschungen und Niederlagen im anti-kolonialen und anti-imperialistischen Kampf und des Zusammenbruchs der sozialistischen Staatengemeinschaft, haben Henri und seine Frau und Kampfgenossin Gilberte die Hoffnung nie verloren. Am Ende seiner "Mémoire algérienne" schreibt er: "Der Weg war noch nicht zu Ende. Sein Ziel war nur in weitere Ferne gerückt, schmerzhafter und schwieriger zu erreichen, als wir geglaubt hatten. Aber wir wussten auch, dass wir niemals das Wichtigste und Faszinierendste aufgeben können, das unser Leben ausgemacht hat und weiterhin ausmacht: An der Seite von Millionen anderer Menschen den Kampf weiterzuführen, den säkularen Kampf der Ausgebeuteten, der Unterdrückten, der 'Verdammten dieser Erde', damit endlich eine andere Welt geschaffen wird, eine Welt echter Freiheit und echter Brüderlichkeit."

Henri und Gilberte engagierten sich bis zuletzt gegen die imperialistischen Interventionen und Kriege und die Lügen, die diese zu rechtfertigen suchen, gegen die Anmaßung des Westens den Ländern des Südens den Weg vorschreiben zu wollen und die Missachtung ihrer Souveränität, für die Befreiung der Palästinenser von der israelischen Besatzung, für Mumia Abu Jamal….

Am 17. Juli 2013, kurz vor seinem 92. Geburtstag starb Henri Alleg.- Doris Pumphrey

 
Henri Alleg (1921-2013),
Ein vorbildlicher Kommunist und Revolutionär
von Miguel Urbano Rodrigues
 
Ich hatte mit der Nachricht vom Tod Henri Allegs gerechnet.
Henri verstarb gestern, am Mittwoch den 17. Juli. Aber eigentlich hatte er schon letztes Jahr aufgehört zu leben, nach einem Schlaganfall während seines Urlaubs auf einer griechischen Insel. Die Schädigung seines Gehirns war so schwer, dass es keine Hoffnung mehr auf Heilung gab. Er war halbseitig gelähmt und verbrachte die letzten Monate in einer Klinik, in einem fast vegetativen Zustand. Er konnte seine Kinder noch erkennen und ein paar Worte sprechen, aber seine Sprache war konfus.
 
Es fällt mir schwer, die tiefe Freundschaft, die mich mit diesem Mann verband, zu beschreiben.
 
Im Alter von 90 Jahren verbrachte er eine Woche mit mir und meiner Lebensgefährtin in Vila de Gaia. Dann hielt er an der Volksuniversität von Porto einen Vortrag über Algerien und die Ereignisse, die den Islam in Afrika erschüttert hatten. Seine Geschichtskenntnis und die Klarheit seiner Gedanken beeindruckten alle Zuhörer.
 
Ich habe ihn bewundert, seitdem ich ihn zum ersten Mal 1986 in Bulgarien bei einem internationalen Kongress traf. Die Empathie, die wir sofort empfanden, öffnete die Tür zu einer Freundschaft, die über die Jahre immer tiefer wurde.
 
Nach der Revolution in Portugal (25. April 1974) war Henri Korrespondent der l’Humanité in Lissabon. Zu jener Zeit hatten wir nicht die Möglichkeit uns kennenzulernen. Aber in den letzten 25 Jahren kam er oftmals nach Portugal. Der Verlag Caminho hatte drei seiner Bücher verlegt – "SOS América", "O Grande Salto Atrás" und "O Seculo do Dragão" ("SOS Amerika", "Der große Sprung zurück" und "Das Jahrhundert des Drachens") – und der Verlag Mareantes hatte die portugiesische Übersetzung von "La Question" ("Die Folter") übernommen, das Buch, das ihn berühmt gemacht und dazu beigetragen hatte, das Ende des algerischen Unabhängigkeitskrieges von Frankreich zu beschleunigen.

Das Buch "La question" wurde verboten und in den Buchhandlungen beschlagnahmt, wie hier in Bayonne


Henri liebte Portugal, vor allem das Alentejo und das linke Ufer des Guadiana Flusses. Und er bewunderte die Kommunistische Partei Portugals. Er nahm an verschiedenen internationalen Tagungen in Portugal teil. Während eines seiner Aufenthalte in Lissabon wurde er vom Ausschuss für Außenpolitik der portugiesischen Nationalversammlung eingeladen, um mit Abgeordneten aller Parteien über die großen Probleme der Gegenwart zu diskutieren. Später applaudierte ihn die Plenarversammlung.
 
Ich erinnere mich an das außergewöhnliche Interesse, das ihm bei seinen Reisen nach Brasilien und Kuba, bei denen ich ihn begleitete, entgegengebracht wurde.
 
Die Vielschichtigkeit meiner Bewunderung für Henri inspirierte mich mehr über ihn und seine Bücher zu schreiben, als ich je über einen anderen Autor schrieb. Da die Artikel in meinen Büchern und in Publikationen in vielen Ländern erschienen, erspare ich mir hier die Wiederholung.
 
Ich erinnere mich, dass mich die Lektüre von "La Grande Aventure d'Alger Républicain" ("Das große Abenteuer der Alger Républicain") so sehr schockierte – das ist die richtige Beschreibung – dass ich auf einer Konferenz vorschlug, dieses Buch zur Pflichtlektüre des Journalistenstudiums auf der ganzen Welt zu machen.
 
Was machte Henri so besonders in meinen Augen?
 
Wenn ich mir die Faszination überlege, die dieser Mann in mir auslöste, so wird mir klar, dass sich meine Bewunderung in der Stärke seiner ideologischen Überzeugung, dem spartanischen Mut und einer selten anzutreffenden Ethik, begründet.
 
Mehr als einmal sagte ich ihm, dass er in mir das Bild eines Bolschewiken von 1917 hervorruft.



Henri Alleg, von
Mustapha Boutadjine

 
Henri war für mich das Sinnbild des reinen und fast perfekten Kommunisten. Ich habe niemand anderen getroffen, mit dem ich mich so sehr identifizieren und harmonisieren konnte im Streit der Ideen.
 
Es ist bedauerlich, dass "Mémoire Algérienne" ("Algerische Erinnerung") nicht ins Portugiesische übersetzt wurde. In diesen Memoiren – die viel mehr sind als das – gibt Henri in den letzten Kapiteln dem Leser einen Einblick in das Leiden eines Kommunisten, der nach der Unabhängigkeit erfahren muss, wie schnell die Führer der FLN die Prinzipien und Werte verraten, die die algerischen Revolutionäre zum Sieg über den französischen Kolonialismus geleitet hatten. Henri zahlte einen hohen Preis für seine Glaubwürdigkeit: Weil er sich mit der Zeitung Alger Républicain von den Machthabern distanzierte, wurde diese von Houari Boumedienne, dem Held des Unabhängigkeitskampfes, verboten.
 
Er zahlte auch einen hohen Preis in Frankreich, wo er nach seiner Rückkehr aus Algerien Redaktionschef der l'Humanité wurde, dem Organ des Zentralkomitees der französischen KP. Von Anfang an verurteilte Henri Alleg die Welle des Eurokommunismus, die u. a. die französische, italienische und spanische KP ergriff. Er kritisierte offensiv die Strategie, die die KPF zur Regierungsbeteilung mit den Sozialisten führte, die eine neoliberale Politik verfolgten.
 
In seinem brillanten Buch über den Zusammenbruch der UdSSR und die Wiedereinführung des Kapitalismus in Russland, kritisierte jene Intellektuellen aufs Schärfste, die den Marxismus abstreiften, um in einer schnellen Metamorphose zu Apologeten des Kapitalismus zu werden und anti-sowjetische Positionen zu verteidigen. Weil er die Richtung, die der KPF aufgezwungen wurde, für unvereinbar hielt mit den revolutionären Traditionen einer marxistisch-leninistischen Partei, verschonte Henri auch nicht den Generalsekretär seiner eigenen Partei, Robert Hue, mit seiner Kritik. Aber im Gegensatz zu einigen anderen Genossen, blieb er als kommunistischer Aktivist in der Partei.
 
Ich hatte das Glück mitzuerleben, welch großer Respekt Henri entgegenströmte, wenn er auf Veranstaltungen der Kommunisten in Frankreich sprach. Ich bemerkte, dass selbst die führenden Politiker, die er kritisierte, ihn wegen seiner Klarheit, seinem Scharfsinn und der Würde seiner kritischen Sprache bewunderten.
 
Trotz seiner fragilen Gesundheit in den letzten Jahren hatte er Fernsehauftritte, reiste er nach Portugal und besuchte Algerien, wo er mit Enthusiasmus und Begeisterung empfangen wurde. Die Konferenzen, die Henri in den USA mit Kommunisten und fortschrittlichen Wissenschaftlern abhielt, waren gekennzeichnet durch außergewöhnlich tiefgründige ideologische Debatten. Und bis kurz vor seinem Schlaganfall reiste er auf Einladung von kommunistischen Verbänden und anderen Organisationen zu Veranstaltungen quer durch Frankreich. Vor allem Jugendliche begrüßten ihn mit großer Zärtlichkeit und Bewunderung.
 
Der Tod seiner Frau, Gilberte Serfaty, 2010 war für ihn ein vernichtender Schlag. "Ich habe keine Freude mehr am Leben" antwortete, als ich ihn nach der Last der Einsamkeit fragte. Sie war Algerierin und eine außergewöhnliche Kommunistin. Sie hatte eine wesentliche Rolle bei der Organisierung seiner komplizierten Flucht aus dem französischen Gefängnis in Rennes gespielt, wohin er aus Algerien verlegt worden war.
 
Bei meinen Besuchen in Frankreich erfuhr ich die Gastfreundschaft in ihrem Haus in Palaiseau, einem Pariser Vorort. Henri war ein Gourmet und hervorragender Koch und er empfing mich mit wahren Festessen, mit Couscous und algerischen Weinen.
 
Das gemeinsame Abendessen bei meinem letzten Besuch in Palaiseau vor seiner Krankheit, ist mir unvergesslich. Wir waren zu fünft: meine Lebensgefährtin und ich, Henri, Gilberte und ihr Sohn, Jean Salem, ein marxistischer Philosoph von internationalem Ansehen. Ich erinnere mich, wie wir an diesem Abend über den Zustand der Welt sprachen. Henri strahlte Energie aus. Entrüstet über den desolaten Zustand der Menschheit, sprach er über die Zukunft – hoffnungsvoll wie ein junger Bolschewik.
 
Ich kann nur wiederholen: Henri Alleg war ein vorbildlicher Revolutionär und Kommunist.
 
Vila Nova de Gaia, July 18, 2013
 
 

 





Courtesy of Tlaxcala
Source: http://www.odiario.info/?p=2950
Publication date of original article: 19/07/2013
URL of this page : http://www.tlaxcala-int.org/article.asp?reference=10221

 

Tags: Henri AllegKommunistische Partei FrankreichsAlgerienFrankreichKommunisten
 

 
Print this page
Print this page
Send this page
Send this page


 All Tlaxcala pages are protected under Copyleft.